<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?>
<rss xmlns:taxo="http://purl.org/rss/1.0/modules/taxonomy/" xmlns:rdf="http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#" xmlns:itunes="http://www.itunes.com/dtds/podcast-1.0.dtd" version="2.0" xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:trackback="http://madskills.com/public/xml/rss/module/trackback/">
  <channel>
    <title>Heimat</title>
    <link>http://www.startblatt.net/blogs/heimat/</link>
    <description>Wer, was oder wie und vor allem wo ist Heimat? Ist Heimat ein feststehender Ort oder ein Gef&#252;hl, eine Hoffnung, eine Sehnsucht, ein subjektives Empfinden? Oder ist Heimat nichts weiter als eine nationalistische Worth&#252;lse und bedrohliche Ausgrenzung? Wann und wo spricht man/frau von Heimat? Wo endet Heimat?</description>
    <language>en-US</language>
    <ttl>60</ttl>
    <generator>http://www.sporkmonger.com/projects/feedtools/</generator>
    <item>
      <title>Heimat - sehr pers&#246;nlich</title>
      <link>http://www.startblatt.net/blogs/heimat/heimat---sehr-persoenlich</link>
      <dc:creator>call 1.0 Heimat</dc:creator>
      <content:encoded>
        <![CDATA[<p>Für mich bedeutet „Heimat“ den Ort, an den es mich zu der jeweiligen Zeit immer wieder hinzieht. Mit dem Begriff verbinde ich das Gefühl, mich geborgen und zu Hause zu fühlen. Es ist der Ort, an dem ich im Katastrophenfall Zuflucht suchen würde.</p>


	<p>Ich war im Jahr 2001 eine Zeitlang beruflich in Irland und habe mich in Dublin sehr wohl gefühlt und viele äußerst nette Menschen kennengelernt. Der Aufenthalt war von Beginn an als zeitlich begrenzt geplant. Ich könnte mir aber in Anbetracht der ausgesprochen freundlichen Art der IrInnen durchaus vorstellen, für längere Zeit in Irland „heimisch“ zu werden. Solange jedoch Teile der engeren Familie in Deutschland bleiben, könnte ich Irland nie als wirkliche „Heimat“ bezeichnen und empfinden.</p>


	<p>Dies wurde mir überdeutlich am „9/11“, dem Tag der Anschläge in New York. Da niemand wusste, ob der amerikanische Präsident mit Bedacht reagieren würde, überlegte ich ernsthaft, vorzeitig nach Deutschland zurückzukehren. Mich zog es also im ersten Moment „zurück in die Heimat“ zu meiner Frau und Familie. Die Vernunft siegte, und ich blieb glücklicherweise trotz aller Befürchtungen.</p>


	<p>Trotz des Erkennens, wo meine Heimat lag und heute noch liegt, drehe ich mich auch heute nach acht Jahren noch jedes Mal automatisch um und freue mich sehr, wenn ich jemanden in irischem Dialekt sprechen höre. Auch überkommt mich bei jedem Irish Pub den ich sehe ein sehr vertrautes Gefühl. Mir wird dann ob der guten Erinnerungen an Land und Leute jedes Mal warm ums Herz.</p>


	<p>Wie sehr ich schon in Irland „heimisch“ geworden war, wurde mir am Tag meiner Abschiedsfeier deutlich, als ich quasi „geadelt“ wurde. Als Deutscher war ich es gewohnt, dass derjenige, der zur Reise aufbricht und eine Abschiedsparty gibt, für die Getränke der Gäste aufkommt. Ganz anders unter den IrInnen! Jeder zahlte sein „Pint“ selbst und ich hatte keine Gelegenheit, jemanden einzuladen und auf die schöne gemeinsame Zeit in Dublin zu trinken.</p>


	<p>Als ich mich erkundigte, warum sich niemand von mir einladen lies, wurde ich aufgeklärt: <em>„Wenn jemand von uns in die Fremde geht und wir auf ihr/sein Wohl trinken, dann bezahlen diejenigen die bleiben ihre Getränke selbst. Die-/Derjenige, der in ein neues Leben aufbricht, wird sein ganzes Geld benötigen, um sich an seinem Ziel ein neues Leben aufzubauen“</em>. So wurde ich am letzten Tag meiner Zeit in Dublin endgültig aufgenommen in den Kreis der IrInnen, was ich bis heute als große Ehre betrachte.</p>


	<p>Seitdem bin ich sowohl in Deutschland als auch in Irland „zu Hause“, meine Heimat aber ist bis heute in Deutschland geblieben.</p>]]>
      </content:encoded>
      <pubDate>Mon, 22 Sep 2008 21:33:04 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="true">http://www.startblatt.net/blogs/heimat/heimat---sehr-persoenlich</guid>
    </item>
    <item>
      <title>Heimatliebe</title>
      <link>http://www.startblatt.net/blogs/heimat/heimatliebe</link>
      <dc:creator>call 1.0 Heimat</dc:creator>
      <content:encoded>
        <![CDATA[<p>Um sich nicht gleich vorhab in einem solchen komplexen Thema zu verlaufen, soll hier zunächst die lexikalische Definition von Heimat zitiert sein:</p>


	<p><em>&#8220;Heimat, subjektiv von einzelnen Menschen oder kollektiv von Gruppen, Stämmen, Völkern, Nationen erlebte territoriale Einheit, zu der ein Gefühl besonders enger Verbundenheit besteht. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist Heimat zunächst auf den Ort (auch als Landschaft verstanden) bezogen, in den der Mensch hineingeboren wird, wo die frühen Sozialisationserlebnisse stattfinden, die weithin Identität, Charakter, Mentalität, Einstellungen und schließlich auch Weltauffassungen prägen. Insoweit kommen dem Begriff grundlegend eine äußere, auf den Erfahrungsraum zielende, und eine auf die Modellierung der Gefühle und Einstellungen zielende innere Dimension zu, die (zumal der Begriff Heimat zunächst mit der Erfahrung der Kindheit verbunden ist) dem Begriff eine meist stark gefühlsbetonte, ästhetische, nicht zuletzt ideologische Komponente verleihen.&#8221;</em> (Meyers Lexikon<sup><a href="#fn1">1</a></sup>)</p>


