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    <title>Igler Reflexe</title>
    <link>http://www.startblatt.net/blogs/rhomberg/</link>
    <description>Igls ist ein Dorf  ca. 300 Meter oberhalb von Innsbruck und seit 1942 als Stadtteil von Innsbruck eingemeindet. Trotz seines Bekanntheitsgrades als Wintersportort und der 1964/ 1976 f&#252;r die Winterolympiaden erbauten Kunsteis-Bob- und Rodelbahn mit regelm&#228;&#223;igen internationalen Rennen, ist Igls ein eher ruhiger, angenehmer Stadtteil &#8211; ohne laute events. Bei meinen Mittelgebirgswanderungen verarbeite ich die positiven und negativen Nachrichten der Welt zu kleinen Sentenzen (Gedankenlyrik), etwas umfangreicheren Essays und Wirtschaftsartikeln, die ich als freischaffender Publizist und K&#252;nstler publiziere. 
In loser Folge werde ich unter dem Titel IGLER REFLEXE Gedanken, Gedankenlyrik und etwas umfangreichere Essays hier ver&#246;ffentlichen. </description>
    <language>en-US</language>
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      <title>Blick auf den See &#8211; 5 Erinnerungen</title>
      <link>http://www.startblatt.net/blogs/rhomberg/blick-auf-den-see--5-erinnerungen</link>
      <dc:creator>Alfred Rhomberg</dc:creator>
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        <![CDATA[<p>Ein See ist ein Stillgewässer mit oder ohne Zu- und Abfluss durch Fließgewässer – genau dieser Definition entspricht der Bodensee (in diesem Fall „mit“ Zu- und Abfluss) &#8211; aber er ist mehr – eine herrliche Oase inmitten dreier sehr unterschiedlicher Länder, die fast die gleiche Sprache sprechen.</p>


	<p>1. Erinnerung: ein Klassenausflug 1950 mit Abendblick auf den See nach der „Besteigung“ des Pfänders &#8211; nur 1064 m hoch aber mit Blick auf 240 Alpengipfel (sagte der Lehrer) &#8211; und der See !!! Meine erste wirkliche Reise nach den sehr unerfreulichen kriegsbedingten Reisen als Bub zwischen Innsbruck, Hannover bis an die Grenzen Polens und das damalige „Protektorat Böhmen“, dessen Rückwandlung zur Tschechei mich fast das Leben kostete.</p>


	<p>2. 1955: Teilnehmer an der Nobelpreisträgertagung in Lindau (nicht als Nobelpreisträger – sondern Student der Chemie im 3.Semester). Abstecher nach Bregenz, die Mainau und Meersburg. Spargelessen in Tettnang. Persönliche Begegnungen und Gespräche mit Otto Hahn, dem Entdecker der Atomspaltung, Butenandt (Entdecker des Östrogens), Fréderic Joliot-Curie, Schwiegersohn von Mdme. Curie, Staudinger (Vorreiter der Polymerforschung), Hevesy (1943 Nobelpreis für Arbeiten über die Anwendung von Isotopen als Indikatoren bei der Erforschung chemischer Prozesse“)</p>


	<p>3. 1958: Teilnahme an der Nobelpreisträgertagung in Lindau (noch immer nicht Nobelpreisträger, sondern Student der Chemie im 9. Semester) – Wieder Begegnungen mit vielen Nobelpreisträgern (Chemiker und Physiker) – und erste Begegnungen mit Studenten Ostdeutschlands, von denen jeder dritte ein Politspitzel war (das sagten uns die ostdeutschen Kollegen auf der Mainau, als sie sich in den Weiten der Blütenpracht unbeobachtet fühlten).</p>


	<p><em>Anm.: Bei diesen Tagungen, die im Gegensatz zu heute, nur etwa 250 – 300 Teilnehmer (einschließlich Studenten) hatten, gab es viele Möglichkeiten zu unvergessenen persönlichen Gesprächen mit den Laureaten. Gemeinsames Frühstück in Lindau, die traditionelle Einladung auf der Mainau von Graf Bernadotte und ein Abschlussabend an welchem Studenten die Nobelpreisträger ihrer Wahl als Tischgast auswählen konnten. Unsere kleine „Innsbrucker Gruppe“ wählte 1955 Prof. Joliot-Curie  – nicht weil uns sein Arbeitsgebiet so interessiert hätte, sondern weil er „Kommunist“ war – für einen Tiroler nicht nur damals hinterfragenswert. Es stellte sich jedoch heraus, dass Professor Joliot-Curie nicht „gefährlich“ war – es gehörte zum guten Ton, als französischer Intellektueller Kommunist zu sein und ebenso selbstverständlich war es, dass französische Intellektuelle (und Künstler wie Ive Montand) sehr schnell die kommunistische Partei verließen, als sich der Kommunismus in Ungarn 1956 (wie schon vorher) von seiner unidealistischen Seite zeigte. Am Ablauf der Lindauer Nobelpreisträgertagungen hat sich bis heute nicht sehr viel geändert – leider sind es heute Massenveranstaltungen mit strengen Auswahlbedingungen.</em></p>


	<p>4. 2005: Tagesausflug nach Bregenz (noch immer kein Nobelpreisträger – wird auch nichts mehr draus) – Erkundung der Oberstadt &#8211; schlechte und gute Erlebnisse in der Gastronomie doch auch das schlechtere Erlebnis wurde zur angenehmen Überraschung – man verlangte keine Rechnung (in Tirol undenkbar!).</p>


	<p>5. 2007: Besuch der Ausstellung von Modellen, Zeichnungen und Videoinstallationen des Schweizer Architekten Peter Zumthor in der von ihm erbauten Kunsthalle.  Die neue Seebühne – schöne Architektur – schöner See!!! <strong>Man kann dort atmen.</strong></p>


