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17.05.2012
"Zu Tode gefürchtet ist auch...
Angst (8 Beiträge von 2 PublisherInnen online)

Laut Martin Heidegger’s „Sein und Zeit“ ist die Angst ein Grundphänomen der menschlichen Existenz. Und wahrlich macht uns die Angst unser Leben manchmal zur Hölle. Wir haben Angst vor der Veränderung, Angst vor der Endgültigkeit, Angst vor Nähe, Angst vor der Selbstwerdung, Angst vor Spinnen, Mäusen, Schlangen, Angst vor Krankheiten, Angst vor Prüfungen, Angst vor Höhe, Angst vor geschlossenen Räumen… Betrachtet man die Liste der Ängste, so entdeckt man rasch: es gibt praktisch nichts, wovor man nicht Angst haben könnte. Zeit für startblatt, zu fragen: Was ist Angst? Was macht uns Angst und warum? Welche Auswirkungen haben Ängste auf das menschliche Leben? Und können, sollen, müssen wir unsere Ängste überwinden?


eZine von call Angst

Angst - "Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben" – der Albtraum medialer Krisenberichterstattung

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Angst - Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben – der Albtraum medialer Krisenberichterstattung - (c) Alfred Rhomberg
Bildquelle: (c) Alfred Rhomberg

Der Krisensupergau findet nicht statt – es sei denn, wir wollen ihn. Die Frage, ob es anlässlich der Eoropaprobleme zu einer Weltwirtschaftskrise wie in den 30-iger Jahren kommen könnte ist unsinnig, weil die Industrienationen sich damals nicht in Gipfel-Treffen austauschten. Die Ergebnisse der zahllosen Gipfeltreffen mögen viele enttäuschen – trotzdem gibt es sie und so lange frau/man sich trifft, sollte die Hoffnung auf eine Minimierung der Krise nicht verloren gehen – sofern a) die mediale Berichterstattung (leider auch des öffentlich rechtlichen Rundfunks und Fernsehen) die derzeitige Krise nicht so genüsslich ausbadeten und b) der Unterschied zwischen Volkswirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik wieder etwas bewusster wahrgenommen würde (siehe Keynes1).

  • Anm.: “Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben” ist ein geflügeltes Wort, dessen Ursprung nicht bekannt ist.

Was unterscheidet die derzeitige Krise von der Weltwirtschaftskrise der 30-iger Jahre?

Da ist zunächst festzuhalten, dass sich die meisten Regierungen nach der Bankenkrise des Jahres 2008 richtig verhalten haben, indem die sie die Sparguthaben der Bevölkerung sicherten und die Liquidität der Banken zur Gewährung von Krediten für die Wirtschaft auf unterschiedliche Weise (bis hin zur Verstaatlichung von Banken) ermöglichten. Der Erfolg blieb nicht aus, denn es kam zu insbesondere in Deutschland und Österreich einer deutlichen Wirtschaftserholung und Verringerung der drohenden Arbeitslosigkeit.

Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass es jetzt keinen verlorenen ersten Weltkrieg gab, der durch den aus heutiger Sicht katastrophalen Friedensvertrag von Versailles (1919) hohe Reparationszahlungen von Deutschland forderte, sowie den Vertrag von Trianon (Oktober 1918), der die Zerschlagung Österreich-Ungarns festlegte, was auch aus der späteren Sicht Churchils ein schwerer Fehler war. Dass es überhaupt zu der damaligen Wirtschaftkrise, besonders auch in den USA kam, lag an zu hohen Sparzwängen und Liquiditätsmangel, ein Fehler, den die USA bei der derzeitigen Krise bisher vermieden haben.

Keynesianismus und Monetarismus

Die Anhänger von John Maynard Keynes (1883-1946) und die Monetaristen2 nach Milton Friedman (1912-2006) bekriegen sich bis heute, welche Wirtschaftstheorie die Richtige sei. Keine der beiden grundverschiedenen Theorien ist „richtg“, obwohl sie richtige Kernpositionen aufweisen – es hängt jedoch von den Wirtschaftskonstellationen ab, ob mehr die „Verschuldungstheorie“ der Keynesianer oder die geldwertehaltende monetaristische Wirtschaftpolitik vorzuziehen ist. In der jetzigen Krise wäre eine zu frühe Kreditbremse absolut schädlich. Es ist auch ganz unverständlich, warum Länder wie Österreich aus Angst vor den Ratingagenturen eine Schuldenbremse in der Verfassung verankert sein sollte. Das Argument, eine gesetzliche Schuldenbremse würde nicht ausreichen, weil die nächste Regierung diese sofort wieder streichen könnte, wäre dann widerlegbar, wenn sich die EU-Verantwortlichen einigen würden, gegen Länder, die eine bestimmte Verschuldung (z.B. 3 %) übersteigen, mit verbindlichen Sanktionen zu bestrafen – derartige Sanktionen würden auch eine Nachfolgeregierung dazu zwingen, die gesetzliche Schuldenbremse einzuhalten.

Das ständige „Sichselbstauseinanderdividieren“ der Europäer schadet sowohl dem Euro, als auch der wirtschaftlichen Glaubwürdigkeit der gesamten EU. Die Inflation in Deutschland, Österreich und in vielen Kern-EU-Ländern hat noch längst kein Ausmaß angenommen, dass eine streng monetaristische Wirtschaftspolitik erforderlich wäre.

Wenn die mediale Berichterstattung zum Albtraum wird

Es ist schlimm genug, wenn Privatsender sich in Nachrichtensendungen und Talkrunden in Krisenszenarien baden, schlimmer noch ist es, dass sich auch die öffentlich rechtlichen Sender diesem Trend anschließen, wo neutrale Berichterstattung nützlich wäre. Es ist jedenfalls übertrieben, wenn selbst hervorragende Sendeanstalten wie der ORF (z.B. OE1) ihre Morgennachrichten etwa so beginnen: „Östereich ist in Gefahr seinen Triple A Status zu verlieren“. Solche Einleitungssätze werden anschließend meist etwas relativiert, wer jedoch täglich mit derartigen Hiobsbotschaften bombardiert wird, gerät leicht in Panik, zu der zumindest im Augenblick noch kein Anlass besteht.

Während in der Psychotherapie versucht wird, Krisenängste dadurch abzubauen, dass zunächst die Ursachen einer Krise analysiert und die daraus resultierenden Ängste anschließend mit Hilfe fundierter Hilfestellungen relativiert oder sogar ganz abgebaut werden, arbeiten die Medien nach einem entgegengesetzten Muster: Aufbau von Krisenszenarien, Schwelgen und Vertiefung der Krisen und in dadurch ausgelösten Ängsten, Pseudoanalysen durch bunt zusammen gewürfelte Talkrunden und Expertenmeinungen und schließlich werdeb die ZuhörerInnen bzw. FensehzuschauerInnen mit ihren Ängsten ins „Nichts“ entlassen.

Niemand verlangt, dass Nachrichtensender Valium verabreichen, wie dies in der Psychotherapie gelegentlich geschieht – sachlich neutralere Berichterstattung würde genügen.


1 Die zentrale Botschaft seiner General Theory besteht darin, dass das marktwirtschaftliche System auch bei flexiblen Preisen und Löhnen nicht automatisch zur Vollbeschäftigung tendiert, wie es das Saysche Theorem behauptet. Vielmehr kann es auch langfristig in einem Zustand der Unterbeschäftigung verharren; in diesem Fall soll der Staat (Regierung und Notenbank) zu finanz- und geldpolitischen Mitteln greifen, um die gesamtwirtschaftliche Nachfrage wieder an das Niveau heranzuführen, bei dem Vollbeschäftigung herrscht. Eine wichtige Einsicht ist, dass mikroökonomisch sinnvolle Verhaltensweisen im makroökonomischen Kontext völlig falsch sein können (als Beispiel das Sparparadoxon: Wenn ein Einzelner mehr spart, steigt sein Vermögen und sein Zinseinkommen. Machen dies alle, sinkt die Güternachfrage, und somit Produktion, Beschäftigung und Einkommen, sodass die gesamtwirtschaftliche Sparsumme unverändert bleibt). (Zitataus der Wikipedia Enzyklopedie)

2 Der Monetarismus besagt im Gegensatz zur Auffassung der Fiskalisten, daß eine Steuerung der Volkswirtschaft über die Steuerung der Geldmenge zu geschehen habe. Diese soll dem Wachstum entsprechend gleichmäßig angepaßt werden, um vor allem Inflation zu verhindern (Zitat aus der Wikipedia Enzyklopedie).


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