Hier wird Heimat als etwas ebenso Subjektives wie scheinbar Universelles dargestellt. Heimat ist ein Ort, sie ist ein Netzwerk von festgefügten Beziehungen und Hierarchien, sie stiftet Identität und ist sogar charakterbildend. Heimat ist sozusagen der unerschütterliche Fels der Ordnung in der Brandung einer aus den Fugen geratenen Welt. Trotz der diffusen Begrifflichkeit ist Heimat demnach eine radikale Vereinfachung komplexer Sachverhalte und offenkundig eine in die Vergangenheit projizierte ideale Vorstellungswelt. Doch halt, das wäre ja wieder viel zu undifferenziert gesehen, denn außer der Meyerschen Definition von Heimat wird diese ja auch noch mit einer Reihe von Attributen versehen, um sie verständlicher zu machen. So gibt es die politische Heimat, die geistige Heimat, sogar die Wahlheimat, wobei diesem letzteren Begriff so etwas wie der Menetekel anhaftet, mit der Heimat würde man sozusagen wie mit der Erbsünde geboren und könnte sich ihrer nur durch einen willentlichen purgatorischen Akt der Selbstreinigung entledigen. Merkwürdigerweise hat aber die Heimat ansonsten in der religiösen Folklore keinen gar so großen Stellenwert, denn es ist nicht überliefert, dass der Teufel im Unterschied zur Seele um diese jemals einen Pfifferling gegeben hätte. Dennoch haftet demjenigen, der zur Heimat und den damit zusammenhängenden Idealisierungen nur einen äußerst losen Bezug hat, etwas von einem Peter Schlemihl an. Ich persönlich finde aber nichts dabei, wenn etwa in einem Atemzug gesagt wird, Amerika ist die Heimat der Kartoffel und von George Bush, außer es implizierte etwaige charakterbildende Eigenschaften der ersteren.
Um aber zur Wahlheimat zurückzukehren, so signalisiert sie doch zumindest eine vorsichtige Abkehr von der Vorstellung, sie hafte einem sozusagen unwiderruflich wie ein Schatten an. An der Vorstellung eines ziemlich engen Korsetts wird dabei allerdings nicht gerüttelt. Die Juxtaposition dieses Heimatbegriffs lautet: &#8220;Meine Heimat bin ich selbst!&#8221; Diesen Ausspruch hörte ich vor vielen Jahren von einem, dem die Heimat als physischer Ort abhanden gekommen und durch politische Veränderungen gefühlsmäßig entfremdet worden war. Was oberflächlich also manchen als irriterend oder provokant erschienen haben mag, war letztlich nur die Verlagerung eines sakrosankten Bereichs vom Äußeren ins Innere, ein Abwehr- und Schutzmechanismus. Beidem liegt aber derselbe meines Erachtens atavistische Heimatbegriff zugrunde. Denn die Heimat gibt es für mich schlichtweg nicht, es gibt nicht nur einen Ort im Leben, dem ich mich in der Vergangenheit einmal besonders verbunden gefühlt habe und es gibt nicht nur eine geografisch, geistig, emotional, intellektuell begrenzte Gruppe von Menschen, welche mich geprägt haben und denen ich mich dann und wann zugehörig fühlte. Und ich sehe diese Vielfalt von Beziehungen, die in die Nähe des Begriffs Heimat gerückt werden könnten, auch nicht als etwas Vergangenes und Abgeschlossenes. Vielmehr sehe ich Heimat als etwas in die Zukunft Gerichtetes, als das Potenzial zu unmittelbaren Gefühlen, Einsichten und Erfahrungen. Ich erlebe also Heimat als eine Art Raum mit unzähligen Türen, die alle nur darauf warten, von mir geöffnet zu werden. In diesem Sinne liebe ich Heimat. Jeden Tag ein wenig mehr.
<hr />
	<p id="fn1"><sup>1</sup> <em>Quelle: http://lexikon.meyers.de/index.php?title=Heimat&#38;oldid=155207, zugegriffen am 11.07.2008.</em></p>]]>
      </content:encoded>
      <pubDate>Fri, 11 Jul 2008 11:27:21 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="true">http://www.startblatt.net/blogs/heimat/heimatliebe</guid>
    </item>
    <item>
      <title>Hansj&#246;rg, 59: Vom ehrlichen Berggipfel</title>
      <link>http://www.startblatt.net/blogs/heimat/hansjoerg-59-vom-ehrlichen-berggipfel</link>
      <dc:creator>call 1.0 Heimat</dc:creator>
      <content:encoded>
        <![CDATA[<p>by <a href="http://www.startblatt.net/redakteur/1136">Hansjörg Baumann</a></p>


	<p>Ein herrlicher Herbsttag, ich sitze am Buchensteinwandgipfel direkt neben dem Gipfelkreuz. Mein Blick richtet sich zu den greifbaren Loferer-Steinberger, Steinplatte, Fellhorn, Wilder Kaiser, Kitzbühlerhorn, Karstein, Wildseeloder, Spielberg und weit entfernt unser größter Berggipfel unserer Heimat, der Großglockner. Es ist ruhig, im Hintergrund zwitschern die Bergdohlen und Spatzen, ist das meine Heimat?</p>


	<p>Die Giselbahn durchschneitet den Talkessel von St. Johann bis nach Hochfilzen. Mein Blick richtet sich in die Dörfer von St. Ulrich am Pillersee, St. Jakob, Hochfilzen, Fieberbrunn und St. Johann in Tirol. Der Pillersee strahlt seine Schönheit aus, es ist ruhig! Ich fühle mich wohl, sehe keine Menschen. Im Tal surren die Autos, Traktoren und Betriebsgeräusche.</p>


	<p>Was machen die Menschen? Gehören diese alle zur Heimat! Ja, nein! Viele mit ja, aber auch viele mit nein! Die Geldhungrigen und Machthaber zerstören meine Heimat vom schönen Blick, vom ehrlichen Berggipfel, die Buchensteinwand.</p>


	<p>Meine Heimat, die Natur – die andere Heimat, die Menschen, sind sie alle so ruhig, ehrlich und schön wie mein Berggipfel?</p>]]>
      </content:encoded>
      <pubDate>Mon, 17 Dec 2007 20:55:36 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="true">http://www.startblatt.net/blogs/heimat/hansjoerg-59-vom-ehrlichen-berggipfel</guid>
    </item>
    <item>
      <title>Imelda, 59 Jahre: Meine Heimat ist mein "Landl"</title>
      <link>http://www.startblatt.net/blogs/heimat/imelda-59-jahre-meine-heimat-ist-mein-landl</link>
      <dc:creator>call 1.0 Heimat</dc:creator>
      <content:encoded>
        <![CDATA[<p>by <a href="http://www.startblatt.net/redakteur/2467">Imelda Baumann</a></p>