	<p>(Alfred Rhomberg)</p>]]>
      </content:encoded>
      <pubDate>Tue, 08 Jul 2008 13:21:58 +0200</pubDate>
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    </item>
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      <title>Welche Farbe tr&#228;gt man in diesem Jahr? &#8211; II</title>
      <link>http://www.startblatt.net/blogs/rhomberg/welche-farbe-traegt-man-in-diesem-jahr--ii</link>
      <dc:creator>Alfred Rhomberg</dc:creator>
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        <![CDATA[<p>Schon zwei Tage nachdem der Beitrag „Welche Farbe trägt man in diesem Jahr?“ geschrieben wurde, kam es zum „Eklat“ – der kein Eklat war, weil er längst vorausgesehen wurde. Was nun? Das im Blogbild angedeutete Farbspiel würde sicher nicht funktionieren – aber was funktioniert dann? Wieder schwarz/ rot mit einer jetzt theoretisch um ein Jahr verlängerten Kerkerhaft von 5 Jahren?  Schwarz/ grün – wird sich nicht ausgehen, ebensowenig wie alle übrigen Farbspiele. Wir sind an einem Punkt angekommen, auf den wir seit längerer Zeit nicht nur in Österreich zusteuern  (Italien-Deutschland-Frankreich-England-Ungarn&#8230;.). Manche Europäer lachen über die Kompliziertheiten der US-Demokratie, die sich doch schon so lange bewährt hat und von der Alexis de Toquille in seinem Buch „The Democracy of Amerika“ so begeistert war nachdem er als junger Mann 1831 die <span class="caps">USA</span> bereiste. Die wesentlichen Ursachen für &#8220;die Altersschwäche europäischer Demokratien&#8221; hatte ich im gleichnamigen Beitrag v. 17.3.2008 beschrieben.</p>


	<p>Österreich wird einige Jahre Trauer auf Kosten der Steuerzahler tragen und die Politiker werden all das kaputt machen, was die Österreicher in den letzten Jahrzehnten aufgebaut hatten.</p>


	<p><strong>Den Deus ex machina gibt es nur im Theater oder in Form von Diktatoren!</strong></p>


	<p>(Alfred Rhomberg)</p>]]>
      </content:encoded>
      <pubDate>Tue, 08 Jul 2008 13:11:13 +0200</pubDate>
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    </item>
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      <title>Welche Farbe tr&#228;gt man dieses Jahr?</title>
      <link>http://www.startblatt.net/blogs/rhomberg/welche-farbe-traegt-man-dieses-jahr</link>
      <dc:creator>Alfred Rhomberg</dc:creator>
      <content:encoded>
        <![CDATA[<p>Dieses Jahr trägt man blau!... sagte die eine Mohnblüte zu ihrer Nachbarin&#8230;. Bist du da so sicher &#8211; ein bisschen orange wird doch wohl noch erlaubt sein? ...Das ist nicht gesagt, du siehst ja wie schmächtig du aussiehst&#8230;.Ich werde wachsen, sagte die orangefarbene Blüte &#8211; aber was macht dich so sicher, dass man in diesem Jahr blau trägt?... Weil wir für alles sind, was das Volk will und gegen alles, was das Volk nicht will. ...Du meinst gegen die EU? ...Nicht nur gegen die EU, auch gegen die vielen Ausländer und gegen alles was nicht national ist&#8230;. Glaubst du wirklich, dass blau die einzige Farbe ist – rot will sich doch jetzt auch beim Volk beliebt machen &#8211; rot denkt plötzlich wieder sehr fest an das Volk und an dessen Abneigung gegen die EU&#8230;..Aber die dürfen doch noch nicht, weil sie ja mit schwarz regieren müssen&#8230;. Ja, ja – schwarz war auch einmal eine schöne Farbe die zu blau passte, heute ist schwarz eher die Farbe von ein paar verquerten Intellektellen, Künstlern und Theaterregisseuren&#8230;.Aber davon sind doch die meisten rot und dann sind sie ja auch wieder für das Volk&#8230;.Du verwechselst da etwas &#8211; ich meine nicht die Kleidung – die Intellektuellen sind überhaupt nicht für das Volk, wie du dir das mit deiner blauen Farbe so vorstellst, die Intellektuellen denken zuerst an sich und auch wenn sie schwarz gekleidet sind, mögen sie schwarz eigentlich gar nicht &#8211; wer schwarz trägt ist doch ganz eindeutig gegen schwarz! Ich meinte die mit schwarzer Gesinnung&#8230;Hm, das habe ich so nicht bedacht. Und wie steht’s mit grün – das wäre doch auch eine schöne Farbe? ...Aber wo denkst du hin – da würdest du dich doch gar nicht mehr von deinem Hintergrund abheben! Und außerdem will das Volk gar nicht so viel grün, das Volk will zwar Bioprodukte und keinen Transitverkehr, aber bezahlen will es dafür nichts – der Benzinpreis ist noch nicht einmal so hoch, wie die Grünen das früher einmal wollten und schon protestiert das Volk – nein aus grün wird in nächster Zeit nichts!... Und was glaubst du wie es weiter geht &#8211; was wird man im nächsten Jahr tragen?...Da kann ich dich beruhigen – vorwiegend blau und zwar nicht erst im nächsten Jahr, vielleicht kommt blau ja schon im Herbst in Mode – rot und schwarz passen farblich einfach nicht zusammen! ...Aber der Bundespräsident trägt doch auch manchmal rote Krawatten zu einem schwarzen Anzug? Na ja, er kann halt nicht ganz aus seiner Haut heraus, genau wie der Schüssel – der trägt gelegentlich auch blaue Krawatten!...Die sind eher türkisgrün &#8211; aber egal, schwarz mit blau passt jetzt auch nicht mehr zusammen, dann schon eher mit grün, wo die doch beide so für die EU sind. ...Du verstehst von Politik aber rein gar nichts, Cohn Bendit von den EU-Grünen und der van der Bellen sind ja schon sehr für die EU aber irgendwie doch ganz anders als die übrigen Grünen &#8230; Ja was wird denn dann aus Österreich?...Ganz einfach &#8211; wenn du deine orangene Farbe nicht mit meine blauen kreuzst, will sagen mit mir koalierst, sieht es schlecht aus – aber wenn du Vernunft annimmst, haben wir sehr gute Chancen beim Volk. Wir brauchen nur gemeinsam das nachzuplappern, was an den Stammtischen Österreichs so gesprochen wird, dann kann uns nichts passieren&#8230;. Au fein – dann hätten wir endlich eine Regierung für das Volk, so ganz ohne Ausländer, ohne EU und ohne Wirtschaftheuschrecken. Und die Arbeitslosen, die es dann gäbe? ...Mach dir darüber keine Sorge – das ist doch die Schuld der Kombination Rot-Schwarz und wenn wir dem Volk das so sagen und versprechen, dass wir ohne Ausländer auch keine Arbeitslosen haben werden, kann uns doch gar nichts passieren – ein Österreich, ein Volk, eine Regierung &#8211; gegen die EU (und den Rest der Welt)....Fein &#8211; so machen wir’s und dann zwingen wir das übrige Europa mit unserem Bundesheer, neutral zu unserer Neutralität zu sein!</p>


	<p>(Alfred Rhomberg)</p>]]>
      </content:encoded>
      <pubDate>Sun, 06 Jul 2008 02:10:52 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="true">http://www.startblatt.net/blogs/rhomberg/welche-farbe-traegt-man-dieses-jahr</guid>
    </item>
    <item>
      <title>Uns geht es gut und niemand merkt es: am Beispiel einer Landeshauptstadt</title>
      <link>http://www.startblatt.net/blogs/rhomberg/uns-geht-es-gut-und-niemand-merkt-es-am-beispiel-einer-landeshauptstadt</link>
      <dc:creator>Alfred Rhomberg</dc:creator>
      <content:encoded>
        <![CDATA[<p>Dieser Beitrag ist eine notwendige Ergänzung zum Beitrag „Uns ist etwas abhanden gekommen: Realitätssinn“ (v. 03.07.2008) und befasst sich mit der Entwicklung der Stadt Innsbruck während der letzten 50 Jahre. <strong>Anstelle von Innsbruck könnte jede andere größere Stadt Österreichs stehen.</strong></p>


	<p>Es wäre wenig aussagekräftig, das Jahr 1946 (als Innsbruck meine Heimat wurde) zum Ausgangspunkt zu machen, obwohl es genügend Erinnerungsmomente gibt &#8211; wenig aussagekräftig deswegen, weil es allen Städten nach dem Krieg schlecht ging. Ich beginne bewusst mit dem Jahr 1965, als ich Innsbruck verließ und vergleiche die Stadt mit der Zeit um 1996 (meine Rückkehr aus Deutschland) bis heute und schließe den Beitrag mit den daraus abzuleitenden Schlussfolgerungen.</p>


	<p>Innsbruck hatte um 1965 ca. 105000 Einwohner, ein Provinztheater mit einem Provinzorchester, außer dem Ferdinandeum, dem Volkskundemuseum und dem Zeughaus keine erwähnenswerten Museen vor allem gab es kein Museum für zeitgenössische Kunst. Es gab keinerlei Galerien, keine nennenswerten Bühnen für Kleinkunst, kaum irgend ein kulturelles Angebot und keinen international vergleichbaren Kongresssaal. <br/>
Die Stadt hatte ein einziges „Kaufhaus“, eine absolut unbefriedigende Infrastruktur (5 Straßenbahn- und 5 Omnibuslinien im 20 Minuten bis Stundentakt), einen Kleinstflughafen – sonst fiele mir nichts besonderes ein &#8211; doch: Autos waren eine Rarität.</p>


	<p>Innsbruck hatte eine Universität mit 5500 Hörern (allerdings schon damals international zusammengesetzt), ein Hauptgebäude in dem alle geisteswissenschaftlichen Fächer und alle Fächer der Jurisprudenz und der Wirtschaftwissenschaften untergebracht waren, ein veraltetes chemisches Institut, ein paar veraltete Refugien für Physik und Hygiene und eine berühmte alte Theologische Universität, in der auch andere Fächer wie z.B. die Mineralogie ihr Domizil hatten. Es gab eine veraltete Universitätsklinik, jedoch keine Technische Universität und es gab ein Konservatorium (aber kaum Musikschulen) und vier Mittelschulen. An allen Instituten unterrichteten fast ausschließlich österreichische Lehrkräfte und Professoren, weil die in Österreich gebotenen Gehälter so niedrig waren, dass man keine ausländischen Lehrkräfte berufen konnte (ich spreche nicht von 1946, sondern von 1965 und vielen Jahren danach!)</p>


	<p><em>Anm.: Im Gegensatz zu heute, gab es in Kleinstädten außerhalb Innsbruck keine Kulturveranstaltungen, nur zwei öffentliche Gymnasien (Landeck und Kufstein), allerdings einige gute Gymnasien in Klöstern.</em></p>


	<p>Mein Gehalt als promovierter Assistent mit Lehrauftrag betrug zuletzt 5400 Schilling, für eine alte 2-Zimmerwohnung (Bad außerhalb der Wohnung) hätte ich 2300 Schilling bezahlen müssen – frisch verheiratet blieb mir nur die Wahl ins Ausland zu gehen.</p>


	<p><strong>Was hat sich geändert?</strong></p>


	<p>Innsbruck hat auch heute nur 120000 Einwohner (davon viele aus Eingemeindungen, Tirol hatte 1965 ca. 550000 Einwohner, heute sind es ca. 693000 Einwohner).</p>


