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eZine von Petra Schleich
Wirtschaft, Kreativität, Geld - Über die Leistung
Bildquelle: Karl Baumann, 2002: Illusorische Assoziation des Konzepts "Leistung"
Es gibt einen alten Wahn, der heisst Gut und Böse. Um Wahrsager und Sterndeuter drehte sich bisher das Rad dieses Wahns. Einst glaubte man an Wahrsager und Sterndeuter und darum glaubte man: Alles ist Schicksal: du sollst, denn due musst! Dann wieder misstraute man allen Wahrsagern und Sterndeutern und darum glaubte man: Alles ist Freiheit: du kannst, denn du willst! Oh meine Brüder, über Sterne und Zukunft ist bisher nur gewähnt worden: und darum ist über Gut und Böse bisher nur gewähnt, nicht gewusst worden! (Friedrich Nietzsche)
Die Situation: Leistung hinterfragen
Die Leistungsgesellschaft stand und steht im Mittelpunkt der gewinn- und eigennutzenmaximierenden westlichen Kulturen im 20. und 21. Jhd. Die damit zusammenhängenden Optimierungsbestrebungen, vor allem im Kontext marktwirtschaftlicher Gedankenwelten und somit auch der Aufgaben und Ziele von Organisation, sind nahezu vollkommen auf den Begriff der ´Leistung´ zugeschneidert. Wie eine Woge des Übermuts überschwemmt sie die Fokussierung unserer Gedankenwelt mit überschwänglichen Lobeshymnen. Dabei wundert mich, dass sich niemand darüber wundert, was denn das eigentlich ist, ´Leistung´?
Von biblischen Einträgen, platonischen Versen, über sokratische Prologe zu kopernikanischen Mobilmachungen und schließlich über newtonsche Mechanik zur einsteinschen Relativitätstheorie und heisenbergschen Unschärfeerzählung kommt ´Leistung´ so immer wieder, ganz still und heimlich, so immer im positiven vor – wie eine Wolke, nicht greifbar, aber bauschig und kuschelig wie ein Kopfpolster, streckt sie ihre Kraken in unser alltägliches Leben. Doch was davon bleibt übrig, sticht man mit der spitzen Nadel der Kritik in diese Wolke? Zerpufft sie wie eine Gewitterwolke nach einem sommerlichen Regenschauer in eine Schäfchenbewölkung, oder führt sie uns tatsächlich zu dem, was wir als ´gut´ bezeichnen können? Ist sie der Ursprung der Verbesserung, dessen, was als ´Wohlstand´ verstanden wird?
Wie gelangen wir zu Kategorien der´Leistung´, wie messe ich sie? Woher wissen wir, eine ´Leistung´ ist gut oder schlecht – z. B. ganz technisch im Zuge einer Kosten- und Leistungsrechnung, der nahezu alle Menschen, die in privatwirtschaftlichen Organisationen und zunehmend auch in Non-Profit-Organisationen (NPO) oder auch in Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung oder Bildung (z.B. Universitäten)´ausgesetzt´ sind. Wie ist das denn mit der ´Leistung´ des ´Apfelpflückens´?
Auszug aus: Baumann, K. (2002): Zur Wertigkeit von “gut” und “schlecht” an Universitäten. Von Leistungsmessung zu Transformationsevaluation. 1. Aufl. Carl-Auer-Systeme Verlag.
am 05.11.2007 13:17






