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Horn: Schäbig
Bildquelle: iskarioth - Weg?
Da liegt ein alter, rauer Stamm, zu Sitzzwecken missbraucht, aber genau für das da platziert. Ebengerade wird dieses modernde Stück Holz von einer Roten besessen. Und die Rote da, schaut nur zu Boden, ganz traurig. Auf der rechten Schulter der Roten krallt sich ein Rabe fest, der ihr mit bedachtem Schnabel etwas ins Ohr, das zwischen den Haaren hin und wieder hervorlugt, um das Geflüsterte wahrzunehmen. Und zu Füßen der Roten kauert der Niedrige, der sich nicht auf eine Bank heben will, es könne zu erhaben für ihn sein. Oder er sei faul, flüsterte der Rabe mal.
Der Roten war das aber herzlich egal. Dem Raben eigentlich auch. Die drei haben sich diese Nacht hier, am Stamm gefunden. So mancher Erdensbürger zog, ohne diese zu beachten, vorbei, vielleicht verschwendete er ja so manchen Gedanken an jene komischen Gestalten, wohl wenig Positive.
“Schaut euch das Treiben an!
Die Leute, sie laufen auf und ab,
sie haben Hirn, zum Spaß, und Rückgrat, zum Triebe,
wofür diese leben ist nicht mal der Neugier wert,
das kann ich euch sagen!”
“Ach, wüssten die Leute, wüssten sie!
Sie richten soviel Unsinn an,
aber treffen tuts nicht einen.
Irgendwann, irgendwann einmal,
auch sie müssen erfahren!”
“Wenn ich mich recht besinn
seht sie euch an,
sie müssten keinen Kopf nicht tragen,
und wär besser diesen abzuschlagen,
als weiter hin zu flehn. Gott würde es schon richten”
“Richten wird er,
und zwar alle, mich und dich und uns,
zu Zeiten im Feuer und Eis, in Tag und Jahr.
Wir seien denn keine Kopfabschläger,
nur bedächtige und dem Schicksal ergebene Träger.”
“Träger allein kann für mich nicht alles sein!
Ich will fühlen, bemerken, spürn,
mich rührn und Zeiten leben lassen,
dabei sitz ich hier gekränkt mit euch genauso Erkrankten,
bin am Hass enzwei mit Liebe.”
“Krank schein ich mir auch,
tut doch weh, nur so zu tragen,
suchend, plagend ob nicht doch etwas mehr für mich sei,
als Dasein und nicht erreichbare Einheitlichung”
“So sind wir denn doch alle nur Schaben,
auf Erden kriechend, grabend, kämpfend.
Werden zwar nicht leben wie im Speck die Maden,
und endlich glücklich sein,
nur stellen nicht wir hier die Fragen,
die Frage stellt sich, s’ist gegeben.
Ob wir schäbig sterben, schäbig leben.”
Der Stamm hat sich noch wenig bewegt, und drei, seit jeher,
modern mit. Ob Rot, Rabe oder Verräter.
(6) Kommentare zum Beitrag "Schäbig"
RE: Schäbig
Sg. Iskarioth, ja – die Fantasie ist eine persönliche Innenwelt, von der wir heute wissen – wie ich glaube seit Friedrich Schelling (?) – dass sie nicht die negative Möglichkeit des Irrtums bedeutet, sondern gottlob fast ausschließlich positiv gesehen wird. Zu Ihrer persönlichen Innenwelt, die sich nie an Klischées orientiert, kann ich nur hoffen, was ich sinngemäß in einem Kommentar zu einem Beitrag von Liesa Roithner bemerkt hatte, nämlich, dass diese Fantasie nie versiegen möge!
Ig. Alfred Rhomberg
geschrieben von Alfred Rhomberg am 22.05.2008 16:02
RE: Schäbig
Meister Rhomberg!
Meine persönliche Innenwelt hoffe ich ich gut genug von Klischées desinfiziert zu haben, der Schmutz kommt aber immer wieder. Wenn sie “Schönheit, Metaphysik & eine verbitterte Zitronenwelt” gelesen haben, sehen Sie, dass ich, glaub ich, eine gewisse Portion Leid serviert bekommen muss, um meine Phantasie zu beflügeln, derweil hab ich schon noch was im Vorrat.
geschrieben von iskarioth am 22.05.2008 20:15
RE: Schäbig
Sg. Iskarioth,
ich hatte den erwähnten Beitrag bereits mit Aufmerksamkeit gelesen und glaube, die Quintessenz richtig verstanden zu haben. Leidphasen müssen sein, um einen zum Menschen zu machen. Das Gute daran ist, dass auch nach überwundenen Leidphasen immer etwas übrig bleibt – ich spreche aus der Erfahrung mehrerer solcher durchlittener Phasen – ganz verblassen sie nie, sie bleiben trotz eines sich stets wandelnden „Ichs“ ein fester Bestandteil jenes Ichs. Die durch solche Phasen akzelerierte Fantasie geht nie ganz verloren, selbst wenn sie danach etwas Feuer verlieren kann – ständiges Brennen wäre andererseits auch ungesund. Ständiges „Schwelen“ ist dagegen gesünder als Ö3 hören.