	<p>Die Stadt hat 4 große Einkaufscenter, ein fünftes ist im Bau (alle Marken großer deutscher und heimischer Kaufhäuser sind vertreten), eine moderne riesige Universität, eine ebenfalls moderne und auch architektonisch interessante Universität für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (SOWI), eine international bekannte medizinische Universität und entsprechend moderne Universitätskliniken, eine Technische Hochschule (alle Unis zusammen haben ca. 32000 eingeschriebene Studierende). Es gibt ein Management Center Innsbruck (MCI), einen Industriepark am Rande von Innsbruck, zwei große Kunstgalerien für zeitgenössische Kunst, unzählige Kunstgalerien, ein international wettbewerbsfähiges Theater, ein hervorragendes Orchester, Festwochen für Alte Musik mit internationalem Rang, neben dem Konservatorium eine große städtische Musikschule und eine Zweigstelle des Mozarteums Salzburg, einige junge Kammermusikensembles, den „Tanzsommer“ im neuen Congress Innsbruck, viele Kleinkunstbühnen, eine ausgezeichnete Verkehrsinfrastruktur und, und, und&#8230;.man könnte jeden Abend zwischen sehr vielen Veranstaltungen wählen &#8211; wenn man einen Parkplatz findet, denn die Stadt quillt mit Autos über und hat jedes vernünftige Maß überschritten.</p>


	<p><em>Anm.: Nicht nur Innsbruck hat sich so gewandelt, jedes größere Dorf/Städtchen hat Einkaufstempel und inzwischen bekannte kulturelle Einrichtungen, wie z.B. Sprachsalz (Hall), das Festspielhaus in Erl, die Schwazer Klangspuren für zeitgenössische Musik, interessante Theatervorstellungen in Rattenberg, Telfs etc.</em></p>


	<p><strong>Wo kommt das alles her?</strong></p>


	<p>In erster Linie aus einer starken und exportfähigen tiroler Wirtschaft, die mit Ausnahme von Swarovski als Großunternehmen, fast nur aus kleinen und mittleren Unternehmen (KMU’s) und einem gut gemanagten und leistungsfähigen Tourismus besteht.</p>


	<p>Durch meine mehrmaligen jährlichen Besuche in Innsbruck konnte ich feststellen, dass dieser Aufschwung erst seit ca. 1980 spürbar begann. Damals gab es bereits ein kleines Einkaufszentrum „DEZ“ am Rande der Stadt, aber ein neuerbautes Zentrum innerhalb der Stadt, der „Sillpark“ schien noch nicht rentabel zu sein. Die Festwochen der Alten Musik hatten bereits „Insiderruf“ und das Tiroler Landestheater war nicht schlecht.</p>


	<p>Ab etwa 1996 (seit meiner Rückkehr nach Innsbruck), also 1 Jahr nach dem Beitritt Österreichs in die EU  begann Innsbruck wirklich zu pulsieren. Man kann nicht behaupten, dass Tirol nicht schon vorher starke Wachstumsimpulse hatte, Österreich gehörte zur <span class="caps">EFTA</span> (European Free Trade Association) und hatte starke wirtschaftliche Beziehungen zu fast allen EU-Ländern (hauptsächlich zu Deutschland). Die <span class="caps">EFTA</span> besteht seit 1995 nur noch aus den Ländern Island, Liechtenstein, Schweiz und Norwegen, vorher waren auch Länder wie Dänemark, Portugal, Finnland und <span class="caps">UK EFTA</span>-Mitglieder, die die <span class="caps">EFTA</span> zu Gunsten der EU-Mitgliedschaft aufgaben. Im bereits eingangs erwähnten Beitrag „Uns ist etwas abhanden gekommen: Realitätssinn“, wurde bereits auf die wahrscheinlichen Folgen im Falle eines Nichteintritts in die EU und die unterschiedliche Bewertung Österreichs im Vergleich zur Schweiz  hingewiesen, so dass diese Argumente hier nicht wiederholt zu werden brauchen.</p>


	<p><strong>Tatsache ist:</strong> 120000 Einwohner (nur ca. 15 Prozent mehr als 1965) füllen die Kassen der zahlreichen Einkaufzenter und Gastlokale, können sich kulturelle Angebote leisten, es gibt relativ geringe Arbeitslosigkeit, unsere Universitäten und Hochschulen können sich ausländische Lehrkräfte leisten, im Tourismusgewerbe und in Handelsketten werden heute ausländische Arbeitskräfte gebraucht (sogar deutsche Mitarbeiter zieht es nach Innsbruck), das Innsbrucker Stadtorchester ist ein internationales Ensemble einheimischer und ausländischer Künstler, Eigentumswohnungen und Häuser wurden und werden gebaut und die Gartencenter boomen. Mittlere und Kleinbetriebe können sich im EU-Raum behaupten und ständig wächst die Zahl der <span class="caps">KMU</span>’s.</p>


	<p><strong>Wollen wir das alles aufs Spiel setzen, nur weil viele unzufrieden sind, die es eigentlich nicht sein dürften und die noch unzufriedener wären, wenn es uns schlechter ginge?</strong></p>


	<p>Die EU ist ein „Prozess“, der wie alle Prozesse solcher Größenordnung Höhen und Tiefen erlebt – die EU ist letztlich ein erfolgreicher Prozess, ohne den wir gegenüber der übrigen Welt keine Chancen hätten.</p>


	<p>(Alfred Rhomberg)</p>]]>
      </content:encoded>
      <pubDate>Fri, 04 Jul 2008 15:58:22 +0200</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Das Barometer</title>
      <link>http://www.startblatt.net/blogs/rhomberg/das-barometer</link>
      <dc:creator>Alfred Rhomberg</dc:creator>
      <content:encoded>
        <![CDATA[<p><em>Das Barometer</em></p>


	<p>Meine Stimmung hängt manchmal vom Barometer ab, <br/></p>


	<p>steht es hoch, so ist meine Stimmung nicht immer hoch<br/></p>


	<p>steht es tief, ist meine Stimmung nicht immer tief<br/></p>


	<p>die Unsicherheit zwingt mich, den Barometerstand zu verfolgen,<br/>
denn es könnte ja sein, dass meine Stimmung tatsächlich vom Barometer abhinge.<br/>
Wäre dies so, brauchte ich gar nicht mehr auf das Barometer zu schauen – <br/>
denn Barometer sind mir imgrunde egal – meine Stimmung nicht!<br/></p>