	<p>Es gibt nichts Schöneres auf der Welt als mein Heimatland Österreich! Ich liebe meine vielfältige wunderschöne Bergwelt mit den vielen Almen und Hütten, Tälern, Schluchten, Flüssen und Badeseen. Es ist bei jedem Wetter ein Genuss! Hat es ein Radlwetter geh ich Radeln, hat es ein Tenniswetter, spiele ich Tennis, hat es ein Badewetter, gehe ich schwimmen, hat es ein Regenwetter, dann kommt der Haushalt auch nicht zu kurz. Also was will man mehr? Ich bin eine einfache Hausfrau und liebe die Heimat so wie sie ist.</p>


	<p>Ab und zu mache ich auch mit dem Auto oder Zug kleine Ausflüge. Unser Land ist so wunderschön und interessant, es gibt immer wieder etwas Neues zu sehen oder zu erleben. Ist unser “Landl” nicht vielfältig wunderbar und schön? Ich liebe die vier Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Sie zeigen uns, dass es auch in der Natur ein Kommen und Gehen gibt, so wie bei Mensch und Tier.
Jetzt haben wir tiefen Winter. Viele Tiere machen einen Winterschlaf. Ich schätze auch die vielen alten Bräuche in meiner Heimat. Heute ist 4. Dezember, Barbaratag, der Tag der Bergleute. Kirschenzweige stecke ich in eine Vase und stelle sie ans warme Fensterbrett, sie sollen ja zu Weihnachten blühen! Es ist jedes Jahr eine Überraschung. Ein alter Brauch ist vom 4. bis 6. Dezember das Krampuslaufen (Klaubauf), am 6. Dezember der Nikoloeinzug, dann das Anklöpfeln und die Herbergsuche, das bis Weihnachten dauert. In der Adventzeit soll auch ein Adventkranz seinen Platz finden.</p>


	<p>Ja, der tiefe kalte Winter dauert oft sehr lang und Mensch und Tier sehnt sich nach dem Frühling. Für mich ist der Frühling wie ein neuer Lebensanfang. Auch unsere schöne Natur erhohlt sich schnell von der rauhen Jahreszeit und alles fängt wieder zu wachsen und zu blühen an. Der Sommer ist bei mir die beliebteste Zeit. Ich liebe die langen warmen Tage. Morgens werde ich oft mit einem vielfältigen wunderschönen Vogelgezwitscher geweckt. Ist das nicht wunderschön? Die goldene Zeit ist der Herbst. Die bunten Blätter fallen von den Bäumen und der Wald verfärbt sich goldfarbig. Jeder Herbst ist ein Naturerlebnis. Die Erntezeit ist sehr vielfältig und wird mit dem Erntedankfest beendet. Auch die Sommervögel sammeln sich und fliegen in den Süden. Jeder Sonnenstrahl erweckt in mir neue Energien, egal in welcher Jahreszeit!</p>


	<p>Unsere schöne Heimat muss man “sehen”, erleben und nicht zu vergessen sind die vielen schönen geschützten Alpenblumen, Sträucher, Edelweiß, Enzian, Arnika, das Gamsblümlein und die roten Alpenrosen.</p>


	<p>Ich bin eine Hausfrau und liebe meine Heimat sehr. Ich danke dem Hergott jeden Tag dafür: Meine Heimat ist mein “Landl”.</p>]]>
      </content:encoded>
      <pubDate>Mon, 17 Dec 2007 20:39:48 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="true">http://www.startblatt.net/blogs/heimat/imelda-59-jahre-meine-heimat-ist-mein-landl</guid>
    </item>
    <item>
      <title>Heimat &#8211; Heimatlosigkeit &#8211; Exil</title>
      <link>http://www.startblatt.net/blogs/heimat/heimat--heimatlosigkeit--exil</link>
      <dc:creator>call 1.0 Heimat</dc:creator>
      <content:encoded>
        <![CDATA[<p>by <a href="http://www.startblatt.net/redakteur/2464">Margarete Schleich</a></p>


	<p>Was ist „Heimat“? Diese Frage scheint auf den ersten Blick einfach zu beantworten zu sein. Bei intensiverer Beschäftigung mit diesem Thema begreift man erst die Komplexität, die der Begriff „Heimat“ in sich birgt und dass es gar nicht einfach ist, diesen zu definieren. Trotz-dem sei ein Versuch in diese Richtung unternommen. Vorweggenommen werden muss, dass Heimat nicht mit Vaterland gleichzusetzen ist, das zwar auch Zugehörigkeit zu einem gewis-sen Land, seiner Kultur und Sprache bedeutet, aber immer Sinne von Zugehörigkeit zu einem bestimmten Staat, einer bestimmten Nation.</p>


	<p>Heimat ist zunächst einmal ein geographischer Raum, dem man durch Geburt angehört und dem man durch Tradition oder Lebensumstände verbunden ist. Diese Verbundenheit ist nicht nur eine nüchtern-sachliche Beziehung, sie ist viel mehr ein von Gemüt, Gefühl und innerer Zugehörigkeit bestimmter Faktor. Das impliziert, dass Heimat auch die Familie, der Beruf, eine Partei, eine Gruppe sein kann, der man sich zugehörig fühlt. Daher ist Heimat ein komplexer Begriff, der mit Milieubeziehung und sozialer Verbundenheit mit einer bestimmten Kultur und Sprache, mit Sitten und Gebräuchen und deren Pflege zu tun hat.</p>


	<p>Diese gefühlsmäßig bestimmten inneren Beziehungen drücken sich in Heimatgefühl, Heimat-liebe, Heimatbewusstsein und Heimattreue aus. Die stärkste Ausprägung ist das Heimweh, von dem derjenige erfasst wird, der fern der Heimat leben muss, also ein Heimatloser ist.</p>


	<p>Heimatliebe und Heimattreue sind in hohem Maße im bäuerlich-dörflichen Milieu und in Kleinstädten anzutreffen. Heimat bedeutet aber auch Polarität von vertrauter eigener Welt einerseits und fremder Welt andererseits – Polarität zwischen dörflicher Idylle und abweisen-der, fremder Großstadt; fremd im Sinne von Bedrohung, Entwurzelung und Heimatlosigkeit. Um diesen bedrückenden Befindlichkeiten zu begegnen, muss es gelingen, sich eine zweite Heimat, eine „Wahlheimat“ zu schaffen. Dies geschieht um so eher, je besser man es schafft, sich in dieser anders gearteten sozialen Ordnung einzufügen, soziale Kontakte zu knüpfen und dadurch „heimisch“ zu werden.</p>