Ig. Alfred Rhomberg
geschrieben von Alfred Rhomberg am 23.05.2008 01:17
RE: Schäbig
Meister Rhomberg! Wohl werden solch Phasen kommen und gehen, aber an den “Tiefpunkten” scheint jedweder Aufstieg wie Heuchelei. Ich mag fast glauben, dieses Leben genannte System unterliegt einer Schwingung, einer Kurve, auf und ab, hin und her, und ein jedes Extrem schreit nach seinem Gegen. Da Sie ja wohl einiges mehr an Lebenserfahrung erworben, kann ich Ihnen nur glauben, und das einzige tun, was man mit einem Ratschlag machen kann tun: ihn beizeiten weitergeben.
lg, iskarioth
geschrieben von iskarioth am 23.05.2008 17:54
RE: Schäbig
Sg.Iskarioth, das Leben ist statistisch gesehen wohl tatsächlich ein auf und ab, für den Einzelnen kann es dagegen leider sowohl ein ausschließliches „ab“, als auch ein fast ausschließliches (und daher beneidenswertes) „auf“ bedeuten. Ein bisschen erinnert mich das Leben an die Börse, bei der man auch nie weiß, ob ein bestimmtes Tief nicht doch noch unterschritten werden kann, man weiß aber auch nie, wann ein Tief wieder zu einem Hoch wird – deswegen kommt es bei der Börse, wie im Leben auf „Strategie“ (Hoffnung) an, soll heißen, dass man besser beraten ist, an ein Hoch zu glauben und sollte dieses ausbleiben, hat man dann zwischenzeitlich wenigstens eine kleine Zeitspanne Hoffnung gehabt. Ich frage mich sowieso, ob ein „auf“ und die Hoffnung dazu nicht letztlich fast identisch sind. Möglicherweise besteht das „Leben“ überhaupt nur aus Hoffnungen, die uns evolutionär angeboren sind. Wie auch immer, wir können es nicht ändern – außer, den vielleicht evolutionär angeborenen Selbstbetrug „Hoffnung“ zu trainieren. Ig. Alfred Rhomberg
geschrieben von Alfred Rhomberg am 25.05.2008 02:02
RE: Schäbig
Von Statistiken halt ich mittlerweile immer weniger. Jede zeigt uns die “Wahrheit”, obwohl sie zum Teil Gegenteiliges behaupten. Statistisch gesehen haben ein Millionär und ein armer Tropf auch jeweils eine halbe Million.
Natürlich mag man an Extremfälle glauben, auch, damit man selber als “Normalsterblicher” etwas zum Vergleich, zum besser und schlechter stellen hat, was der Mensch auch braucht. Ich bleibe der Meinung, dass alles, was jemand Schlechtes erlebt hat, genauso ausgezahlt bekommt wie umgekehrt. Und wenn nicht spätestens am Sterbebett eine Erkenntnis kommt, dann im nächsten Versuch.
Was die Hoffnung betrifft, haben Sie mich gerade zu einem Text inspiriert, ich hoffe, diesen heute schon rauszubringen, bitte um Geduld.
lg, iskarioth
geschrieben von iskarioth am 25.05.2008 12:14
Horn - eZine - INHALT
Sg. Iskarioth, ja – die Fantasie ist eine persönliche Innenwelt, von der wir heute wissen – wie ich glaube seit Friedrich Schelling (?) – dass sie nicht die negative Möglichkeit des Irrtums bedeutet, sondern gottlob fast ausschließlich positiv gesehen wird. Zu Ihrer persönlichen Innenwelt, die sich nie an Klischées orientiert, kann ich nur hoffen, was ich sinngemäß in einem Kommentar zu einem Beitrag von Liesa Roithner bemerkt hatte, nämlich, dass diese Fantasie nie versiegen möge!
Ig. Alfred Rhomberg
Meister Rhomberg! Meine persönliche Innenwelt hoffe ich ich gut genug von Klischées desinfiziert zu haben, der Schmutz kommt aber immer wieder. Wenn sie “Schönheit, