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    <title>Zettel</title>
    <link>http://www.startblatt.net/blogs/zettel/</link>
    <description>Gedanken zur Zeit.</description>
    <language>en-US</language>
    <ttl>60</ttl>
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    <item>
      <title>homo aestheticus - eine Traum-These</title>
      <link>http://www.startblatt.net/blogs/zettel/homo-aestheticus---eine-traum-these</link>
      <dc:creator>Karl Baumann</dc:creator>
      <content:encoded>
        <![CDATA[<p>Der Mensch ist ein „homo aesteticus“:<br/>
Sie strebt nach dem, wovon sie glaubt, dass es gut für sie ist. Ihre Bewegung, das von A nach B und das warum, für ihre Bewegung, ergibt sich aus dem Willen zu einer Verschönerung der Welt. Die Welt gilt hierbei als die erlebte Welt, die ersonnene Welt.</p>


	<p><strong>Die Mimesis steigt auf</strong></p>


	<p>Der „homo aestheticus“ ist in seiner primitiven Ausprägung ein „homo mimesis“, ein entäußerter Mensch, dessen Spannung (An-Trieb) aus der Differenz zwischen den Optimalbildern und der Selbstwahrnehmung durch sie entsteht. Ein solcher Mensch tritt aus ihr heraus, als sie das Optimalbild erfüllen will, von dem sie glaubt, dass es sie glücklich macht. Auch ein solcher Mensch verschönert die Welt in einer gewissen Art, als sie die Welt „verrechnet“, indem sie immerzu eine Differenz berechnet<sup><a href="#fn1">1</a></sup>, zu dem, was sie glaubt, es wäre das Optimum. Ein in diesem Fall freilich suggeriertes Optimum. Sie glaubt, alles und jeden optimieren zu können und übersieht – im „wahrsten“ Sinne des Wortes – die Ästhetik in der Optimierung.</p>


	<p><strong>Der Blick verliert sich</strong></p>


	<p>Sagen und tun zu können, was ich mag, ist Freiheit und Egoismus zugleich. Eine Freude haben, ist ein dynamisches Konzept. Es bedingt eine Kenntnis, ein Selbstbewusstsein über das eigene Ästhetikgefüge, eine relativ stabile Einschätzung von gut und schlecht.</p>


	<p>Ein Zwang, ein Drift weg von dieser Kenntnis führt zum Zweifel und möglicherweise dann zur Verzweiflung, als die Orientierung verschwindet. So kann es sein, dass die offensten Menschen zu fremdgesteuerten Maschinen werden, als die Informationsbewertung ein unlösbares Problem letztlich für sie darstellt. Sie entfernen sich von ihrem Selbst, weil sie ihre Ästhetik auszulagern versuchen, um mehr und mehr Einblick zu erlangen, in die Ästhetik der anderen.</p>


	<p><strong>Der Blick kehrt zurück</strong></p>


	<p>Der Blick wird plötzlich ein ganz anderer.</p>


	<p>Die Häuserfront von Köln, die sich an den Rhein anschmiegt, erblickt sie nunmehr nicht mehr als ästhetisch wertvoll, vielmehr als durch Gier und Neid entstandene Objekte, deren Größe einzig Ausdruck und Zurschaustellung der Mächtigkeit seines Besitzers ist, Abbild der Notdurft für Geltung und somit Minderwertigkeit.</p>


	<p><strong>Der Moment, in dem sich die Ästhetik wieder einstellt</strong></p>


	<p>Es ist jener Moment, den Frau empfindet, wenn Sie in den Himmel schaut und plötzlich die Wolken anfangen, an ihr vorbei zu treiben. Es ist ein radikaler Wechsel zu vorher, wo es noch so war, dass die Wolken einen verfolgten oder sie hinderlich waren, weg sollten, kontrolliert werden wollten. 
Auf einmal lässt es sich anfangen zu träumen, als die Wolken die Inspiration darstellen für die Entwicklung von allerlei Phantasien und Vorstellungen, zumeist komische und das ist gut so.</p>


	<p><strong>Die Ode an die Naivität</strong></p>


	<p>Weg von der Lüge mit der Wissensgesellschaft<sup><a href="#fn2">2</a></sup>, hin zu einer Sinnlichkeitsgesellschaft, in dessen Mittelpunkt die Produktion von Phantasien vorkommt. Dabei entsteht ein Markt, der allen herkömmlichen Kriterien trivialisierter Ökonomiedebatten standhält – nachhaltig, zukunftsträchtig, wachstumssteigernd, rentabel und mit dem tatsächlichen Potential für eine Vollbeschäftigung – der Markt der Phantasien und Kreationen.</p>


	<p>Einzig was es nicht ist, weil es im paradoxen Verhältnis zum Eigentlichen und Wesentlichen einer „derenartigen“ Produktion steht, es ist nichts daran rational und schon gar nicht nützlich.</p>


	<p>Um eine sinnliche Lebensqualität wieder zu gewinnen, ist eine Ausdehnung der Reduktionismen aus der Ökonomie notwendig. Die auf Messbarkeit reduzierte Darstellung muss dafür überwunden werden<sup><a href="#fn3">3</a></sup>.</p>


<hr />
	<p id="fn1"><sup>1</sup> <em>Dieses Verhalten liegt sehr nah an dem der Akkomodation.</em></p>


	<p id="fn2"><sup>2</sup> <em>Aus der Gegebenheit von Wissen und dessen immateriellen Charakter ergibt sich zumindest ein Paradox in der ökonomischen Betrachtung, als die „Wissensökonomie“ beides benötigt, die Kräfte des freien Marktes als auch Protektionismus. Deshalb bedeutet Wissensgesellschaft gleichzeitig (vor allem) auch Nicht-Wissen-Gesellschaft.</em></p>