	<p>Einen besonderen Stellenwert, um dem Mythos „Heimat“ und „Heimatlosigkeit“ eine Stimme zu geben, nimmt die Heimatdichtung ein. Zwischen 1843 und 1854 entstanden in Deutschland die „Schwarzwälder Dorfgeschichten“ von Berthold von Auerbach. Er schildert die Idylle, die ideale Heimat, die frei ist vom Streben nach materiellem Gewinn und gesellschaftlichem An-sehen. In Österreich sind es in der Zeit des späten Realismus vor allem Ludwig Anzengruber und Peter Rosegger (neben vielen anderen, weniger bekannten), die sich mit der dörflichen Idylle als Heimatideal auseinandersetzten. Diese Art von Literatur, die Trivialliteratur nicht ausgenommen, wie z. B. die „Edelweiß-Romane“, hat sehr viel zur Bildung des Mythos’ von „Heimat“ und Heimatlosigkeit“ beigetragen.</p>


	<p>In den 1950er-Jahren, als die Schrecken des Krieges und das Elend der Nachkriegszeit zu verblassen begannen, waren es Schlager, etwa „Heimatlos“ (gesungen von Fredy Quinn), oder Heimatfilme wie „Försterchristl“ oder „Der Förster vom Silberwald“ und viele andere dieses Genres, die ein neues Heimatbewusstsein schufen, verbunden mit einem Gefühl von Sicher-heit in einer vom Wirtschaftswunder geprägten Welt.</p>


	<p>In den 1960er-Jahren wurde schon heftig am Mythos „Heimat“ gekratzt, man empfand ihn zu sehr belastet vom Nationalsozialismus und seiner „Blut-und-Boden-Kultur“.  Bluejeans und Pettycoat verdrängten Dirndlkleid und Lederhose, „heimatlastige“ Lieder mussten dem Rock `n Roll weichen; mit der 1968er-Revolution ist der Begriff „Heimat“ endgültig gekippt. Eine junge Schriftstellergeneration, Elfriede Jelinek, Peter Turrini, Wolfgang Bauer, Gert Jonke, Barbara Frischmuth, um nur die Bekanntesten zu nennen, hat sich etabliert. Alle be-schäftigten sich auf unterschiedlichste Weise mit ihrer Heimat und diese ist nun keine heile, verkitschte Welt mehr. Franz Innerhofer beschreibt realistisch die bäuerliche Welt; Felix Mit-terer treibt es in seiner „Piefek-Saga“ auf die Spitze, wenn er zeigt, wie von der Tourismus-branche die Heimatklischees bis zum Exzess kommerzialisiert werden.</p>


	<p><strong>Exil</strong></p>


	<p>Wie immer man aber mit dem Begriff „Heimat“ umgehen mag, Tatsache ist, dass auch heute eine Heimat zu haben, für viele Menschen keine Selbstverständlichkeit ist. Dabei hat Heimat-losigkeit viele Gesichter, aber nur eine Bedeutung: außerhalb zu stehen – außerhalb des geo-graphischen Raumes, in den man hineingeboren wurde, außerhalb einer Gruppe, außerhalb des Arbeitsprozesses, außerhalb der Gesellschaft. Zum Mythos wird die Heimatlosigkeit dann, wenn sie überwunden ist und der außerhalb Stehende eine neue Heimat gefunden oder in seine alte zurückgekehrt ist. Das trifft besonders auf Menschen zu, die im Exil leben oder gelebt haben.</p>


	<p>Im Exil leben Menschen, die aus ihrer Heimat vertrieben worden sind oder diese freiwillig verlassen haben. Die Gründe können politischer Natur sein, aber auch Verfolgungen aus reli-giösen Gründen oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten Ethnie können Menschen ins Exil treiben. Besonders schwer haben es Frauen und Kinder im Exil, wenn sie in einem fremden Land, nicht selten unter menschenunwürdigen Umständen leben müssen, oft diskriminiert von einer fremdenfeindlichen Umwelt.</p>


	<p>Exil ist keine Erfindung der jüngern Zeit. Im antiken Athen zwang man jemanden, den man verdächtigte, eine Tyrannis errichten zu wollen, ins Exil zu gehen. Abgestimmt darüber wurde im „Scherbengericht“ (Ostrakismos). Im alten Rom ging jemand ins exsilium, wenn ihm eine Verurteilung drohte; später wurde es auch als Strafe verhängt. Berühmte Opfer dieser Praxis waren z. B. Cicero oder Ovid. Im Laufe der Jahrhunderte traf dieses Schicksal große Herr-scher, Philosophen, Literaten und unbekannte Leute. Einer der berühmtesten Exilanten war wohl Napoleon I., der in der Verbannung auf St. Helena starb. Sein Neffe, Napoleon <span class="caps">III</span>., ging nach seiner Freilassung aus deutscher Gefangenschaft nach der Schlacht bei Sedan (1870) ins Exil nach Großbritannien. Auch ein gewisser Wladimir Iljitsch Uljanow, besser bekannt als Lenin, lebte nach einer gescheiterten Revolution (1905-1907) bis 1917 im Exil in der Schweiz, bevor er mithilfe Deutschlands wieder in seine Heimat zurückkehrte und dort aber-mals an der Spitze einer Revolution stand, die als „Oktoberrevolution“ in Russland keinen Stein auf dem anderen ließ.</p>


	<p>Besonders hart betroffen von Vertreibung, Deportation und Leben im Exil waren die Juden. Im 8. Jh. v. Chr. wurden zahlreiche Israeliten nach der Zerstörung Samarias (722 v. Chr.) nach Assyrien deportiert. Nach der Zerstörung Jerusalems und der “Babylonischen Gefangen-schaft“ im 6. Jh. v. Chr. wird die Diaspora, die „Verstreuung“, zum Schicksal der Juden, ein Schicksal, das bis heute Realität geblieben ist. Sie leben mehr oder weniger gezwungen auf der ganzen Welt in einem dauernden Exil, durch Jahrhunderte Repressalien ausgesetzt und ständig von Vertreibung bedroht. Dieser unselige Kreis schließt sich in der Zeit des National-sozialismus, dessen Ziel die vollständige Vernichtung der Juden war. Millionen starben, aber vielen gelang doch die Flucht in ein neues Exil.</p>


	<p>Immer wieder waren es auch Literaten und Philosophen, die gezwungen waren, im Exil zu leben – seit der Antike bis zur Gegenwart. Sie versuchten schreibend ihre Situation zu bewältigen, haben sich aber auch mit politischen Zuständen auseinandergesetzt. Eine umfangreiche „Exilliteratur“ entstand. Besonders reichhaltig war das Schaffen deutscher und österreichischer Literaten, denen es gelang, sich vor den Verfolgungen der Nationalsozialisten ins Exil zu retten. Nach 1945 kehrten viele in ihre Heimat zurück, andere haben in ihrem Exil eine zweite Heimat gefunden.</p>