	<p>Meine Stimmung wäre mir egal, <br/>
wenn ich sie auf das Barometer zurückführen könnte,<br/>
gegen das Barometer kann man nichts machen –<br/>
ebenso wenig wie gegen die letzten Sekunden.<br/></p>


	<p>(Alfred Rhomberg)</p>]]>
      </content:encoded>
      <pubDate>Fri, 04 Jul 2008 00:41:35 +0200</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Zahlen sind Zahlen &#8211; nur vorstellen k&#246;nnen wir sie uns manchmal nicht</title>
      <link>http://www.startblatt.net/blogs/rhomberg/zahlen-sind-zahlen--nur-vorstellen-koennen-wir-sie-uns-manchmal-nicht</link>
      <dc:creator>Alfred Rhomberg</dc:creator>
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        <![CDATA[<p>Als ich einmal im Kreise meiner Mitarbeiter andeutete, ich müsse noch einen Lottoschein ausfüllen, meinte eine junge Chemielaborantin: Sie spielen Lotto? – die Wahrscheinlichkeit, einen Hauptgewinn zu machen ist kleiner als ermordet zu werden. Ich rechnete nach und stellte fest, dass sie recht hatte. In  Deutschland hatte sie sogar um einige Zehnerpotenzen mehr recht als in Österreich, weil es dort beim Zahlenlotto 49 Zahlen statt 45 in Österreich gibt. Aber auch in Österreich sähe die Bilanz nicht gut aus: Um einen „Sechser“ zu gewinnen bedarf es 8,145.060 Lottotips (ungefähr so viel wie Österreich Einwohner hat), aber es gab 2008 immerhin bis Ende Juni schon 16 Morde allein Wien &#8211; das wären aufs Jahr hochgerechnet für Österreich sicher mehr als 50 Morde pro Jahr, also grob gerechnet 0,001 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit einen „Sechser“ zu gewinnen liegt nur bei ca. 0,000012 Prozent. Wir können mit Zahlen im 1000 bis 10000 Euro-Bereich ganz gut umgehen, Millionen- und Milliardenbeträge werden beim Normalbürger als „Wort“ und nicht mehr als Größenordnung erfasst.</p>


	<p>Mein erster, sehr lebenstüchtiger Forschungsleiter in der Industrie wurde von einem ehemaligen Schüler, der eine Assistentenstelle an einer deutschen Uni erhalten hatte, gefragt: „Ich möchte mir ein Isotopenlabor einrichten, glauben Sie, dass ich bei meinem Antrag im Wissenschaftsministerium mit 50.000.- DM auskomme?“ (das Arbeiten mit radioaktiven Materialien war damals noch nicht selbstverständlich). Die Antwort war: Natürlich kommen Sie damit aus, aber 50.000 DM erhalten Sie nie, verlangen Sie 500.000, dann könnten Sie Glück haben. Die verblüffende Erklärung war einfach: 50.000 DM werden von irgendeinem Buchhalter bearbeitet und der schlägt so einen Antrag ab, Beträge von 500.000 muss ein Abteilungsleiter verantworten und der weiß nicht was ein Isotopenlabor ist (der Antrag wurde, so viel ich weiß, positiv beschieden).</p>


	<p>In meiner Berufszeit wurden „Azubis“ (siehe Anm.) nach ihrer Schlussprüfung aus rein psychologischem Interesse gefragt, was sie für wahrscheinlicher hielten: vom Blitz erschlagen zu werden oder einen tödlichen Autounfall zu erleiden. Die Frage wurde fast ausschließlich mit der Antwort „vom Blitz erschlagen werden“ beantwortet. Warum? Nun – für einen 19-jährigen, der gerade seinen Führerschein gemacht hat, gab es Autounfälle nur theoretisch. Solche Unfälle waren so häufig, dass sie in großen Stadtzeitungen nie erwähnt wurden (und eine Jahresstatistik war den Jugendlichen nicht bekannt). Jeder Blitztote wurde dagegen in allen Zeitungen und Nachrichten erwähnt und machte Angst!</p>


	<p><em>Anm.: deutsche Bezeichnung für Auszubildende, das Wort „Lehrling“ war verboten, weil damit assoziiert wurde, man könne noch etwas dazu lernen, eine vor 25 Jahren in Deutschland unpassende Vorstellung.</em></p>


	<p>Im Stadtrat einer mir nicht unbekannten Stadt wurde ca. eine Stunde über die Gehalterhöhung von 50 DM eines Stadtbediensteten diskutiert (jede Hausfrau kann sich eine solche Größenordnung vorstellen) – die Diskussion für ein Millionenprojekt dauerte dann nur 15 Minuten, um abgesegnet zu werden. Jeder Industrieangestellter weiß, dass man teurere Projekte in den letzten 10 Minuten einer Budget-Debatte beantragt.</p>


	<p><strong>Lichtjahre:</strong>  Ein Lichtjahr sind ca. 9,5 Billionen Kilometer und unser nächster benachbarter Fixstern Alpha Centauri ist ca. 38 Billionen Kilometer (4 Lichtjahre) entfernt. Der vermutlich kleinste Teil des Universums ist die Milchstraße, der auch wir angehören. Sie hat eine Längsausdehnung von ca. 100.000 Lichtjahren (es könnten jedoch Korrekturen auf das Doppelte möglich sein). Man muss solche möglichen Korrekturen berücksichtigen, darf aber nicht vergessen, darauf zu achten, dass der Weltraum vom Boden unserer Erde ab 100 Km (Fédération Aéronautique Internationale) jedoch nach der <span class="caps">NASA</span> schon bei 80 Km beginnt.</p>


	<p>Zum Schluss noch einmal zurück zum Lotto: seit kurzer Zeit wurden in Österreich die (vermutlich sehr vom Ölpreis abhängigen) Preise für Tips im Spiel 6 aus 45 von 0,85 cents auf einen Euro erhöht, ein Joker gar von 0,85 auf 1,30 Euro. Eine große Werbekampagne im Fernsehen ermuntert die Gewinnsüchtigen die 6 stellige Jokerzahl mit der Neuerung zu spielen, dass jetzt bereits mit einer einzigen richtigen Endzahl ein Gewinn droht. Gut so – bei 10 Möglichkeiten ergäbe das bei Kosten von 13 Euro (man müsste 10 Joker spielen, um nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung einmal zu gewinnen) einen Gewinn von 0,20 cents – das lohnt sich, wenn man nicht nachrechnet &#8211; denn der Gewinn ist auf 1,50 Euro beschränkt!</p>


	<p>(Alfred Rhomberg)</p>]]>
      </content:encoded>
      <pubDate>Thu, 03 Jul 2008 12:19:36 +0200</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>&#214;sterreich ist etwas abhanden gekommen: Realit&#228;tssinn </title>
      <link>http://www.startblatt.net/blogs/rhomberg/oesterreich-ist-etwas-abhanden-gekommen-realitaetssinn-</link>
      <dc:creator>Alfred Rhomberg</dc:creator>
      <content:encoded>
        <![CDATA[<p>Man muss vermutlich längere Zeit im Ausland gelebt haben um dies festzustellen: <strong>Österreich geht es gut – und niemand merkt es.</strong> Das Land ist Spitzenreiter einer extrem pessimistischen Einschätzung seiner Zukunft und zur EU: 56 Prozent der Österreicher sind EU-skeptisch und pessimistisch für die Zukunft unseres Landes (wenn man den Medien glaubt!). Das muss Ursachen haben, anders könnte man sich diesen Pessimismus nicht erklären.<br/></p>


	<p><strong>Bevor man mit Schuldzuweisungen beginnt, muss man die Fakten näher untersuchen:</strong></p>


	<p>Das reale Wirtschaftswachstum Österreichs lag in den Jahren 1996 – 2006 (mit Ausnahme 2002) stets erheblich über demjenigen Deutschlands und übertraf 2006 sogar den EU-Durchschnitt. Die Handelsbilanz zu Deutschland war im Jahr 2006 mit 106,8 Mrd. Euro ausgeglichen und ist seit 2003 mit 78,9 Mrd. Euro deutlich gestiegen.</p>


	<p>Die wichtigsten Handelspartner waren 2006 mit Abstand die EU-Länder (71,1 % Ausfuhr und 75,5 % Einfuhr) –  ein Wirtschaftsraum, auf den Österreich nicht verzichten könnte. An diesen Zahlen hat sich auch 2007 nichts wesentlich geändert.</p>


	<p>Das Bruttosozialprodukt (BIP) war 1999 2,7%, 2007 ca. 2,5% (nach 0,7% im Jahr 2001).<br/> <em>Anm.: Die Schweiz hat seit 1990 ein durchschnittliches <span class="caps">BIP</span> von 1,5%.</em></p>


	<p>Der Schuldenstand im Verhältnis zum nominalen <span class="caps">BIP</span> liegt für Österreich bei 61,7%, Deutschland bei 66%, Spitzenreiter Italien 106,8%, geringste Verschuldung: Luxemburg 6,6 % und Estland 4,0%.</p>


	<p><em>Anm.: Die Schweiz hat eine Verschuldung von 47,4%, die deswegen relativ niedrig ist, weil die Verschuldung auch in der Schweiz stark zunahm und daher 2001 ein Gesetz zur „Schuldenbremse“ eingeführt wurde, sodass eine Verschuldung seither grundsätzlich von einem ausgeglichenen Haushalt ausgehen muss.</em></p>


	<p>Die Arbeitslosenquote beträgt für Österreich 2008  5,1%, für Gesamtdeutschland  7,9%, im EU-Durchschnitt  6,9%, in der Schweiz heute 2,7% (nach 4% Anfang 2006).</p>


	<p>Insgesamt liegt Österreich im EU-Durchschnitt wirtschaftlich und hinsichtlich seiner Sozialpolitik unter den 10 erfolgreichsten Ländern. Wir können trotz unserer Gesundheitsdebatte auf unser Sozialversicherungssystem stolz sein, die gesundheitliche Versorgung ist besser als in Deutschland und vielen anderen Ländern der EU und sogar Pensionen wurden regelmäßig erhöht, wenn auch nicht der Inflation entsprechend (in Deutschland wurden Pensionen während mehrerer Jahre gar nicht und im Jahr 2007 um 0,58% erhöht!).</p>


	<p><strong>Ein paar Wehrmutstropfen gibt es:</strong> Die Entwicklung der Einkommen ist unbefriedigend, eine Verbesserung wäre derzeit jedoch nur durch geringere Steuern, schlechtere Sozialabsicherung und höhere Auslandsverschuldung möglich. Auch die unterschiedliche Entlohnung von Frauen und Männern ist bei gleicher Arbeit eine nichtwegleugbare Tatsache und muss in Zukunft korrigiert werden.</p>


	<p><em>Anm.: Im Gegensatz zu Deutschland spricht man in Österreich bei Einkommen meist von Nettoeinkommen und verschweigt dabei auch gerne, dass Gehälter und Pensionen in Österreich 14 mal ausbezahlt werden (in Deutschland dagegen nur 13 mal, Pensionen bzw. Renten werden nur 12 mal ausbezahlt).</em></p>


	<p><strong>Österreich geht es gut – und niemand merkt es!</strong></p>


	<p>Wenn man von Mindestrentnern und Einkommen am Existenzminimum absieht (deren Zahl in fast allen Ländern im Steigen begriffen ist) dürfte sich der Durchschnittsösterreicher eigentlich nicht beklagen. Er beklagt sich trotzdem über zweierlei: erstens über den EU-Beitritt und zweitens über seine Politiker. Im ersten Fall befinden sich die Österreicher im Unrecht, im zweiten Fall haben sie recht, wie nachfolgend näher ausgeführt werden soll.</p>