	<p id="fn3"><sup>3</sup> <em>Warum die Vielzahl der VertreterInnen der moderne Wirtschaftswissenschaft so gegen das neue Denken widerstreben, liegt daran, dass sie spüren, dass das Missverständnis, das zur Gründung der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten geführt hat, aufgedeckt werden könnte. Dort hoffte man auf objektive Konzepte zum Reichtum. Es musste festgestellt werden, dass dies leider nicht möglich ist. Damit wäre dann aber auch die Existenzberechtigung für Wirtschaftswissenschaften aufgehoben und daraus ergeben sich tatsächlich Existenzängste bei den entsprechenden VertreterInnen, zu Recht, denn z.B. ist Controlling einzig deshalb so populär, weil es Methoden zur Herstellung von optimaler und größtmöglicher Sicherheit und Sicherung einer bestimmten Situation, eines bestimmten Machtgefüges, etc., verspricht. Der Alltag beweist die Armseligkeit dieser Annahme auf Seiten der ForscherInnen, wie auf Seiten der Gläubigen (UnternehmerInnen, StudentInnen, etc.) derartiger Versprechungen, zum Glück immer noch ausreichend, um Kritikern das (Über-)Leben zu ermöglichen.</em></p>]]>
      </content:encoded>
      <pubDate>Mon, 14 Jul 2008 21:28:50 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="true">http://www.startblatt.net/blogs/zettel/homo-aestheticus---eine-traum-these</guid>
    </item>
    <item>
      <title>Das Konzept der "Meisterschaft"</title>
      <link>http://www.startblatt.net/blogs/zettel/das-konzept-der-meisterschaft</link>
      <dc:creator>Karl Baumann</dc:creator>
      <content:encoded>
        <![CDATA[<p>Mit diesem Beitrag wird der Versuch unternommen, einen wesentlichen Unterschied zwischen dem Konzept &#8220;Führung&#8221; (Leadership) und dem Konzept der &#8220;Meisterschaft&#8221;  (personnel mastery) zu argumentieren.</p>


	<p>Was diesen Diskurs allerdings sehr schwierig bis nahezu unmöglich macht, ist die Einsicht, dass jene Organisationen, die für das Konzept der &#8220;Meisterschaft&#8221; besonders interessant sind, sich selber vor einer derartigen Betrachtung/Kritik verschließen:</p>


	<ul>
	<li>- Kultur-Organisationen gelten als Abweichung, Ausnahme der Regel(n). Dadurch eignen Sie sich (1) weder für Pauschalierungen (= Thesenbildung), noch (2) für eine plurale Auseinandersetzung.</li>
		<li>- Universität wollen als Sonderfall betrachtet werden. Das eine (1) nimmt den Empirikern jegliche Möglichkeit, sich (in-/deduktiv) auszulassen und das andere (2) produziert genau jenes Denken, das die Behandlung der Universität als „Elfenbeintrum“ rechtfertigt.</li>
	</ul>


	<p>Die Kreativschaffenden selbst hingegen bringen zumeist Überlegungen zum Konzept der Meisterschaft großes Interesse entgegen.</p>


	<p>Wesentlich für das Konzept der Meisterschaft hat sich (1) zum einen dessen Beachtung für das investitionsreiche &#8211; weil vorgelagerte &#8211; „Treiben“ oder „Hin-und-Her“ zwischen Sozialisation und Deviation herausgestellt. Für das eigentliche Verständnis für diesen Prozess ist (2) die Gleichzeitigkeit der Sozialisierung und dessen Gegenbewegung, der Deviation, zu sehen. Erst dadurch lässt sich ein annäherndes Verständnis für die Problematik in dieser Entwicklung beschreiben. Das Ego, die/der MeisterIn<sup><a href="#fn1">1</a></sup>, steht in der Entwicklung von für sich zufrieden stellenden Fähigkeiten vor der Aufgabe, sich zu sozialisieren, um von anderen lernen zu können. Sofern jedoch der eigene Anspruch einer ist, das bereits „Dagewesene“ zu übertreffen, so wird Kritik gegenüber „den eigenen Leuten“ notwendig. Deviation setzt ein. 
Wann das eine (lernen und anpassen) oder das andere (kritisieren und abweichen) gerade passend ist, ist theoretisch sicher nicht zu klären.</p>


	<p><strong>Auffallend ist die zentrale Bedeutung des eigenen Anspruchs im Prozess der Meisterschaft, als der eigene Anspruch nahezu ausschließlich die Bewertungsreferenz (Qualität) definiert und damit die Moral des eigenen Tuns bestimmt.</strong></p>


	<p>Das erklärt auch, warum es nicht selten zu Aktionen kommt, die durchaus nicht mehr in den gesellschaftlich akzeptablen Rahmen (Sittenbild, Gesetze, etc.) passen und als kriminell betrachtet werden. Das ist eine notwendige Folge eines individuellen Anspruchs und der dafür notwendigen Deviation, Ausbruch aus den herrschenden (gesellschaftlichen, organisatorischen, familiären) Denkmustern (Kulturen). Ein solcher Ausbruch ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit inakzeptabel für diejenigen, von denen sich die MeisterIn distanziert und daher existenzbedrohend für diese.</p>


	<p>Wenn also von dem Phänomen „Genie &#38; Wahnsinn“ gesprochen wird, so ist entscheidend darauf hinzuweisen, dass beides Etiketten oder Bewertungen einer Person <span class="caps">DURCH</span> das gesellschaftliche Selbstverständnis sind. Sie drücken das Selbstverständnis derer aus, die beobachten. Nachdem diese Beobachtung aus den „gewöhnlichen“ Umständen heraus gemacht wird, erscheint diejenige Person, die für sich eine persönliche Meisterschaft erreichen will, als wahnsinnig. Sie muss quasi als solches erscheinen, weil die Erforschung von Neuartigem in den Vorstellungen der BeobachterInnen nicht vorkommen kann, also dafür auch kein Referenzsystem vorhanden ist. Sie können es nicht einordnen und nachdem es die sachliche Kategorie „Sonstiges“ in diesem Zusammenhang nicht geben kann, weil es sich um ein zwischenmenschliches Phänomen handelt, wird es als Wahnsinn bezeichnet und abgetan.</p>


	<p>Mit der Selbstwahrnehmung der Person, deren Tun als wahnsinnig bezeichnet wird, hat die Bezeichnung insofern selten etwas zu tun, als die Person selbst nicht von sich annimmt, pathologisch erkrankt oder geistesgestört zu sein. Dies setzt voraus, dass ein gesundes Selbstwertgefühl und eine gewisse Wertschätzung im sozialen Umfeld vorhanden sind. Mit Selbstwertgefühl und soziale Wertschätzung sind gleichzeitig die wesentlichen „Strukturen“ für den Prozess der Meisterschaft genannt. Die Führungsaufgabe besteht darin, dafür Sorge zu tragen.</p>