<hr />


	<p><strong>Margarete Schleich</strong>, geboren 1942, arbeitete lange Jahre im Pressereferat der <span class="caps">STEWEAG</span> (heute <span class="caps">ESTAG</span>). Heute studiert sie Germanistik und Geschichte an der Karl-Franzens-Universität in Graz. Zur Zeit arbeitet sie an einer Diplomarbeit zum Thema &#8220;Die Volksabstimmung über Zwentendorf&#8221;.</p>]]>
      </content:encoded>
      <pubDate>Mon, 17 Dec 2007 20:06:13 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="true">http://www.startblatt.net/blogs/heimat/heimat--heimatlosigkeit--exil</guid>
    </item>
    <item>
      <title>Heimat findet &#252;berall statt &#8211; am meisten in Tirol - oder ?</title>
      <link>http://www.startblatt.net/blogs/heimat/heimat-findet-ueberall-statt--am-meisten-in-tirol---oder-</link>
      <dc:creator>call 1.0 Heimat</dc:creator>
      <content:encoded>
        <![CDATA[<p>by <a href="http://www.startblatt.net/redakteur/2466">Alfred Rhomberg</a></p>


	<p>Wer den deutschen Heimatfilm kennt, weiß, dass Heimat nur in der Schweiz, Österreich, Bayern und allenfalls in der Lüneburger Heide stattfindet. Daran kann auch die künstlerisch beachtenswerte Fernsehserie „Heimat“, die das Land um Taunus und Eifel beschreibt und der Film „ich denke oft an Piroska“, nichts ändern. Die meisten Menschen verbinden mit dem Begriff „Heimat“ eine Art heiler Welt und sind sich nicht bewusst, dass sie damit ihre eigene kleine Welt von den zahllosen „Unwelten“ (auch „Fremde“ genannt) ausgrenzen. Kennen andere Länder vergleichbare Begriffe? Und &#8211; warum fühlt sich jemand, der als Kind zunächst viele Jahre in Deutschland und später beruflich 30 Jahre in Mannem (= Mannheim) verbracht hatte von jeher als Tiroler &#8211; und ist deshalb nach Tirol zurückgekehrt? Für traditionsbewusste Menschen nicht ganz einfache Fragen, trotzdem versuche ich, mich dem Thema wenigstens ein bisschen zu nähern – mehr als „nähern“ ist bei einem so emotionsbeladenen Begriff wie „Heimat“ ohnehin nicht möglich.</p>


	<p>Zuerst eine kurze Story – 14 Tage nachdem ich von Innsbruck nach Mannheim übersiedelte, wollte ich Polenta kaufen, ein in Deutschland noch vor 30 Jahren kaum lösbares Problem. Edel-Reformhaus oder gar Drogerie/Apotheke? Ich versuchte es zuerst am sehr vielsprechenden Wochenmarkt, von dem ich wusste, dass es dort viele ausländische Verkäufer gab. Der erste Grieche beantwortete meine Frage in fließendem Deutsch: Ich weiß was Sie meinen – Maisgrieß, da gehen Sie am besten zum nächsten türkischen Stand. Der äußerst beschäftigte Türke umarmte mich fast nach meiner Polenta-Frage und sagte herzlich: „Ja &#8211; Du Polenta – ich Türk!“ Gut &#8211; bei einem Türken hätte ich nicht nach Polenta (er verstand Pole) fragen dürfen, ich bekam auch keinen „Maisgrieß“, aber immerhin wusste ich jetzt, dass sich im Ausland sogar Türken und Polen auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner – nicht Deutscher zu sein &#8211; heimatlich verbunden fühlen können. Diese kleine Geschichte zeigt, dass der sehr komplexe Heimatbegriff u.a. damit zu tun haben kann „etwas nicht zu sein“, sie zeigt leider auch, dass beides, nämlich „etwas zu sein“ wie  „etwas nicht zu sein“ andere Menschen grundsätzlich ausgrenzt. Diese Feststellung ist nicht befriedigend, sollte jedoch niemanden davon abhalten, sein wie auch immer geartetes Heimatgefühl zu bewahren, sofern es nicht nationalistisch und durch vergangene Helden geprägt ist.</p>


	<p>In dem sehr nützlichen Internetlexikon <span class="caps">WIKIPEDIA</span> wird der Heimatbegriff so beschrieben:</p>


	<p><em>„Das deutsche Wort Heimat verweist auf eine Beziehung zwischen Menschen und Raum. Allerdings ist die geographisch-historische Eingrenzung der Bezugsräume keine feststehende, sondern situationsbedingt verschiebbar“.</em></p>


	<p>Eine gute, leider jedoch sehr allgemeine Definition – vor allem stören die Worte „situationsbedingt verschiebbar“. Wer sich als waschechter Tiroler fühlt, wird eine solche Verschiebbarkeit nicht akzeptieren – Tiroler sind zwar flexibel und haben im Ausland nicht zuletzt deswegen fast immer Erfolg, sie lassen aber ihren angestammten Heimatbegriff nicht so einfach verschieben. Tiroler lassen sich insgesamt nicht gern ins Ausland verschieben (Tirol ist Tirol), sie fliegen zwar gerne nach Kathmandu (weil es dort auch Berge gibt) oder nach Ägypten (weil es dort keine Berge gibt) – etwas Tirol nehmen sie dabei immer mit auf den Weg, sobald sie die Nordkettenregion verlassen (oder?). Ein Tiroler hat erst dann ein tiefergehendes Weltbild, wenn er seine Heimat für etwas längere Zeit verlassen hat – sonst bleibt das Weltbild auf Sport, Theater und durchaus auch Kultur im weiteren Sinne eingeschränkt. Natürlich mag das auch für andere Regionen gelten – für Niederländer gilt es jedenfalls nicht, Holländer haben ein kosmopolitischeres Weltbild – vermutlich weil das umgebende Wasser keine den Bergen vergleichbare Schutzzone bietet.</p>


	<p>Schwieriger sind andere Regionen und Nationen zu beurteilen. Italiener haben einen ausgeprägten Heimatsinn, der sich u.a. ganz besonders auf Essensgewohnheiten bezieht &#8211; sie nehmen, wenn sie im Wohnwagen nach Deutschland auf Urlaub fahren eigene Spaghetti und olio olive vergine mit, auch Engländern traut man Vergleichbares zu (Tee statt Spaghetti). Fast alle Franzosen schwärmen liebevoll von Paris, auch wenn sie aus der Bourgogne kommen, Dijon als Hauptstadt der Bourgogne folgt dann unmittelbar danach. Einen hübschen Heimatbegriff enthält der Text „Douce France“ (Charles Trenet), besungen im gleichnamigen Chanson von Juliette Greco, der Text geht weiter mit „cher pays de ma enfance“. Diese Worte (süßes Frankreich, teures Land meiner Kindheit) treffen den uns geläufigen Heimatgedanken schon eher, denn Heimat hat offenbar sehr viel mit (angenehmen) Kindheitserinnerungen zu tun. Ein Wiener ist allerdings zuerst immer Wiener &#8211; gleichgültig ob er eine angenehme oder unangenehme Kindheit hatte und nach weiteren Fragen – outet er sich dann etwas zögernd auch als Österreicher. Nicht nur in diesem Punkt unterscheiden sich die Österreicher. Ein Innsbrucker fühlt sich zum Beispiel zuerst als Tiroler und nicht als Innsbrucker. Und wie ist das in anderen Ländern? Um diese Frage zu beantworten, muss man mit vielen Ausländern diskutiert haben und anschließend diverse Lexika bemühen (oder besser umgekehrt, denn viele der in Sprachlexika genannten Ausdrücke werden von Ausländern zunächst gar nicht verstanden, sodass man ihnen eine Vielzahl von Worten ihrer eigenen Muttersprache anbieten muss, um zumindest eine gewisse Gesprächsbasis zu haben).  
Im Englischen werden mehrere Begriffe für das Wort „Heimat“ genannt: home, at home, in my country, where I come from, my folks&#8230; es ist nicht so leicht, das richtige Wort zum richtigen Anlass zu finden. Einfacher ist das im amerikanischen Englisch, weil es in den <span class="caps">USA</span> tatsächlich keinen Heimatbegriff gibt. Zwar findet man auch dort den Begriff „home“ – das bedeutet aber nichts anderes als das Haus, in dem man gerade wohnt. Amerikanern gefällt es dort, wo sie arbeiten und Geld verdienen (Detroit, New York, Boston ? – d. h. New York macht doch eine Ausnahme: der erfolgreiche New Yorker hat einen gewissen Snobbismus, der &#8211; ähnlich wie beim englischen Bloomsbury intellectual, als eine Art Heimat aufgefasst werden kann. Seit der Zerstörung des Word Trade Centers gibt es in den <span class="caps">USA</span> neuerdings den Begriff „Home Security“, wobei die Übersetzung „innere Landessicherheit“ doch ziemlich weit vom deutschen Heimatbegriff abweicht – und dann gäbe es noch die illusionäre Wildwestromantik, die mit dem Lied „My home is the ranch“ eine Vergleichsbasis darstellen könnte. Dieses „home“ ist zwar etwas größer als das Haus des Durchschnittsamerikaners, mit unserem Heimatbegriff aber trotzdem nicht vergleichbar, selbst wenn das Areal der Ranch größer wäre als Tirol. 
In Spanien gibt es viele Worte: el pais, la patria, el suelo natal, la tierra, la tierruca. Von allen diesen Begriffen kommen el suelo natal und das familiäre la tierruca dem deutschen Heimatbegriff am nächsten &#8211; auch wenn la tierra die Welt, den Boden – sogar Fußboden – und eben auch „Heimat“ einschließt. Der Versuch, mit Ausländern über dieses Thema zu sprechen, führt zu der Erkenntnis, dass die meisten Länder den Begriff Heimat entweder nicht verstehen, oder dass sich ihre Vorstellung davon deutlich von der unseren unterscheidet.</p>


	<p>Wie man sich dem Thema auch nähern mag, lösen lässt sich das Problem nicht, man landet stets in einem sich überlappenden Dschungel von rassistischen, ethnischen, regionalen, historischen und immer wieder nationalen Gesichtspunkten (letzteres nicht nur bei der älteren Generation, sondern auch bei Jugendlichen der neuen EU-Beitrittsländer). „Heimat“ gehört demnach wohl zu den nicht so seltenen Problemthemen, bei denen man durch Doktorarbeiten dem Ziel nicht näher kommt, sondern sich immer weiter davon entfernt. Das bewies auch eine literaturwissenschaftlich interessante Tagung in Dresden (2006) zu diesem Thema, bei der ein Wissenschaftler (Steffen Hendel/ Halle) den Heimatbegriff in einem literaturwissenschaftlichen Vortrag  <em>„Ich lebe am liebsten am Bahnhof &#8211; Reise und Identität in der fiktionalen Gegenwartsliteratur“.</em>  hinterfragte.</p>


	<p>Die Zukunft des Heimatbegriffs könnte noch komplizierter werden, denn inzwischen mehren sich Anzeichen, dass dieser Begriff neuerdings mit dem noch schwieriger abzuhandelnden Begriff „Natur“ zu verschmelzen droht. Da wären dann wissenschaftliche Abhandlungen mehrerer Jahrhunderte zu studieren – die Frage „Was ist Natur?“ hat schon viele Gelehrte ohne nennenswerten Erfolg beschäftigt. Zusätzlich ist zu befürchten, dass mit dem Naturbegriff auch ökologische Gesichtspunkte das Thema weiter komplizieren könnten. Die Feststellung „ich bin dort zuhause wo die Luft am reinsten ist“ oder „Heimat ist dort, wo es schön ist“ (- selbst wenn ich keine Arbeit habe) ist bis jetzt noch keinem Grünaktivisten über die Lippen gekommen.</p>


	<p>Schließlich gelangt man zu der Erkenntnis: Das einzig Konstante, das den Heimatbegriff zusammenhält, ist wohl die Tatsache, dass dieser Begriff einem stetigen Wandel unterworfen ist. Es gibt jedoch auch Hoffnung – zumindest für ein Europa der ferneren Zukunft: wenn sich die neuen nationalen Wellen der Ostländer etwas abgeflacht haben, könnten kulturelle Gemeinsamkeiten und kulturelle Eigenständigkeiten zu einem neuen Heimatbegriff  heranreifen.</p>


	<p>Wir Österreicher, Bayern und Schweizer wissen es allerdings besser und die Tiroler am allerbesten: Tirol is lei oans, isch a Landl a kloans&#8230; und wer es nicht glaubt, dem ist nicht zu helfen (oder?).</p>


	<p>An dieser Stelle bedarf es eines ergänzenden Nachsatzes zur Rehabilitierung des traditionellen Tiroler Heimatbegriffes: Der Autor ist in Hannover geboren, war als fünfjähriger „Kleinösterreicher“ sechs Monate in Aldrans (bei Innsbruck). In Erinnerung blieben die weißbeschneiten Berge der Nordkette und die Margaritenwiesen im Frühling des Mittelgebirges. Wegen der unvermeidlichen Einschulung musste der Autor nach Deutschland zurück, um dort die Bombenangriffe 1943 und den Einmarsch der Sowjetarmee 1945 im Osten Deutschlands zu überleben. 1946 durfte er nach Innsbruck zurück, um von autoritären – aber gerechten Lehrern so erzogen zu werden, dass er später die Weihen für das Doktorat der Chemie und Philosophie an der Universität Innsbruck empfangen und eine dreißigjährige Berufszeit in Deutschland erfolgreich bewältigen (und überstehen) konnte. Warum sollte ich nicht nach Innsbruck zurückkehren um dem altmodischen Heimatsbegriff jene problematische Hochachtung zu zollen, der mir eine glückliche, wenn auch anstrengende Schul- und Studienzeit erlaubte &#8230; cher pays de ma enfance! Tirol ist auch heute (ohne Andreas Hofer) eine gute Heimat, so wie es viele gute Heimaten gibt.</p>


<hr />


	<p><strong>Alfred Rhomberg</strong> ist promovierter Chemiker und Philosoph. Er arbeitete als Chemiker zuerst bei Royal Dutch Shell, dann im Forschungsmanagement des Pharmakonzerns Boehringer Mannheim (heute Roche Diagnostics). Heute schreibt der freie Publizist über Wirtschafts- und Managementthemen und ist freischaffender Künstler (Computergrafik und Malerei).</p>]]>
      </content:encoded>
      <pubDate>Mon, 17 Dec 2007 19:41:29 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="true">http://www.startblatt.net/blogs/heimat/heimat-findet-ueberall-statt--am-meisten-in-tirol---oder-</guid>
    </item>
    <item>
      <title>Sabine, 45 Jahre: &#220;berall</title>
      <link>http://www.startblatt.net/blogs/heimat/sabine-45-jahre-ueberall</link>
      <dc:creator>call 1.0 Heimat</dc:creator>
      <content:encoded>
        <![CDATA[<p>by <a href="http://www.startblatt.net/redakteur/2465">Sabine Kleist</a></p>


	<p>Heimat bedeutet für mich: Gesundheit eine kleine Wohnung wo ich mich wohlfühle,die individuell auf meine Bedürfnisse zugeschnitten ist und wo ich nach einem Tag harter Arbeit, Stress und Ärger Ruhe und Geborgenheit finde. Dazu einen Partner mit dem ich alle Höhen und Tiefen meistern kann, auch wenn es Probleme gibt, Tiere die mir helfen, die für mich da sind,wenn ich einsam bin, die mich begleiten, wenn ich unterwegs bin und sehr viel Freude bereiten auch wenn es mal Probleme gibt und natürlich mein Patenkind, was mir sehr viel Hoffnung gibt,wo ich das Gefühl habe auch gebraucht zu werden und der mich versteht,obwohl er Ausländer (Afghane) ist und eine andere Religion hat.</p>


	<p>Ich glaube: Heimat ist man selbst und es liegt an jeder einzelnen Person sich Ihre Heimat individuell aufzubauen und auch zu leben bis zum Lebensende.</p>


	<p>Ich habe eine Bekannte von mir gefragt was Heimat für Sie bedeutet. Sie wollte nicht genannt werden und gab mir Ihre Vorstellungen von Ihrer Heimat.
Für Sie bedeutet Heimat,wo ihr Herz ist,ein Ort wo Sie geboren wurde,wo Ihre Eltern,Freunde,Verwandte und Bekannte leben,wo Sie Ihre Kindheit verbracht hat,zur Schule gegangen ist, gearbeitet hat, wo sie sterben und begraben werden möchte.</p>


	<p>Heimat bedeutet daher für mich:</p>


	<ul>
	<li>• Überall wo man sich wohlfühlt (egal ob Land, Stadt, Staat oder Sprache).</li>
	</ul>


	<ul>
	<li>• Überall wo noch Zusammenhalt und Zusammengehörigkeit herrscht.</li>
	</ul>


	<ul>
	<li>• Überall wo noch Menschlichkeit ist.</li>
	</ul>


	<ul>
	<li>• Überall da wo Staatsangehörigkeit, Konfession, und Behinderung anerkannt und akzeptiert wird.</li>
	</ul>


	<ul>
	<li>• Überall wo man dazu gehört (egal ob arm oder reich, ob man ein Haus hat oder einfach nur zur Miete wohnt), beim Sport (egal ob man behindert, blind, oder gehörlos ist).</li>
	</ul>]]>
      </content:encoded>
      <pubDate>Mon, 17 Dec 2007 19:26:52 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="true">http://www.startblatt.net/blogs/heimat/sabine-45-jahre-ueberall</guid>
    </item>
    <item>
      <title>Heimat, alles oder nichts?</title>
      <link>http://www.startblatt.net/blogs/heimat/heimat-alles-oder-nichts</link>
      <dc:creator>call 1.0 Heimat</dc:creator>
      <content:encoded>
        <![CDATA[<p>by <a href="http://www.startblatt.net/redakteur/2463">Elke Peyerl</a></p>


	<p><strong>Heimat als Ursprung:</strong> Die Frage nach <em>Heimat</em> beginnt für mich mit der Frage nach dem eigenen Ursprung. Unsere Mutter, sei es nun die leibliche oder eine Person, die ihre Stelle eingenommen hat, ist es, die uns zum ersten Mal ein <em>heim</em>-eliges_ Gefühl vermittelt. Sie hilft uns, den ersten Schritt in die Fremde, ins Un-<em>heim</em>-liche zu gehen. <em>Heimat</em> als Inbegriff der Urwurzel des eigenen Lebens, als Ort, an dem die Eltern geboren sind, als Kindheitserfahrung, erstmalige Wahrnehmung sozialer und lokaler Umwelt.
Wer niemanden hat, der ihm den Unterschied zwischen <em>Heimat</em> und Fremde vermitteln kann, ist dennoch nicht <em>heimat</em>-los, denn auch er kennt das Gefühl des Vertrauten und jenes des Fremden. Wie macht es sich bemerkbar, dieses Gefühl des Vertrauten, das <em>Heimat</em>-gefühl schlechthin? Viele, fast unbemerkbare Kleinigkeiten sind es, die einem die <em>Heimat</em> erkennen lassen. So hat man etwa „sein“ Kaffeehaus oder ist betroffen, wenn sich jemand bezüglich des Ortes oder des Landes, aus dem man kommt, irrt. Mitunter gibt es etwas in der <em>Heimat</em>, was man dort schöner findet als anderswo und was vielleicht sonst niemand als so schön, so farbenfroh und so unvergleichbar empfindet wie man selbst.</p>