	<p><strong>Der ungeliebte EU-Beitritt</strong></p>


	<p>Als Österreich 1995 der EU beitrat waren viele Österreicher skeptisch &#8211; daran hat sich bei vielen bis heute nichts geändert, die Stimmung ist eher schlechter geworden. Damals und heute stellt man gerne Vergleiche mit der Schweiz an &#8211; ein Vergleich, der damals und heute nicht stichhaltig ist und auf der Unkenntnis wirtschaftlicher Fakten beruht, wie dies bereits in einem früheren Beitrag angedeutet wurde (Vom Weltbürger Nr.1 zur Europäischen Union&#8230;.,vom 10.1.2008). Ich zitiere hier noch einmal aus diesem Beitrag:</p>


	<p><em>„Die in Österreich weit verbreitete Meinung, ähnlich der Schweiz, auf einen EU-Beitritt verzichten zu können, beruht auf der Unkenntnis der meisten Österreicher über wirtschaftliche Zusammenhänge, einer Unkenntnis, die sie mit vielen Menschen anderer Länder teilen. Österreich war – im Gegensatz zur Schweiz – auf den EU-Betritt angewiesen, weil es nicht über Schlüsselindustrien wie die Schweiz (Bankenindustrie, Chemie- und Pharmakonzerne, Maschinenbau, Uhrenindustrie etc.) verfügte. Die schweizerischen Großkonzerne hatten sich zudem schon frühzeitig sowohl im Dollar-, als auch im späteren Euroraum fest positioniert.“</em></p>


	<p>Daran hat sich auch heute nichts geändert, außer dass die Schweizer inzwischen auch über zunehmende wirtschaftliche Probleme klagen.</p>


	<p><strong>Was wäre geschehen, wenn Österreich nicht der EU beigetreten wäre?</strong></p>


	<p>Hierzu gibt es mehrere Gesichtspunkte, die wie alle „was wäre wenn“ Betrachtungen subjektiv und nicht schlüssig beweisbar sind.</p>


	<p><strong>Geldwertstabilität:</strong> der österreichische Schilling war stabil, jedoch nur weil die österreichische Handelsbilanz zu Deutschland ab ca. 1970 ausgeglichen war und der Schilling daher mit einem formalen Verhältnis von 7 zu 1 an die stabile DM angebunden werden konnte und demzufolge etwa so stark wie die DM war. Vorher war der Schilling alles andere als stark, Inflationsraten von ca. 7% waren keine Seltenheit. Wäre Österreich der EU nicht beigetreten, so hätte es für den Schilling zwei Möglichkeiten gegeben: <strong>die Anbindung an den Euro (ähnlich wie an die DM)</strong> – dann wäre die derzeit in der EU beobachtete Inflation auch nach Österreich importiert worden, <strong>oder man hätte den Schilling frei floaten lassen,</strong> dann wäre er zum Spielball der Spekulation geworden (es sei daran erinnert, das selbst das englische Pfund bereits durch einen einzigen Spekulanten in Bedrängnis gekommen war (am 16. September 1992, gelang es  dem Spekulanten George Soros, die Bank of England an einem einzigen Tag um über
eine Milliarde Britische Pfund Sterling zu 
erleichtern). Bei dem wesentlich niedrigeren Geldumlauf in Österreich hätten auch kleinere Spekulanten ähnliches geschafft. Dass der Schweizer Franken dieser Gefahr nie ausgesetzt war, liegt an der starken Wirtschaft der Schweiz und dass die Schweiz nach wie vor ein Refugium für riesige Geldmengen aus der ganzen Welt ist und niemand wirklich daran interessiert wäre, dieses Refugium zu zerstören.</p>


	<p><strong>Wirtschaft:</strong> die österreichische Wirtschaft hätte ohne EU-Mitgliedschaft zweifellos großen Schaden genommen. Wie oben gezeigt gehören die benachbarten EU-Länder mit ca. 71% zu unseren wichtigsten Exportländern. Unsere Wirtschaft hätte durch bilaterale Verträge mit den EU-Staaten und Anbindung an den Euro vermutlich einen gewissen Exportanteil retten können, im Falle einer Nichtanbindung wäre es bei einer Stärkung des Schillings im Vergleich zum Euro zu starken Wirtschaftsverlusten und erheblicher Arbeitslosigkeit und im Falle einer Schwächung des Schillings, zu einer vielleicht etwas gestiegenen Exportquote, jedoch zu verheerenden Folgen bei der für Österreich wichtigen Einfuhr von Gütern aus der EU gekommen (der Import aus der EU beträgt ca. 75%).  Wir sind eben kein Land von der Größe der <span class="caps">USA</span>, die mit ihren 300 Millionen Einwohnern selbst ein eigener großer Binnenmarkt ist, dem daher auch der schwache Dollar nicht wesentlich schadet.</p>


	<p>Wenn man ferner berücksichtigt, dass ohne Förderung unserer Landwirtschaft und der ärmeren Regionen Österreichs durch die EU (u.a. Burgenland) weitere Exportmöglichkeiten verloren gegangen wären und dass wir ohne EU-Mitgliedschaft keinesfalls jene Erfolge in den neuen Beitrittsländern gehabt hätten, die unsere Wirtschaft auch in Zukunft stärken werden, so wäre unser Land heute in einer äußerst prekären Situation – eine Annahme die unter Berücksichtigung dieser Fakten nicht einfach als &#8220;subjektiv oder spekulativ&#8221; abgetan werden kann.</p>


	<p>Dass Österreich zusätzlich, ähnlich der Schweiz, seine Verteidigungsausgaben hätte erhöhen müssen, steht gleichfalls außer Frage – was nützt die schönste Neutralität, wenn die anderen sich nicht daran halten (die Balkanstaaten waren zur Zeit unseres EU-Beitritts &#8211; und sind es zum Teil auch heute noch – eher unberechenbare Nachbarn).</p>


	<p><em>Anm.: die Schweiz hat mit 33 Kampfjets (F-18) und 54 des Typs F-5 gegenüber 12-18 (?)  Eurofightern in Österreich, eine – wie es heißt &#8211; gerade erforderliche Zahl solcher Flugzeuge und hat sich diese „Spielzeuge“ sicher nicht nur aus Imponiergehaben angeschafft, obwohl die Schweiz insgesamt weniger gefährdet ist als dies Österreich theoretisch sein könnte.</em></p>


	<p>Man könnte das Thema weiter ausweiten, die wesentlichen Dinge wurden jedoch dargestellt –  es bleibt also die Frage zu beantworten:</p>


	<p><strong>Warum sind wir so pessimistisch?</strong></p>


	<p>Die Österreicher neigen (gleich nach unseren deutschen Nachbarn) immer stärker zum „Nörgeln“ (früher war es nur „Raunzen“) und daran sind ganz wesentlich die Politiker aller Parteien und die Medien schuld. Hatten der frühere Außenminister Alois Mock und Kanzler Vranitzky noch eine (vielleicht übertrieben zur Schau getragene) Vision für ein kommendes Europa, so wird eine solche Vision heute – nicht nur in Österreich – von den Politikern rosenkranzartig einfach nur „heruntergebetet“, ohne dass vorhandene Sachargumente für die Bedeutung der EU überzeugend darstellt werden. Mehr als herunterbeten ist heute anscheinend nicht mehr „drin“. Es fehlt jeder charismatische Charme, jede Überzeugungskraft und jegliche Anstrengung, den Österreichern ein positives Bild für die Zukunft zu öffnen. Regierung und Opposition bestehen aus uncharismatischen Langweilern, Nörglern und Populisten &#8211; von denen kein Anzeichen von Begeisterung, weder für die EU, noch für unsere zukünftige Politik ausgeht &#8211; „dahinwurschteln“ und „gegenwurschteln“ bestimmen heute unseren politischen Alltag.</p>


	<p>Man darf sich daran erinnern, dass es uns früher wirtschaftlich wesentlich schlechter ging, unsere Stimmung und Lebensfreude dagegen sprühender war und den Jüngeren, die sich an diese Zeit nicht erinnern können, darf man sagen, dass es so war.</p>


	<p>Alles was heute als erfreulich angemerkt wird, ist die erfolgreich und perfekt organisierte <span class="caps">EM 2008</span>, bei der sich viele gut unterhalten und einige auch gut verdient haben. In einem Vierteljahr wird von diesem Ereignis nicht mehr viel übrig bleiben und wir werden uns wieder in der gewohnten, von unseren Politiker und Medien suggerierten Tristesse wiederfinden.</p>


	<p><strong>Vielen  geht es gut – aber sie bemerken es nicht.</strong></p>


<hr />
<em>Quelle der statistischen Daten: Deutscher Monatsbericht des Bundesministeriums für Finanzen, Juni Eurostat und „Entwicklung des <span class="caps">BIP</span>, 2006, Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai)</em>


	<p>(Alfred Rhomberg)</p>]]>
      </content:encoded>
      <pubDate>Thu, 03 Jul 2008 00:11:01 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="true">http://www.startblatt.net/blogs/rhomberg/oesterreich-ist-etwas-abhanden-gekommen-realitaetssinn-</guid>
    </item>
    <item>
      <title>Blaue Tinte</title>
      <link>http://www.startblatt.net/blogs/rhomberg/blaue-tinte</link>
      <dc:creator>Alfred Rhomberg</dc:creator>
      <content:encoded>
        <![CDATA[<p>Blaue Tinte verwandelte sich zu rotem Blut als ich dir schrieb<br/>
und ich hatte den Brief zerrissen,<br/>
weil ich mich meiner Worte schämte<br/>
und weil ich das rote Blut nicht sehen wollte.<br/></p>


	<p>Heute habe ich das Schreiben verlernt,<br/>
jetzt wo ich mich vor nichts mehr schäme.<br/>
Ich habe vieles verlernt – <br/>
auch, in welcher Sprache ich dir schreiben sollte,<br/>
so dass du mich verstehen könntest.<br/></p>


	<p>Ich habe sogar vergessen ob wir überhaupt einer Sprache bedurften,<br/>
ich denke, wir hatten uns ohne Sprache verstanden,<br/>
ein Blick genügte um alles auszudrücken,<br/>
was es wert war ausgedrückt zu werden.<br/></p>


	<p>Heute schreibe ich in wohlgeformten Sätzen – <br/>
aber du würdest sie nicht verstehen – kannst sie nicht verstehen,<br/>
Grammatik ist nicht ausreichend um wesentliches zu sagen.<br/>
Grammatik ist die Krücke aller Sätze die ohne Farbe auskommen,<br/>
die sich nach ihrer Niederschrift in Bücher verwandeln oder in Gesetzestexte –<br/> 
ein kleiner Fehler nur und die Worte wandeln ihren Sinn<br/>
und werden zur tödlichen Waffe.<br/></p>


	<p>Blicke bedürfen keiner Grammatik.<br/></p>


	<p>Die blaue Tinte ist vertrocknet,<br/>
sie hat zu lange darauf gewartet, verwendet zu werden –<br/>
ich werde neue kaufen und die Gebrauchsanweisung lesen,<br/>
oder besser doch nicht &#8211; weil ich nicht wüsste was ich damit anfangen sollte.</p>


	<p>(Alfred Rhomberg)</p>]]>
      </content:encoded>
      <pubDate>Tue, 01 Jul 2008 10:46:09 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="true">http://www.startblatt.net/blogs/rhomberg/blaue-tinte</guid>
    </item>
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