	<p><strong>Sind diese wesentlichen Rahmenbedingungen nicht ausreichend hergestellt (das ist eindeutig eine Führungsaufgabe), so entsteht im Zuge der Meisterschaft Einsamkeit, ein Gefühl vollkommenen Unverständnisses und letztlich der Zusammenbruch des Egos.</strong></p>


	<p>Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Person anfängt, selber darüber nachzudenken, ob mit Ihr etwas nicht stimmt. Im besten Fall ist dieser Zustand noch therapeutisch (Coaching &#38; Supervision reichen hier sehr wahrscheinlich noch aus) zu managen. Beim Fehlen jedweder Führungskompetenz ist Verzweiflung mit ihrer letzten Konsequenz Selbstmord<sup><a href="#fn2">2</a></sup> die Folge im Prozess der persönlichen Meisterschaft. 
Die Tragödie liegt in der Paradoxie, als der Auslöser der eigene Anspruch ist, der Wille zur persönlichen Meisterschaft (Perfektion, etc.), der letztlich zum genauen Gegenteil führt: Vereinsamung und letztlich dem Tod durch Selbstmord.</p>


	<p>Zu diesem Zeitpunkt fühlen sich sehr wahrscheinlich keine Personen mehr verantwortlich, weil der Reflex auf notwendige interne Kritik zur Erlangung der Meisterschaft als Abblocken, als Abbruch des internen Diskurses verstanden wird. Insofern ist eine Person im Prozess der Meisterschaft eben nicht zu führen und hört auch irgendwann damit auf, sich zu sozialisieren, als das Misstrauen gegenüber einer negativen Beeinflussung zu groß wird. Dadurch entsteht unausweichlich ein Defizit in der Kommunikation und im Verständnis der jeweiligen Personen. Selbst wenn die ohnehin schon enorm hohen Anforderungen an derartige Austauschprozesse ernst genommen und erkannt wurden, irgendwann kommt es zu fehlender Kommunikation, Unverständnis, Misstrauen, etc. und letztlich führt dieses Kommunikationsdefizit zu Verschwörungstheorien auf beiden Seiten, was wiederum Frustration, Verfolgungswahn oder Schizophrenie zur Folge haben kann.</p>


	<p><em>„Spitzensport und Spitzenforschung haben durchaus Gemeinsamkeiten. In beiden Bereichen entstehen Höchstleistungen nur mit viel Anstrengung und einem gehörigen Maß an Motivation. Bei der <span class="caps">FIT</span>-IT Projektprämierung der besten eingereichten <span class="caps">FIT</span>-IT-Projekte des Jahres 2006 wird es daher eine Begegnung von Spitzensport und Spitzenforschung geben.“</em><br/> (Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, Aussendung „Höchstleistung, bitte!“ vom Fr. 22.12.2006, 17.23h)</p>


	<p><strong>Ein solcher Text, wie dieser des <span class="caps">BMVIT</span> beispielhaft dargestellt, geht am eigentlichen Problem vorbei.</strong></p>


	<p>Das Problem ist nicht die Motivation auf „ein gehöriges Maß“ zu steigern, sondern die Konsequenzen von bedingungslosem Einsatz, Wille zum Erfolg, Wille zur Verbesserung und Veränderung oder/und unbändiger Neugier zu managen und organisieren.</p>


	<p>Dabei tut sich der Spitzensport wesentlich leichter, als es (mit mit wenigen Ausnahmen &#8211; z.B. Schach) zumeist um physische Aktivitäten geht, die „einsehbar“ sind und dessen „Risiko“ kalkulierbarer ist (z.B. wenn jemand auf die Idee kommt, mehr als 500 Meter beim Skispringen zu erreichen, so lassen sich relativ einfach bestimmte physikalische Wahrscheinlichkeiten und idF Notwendigkeiten ermitteln und darstellen &#8211; notwendige Absprunggeschwindigkeit, Druckbelastung, etc.).</p>


	<p>Gewiss können in diesem Punkt Kunst- und Forschungsorganisation vom Spitzensport einiges lernen, als herausragende SportlerInnen auch besondere Betreuung (persönlicher Trainer, Coach, Physiotherapeut, Materialverantwortliche, etc.) bekommen und sich die SportlerIn auf die Ausübung ihrer Sportart ausschließlich konzentrieren kann. Die SportlerIn wird zur MeisterIn ihrer Disziplin. Davon ist der Kunst- und Forschungsbereich im Allgemeinen weit entfernt.</p>


	<p>Was die Führungsaufgabe im Kunst- und Forschungsbereich wesentlich unterscheidet, ist die Offenheit des Prozesses.
Eine SportlerIn agiert unter relativ gut strukturierten Bedingungen, als die Sportart (Disziplin) und dessen Erfolgskriterien wohl definiert sind. Sie optimiert ihre Fähigkeiten unter diesen wohldefinierten und auch zumeist nicht weiter hinterfragten Rahmenbedingungen. Als solches sind Innovationen in diesem Bereich bestenfalls als inkrementell zu verstehen.</p>


	<p>KünstlerInnen wie ForscherInnen, als sie mit dem Wunsch für Veränderungen agieren, arbeiten mit wenig greifbaren Materialien (Gedanken, Texte, Konzepte, Musik, Farbe, Form, Prozesse, Meinungen, Weltanschauungen, etc.) ohne zu wissen, wo es hinführt, da das Wissen von Morgen einzig das Ergebnis eines intellektuellen Prozesse darstellen kann, der im Jetzt abläuft und dieses Jetzt trägt die Kultur der Vergangenheit in sich.</p>


	<p><strong>Als solches bedarf die KünstlerIn als auch die ForscherIn einer (logisch) unmöglichen Unterstützung, denn was die KünstlerIn oder auch ForscherIn versucht zu tun und denken, ist neu <span class="caps">UND</span> neu.</strong></p>


	<p>Es ist für Sie neu und auch für alle daran beteiligten neu, also auch für die Führungskraft. Somit kann es niemanden geben, der den Prozess der Bewertung, Sinngebung, Einordnung etc. im Zuge der Meisterschaft unterstützen könnte. Die KünstlerIn oder auch ForscherIn ist im Prozess der Meisterschaft in letzter Konsequenz inhaltlich auf sich alleine gestellt.</p>


	<p>Diese inhaltliche Alleinstellung kann und darf jedoch nicht bedeuten, dass die KünstlerIn oder ForscherIn auch ökonomisch und sozial allein gelassen wird!</p>


	<p>Ob und wann sich das Phänomen des inhaltlichen Durchbruchs oder der Kristallisation bei der KünstlerIn oder ForscherIn er-eignet, insofern ein Verständnis für einen bestimmen Zusammenhang entwickelt wird, ist offen. <strong>Sofern diese Offenheit einen bestimmten Wert darstellt, ist diese Offenheit zu managen, denn Sie ist von verschiedensten Seiten ständig bedroht.</strong></p>


	<p>Wesentlich ist letztlich noch die Unterscheidung zwischen Meisterschaft und Exzellenz herzustellen. Der Prozess der Meisterschaft beruht auf der Entwicklung einer meisterhaften Kompetenz, deren Qualität in vielen Fällen derartig diffizil ist, als sie nur mehr von der MeisterIn selbst bewertet werden kann. Sie kommt von innen, vom Herzen.<br/>
Ganz anders ist es bei dem Konzept der Exzellenz, als das Konzept der Exzellenz auf dem Konzept von Wettbewerb und Rivalität beruht. Es geht hierbei um das „Besser sein als…“. Insofern kommt es von außen, von einem gewissen Macht- und Gieranspruch, also von den mimentischen Kräften (vgl. R. Girard).</p>


<hr />
	<p id="fn1"><sup>1</sup> <em>Dabei ist wesentlich, dass eine persönliche Meisterschaft von jeder und jedem erreicht werden kann, als es von den individuellen Bedingungen abhängt, was letztlich als solches gilt und die Bewertung darüber, ob eine Meisterschaft erreicht wurde, einzig durch die MeisterIn selbst erklärt werden kann. Nur wenn eine solche Meisterschaft auch gesellschaftlich besonders rezipiert wird, kann es zu dem Phänomen der HeldIn oder Stars werden, was jedoch nichts mit der Qualität „an sich“ zu tun hat, sondern nur zeigt, dass auch der Aspekt einer breiten Popularität (Pop vs. Art) gegeben ist.</em></p>


	<p id="fn2"><sup>2</sup> <em>Dabei wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Schreiber Selbstmord als eine Katastrophe versteht, zu der es in keinem Fall kommen darf.</em></p>]]>
      </content:encoded>
      <pubDate>Wed, 30 Jan 2008 23:21:58 +0100</pubDate>
      <guid isPermaLink="true">http://www.startblatt.net/blogs/zettel/das-konzept-der-meisterschaft</guid>
    </item>
    <item>
      <title>Forschungs-Evaluation ist absurd</title>
      <link>http://www.startblatt.net/blogs/zettel/forschungs-evaluation-ist-absurd</link>
      <dc:creator>Karl Baumann</dc:creator>
      <content:encoded>
        <![CDATA[<p>In den letzten Jahren hat sich ein umfassender und zum Teil auch äußerst lukrativer Markt für die Durchführung von Evaluation von Forschungstätigkeiten entwickelt.</p>


	<p>• Zunehmend werden Forschungsmittel außerhalb der traditionellen, dafür vorgesehenen und teilweise über Jahrhunderte aufgebaute Organisationen (z.B. Forschungsbudgets für Universitäten) vergeben, weil dieser Weg als verkrustet, ineffizient, unflexibel, etc., weil bürokratisch, mit gezielter Propaganda schlecht gemacht wird. Wesentlich besser scheint es, projektbasierte Forschung zu finanzieren. Das hat den großen Vorteil für die GeldgeberIn, dass das Finanzierungsversprechen nur auf den Zeitraum des Projektes beschränkt ist. Ist das Projekt aus, dann ist es eben aus und Punkt.</p>


	<p>Wesentlich dabei ist jedoch, dass das Projekt zumeist auch keine Chance auf weitere Mittel hat, ganz egal, ob es mit positiven oder keinen Ergebnissen am Ende aufwarten kann. Folgeaufträge sind nicht oder nur sehr, sehr selten angedacht. Eigentlich sehr komisch. Da werde zunächst scheinbar heilbringende Marktstrukturen (z.B. Wettbewerb um Projektbudgets) in die Forschung eingebracht, aber leider haben die MacherInnen darauf vergessen, neben Daumenschraube auch noch marktübliche Belohnungsmöglichkeiten einzuführen.</p>


	<p>Was es jedoch bereit, umfangreich, teuer etc. gibt, ist eine Evaluation am Ende eines Projektes, Programmes, etc.</p>


Konsequenzen derartiger Evaluation sind zumeist: 
	<ul>
	<li>- Wieder weniger Geld für die eigentliche Forschung, weil sich einige EvaluatorInnen eine goldenen Nase dabei verdient haben &#8211; und das Geld muss ja auch wo her kommen &#8211; und, ja und&#8230; </li>
		<li>- ein Evaluationsbericht zum durchlesen. Insofern zwar nett, als es wieder etwas mehr zum Lesen gibt, aber eine Diskussion, geschweige denn Reflexion, geschweige denn Aktionen für die Verbesserung möglicher Schwächen &#8211; nein.</li>
	</ul>


	<p>Das war&#8217;s dann eben somit zumeist auch. Also auf gut österreichisch:</p>


	<p><strong>Außer Spesen, nix gewesen!</strong></p>


	<p>• Werden die Forschungsmittel dort hin gegeben, wo aufwendig und teuer über die letzten Jahrhunderte Forschung aufgebaut wurde und stattfindet (z.B. Universitäten), dann führt sich Evaluation insofern ad absurdum, als die jeweilige wissenschaftliche Tätigkeit ohnehin der Kritik der jeweiligen Kollegenschaft in verschiedensten Formen  unterworfen ist<sup><a href="#fn1">1</a></sup>.</p>