	<p><strong>Heimat als soziales Faktum:</strong> <strong><em>Heimat</em> muss nicht</strong> unbedingt <strong>ortsgebunden sein</strong>, sie kann auch eine „Klasse“ oder „Schicht“ sein, in der man sich be-<em>heim</em>-atet fühlt. Das zeigt sich besonders deutlich, wenn man in einer Gruppe von Menschen ein befremdendes Gefühl spürt, weil sie eine andere, den eigenen Gepflogenheiten konträre Lebensweise an den Tag legt. Eine Polin hat mir einmal gesagt, dass es in ihrem Land eine Definition für Heimat als jenen Ort gäbe, wo Großeltern und Eltern begraben sind. Sie selbst finde aber, dass wir seelisch zu der Nation gehören, in deren Sprache wir denken.</p>


	<p><strong>Fern der Heimat:</strong> Oft zeigt sich <em>Heimat</em> gerade in ihrer Abwesenheit. Man liest dann Bücher über sie, sei es zum Trost oder gerade, um so richtig traurig zu werden und um sich nach ihr sehnen zu können.
Und dennoch gibt es Heimat: ganz ohne Vaterland oder Nation oder Deutschtum.</p>


	<p><em>&#8220;Auf dem Weg zu den Dogon in der Republik Mali lernten wir in Agadez &#8230; mehr als 2000 Kilometer vom Dogonland, den ersten Dogon kennen &#8230; Im Tornister trug er den dicken Band des französischen Ethnologen Marcel Griaule, Les maques Dogon mit sich. Wenn er sich einsam fühle oder traurig, lese er darin, und dann sei er wieder daheim &#8230; (Parin, Paul: Heimat, eine Plombe)&#8221;</em></p>


	<p><strong>Aber auch eine bloße Geste kann <em>Heimat</em> bedeuten.</strong> Man macht, was alle in der Heimat machen, oder man entdeckt in der Fremde eine Handbewegung, die einem vertraut ist, die einem an die Sitten und Bräuche des Da-<em>heim</em>-seins erinnert.</p>


	<p><strong>Selbst Sprache kann Heimat sein</strong>, nämlich dann, wenn man viele tausend Kilometer von Da-<em>heim</em> weg ist und plötzlich Worte hört, die man versteht, Worte, die in der eigenen Muttersprache ertönen und einem plötzlich mehr <em>Heimat</em> fühlen lassen als je zuvor; oder, wenn man feststellt, dass man bestimmte Ausdrücke der eigenen, vertrauten Sprache nicht in eine andere übersetzen kann. Die Suche nach Worten ist nur eine Folge davon. 
<em>Heimat</em> ist in jedem Fall ein <strong>individuelles Phänomen</strong>. Für jeden bedeutet sie etwas anderes. Jeder füllt sie mit anderen Inhalten, sei es nun bewusst oder unbewusst.</p>


	<p><strong>Überall Heimat:</strong> Das Wort <em>Heimat</em> ist auf das deutsche Sprachgebiet beschränkt, doch kennt jede Sprache ein Wort für <em>„Heimat“</em>. Egal, ob der Franzose <em>pays natal</em> oder <em>patrie</em>, der Engländer <em>home</em>, <em>homeland</em> oder <em>native country</em> oder der Italiener <em>terra native</em> bzw. <em>patria</em> dazu sagt, wie <em>Heimat</em> auch immer bezeichnet wird, in jedem Fall spiegelt das Wort die Sichtweise eines Menschen für seine <em>Heimat</em> wider, zeigt, ob er eine <em>Heimat</em> (oder mehrere) in sich trägt oder nicht und woraus sich seine <em>Heimat</em> für ihn zusammensetzt. Es zeigt sogar, wie hoch er sie bewertet und ob er sie für sich selbst überall konstruieren, überall verwirklichen, letztendlich überall leben kann. 
Es kann aber auch ein ganz anderes Wort sein, das für <em>Heimat</em> verwendet wird. Vielleicht ein Name, die Bezeichnung eines Ortes, eines Gefühles oder nur einer Begebenheit, ein Geruch, ein Gedanke, eine Erinnerung, ein Eindruck &#8230; Jeder Mensch trägt &#8211; sei es nun bewusst oder unbewusst &#8211; in seinem Inneren etwas, was er mit seinem persönlichen <em>Heimat</em>-begriff verbindet:</p>


	<p><em>&#8220;Wenn ich Heimat denke, fällt mir der Justi ein&#8230; Seine Eltern sind nach Australien gegangen, da mußte er auch fort. Da mußten wir über Anweisung vom Herrn Direktor alle aufstehen und &#8220;Nun ade mein liebes Heimatland&#8221; singen. Der Herr Direktor hat dirigiert, dem Justi war&#8217;s peinlich, das konnten wir alle sehen, und die Fellner Mitzi hat geweint. Da mußten wir alle weinen. Der Justi hat nicht gewußt, wie ihm plötzlich geschieht, er war sonst nicht auffällig, eher still. Da war mir, als hätte ich die Heimat verloren. (Nöbauer, Christina: Heimat)&#8221;</em></p>


	<p><em><strong>Heimat ist alles oder nichts – die Entscheidung dafür liegt immer im Auge des Betrachters &#8230;</strong></em></p>


<hr />


	<p><strong>Elke Peyerl</strong>, geboren 1968 in Hainburg/Donau ist promovierte Philologin. Sie setzt sich seit ihrer Diplomarbeit sowohl theoretisch als auch praktisch mit dem Thema &#8220;Heimat&#8221; auseinander.</p>


	<p><em>Publikationen</em></p>


	<p>&#8220;Das liegt mir stagelgrün auf!“. Phraseologismen der gesprochenen Sprache in Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und Burgenland in dreißig alltäglichen Redesituationen. Diplomarbeit. 1998.</p>


	<p>„Zur Kunst der Lügenmäuler, Schwindelgeister, Flunkerer und Fabelhanse. Untersuchung zur Beziehung zwischen österreichischen Phraseologismen und Lüge“. Dissertation. 2001.</p>


	<p>&#8220;Heimat in ihrer Pluralität und unseren Sprachen“. In:  Zwischen den HeimatEn. Wien 1999, 51 bis 72.</p>


	<p><em>Projekte</em></p>


	<p>„Zwischen den HeimatEn“</p>


	<p>Alltagsmuseum Schönbach</p>


	<p>„Kind und Frau im Waldviertel“</p>


	<p>Wanderausstellung zum Hofbauer-Jahr</p>


	<p>Wanderausstellung für den Sprachinselverein Wien</p>


	<p>Mostviertler Sagenwerkstatt im Rahmen des Mostviertelfestivals</p>]]>
      </content:encoded>
      <pubDate>Mon, 17 Dec 2007 18:05:58 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="true">http://www.startblatt.net/blogs/heimat/heimat-alles-oder-nichts</guid>
    </item>
  </channel>
</rss>
