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eZine von Petra Schleich
Wirtschaft, Kreativität, Geld - Paradoxie der Kreativität: Wer oder Was ist kreativ?
Bildquelle: Hermann Redlingshofer - device
Nun da wir uns alle in der Kreativwirtschaft oder Neudeutsch “creative economy” wiedergefunden haben, umgeben von der “Creative Class” inmitten der “Creative Industries” bemühen wir uns auch jeden Tag kreativ zu sein, Ideen zu entwickeln und den neuen Solidarbeitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung in Form einer innovativen Leistung beizutragen. Wir denken “quer” und “out of the box”, einmal “brainstormend”, ein andermal “mind mappend” – aber immer auf der Suche nach dem “kreativen Funken” – dem neuronalen Urknall sozusagen – der uns zu den Kreativgurus von morgen macht, den anbetungswürdigen Genies der kreativen Zerstörung, der Avantgarde wirschaftlicher Entwicklung, der sozialen Elite der großen Denker. Während wir durch zahlreiche Beiträge der Ökonomie und Betriebswirtschaft emporgehoben werden von der berauschenden Vorstellung, uns durch einen nicht analysierbaren sagenhaften Sprung der Imaginationskraft von der Durchschnittlichkeit zu befreien, landen wir in der schnöden Praxis des Wirtschaftslebens schnell wieder auf dem Teppich. Klar möchten wir alle den großen Schöpfergeist besitzen, doch gibt es tatsächlich ein Rezept, diesen zu erlangen. Rezeptliteratur a la “Wie die großen Denker denken”, “Erfolg durch Kreativität” gibt’s mittlerweile zuhauf. Doch sind diese wirklich eine Anleitung zum kreativen Denken?
Das Geschäft mit der Kreativität blüht. Selbsternannte Innovations – und KreativitätsforscherInnen / – beraterInnen versuchen mit allerhand Theorien und Methoden dem Unerklärlichen zu Leibe zu rücken. Dabei ist das meiste davon spekulativ, denn selbst die durchaus beeindruckenden Erklärungsversuche durch Neuro- und Kognitionswissenschaften, wie unsere intellektuellen Leistungen zustanden kommen, sind noch bei weitem von einem restlosen Verstehen der komplexen Prozesse unseres Gehirns entfernt.
Wäre es anders, würde wir heute von lauter artifiziellen Kreativgenies umgeben, von Maschinen, die quasi automatisiert “kreative Funken” erzeugen könnten. Nicht, dass dies nicht in nächster Zukunft einmal möglich sein könnte. Immerhin sind ja schon viele menschliche Fähigkeiten bereits mechanisiert worden. Doch hier und heute gleichen Anleitungen zur Kreativität wohl eher der alchimistischen Suche nach Gold in der voraufgeklärten Zeit – vor allem, wenn man, wie dies die meisten tun, Kreativität als eine Art magische Erkenntniskraft oder eine tief im Verborgenen liegende Gabe annimmt. Das ist viel Lärm um eine Aktivität des menschlichen Geistes, die wie viele andere Dinge im Leben kein Entweder-Oder darstellt, sondern viele Nuancen und Abstufungen hat. Schließlich genießen wir gerne auch Pop und Schnulze und nicht nur Oper und Arie. Aber wie soll man Kreatives von Profanem oder wirklich Kreatives von nicht wirklich Kreativem trennen? Genau deshalb scheitert man mit Begriffen wie “creative Industries” oder “creative class” in der Wirklichkeit, denn sie suggerieren viel und bezeichnen nichts.
“Kreativ” kann daher nicht ein- oder ausgegrenzt werden, was soviel bedeutet, dass Kreativität nicht im ausschließlichen Besitz von einigen wenigen Individuen sein kann, sondern, dass Kreativität ein Bestandteil der alltäglichen Geistesaktivität eines jeden Menschen sein muss. Kreativität kann daher nicht jenseits von Intelligenz liegen. Kreativität und Erkenntnisfähigkeit sind engstens mit der Intelligenz verbunden. Oder kann sich irgendjemand nicht-kreative Intelligenz vorstellen ohne dabei kreativ und intelligent an irgendwelche Kriterien knüpfen zu müssen?
Doch wenn Kreativität und Profanes sich nicht trennen lassen, wenn Kreativität alltägliche Geistesaktivität des Menschen ist, warum sollten wir noch länger eine künstliche Dichotomie zwischen Creative Industries, Creative Economy Creative Class und dem Rest der Wirtschaft aufrecht erhalten? Oder sind wir heute kreativer als die Generationen vor uns?
am 07.09.2007 20:23