	<p>Evaluation versucht in diesem Kontext<sup><a href="#fn2">2</a></sup> Wissenschaftstheorie für wissenschaftliches Handeln zu sein. Evaluation praktisch gedacht beginnt genau dort, was herkömmlich als Wissenschaftsmethodologie bezeichnet wurde und in gebildeten Kreisen nach wie vor wird und ist insofern eben genau so kontroversiell, wie der Diskurs innerhalb der Wissenschaftsmethodologie und Epistemologie. Evaluation von Forschungstätigkeiten kann in diesem Sinne letztlich nichts anderes sein, als die Frage nach der Verwendung entsprechender Forschungsmethoden innerhalb einer entsprechenden Epistemologie. Dieser Fragen widmen sich traditioneller Weise &#8220;Philosophen&#8221; und dieser Diskurs ist ganz sicher nicht abgeschlossen, noch beantwortet und die unterschiedlichen Positionen so vielfältige wie das Leben selbst.</p>


<hr />
	<p id="fn1"><sup>1</sup> <em>Editorial Boards entscheiden über die Tauglichkeit von wissenschaftlichen Artikeln, Berufungskommissionen entscheiden über die Tauglichkeit von Bewerbungen, Habilitations- und Promotionsverfahren entscheiden über die Tauglichkeit von Karriereschritten, etc. Dies alles passiert innerhalb mehr oder weniger hoch kompetenter WissenschafterInnen, die zumeist jedenfalls besser qualifiziert sind, als zufällige EvaluatorInnen.</em></p>


	<p id="fn2"><sup>2</sup> <em>Vor allem jene Ansätze, die sich post-strukturalistisch, post-modern oder sonst wie post&#8230; bezeichnen.</em></p>]]>
      </content:encoded>
      <pubDate>Mon, 15 Oct 2007 18:25:52 +0200</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Vor-Sicht Forschung II: Kritik in der Wissenschaft</title>
      <link>http://www.startblatt.net/blogs/zettel/vor-sicht-forschung-ii-kritik-in-der-wissenschaft</link>
      <dc:creator>Karl Baumann</dc:creator>
      <content:encoded>
        <![CDATA[<p><strong>Ein Praxis-Beispiel:</strong></p>


	<p><em>Ein Bericht zu einem drittmittelfinanzierten Forschungsprojekt wird an einem Institut einer Österreichischen Universität vorgelegt. Dabei werden auch im Sinne von Action Research verschiedene Ergebnisse teilnehmender Beobachtung innerhalb der Institution dargelegt. Diese Ergebnisse wurden in weiterer Folge auch den Beobachteten zur Verfügung gestellt.</em>
<em>Die erste Rückmeldung zum Bericht kommt von der Fr. Sekretärin, die sich bemüßigt fühlt, Ihren Unmut über den Text auszulassen.</em></p>


	<p><em>Das ist schon einigermaßen überraschend, als es gewiss nicht zu Ihrer Aufgabe gehört, sich am wissenschaftlichen Diskurs aktiv zu beteiligen. Dennoch wird freundlich und ausführlich auf die relevante Literatur verwiesen, die eben als Voraussetzung notwendigerweise zu lesen ist, um die im Bericht dargelegten Gedanken nachvollziehen zu können.</em></p>


	<p><em>In weiterer Folge kommt es zu einem so genannten „Brown Bag Lunch“ (diese Bezeichnung steht für ein Essen, bei dem über aktuelle Forschungsaktivitäten berichtet und diskutiert wird – etwas, was in den <span class="caps">USA</span> derzeit angeblich sehr mondän sei &#8211; auf gut Deutsch würde man sagen, ein „Kaffeekränzchen“), wo über die Ergebnisse aus dem Bericht diskutiert werden sollte. Es wird zunächst ausführlich diskutiert und eine rege Debatte entsteht. Das alles passiert im gut österreichisch-kaiserlich-königlichem-höfischen Gehabe und Getue.</em></p>


	<p><em>Wesentlich spannender sind die darauf anschließenden Ganggespräche. Dabei erfolgen dann persönlich Angriffe und es werde rechtfertigen eingefordert, wie es jemanden einfallen könne, in einem Text, der noch dazu nach außen gehe, Kritik gegenüber dem eigenen Institut zu äußern!</em>
<em>Der Verfasser des Berichts entgegnet, das könne doch im Zuge einer freien Forschung nichts Außergewöhnliches noch Problematisches sein?</em></p>


	<p>Heute arbeiten diese Menschen nicht mehr mit Ihm zusammen.</p>


	<p>Wie die <a href="http://www.startblatt.net/blog/zettel/show/467">Tabelle</a> zeigt, besteht im Umgang mit und der Organisation von Kritik innerhalb der Wissenschaft eine weit verbreitete Aversion bzw. Unkenntnis, es ist unerwünscht und lästig.</p>


	<p>Dabei lässt sich die These bilden, dass Kritik im Wissenschaftsbetrieb kaum eine Bedeutung hat und weitestgehend unmöglich ist, als das System verschiedene Mechanismen eingebaut hat, die Kritik verhindern. Warum das derartig auffallend ist, liegt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit daran, dass Wissen die Währung des Wissenschaftsbetriebes ist.</p>


	<p>Etwas anders zeigt sich das Bild im Kunstschaffenden Treiben, wo weitestgehend Einigkeit darüber herrscht, dass nur durch Kritik und der unmittelbaren (wenn auch unangenehmen) Auseinandersetzung mit Kritik, die von Innen und von Außen (Kulturkritiker, Politik, Gesellschaft, Medien, etc.) laufend vorhanden ist, Qualität und ständige Verbesserung möglich sind.</p>


	<p><em><strong>Ein prominentes und zugleich extremes Beispiel für einen anderen Umgang mit Kritik:</strong></em>
<em>Gustaf Gründgens war nach eigener Aussage und nach Aussagen verschiedener Freunde und Zeitzeugen (vgl. Zusatzmaterial zu „Mephisto“) quasi süchtig nach Kritik, als Quelle für Verbesserung.</em></p>


	<p>Nimmt man Gustaf Gründgens als Maßstab, so scheint seine Einstellung und sein Umgang mit Kritik im Sinne der Erreichung von Perfektion nichts Abwegiges zu sein.</p>]]>
      </content:encoded>
      <pubDate>Tue, 04 Sep 2007 21:39:36 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="true">http://www.startblatt.net/blogs/zettel/vor-sicht-forschung-ii-kritik-in-der-wissenschaft</guid>
    </item>
    <item>
      <title>Forschung will hier niemand &#8211; schnelle und einfache Aussagen sind gew&#252;nscht!</title>
      <link>http://www.startblatt.net/blogs/zettel/forschung-will-hier-niemand--schnelle-und-einfache-aussagen-sind-gewuenscht</link>
      <dc:creator>Karl Baumann</dc:creator>
      <content:encoded>
        <![CDATA[<p>Systemische BeraterInnen<sup><a href="#fn1">1</a></sup> (z.B. Neuwaldegg) beschränken sich mehr oder weniger reflektiert auf das, was sie vorfinden und verformen durch Interventionen oder auch aktive Gestaltung (dessen Trennung nicht ganz einfach zu ziehen ist) nach einer gewissen Vorstellung, einem gewissen Idealbild, einer bestimmten Ethik, auf die man sich geeinigt hat. Sie sind (wieder) sehr populär und gelten mittlerweile auch noch als Vorzeige-Beispiel für „anwendungsorientierte Forschung“. Zum Teil ist dem zuzustimmen, als Ihre Methode vielversprechend ist: Sie gehen hin, schauen zu, machen etwas und versuchen ihre Lehre daraus zu ziehen, schreiben es nieder und vermarkten das dann auch – als wissenschaftliche Ergebnisse.</p>


	<p>Der Ansatz ist gut, allein Ihre Beweggründe für das, was Sie dabei tun, sind höchst fraglich, als es kommerzielle Interessen zumeist sind, die sie bei ihren Bestrebungen leiten.
Leider haben auch sie sich von der kindischen Idee des Wettbewerbes und der Excellenz anstecken lassen und verfolgen somit munter die Befriedigung ihrer eigenen Eitelkeit. Die Rechtfertigung dafür finden sie in wachsenden Kontoständen und Gewinner-Heroisierungen.</p>


	<p>Die ForscherIn wäre kritisch demgegenüber, als sie grundsätzlich hinterfragt, sofern sie Rahmenbedingungen vorfindet, in denen dies zugelassen wird.</p>


	<p>Darin besteht wohl auch ein wesentlicher Unterschied zwischen Forschung und Wissenschaft, als die Wissenschaft dem Grunde nach unkritisch ist. WissenschafterInnen sehen sich nicht als Teil ihrer Erkenntnis-Produktion in dem Sinne, als die BeobachterIn (sie selber) Teil Ihrer Beobachtung ist. So geht die WissenschafterIn von einer Trennung zwischen ihr (Subjekt) und den Dingen, die sie verwissenschaftlicht (Objekte), aus. Das Ergebnis einer solchen Betrachtung können „bestenfalls“ dogmatische Lehrsätze sein.</p>


	<p>Forschung wäre dabei ein offener Diskurs, ein zwischenmenschliches Gespräch, als Er-Forschen ein aktives und beteiligtes Mit-Denken und Mit-Tun bedeutet, bei dem Selbstverständnisse entstehen und vergehen. Aus dem alltäglichen Er-Leben ergeben sich neue Sichtweisen, Einstellungen und Meinungen, die letztlich die Handlungen definierten, weil es dann erlebt und in der Folge erlernt wurde. Die ForscherIn beobachtet all diese Veränderungen, schreibt sie nieder und versucht „bestenfalls“ Regelmäßigkeiten, Gleichmäßigkeiten oder auch Absonderlichkeiten und Auffälligkeiten zu finden.
Insofern macht die Dekonstruktion dessen, was da ist, das eigentliche Wesen der Forschung aus. Als solches wäre die Forschung zunächst dem Grunde nach kritisch, ja man möchte fast einen Imperativ herausschreien: „Sei kritisch gegenüber dem, was da ist!“</p>


	<p>Damit so etwas entstehen kann, ist eine plurale und offene Gesellschaft notwendig mit hervorragendem Bildungsniveau und in der Folge hoher Toleranz gegenüber Minderheiten, Absonderlichkeiten und Irrsinnigem.</p>


	<p>Für österreichische Verhältnisse, dessen nationale, technokratische und faschistische Tradition nach wie vor gekonnt den „Lifestyle“<sup><a href="#fn2">2</a></sup>  prägt, wäre dies eine radikale Veränderung, dessen Impuls aus der herrschenden Forschungs- und Gesellschaftspolitik kommen müsste.</p>


	<p>Bemerkt schon jemand etwas davon?</p>


<hr />
	<p id="fn1"><sup>1</sup> <em>Von herkömmlichen „Beratungsunternehmen“ (BCG, McKinsey &#38; Comp., AT-Kearney, Droege &#38; Comp. Accenture etc.) sei hier nicht die Rede, denn die betreiben ohnehin keine Beratung in dem Sinne, als Sie eine eigene Meinung vertreten. Vielmehr erfüllen diese den Bedarf nach Rechtfertigung für Entscheidungen, die sich ohne Sie nicht einfach durchsetzten ließen. Als solches sind Sie notgedrungen opportunistische Handlanger Ihrer AuftraggeberInnen und tun genau das, was eben dafür notwendig ist, um Ihre Honorare überwiesen zu bekommen und damit hat sich’s.</em></p>


