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Horn - Blog: Bittersüß & Blume
Bildquelle: Fülle, iskarioth
Die Blätter wenden sich wie Wellen um den Kern einer vollen, prächtigen Versammlung an Rosa, alle ihrem Zentrum zugeneigt wie in andächtiger Stille, anbetend. Alles dreht sich um die Mitte. Wonne und Duft erfüllen die strahlende Umgebung dessen prächtiges Meer, durch und durch gefärbt und leuchtend, eine ganz besondere Austrahlung birgt. Honig fließt als Fluss und blutroter Wein rollt als dein Genuss bei deinem Anblick. Siehst du dort? Dieses ausgetrocknete Pflänzlein, die jetzt weinerliche blaue Blume? Ihre Zeit ist schon lange vorüber, sie ist nur noch eine Silouette ihrer selbst, zum Begriff geworden. Aber vergiss das Alte! Jetzt sei deine Zeit, jetzt, wenn auch weder lang noch für immer. Tag und Jahr werden kommen, und du mit ihnen geh’n.
(10) Kommentare zum Beitrag "Bittersüß & Blume"
RE: Bittersüß & Blume
Sg. iskarioth,
1. Der wirklich gute, lyrische Prosastil fällt mir bei Ihren Beiträgen immer wieder auf (so auch beim Beitrag: Bittersüß & Blume) und ich lese daher Ihre Beiträge stets mit Vergnügen und ein bisschen Neid – ich könnte das leider nicht so, bei mir werden lyrische Ansätze sehr schnell zu Gedankenspielereien, weshalb ich bei Kurzformen solche Versuche eben auch als „Gedankenlyrik“ oder “Sentenzen” bezeichne, die irgendwelche Gedanken (als Rechtfertigung) benötigen. Ihre Sprache kommt (wie ein gut gespieltes Musikinstrument) ohne solche Rechtfertigungen aus und ist eben – echte Lyrik! (In meiner Malerei glaube ich, keine Rechtfertigungen zu benötigen – außer, dass ich dazu stehe).
2. Zu Ihrem Kommentar zu meinem Beitrag „Seitenblicke“: Es ist keine Schande, sich zur Gruppe 4 zu bekennen und dass Sie die Igler Reflexe lesen, ist ein schönes Kompliment für mich. Gestern (17.5.) war wieder so ein Tag, an dem ich das TV nach den Nachrichten ausgeblendet habe – um 22:30 – 0:25 lief dann allerdings ein guter Film, „Corellis Mandoline“ aus 2001 (USA/GB), der aus mehreren Gründen bemerkenswert war: 1. hervorregende Schauschauspieler, insbesondere die weibliche Protagonistin Penélope Cruz, 2. weil Handlung und Regie, obwohl es sich um ein „Liebesmelodram“ handelte (was im TV nichts Gutes verheißt), wirklich gut waren und die absolute Sinnlosigkeit von Kriegen (und noch dazu am Nebenschauplatz Griechenland in den letzten Tagen vor der Kapitulation Deutschlands im 2 .Weltkrieg) deutlich und für unsere Zeit zumindest innerhalb der EU fast nicht mehr nachvollziehbar, thematisiert wurde. Der Film wurde in der Programmzeitschrift mit nur 2 Sternchen versehen (das von Ihnen zu Recht so bezeichnete, meist hirnlose „Hauptabendprogramm“ kommt dagegen meist auf 3 oder 4 Sternchen).
Ig. A. Rhomberg – Igler Reflexe
geschrieben von Alfred Rhomberg am 17.05.2008 17:49
RE: Bittersüß & Blume
Meister Rhomberg!
