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05.09.2008
Würdigung einer technischen ...
Ardagger - eZine (10 Beiträge von 1 AutorInnen online)
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Ardagger: Würdigung einer technischen Meisterleistung: Donaubrücke Grein

Ardagger - eZine - Würdigung einer technischen Meisterleistung: Donaubrücke Grein - Alpine Bau GmbH - BesucherInnen an der Donaubrücke Grein, Ansicht von einst
Bildquelle: Alpine Bau GmbH - BesucherInnen an der Donaubrücke Grein, Ansicht von einst

Das NÖ – OÖ. Brückenfest am 2. August auf der Greiner Donaubrücke gewährt den BesucherInnen einen Einblick in eine der größten Nachkriegsbaustellen der Region. “Es war damals vor 40 Jahren eine technische Meisterleistung” erklärte Baumeister Leopold Pleiner (Alpine) als Vertreter der Nachfolgefirma der ehemaligen Baufirma Mayreder, die die Brücke damals errichtet hat. Heute sieht man davon nichts mehr, wenn mehrere tausend Fahrzeuge täglich über die Brücke donnern.

Die Donaubrücke Grein zwischen Grein und Tiefenbach, Gemeinde Ardagger, wurde 1967 offiziell eröffnet und brachte für das östliche Mühlviertel den Anschluss an die Autobahn. Durch die Brücke erhoffte man sich wirtschaftlichen Aufschwung und – wie in der Festschrift zur Brückeneröffnung beschrieben – dass die Kommunikation des Verkehrs zwischen Ober- und Niederösterreich verstärkt würde. Seither ist die Kommunikation des Verkehrs stetig gestiegen, durch steigende Motorisierung und Ausbau des Straßennetzes. Die Kommunikation zwischen den Gemeinden und den Menschen hat sich jedoch vermindert. Die Beschleunigung und das Bewältigen größerer Distanzen in kürzerer Zeit haben dazu geführt, dass auch die Distanz zwischen den Anrainergemeinden (Nachbarorten) größer wurde und eine gewisse Entfremdung entstand.

Eine technische Betrachtung der Donaubrücke Grein im historischen Vergleich – Brückenbau einst und jetzt

Die Donaubrücke Grein war die erste vorgespannte Stahlbetonbrücke im Freivorbau über die Donau in Österreich (Bauzeit: 1965 – 1967). Eine Brücke besteht in der Regel aus:

- Gründung (Fundament)
- Aufgehender Beton (Pfeiler, Widerlager, Flügel)
- Tragwerk (Vollquerschnittplatte, Hohlkasten)

Ein Vergleich zwischen der Bauart 1967 und heute ergibt folgendes Bild:

Gründung damals

Die Flusspfeiler der Donaubrücke Grein wurden unter Verwendung von Stahlsenkkästen, sogenannten Caisson’ s gegründet. Dafür waren folgende Arbeitsschritte notwendig:

- Führungsgerüst aus Stahlprofilpfählen im Flussbett
- Einschwimmen u. Absenken des Stahlsenkkasten bis auf die Flusssohle mittels Schwimmkran
- Spundwandkasten um den Caisson dicht anschließen bis über Wasserspiegel
- Aushubarbeiten von Flusssohle bis auf tragfähigen Grund (Fels) im Caisson mit Druckluftbetrieb

Das Absenken des Caissons ging im schottrigen, mit kleinen Findlingen durchsetzten Überlagerungsmaterial mit Hilfe der Kiespumpe und der Kübelförderung sehr rasch vor sich. Da nur sehr wenig senkkastenfähige Arbeiter zur Verfügung standen, musste im 2- Schichtbetrieb von je 8 Stunden und mit einer Schichtbesetzung von 5 – 6 Mann gearbeitet werden. Die Schichtleistung betrug bei 95 m2 Grundfläche im Mittel 23 cm, also je Mann 4,25 m3, der Arbeitsaufwand somit 1,88 h/m3.

- Betonieren Fundament u. Aufgehendes Mauerwerk im Caisson bzw. im Spundwandkasten.

Gründung heute

Am Beispiel Donaubrücke Traismauer, zur Zeit im Bau durch Fa. ALPINE läuft die Gründung heute folgendermaßen ab:

- Herstellen eines Pfeilerbodens mit Schneideschuh aus Stahl im Hafen Krems
- Transport auf Schiff bis Traismauer und umlagern zwischen 2 Schiffen auf Wasser u. Absenkvorrichtung
- Betonieren von Schüssen mit einer Höhe von 2,50 m und gleichzeitiges Absenken
- Wenn alle Pfeilerschüsse betoniert sind, Einschwimmen in Pfeilerachse u. Absenken mittels Betonfüllung bei gleichzeitiger Aussparung der Pfähle
- Abteufen von 48 STK Pfählen mit Einzellängen von 40,0 m – davon ca. 30 m in den Untergrund.

Aufgehendes Mauerwerk für Pfeiler u. Widerlager

Früher wurden Pfeiler u. Widerlager mit Granit verkleidet od. in Granitmauer aufbetoniert, bei größeren Querschnitten. Heute wird mit hochwertigen Betonen und hohem Bewehrungsgrad ein Pfeiler hergestellt.

Der ‘Freivorbau’

Am statischen System einer Brückenherstellung im Freivorbau hat sich nichts Gundlegendes geändert (ausgenommen neuere ÖNORMEN u. Berechnungsarten). Änderungen zu früher gibt es bei den Baustoffen, dem Vorbauwagen und der Herstellungstechnik. Arbeitsschritte dafür sind:

- Herstellung Tragwerk über Pfeiler (sog. Hammerkopf)
- Aufbau Vorbauwagen
- Betonieren symmetrisch, Abschnittslänge ca. 5,0 m im Wochentakt, es entsteht ein Waagebalken
- Spannkabel waren früher Rundstäbe die nach dem Erhärten des Betons angespannt wurden
- Nach dem Spannen u. Verankern eines Abschnittes wird durch das Einpressen von Zementmörtel in die Hüllrohre auch ein Verbund der Spannstangen mit dem Tragwerksbeton hergestellt
- Erneutes Vorfahren des Vorbauwagens f. den nächsten Abschnitt.

Heute werden statt Spannstangen hochwertige Spannlitzen verwendet. Früher waren die Vorbauwägen Stahlaufbauten mit mechanischem Antrieb zum Ziehen u. Heben mit Winden, Handkurbel etc. Heute ist die Bedienung mit vollhydraulischen Hub- u. Ziehvorrichtungen versehen. Auch mit weniger Bedienungspersonal kommt man heute aus.

Beispiele aktueller Großbrücken im Freivorbau:

- Donaubrücke Traismauer
- Savebrücke Zagreb (2006)
- Donaubrücke Beska (Serbien)

Erstmals in der Geschichte der Donaubrücke Grein wird der hohle Tragswerkskörper geöffnet

Anlässlich des 40jährigen Brückenjubiläums wird im Zuge des Brückenfests nun erstmals in der Geschichte der Donaubrücke Grein der hohle Tragswerkskörper für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Damit gibt es für Interessierte das zu sehen, was bislang nur den Bauarbeitern und dem Kontrolldienst vorbehalten war. Unter anderem auch die sogenannten Sprengkörbe aus der Zeit des Kalten Krieges, die im Falle eines feindlichen Angriffs eine einfache Sprengung der Brücke ermöglichen sollten.

Die Donaubrücke Grein ist ein Tipp für jeden, der seine Heimat und vor allem einen Ort, der von großer Verkehrsbedeutung in der Region Strudengau zwischen Ober- und Niederösterreich ist, kennenlernen will.


BRÜCKENFEST

Wer: Kulturforum Donauland-Strudengau
Wann: Sa, 02.08.2008, 19:00 – 24:00
Wo: auf, in, unter der Donaubrücke Grein
Kosten: EUR 5 // Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre frei


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