	<p id="fn2"><sup>2</sup> <em>Solche Events wie jener des <a href="http://www.lifeball.org">LifeBalls</a> in Wien sind dafür wunderschöne Beispiele, als es sich dabei um einen kurzen Moment, einen kleinen Stich in die Seele der ÖsterreichIn nur handelt, bei dem sich Prominenz, Adabei und Möchtegern bestens alljährliche eine Gaudi macht und halt mal kurz auch Absonderliches als „cooles happening“ begafft und toleriert. Wichtig dabei ist, dass nachher alles wieder sauber aufgeputzt und in Ordnung gebracht wird und die &#8220;Kohle&#8221; stimmt.</em></p>]]>
      </content:encoded>
      <pubDate>Thu, 23 Aug 2007 11:09:44 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="true">http://www.startblatt.net/blogs/zettel/forschung-will-hier-niemand--schnelle-und-einfache-aussagen-sind-gewuenscht</guid>
    </item>
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      <title>F&#252;hrung und Verantwortung</title>
      <link>http://www.startblatt.net/blogs/zettel/fuehrung-und-verantwortung</link>
      <dc:creator>Karl Baumann</dc:creator>
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        <![CDATA[<p>Aktionen der Führung haben als solches einen moralischen Hintergrund, weil es darum geht, Verantwortung zu übernehmen für die Entwicklung anderer Menschen und deren Schicksale. Aus dem blinden Fleck für Zwischenmenschliches der Luhmann´schen-Systemtheorie hat sich jedoch ergeben, dass Selbst-Steuerung bzw. Selbst-Evaluierung als mögliche Konzepte der Führung anerkannt wurden.</p>


	<p>Nach der Sichtung verschiedener Materialien im Zuge verschiedener Projekte komme ich zur These, dass Selbst-Steuerung und Selbst-Evaluierung keine Alternative zu Führung darstellen kann, insofern mit Führung auch eine zwischenmenschliche Verantwortung übernommen wird.
Selbst-Steuerung und Selbst-Evaluierung sind gewiss bequeme Über-Antwortungsmethoden, um von einer Führungslosigkeit ablenken zu können.</p>


	<p>Wie könnte es anders zu erklären sein, dass gerade in einer Organisation wie z.B. jener einer Universität eben die einfachsten Dinge übersehen werden und z.B. JungwissenschafterInnen plötzlich ohne finanzielle Mittel und jedweder Perspektive da stehen. Dabei ist selbst in dieser Debatte der Irrsinn von Selbst-Steuerung schon soweit entwickelt, als die JungwissenschafterInnen, die eben nicht mit Führungs- und somit Budgetkompetenz ausgestattet sind, selbst dafür verantwortlich gemacht werden, nicht ausreichend für sich sorgen zu können.</p>


	<p>Auch die Rede von intrinsischer Motivation hat sich als sozial-romantisch entlarvt. Bei dem Versuch zu erklären, warum es den Anschein macht, dass sich in kultur- und wissensproduzierenden Organisationen das Phänomen der „Selbstausbeutung“ beobachten lässt, wurde festgestellt, dass diese Selbstausbeutung keineswegs „bewundernswert“ zu verstehen ist, als verschiedene Gründe dazu führen, dass es dazu kommt: Wunsch nach Aufmerksamkeit, Geltungsdrang, Probleme mit Autoritäten, Schwierigkeiten der Einordnung, fehlende (Sozial-)Kompetenz auf der einen Seite und Führungsschwäche auf der anderen Seite.</p>


	<p>So wird die Ausbeutung teilweise auch als angenehm empfunden, weil eben sadistische Veranlagungen vorhanden sind.</p>


	<p>Sie sind auch eine Konsequenz von Leistungskultur, die notwendigerweise mit sich bringt, dass Glück und Wohlstand erst dann akzeptabel sind, wenn zuvor im ausreichenden Maße Mühsal und Schmerz als Konsequenz echter Leistungsbereitschaft er-litten wurde. Erst ein gewisses Maß an Qualen, die (auch oder vor allem in einem sportlichem Selbstverständnis) erlebt wurden, rechtfertigen, im Wohlstand leben und arbeiten zu dürfen<sup><a href="#fn1">1</a></sup>.</p>


	<p>Die Führungskraft (der Leader) steht als solches vor dem Dilemma, Paradoxon oder Zielkonflikt, seinen Untergebenen möglichst viel Freiheit einzuräumen, in der Hoffnung, dass diese Freiräume eigeninitiativ genutzt werden und gleichzeitig Verantwortung für den Erfolg seiner Untergebenen zu übernehmen. 
Ein einfacher Vergleich drängt sich auf:</p>


	<p><em>Der Leader wirft seine Zöglinge ins Wasser, in der Hoffnung, sie werden selber schwimmen lernen &#8211; doch rettet er Sie auch vor dem Ertrinken, wenn sie es eben nicht schaffen?</em></p>


	<p>Dazu eine bemerkenswerte Aussage von Edelbert Köb (Direktor <a href="http://www.mumok.at"><span class="caps">MUMOK</span></a>, Wien) (auch von Walter Famler, Leiter <a href="http://www.alte-schmiede.at">Alte Schmiede</a>, Wien, in ähnlicher Form geäußert), der (sinngemäß) schon im Vorhinein wisse, wann etwas keinen Erfolg haben wird. Er ließe es aber einfach zu, weil er könne sich ja nicht die ganze Zeit nach dem richten, was gewünscht wird.</p>


	<p><em>Wenn seine KuratorInnen über längere Zeit etwas Anspruchsvolles machen, dann ziehe das keine einzige BesucherIn in das Museum. Wenn es notwendig würde, stelle er sich dann eben wieder hin und mache etwas, das garantiert Publikum anziehen würde. Insofern sorge er damit dann wieder dafür, dass die Budgets des Museums und dadurch auch die Existenzen seiner KuratorInnen gesichert sind.</em></p>


	<p>Dies ist ein einfaches Beispiel, wie mit dem Dilemma zwischen Freiheit des Scheiterns und Führung umgegangen werden kann.</p>


	<p>Moderne Management Methoden, wie z.B. die des MitarbeiterInnengespräches, sind im Kontext dieser Problematik bestenfalls „nette Versuche“ und fördern die notwendig zur sachlichen Auseinandersetzung und Reflexion der jeweiligen Aktionen. Sie sind jedoch keinesfalls ein ausreichender Ersatz für die Führungsaufgabe insgesamt.</p>


<hr />
	<p id="fn1"><sup>1</sup> <em>Damit ist diese Mentalität des „sich nach oben arbeiten“ eng verbunden, die sich in Österreich sehr stark erkennen lässt. Wobei paradoxer Weise bei diesem „sich nach oben arbeiten“ besonders politische – also ideologische – Verbindungen notwendig und hilfreich sind.</em></p>]]>
      </content:encoded>
      <pubDate>Tue, 07 Aug 2007 11:27:26 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="true">http://www.startblatt.net/blogs/zettel/fuehrung-und-verantwortung</guid>
    </item>
    <item>
      <title>Kluge K&#246;pfe fl&#252;chten aus &#214;sterreich!</title>
      <link>http://www.startblatt.net/blogs/zettel/kluge-koepfe-fluechten-aus-oesterreich</link>
      <dc:creator>Karl Baumann</dc:creator>
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        <![CDATA[<p>Mit dieser Titel-Story brüstet sich heute eine der größten Tageszeitungen Österreichs.</p>


	<p>Die erste Reaktion war: „Naja, bei der Presse-Landschaft, kein Wunder.“</p>


	<p>Die Reaktion nach Überfliegen (aufgrund der geringen inhaltlichen Dichte vollkommen ausreichend) des entsprechenden Artikel: „Schade, dass die (…) jetzt schon so offensichtlich Schleichwerbung für höchst dubiose politische Aktivitäten, wie die der Technologie-Installation in Gugging  (Niederösterreich) <span class="caps">ISTA</span>, machen.“</p>


	<p>Das Besondere an jener Organisation, wie sie jetzt in Gugging mit viel Geld, das in all den letzten Jahren den Universitäten abgenommen wurde, von der Politik und der österreichischen Industrie installiert wird, ist:</p>


	<p><strong>Sie haben Ihr Institut (ISTA) <span class="caps">SELBST</span> zur „Elite-Universität“ ernannt!</strong></p>


	<p>In fast jeden anderen Staat dieser Erde <strong><span class="caps">WIRD</span></strong> man zu einer solchen, <strong><span class="caps">NACHDEM</span></strong> man sich über mehrere Jahre durch ausgezeichnete und exzellente Arbeit hervorgetan hat.</p>


	<p>Das, so einfach ist es manchmal, ist eben der kleine, feine aber wesentliche Unterschied zwischen Österreich und dem Rest der Welt.</p>


	<p>Die notwendigen Konsequenzen daraus sind keine derart peinlichen Initiativen, wie einer www.brainpower-austria.at Webseite, wo über komplizierte Verfahren lächerliche Geldbeträge vergeben werden, sonder <span class="caps">ENDLICH</span> die restlose Abschaffung des antiquierten Ständestaates in Österreich.</p>


Was ist dazu notwendig: 
	<ul>
	<li>-    sofortige Aufhebung der obligatorischen Mitgliedschaft zu irgendwelchen Vereinen, wie die der Wirtschaftskammern Österreichs.</li>
		<li>-    sofortiger und restloser Rückzug der Politik aus wissenschaftlichen Institutionen.</li>
		<li>-    sofortige Aufhebung von jeglicher Form der Männerbünde aufgrund derer ungustiösen Antiquiertheit, Frauenfeindlichkeit, Rassismus und Selbstherrlichkeit.</li>
	</ul>


	<p>Nachdem jedoch alles und jeder, der in Österreich etwas geworden ist, in irgendeiner Form mit den oben genannten drei Punkten „verbandelt“ ist, ist in den nächsten hundert Jahren nicht mit einer Änderung zu rechnen.</p>


	<p>Also bleibt der altbewährte Ratschlag an die zum Glück in großer Zahl vorhandenen jungen, interessierten und talentierten Menschen in Österreich:</p>


	<p><strong>„Wenn Du wirklich etwas werden willst, dann geh’ ins Ausland!“</strong><br/>
(<em>Zitat unbekannt – Volksweisheit</em>)</p>]]>
      </content:encoded>
      <pubDate>Tue, 31 Jul 2007 16:28:44 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="true">http://www.startblatt.net/blogs/zettel/kluge-koepfe-fluechten-aus-oesterreich</guid>
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    <item>
      <title>Salzburger, Bayreuther etc. Festpiele und worum es eigentlich geht...</title>
      <link>http://www.startblatt.net/blogs/zettel/salzburger-bayreuther-etc--festpiele-und-worum-es-eigentlich-geht--</link>
      <dc:creator>Karl Baumann</dc:creator>
      <content:encoded>
        <![CDATA[<p>Eitelkeit als Reflex zu Kunst als Produkt von Form, deren Enthusiasmus sich auf die Produktion von Schönheit be-schränkt. Dort, wo Kunst ohne Inhalt und Bezug zur Kultur bleibt – als reine Darstellung von etwas – , da ist die Selbstdarstellung leicht Resultat, nahe an der Schönheit. Das Bild wird zum Bildnis. Das Bildnis wird zur Anleitung für die selbst wahrgenommene Abbildung.</p>


	<p>Das Bild zeigt Effekt, als es Aktion hat. Eitelkeit als der Versuch, sich besser Darzustellen, wie andere, Eitelkeit als etwas, das sich klar in Bezug (Reflex) stellen lässt. Als <em>bewusster</em> Versuch, der Norm zu entsprechen, als solches kann es nur Form und Prozess (kein Inhalt) „be-inhalten“. Es bevorzugt eine reine Ästhetisierung, ohne Kontext. Eitelkeit als totalitäres Element, weil es ausschließend ist und entgegen der Akzeptanz von Vielfalt und somit dem Ich frönt, als „wie es ist“, im Unterschied zu einer Kultivierung des selbst.
Eitelkeit als „Bin ich denn auch schön und Schöner als die anderen“.
Eitelkeit ist eine „Entgegnung“, eine Produktion von „Besser-Sein“, als Rivalität bzw. als Entsprechung ohne Charakter, ohne Meinungsbildung.</p>


	<p>Hingegen Kultivierung als ein sich selber „Hinrichten“ für ein „in Bezug treten“ zu anderen, eine Notwendigkeit für eine offene Begegnung verstanden wäre.</p>]]>
      </content:encoded>
      <pubDate>Thu, 26 Jul 2007 13:13:22 +0200</pubDate>
      <guid isPermaLink="true">http://www.startblatt.net/blogs/zettel/salzburger-bayreuther-etc--festpiele-und-worum-es-eigentlich-geht--</guid>
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