Zuerst einmal bin ich sprachlos. Weil mir die ersten paar Worte etwas wunderlich vorkommen. Auch ich rede normalerweise von Gedankenlyrik, sehe mich selbst aber nicht als Künstler, eher als fühlender Mensch. Wohl aber scheint man mir “anzulesen”, dass ich Musiker bin. Ich weigere mich, meine Texte als Kunst anzusehen, weil, wenn jeder jedes als Kunst darstellen würde, hätte diese erhabene keinen Wert mehr. Andererseits scheint sie sowieso keinen fassbaren zu haben. Eigentlich gehe ich auch davon aus, eine Rechtferigung zu haben, aber je mehr ich mich damit beschäftige, desto weniger finde ich eine.
Und eigentlich blicke ich immer zu Ihnen auf, der Sie eine so ungezwungen leichte Art haben, und immer genügend wissenschaftlichen, tatsächlichen Hintergrund und einer großen Lebenserfahrung. Worte malen Sie ja viel hier, haben sie schon mal dran gedacht, eigens für Ihre Bilder Texte zu schreiben, oder tun Sie das schon?
Und was Lyrik betrifft, auf dem Horner Bezirksblog finden Sie ein paar gute Texte von Bekannt(inn)en von mir, “Schabe” und “Gespräche mit meiner Kreativität” sind besonders gut. Heute abend wird bei einem Bier ein Thema ausgemacht, über das wir reflektiern und jeder etwas dazu Publiziert. Und sollten Sie sich auch mal außerhalb der “Igler Reflexe” auslassen wollen, oder zu einem Text von unserem Blog mit einem anderen, künstlerisch gestalteten Gedankengang zu kommentiern, wäre es mir eine Ehre, wenn Sie das am Horn-Blog bei uns tun.
geschrieben von iskarioth am 17.05.2008 18:34
RE: Bittersüß & Blume
Sg. Iskarioth,
Doch – Ihre Sprache ist wirklich Kunst und dass Sie Musiker sind, wundert mich gar nicht, in meiner Familie drehte und dreht sich noch immer fast alles um Musik. Mein Sohn hat Violine studiert (Salzburg und Eastman Scool, USA) und ist Geiger in einem namhaften Quartett aber nebenbei Musikmanager. Meine Schwiegertochter ist Klarinettistin in Salzburg, ich selbst hatte mit Jazz begonnen und erst im Erwachsenenalter Blockflöten und dann Querflöte (20 Jahre ziemlich intensiv) in Heidelberg studiert und erst zurückstecken müssen als mich meine Firma auszusaugen begann. Aktiv habe ich nicht wieder begonnen, weil je älter man wird, leider auch die Selbstkritik wächst und es so viele gute junge Musiker gibt, die es besser können. Trotzdem ist die Musik auch heute ein wesentliches Zentrum meines Lebens, insbesondere Alte Musik und zeitgenössische Musik (Wagner und Romantik lasse ich mit Einschränkungen aus, französischen Impressionismus schätze ich dagegen sehr – das muss man wohl als Flötist), guten Jazz liebe ich auch heute noch (Burghausen-Festival!). Wissenschaftlich beschäftige ich mich dagegen recht aktiv mit Musik, insbesondere Musiktheorie und Musikästhetik. Meine Frau spielt zwar kein Instrument, hat aber wesentlich dazu beigetragen, dass unser Sohn Musiker wurde und unsere Tochter (die heute nebenberuflich Lyrikerin ist), zwei Instrumente erlernte, meine Frau ist musikalisch sehr interessiert – (ohne Musik ist das Leben ein Irrtum – Nietzsche).
Was Ihre andere Anregung betrifft, so werde ich mich gerne bei Gelegenheit bei „Horn“ einklinken, zumal aus dieser Ecke auch andere gute Beiträge kommen.
Ig. Alfred Rhomberg
geschrieben von Alfred Rhomberg am 18.05.2008 01:46
RE: Bittersüß & Blume
Sg Iskarioth, (Ergänzung zu meinem letzten Kommentar und zu Ihrer Frage).
Bilder sollte man textlich nicht beschreiben, sie entziehen sich meiner Meinung nach sprachlicher Verschmelzung (vielleicht irre ich mich) – analysieren kann man sie dagegen nur sprachlich, das sind aber zwei verschiedene Dinge. Was mich dagegen fasziniert ist die Relation von Bildern und Musik, es ist für mich immer wieder überraschend, wie völlig unterschiedlich Bildsequenzen wirken, je nachdem mit welcher Musik sie verschmolzen werden – ich experimentiere oft mit solchen Spielereien. So war ich z.B. überrascht, dass eine Fotoserie meiner Landschafts-PC-Grafiken überhaupt nicht mit Brahms, wohl aber mit Korngold harmonierte. Bei einer solchen Spielerei entstand u.a. als Einstieg zu einer neuen Software ein Erstexperiment „tondo“, dass ich in einem früheren Beitrag in startblatt vorgestellt hatte und bei dem nur Astor Piazzolla in Frage kam (die hiefür verwendeten Grafiken waren einfache und nicht genügend interessante Bilder, um sie der Öffentlichkeit zu präsentieren).
Ig. Alfred Rhomberg
geschrieben von Alfred Rhomberg am 18.05.2008 02:18
RE: Bittersüß & Blume
Meister Rhomberg!
Sie haben natürlich recht, das sich Bild und Musik Begriffen eher entziehen, wohl ein Grund für deren Definitionslosigkeit. Sprachliche Kunst liegt uns zwar rational näher, ich glaube aber, dass alle drei im selben Verhältnis zueinander stehen, genauso wie der Nenner dieser wohl das hineingelegte Gefühl ist, was bei mir sicher vorherrscht. Und was die Harmonie zweier “Medien” betrifft, ist es manchmal der total krasse Unterschied beider, der etwas originell macht. Wie in dieser Mannerschnittenwerbung, die mir sehr gefiel, wo eine Band “gstandener” Heavy-Metaler anfangen die 3 Herrn zu spielen, sollte Ihnen diese aufgefallen sein.
“Komisch, wie nahe sich Musik und Leben liegen”, sagte ein Chorleiter von mir mal.
lg, iskarioth
geschrieben von iskarioth am 18.05.2008 21:43
RE: Bittersüß & Blume
Sg.Iskarioth,
ich stimme mit dieser Meinung weitgehend überein, glaube aber doch, dass Musik und Bilder eher eine synergistische Einheit bilden können, als dies mit Musik oder Bildern und Sprache möglich ist – dazu ist die Sprache mit ihren durch Grammatik bestimmten Regeln einfach zu andersartig. Selbst Lyrik ist ja nicht völlig frei von linguistisch/grammatikalischen Eingrenzungen. Nicht umsonst sind sprachlich logische Vorgänge in einer anderen Hirnhälfte angesiedelt, als emotionelle Empfindungen. Ich habe einige Versuche der Kombination von zeitgenössischen Kompositionen mit begleitenden Sprachelementen als nicht sehr geglückt empfunden, weil ich die Musik (in einem Fall ein Streichquartett) mit begleitender Sprache, als nicht sehr überzeugend fand. Beides voneinander getrennt hätte mir besser gefallen. Ich ließe mich aber auch gerne von einem geglückten Experiment überzeugen.
Zu Ihrem Kommentar zu meinem Beitrag “Was ist Kunst – Versuch einer Abgrenzung zur Unkunst”, finden Sie eine ausführlichere Antwort unter den Kommentaren dieses Beitrages bei den Igler Reflexen.
Ig. Alfred Rhomberg
geschrieben von Alfred Rhomberg am 20.05.2008 03:11
RE: Bittersüß & Blume
Sg.Iscarioth,
mein letzter Eintrag bedarf vielleicht der Ergänzung, dass sich die von mir angesprochene, häufig beobachtete schlechte Vereinbarkeit von sprachlichen Texten mit Musik natürlich nicht auf Musikformen wie das Lied, Chanson etc. beziehen. Bei letzteren ist es selbstverständlich, dass sich Text und Melodie ergänzen können. Gemeint ist die direkte (untrennbare) Einbeziehung grammatikalischer Textbruchstücke in Kompositionen als Teil der Komposition. Gemeint ist ferner auch nicht das Einbeziehen menschlicher Laute oder einzelner Worte in moderne Kompositionen. Im Lied und Chanson sind die Texte dagegen immer auch für sich allein beständig (Erlkönig, Schubertlieder, Liedtexte der französischen Chansons etc.) und können dementsprechend auch ganz unterschiedlich und mit unterschiedlicher Wirkung auf den Hörer, vertont werden.
Ig.Alfred Rhomberg
geschrieben von Alfred Rhomberg am 20.05.2008 10:24
RE: Bittersüß & Blume
Meister Rhomberg!
Hinzu sollte man fügen, das Musik genauso wie eine Sprache eine Grammatik besitzt, und wenn ich mir die Musik von früheren Jahrhunderten anhöre, so scheint es, als wären die musikalischen Regeln sogar strenger als die Sprachlichen. Ich sehe ein das Ihr Streichquartett wohl kaum zu jederlei von Text passt, nur kann ich mir eine schöne Mozartmesse ohne einem Streicherkorpus vorgetragen auch nur schwer vorstellen. Natürlich funktionieren oft Text und Musik allein, nur frage ich mich, ob das der Intension des/der (Original-)Autors/Autoren entspricht, die wohl auch etwas Bestimmteres zeigen wollen. Denn ein Chanson mit umgedichtetem Text mag wohl “witzig” sein, würde wohl aber am Sinn der Melodie, sollte sie nach dem Text geschrieben worden sein, vorbeigehn.
geschrieben von iskarioth am 20.05.2008 21:13
RE: Bittersüß & Blume
Sehr geschätzter Iskarioth, noch einmal ein hartnäckiger Versuch, das auszudrücken, was vielleicht missverstanden werden konnte. Natürlich empfinde ich eine Mozartmesse mit Text als selbstverständliche Synergie, die ich nicht missen möchte, das entspricht aber meiner bereits ausgesprochen Meinung, dass zu einem lateinischen, vorgegeben Text eine hier optimale Melodie gefunden wurde. Was ich meinte, ist die Vermischung von Textbruchstücken mit musikalischen Tonfolgen innerhalb der Partitur, hier ist dann eine Trennung beider nicht mehr möglich und nur diesen Weg betrachte ich nach meiner (nicht maßgeblichen Meinung) für einen Irrweg. Zu einem guten Text eine optimale Musik zu komponieren, entspricht ja ein wenig meiner Suche einer optimalen Melodie zu meinen Bildserien. Aber was ist schon „optimal“ – vielleicht gibt es ja jemanden, der den vorgegeben Text der Messe noch besser vertont, als Mozart (ziemlich unwahrscheinlich aber denkbar).
Was die grammatikalischen Regeln anbelangt, so gab es in der alten Musik zwar sehr viele Regeln, aber auch viele Freiheiten, die wir erst später wieder im Jazz vorfinden. Selbst in der streng „grammatikalischen“ Barockmusik, die ich schon nicht mehr als alte Musik bezeichnen möchte, gab es immerhin die Freiheit des basso continuo, der ja oft nicht notiert wurde, sowie die Freiheit ausgedehnter Verzierungen, die Freiheit der Transkription für andere Instrumente sowieso. Die derzeitige, wirklich „zeitgenössische“ Musik findet langsam wieder zu solchen Freiheiten zurück. Das was viele Zeitgenossen als „zeitgenössisch“ abtun, z.B. die 12 Tonmusik Schönbergs, sowie die gesamte spätere serielle Musik, hatten wesentlich mehr Einengungen als die alte Musik bzw. wie dies von den Initiatoren Schönberg und Co. geplant war (Vermeidung des Dur-Moll Schemas und der Tonalität und Tonzentren bei gleichzeitiger Festsetzung neuer grammatischer Spielregeln).
In beidseitiger Demut zur Musik, Alfred Rhomberg
geschrieben von Alfred Rhomberg am 23.05.2008 15:39
RE: Bittersüß & Blume
Meister Rhomberg, anscheinend sind wir wieder mal auf selber Linie, was den ersten Absatz betrifft, ich habe diese Mischung deswegen nicht in meiner letzten Antwort erwähnt.
Ich habe den Regeln der “alten” Musik hinzuzufügen, dass die damaligen Komponisten sehrwohl im geheimen und unmerklichen ihre Stilbrüche und “Fehler” einbauten, was natürlich einen gewissen Reiz darstellte. Man könnte von einer gewissen “Absurdität”, einer “geilen Note” in einem Stück sprechen. Mozart war übrigens Meister darin. Mein Chorleiter könnte Bände über solch “Kirchenmusikerotik” schreiben.
lg, iskarioth
geschrieben von iskarioth am 23.05.2008 17:33
Horn - Blog - INHALT
Sg. iskarioth,
1. Der wirklich gute, lyrische Prosastil fällt mir bei Ihren Beiträgen immer wieder auf (so auch beim Beitrag: Bittersüß & Blume) und ich lese daher Ihre Beiträge stets mit Vergnügen und ein bisschen Neid – ich könnte das leider nicht so, bei mir werden lyrische Ansätze sehr schnell zu Gedankenspielereien, weshalb ich bei Kurzformen solche Versuche eben auch als „Gedankenlyrik“ oder “Sentenzen” bezeichne, die irgendwelche Gedanken (als Rechtfertigung) benötigen. Ihre Sprache kommt (wie ein gut gespieltes Musikinstrument) ohne solche Rechtfertigungen aus und ist eben – echte Lyrik! (In meiner Malerei glaube ich, keine Rechtfertigungen zu benötigen – außer, dass ich dazu stehe).
2. Zu Ihrem Kommentar zu meinem Beitrag „Seitenblicke“: Es ist keine Schande, sich zur Gruppe 4 zu bekennen und dass Sie die Igler Reflexe lesen, ist ein schönes Kompliment für mich. Gestern (17.5.) war wieder so ein Tag, an dem ich das TV nach den Nachrichten ausgeblendet habe – um 22:30 – 0:25 lief dann allerdings ein guter Film, „Corellis Mandoline“ aus 2001 (USA/GB), der aus mehreren Gründen bemerkenswert war: 1. hervorregende Schauschauspieler, insbesondere die weibliche Protagonistin Penélope Cruz, 2. weil Handlung und Regie, obwohl es sich um ein „Liebesmelodram“ handelte (was im TV nichts Gutes verheißt), wirklich gut waren und die absolute Sinnlosigkeit von Kriegen (und noch dazu am Nebenschauplatz Griechenland in den letzten Tagen vor der Kapitulation Deutschlands im 2 .Weltkrieg) deutlich und für unsere Zeit zumindest innerhalb der EU fast nicht mehr nachvollziehbar, thematisiert wurde. Der Film wurde in der Programmzeitschrift mit nur 2 Sternchen versehen (das von Ihnen zu Recht so bezeichnete, meist hirnlose „Hauptabendprogramm“ kommt dagegen meist auf 3 oder 4 Sternchen).
Ig. A. Rhomberg – Igler Reflexe
Meister Rhomberg! Zuerst einmal bin ich sprachlos. Weil mir die ersten paar Worte etwas wunderlich vorkommen. Auch ich rede normalerweise von Gedankenlyrik, sehe mich selbst aber nicht als Künstler, eher als fühlender Mensch. Wohl aber scheint man mir “anzulesen”, dass ich Musiker bin. Ich weigere mich, meine Texte als Kunst anzusehen, weil, wenn jeder jedes als Kunst darstellen würde, hätte diese erhabene keinen Wert mehr. Andererseits scheint sie sowieso keinen fassbaren zu haben. Eigentlich gehe ich auch davon aus, eine Rechtferigung zu haben, aber je mehr ich mich damit beschäftige, desto weniger finde ich eine. Und eigentlich blicke ich immer zu Ihnen auf, der Sie eine so ungezwungen leichte Art haben, und immer genügend wissenschaftlichen, tatsächlichen Hintergrund und einer großen Lebenserfahrung. Worte malen Sie ja viel hier, haben sie schon mal dran gedacht, eigens für Ihre Bilder Texte zu schreiben, oder tun Sie das schon? Und was Lyrik betrifft, auf dem Horner Bezirksblog finden Sie ein paar gute Texte von Bekannt(inn)en von mir, “Schabe” und “Gespräche mit meiner Kreativität” sind besonders gut. Heute abend wird bei einem Bier ein Thema ausgemacht, über das wir reflektiern und jeder etwas dazu Publiziert. Und sollten Sie sich auch mal außerhalb der “Igler Reflexe” auslassen wollen, oder zu einem Text von unserem Blog mit einem anderen, künstlerisch gestalteten Gedankengang zu kommentiern, wäre es mir eine Ehre, wenn Sie das am Horn-Blog bei uns tun.
Sg. Iskarioth, Doch – Ihre Sprache ist wirklich Kunst und dass Sie Musiker sind, wundert mich gar nicht, in meiner Familie drehte und dreht sich noch immer fast alles um Musik. Mein Sohn hat Violine studiert (Salzburg und Eastman Scool, USA) und ist Geiger in einem namhaften Quartett aber nebenbei Musikmanager. Meine Schwiegertochter ist Klarinettistin in Salzburg, ich selbst hatte mit Jazz begonnen und erst im Erwachsenenalter Blockflöten und dann Querflöte (20 Jahre ziemlich intensiv) in Heidelberg studiert und erst zurückstecken müssen als mich meine Firma auszusaugen begann. Aktiv habe ich nicht wieder begonnen, weil je älter man wird, leider auch die Selbstkritik wächst und es so viele gute junge Musiker gibt, die es besser können. Trotzdem ist die Musik auch heute ein wesentliches Zentrum meines Lebens, insbesondere Alte Musik und zeitgenössische Musik (Wagner und Romantik lasse ich mit Einschränkungen aus, französischen Impressionismus schätze ich dagegen sehr – das muss man wohl als Flötist), guten Jazz liebe ich auch heute noch (Burghausen-Festival!). Wissenschaftlich beschäftige ich mich dagegen recht aktiv mit Musik, insbesondere Musiktheorie und Musikästhetik. Meine Frau spielt zwar kein Instrument, hat aber wesentlich dazu beigetragen, dass unser Sohn Musiker wurde und unsere Tochter (die heute nebenberuflich Lyrikerin ist), zwei Instrumente erlernte, meine Frau ist musikalisch sehr interessiert – (ohne Musik ist das Leben ein Irrtum – Nietzsche).
Was Ihre andere Anregung betrifft, so werde ich mich gerne bei Gelegenheit bei „Horn“ einklinken, zumal aus dieser Ecke auch andere gute Beiträge kommen. Ig. Alfred Rhomberg
Sg Iskarioth, (Ergänzung zu meinem letzten Kommentar und zu Ihrer Frage).
Bilder sollte man textlich nicht beschreiben, sie entziehen sich meiner Meinung nach sprachlicher Verschmelzung (vielleicht irre ich mich) – analysieren kann man sie dagegen nur sprachlich, das sind aber zwei verschiedene Dinge. Was mich dagegen fasziniert ist die Relation von Bildern und Musik, es ist für mich immer wieder überraschend, wie völlig unterschiedlich Bildsequenzen wirken, je nachdem mit welcher Musik sie verschmolzen werden – ich experimentiere oft mit solchen Spielereien. So war ich z.B. überrascht, dass eine Fotoserie meiner Landschafts-PC-Grafiken überhaupt nicht mit Brahms, wohl aber mit Korngold harmonierte. Bei einer solchen Spielerei entstand u.a. als Einstieg zu einer neuen Software ein Erstexperiment „tondo“, dass ich in einem früheren Beitrag in startblatt vorgestellt hatte und bei dem nur Astor Piazzolla in Frage kam (die hiefür verwendeten Grafiken waren einfache und nicht genügend interessante Bilder, um sie der Öffentlichkeit zu präsentieren). Ig. Alfred Rhomberg
Meister Rhomberg! Sie haben natürlich recht, das sich Bild und Musik Begriffen eher entziehen, wohl ein Grund für deren Definitionslosigkeit. Sprachliche Kunst liegt uns zwar rational näher, ich glaube aber, dass alle drei im selben Verhältnis zueinander stehen, genauso wie der Nenner dieser wohl das hineingelegte Gefühl ist, was bei mir sicher vorherrscht. Und was die Harmonie zweier “Medien” betrifft, ist es manchmal der total krasse Unterschied beider, der etwas originell macht. Wie in dieser Mannerschnittenwerbung, die mir sehr gefiel, wo eine Band “gstandener” Heavy-Metaler anfangen die 3 Herrn zu spielen, sollte Ihnen diese aufgefallen sein. “Komisch, wie nahe sich Musik und Leben liegen”, sagte ein Chorleiter von mir mal. lg, iskarioth
Sg.Iskarioth, ich stimme mit dieser Meinung weitgehend überein, glaube aber doch, dass Musik und Bilder eher eine synergistische Einheit bilden können, als dies mit Musik oder Bildern und Sprache möglich ist – dazu ist die Sprache mit ihren durch Grammatik bestimmten Regeln einfach zu andersartig. Selbst Lyrik ist ja nicht völlig frei von linguistisch/grammatikalischen Eingrenzungen. Nicht umsonst sind sprachlich logische Vorgänge in einer anderen Hirnhälfte angesiedelt, als emotionelle Empfindungen. Ich habe einige Versuche der Kombination von zeitgenössischen Kompositionen mit begleitenden Sprachelementen als nicht sehr geglückt empfunden, weil ich die Musik (in einem Fall ein Streichquartett) mit begleitender Sprache, als nicht sehr überzeugend fand. Beides voneinander getrennt hätte mir besser gefallen. Ich ließe mich aber auch gerne von einem geglückten Experiment überzeugen.
Zu Ihrem Kommentar zu meinem Beitrag “Was ist Kunst – Versuch einer Abgrenzung zur Unkunst”, finden Sie eine ausführlichere Antwort unter den Kommentaren dieses Beitrages bei den Igler Reflexen.
Ig. Alfred Rhomberg
Sg.Iscarioth, mein letzter Eintrag bedarf vielleicht der Ergänzung, dass sich die von mir angesprochene, häufig beobachtete schlechte Vereinbarkeit von sprachlichen Texten mit Musik natürlich nicht auf Musikformen wie das Lied, Chanson etc. beziehen. Bei letzteren ist es selbstverständlich, dass sich Text und Melodie ergänzen können. Gemeint ist die direkte (untrennbare) Einbeziehung grammatikalischer Textbruchstücke in Kompositionen als Teil der Komposition. Gemeint ist ferner auch nicht das Einbeziehen menschlicher Laute oder einzelner Worte in moderne Kompositionen. Im Lied und Chanson sind die Texte dagegen immer auch für sich allein beständig (Erlkönig, Schubertlieder, Liedtexte der französischen Chansons etc.) und können dementsprechend auch ganz unterschiedlich und mit unterschiedlicher Wirkung auf den Hörer, vertont werden. Ig.Alfred Rhomberg
Meister Rhomberg! Hinzu sollte man fügen, das Musik genauso wie eine Sprache eine Grammatik besitzt, und wenn ich mir die Musik von früheren Jahrhunderten anhöre, so scheint es, als wären die musikalischen Regeln sogar strenger als die Sprachlichen. Ich sehe ein das Ihr Streichquartett wohl kaum zu jederlei von Text passt, nur kann ich mir eine schöne Mozartmesse ohne einem Streicherkorpus vorgetragen auch nur schwer vorstellen. Natürlich funktionieren oft Text und Musik allein, nur frage ich mich, ob das der Intension des/der (Original-)Autors/Autoren entspricht, die wohl auch etwas Bestimmteres zeigen wollen. Denn ein Chanson mit umgedichtetem Text mag wohl “witzig” sein, würde wohl aber am Sinn der Melodie, sollte sie nach dem Text geschrieben worden sein, vorbeigehn.
Sehr geschätzter Iskarioth, noch einmal ein hartnäckiger Versuch, das auszudrücken, was vielleicht missverstanden werden konnte. Natürlich empfinde ich eine Mozartmesse mit Text als selbstverständliche Synergie, die ich nicht missen möchte, das entspricht aber meiner bereits ausgesprochen Meinung, dass zu einem lateinischen, vorgegeben Text eine hier optimale Melodie gefunden wurde. Was ich meinte, ist die Vermischung von Textbruchstücken mit musikalischen Tonfolgen innerhalb der Partitur, hier ist dann eine Trennung beider nicht mehr möglich und nur diesen Weg betrachte ich nach meiner (nicht maßgeblichen Meinung) für einen Irrweg. Zu einem guten Text eine optimale Musik zu komponieren, entspricht ja ein wenig meiner Suche einer optimalen Melodie zu meinen Bildserien. Aber was ist schon „optimal“ – vielleicht gibt es ja jemanden, der den vorgegeben Text der Messe noch besser vertont, als Mozart (ziemlich unwahrscheinlich aber denkbar).
Was die grammatikalischen Regeln anbelangt, so gab es in der alten Musik zwar sehr viele Regeln, aber auch viele Freiheiten, die wir erst später wieder im Jazz vorfinden. Selbst in der streng „grammatikalischen“ Barockmusik, die ich schon nicht mehr als alte Musik bezeichnen möchte, gab es immerhin die Freiheit des basso continuo, der ja oft nicht notiert wurde, sowie die Freiheit ausgedehnter Verzierungen, die Freiheit der Transkription für andere Instrumente sowieso. Die derzeitige, wirklich „zeitgenössische“ Musik findet langsam wieder zu solchen Freiheiten zurück. Das was viele Zeitgenossen als „zeitgenössisch“ abtun, z.B. die 12 Tonmusik Schönbergs, sowie die gesamte spätere serielle Musik, hatten wesentlich mehr Einengungen als die alte Musik bzw. wie dies von den Initiatoren Schönberg und Co. geplant war (Vermeidung des Dur-Moll Schemas und der Tonalität und Tonzentren bei gleichzeitiger Festsetzung neuer grammatischer Spielregeln). In beidseitiger Demut zur Musik, Alfred Rhomberg
Meister Rhomberg, anscheinend sind wir wieder mal auf selber Linie, was den ersten Absatz betrifft, ich habe diese Mischung deswegen nicht in meiner letzten Antwort erwähnt.
Ich habe den Regeln der “alten” Musik hinzuzufügen, dass die damaligen Komponisten sehrwohl im geheimen und unmerklichen ihre Stilbrüche und “Fehler” einbauten, was natürlich einen gewissen Reiz darstellte. Man könnte von einer gewissen “Absurdität”, einer “geilen Note” in einem Stück sprechen. Mozart war übrigens Meister darin. Mein Chorleiter könnte Bände über solch “Kirchenmusikerotik” schreiben.
lg, iskarioth
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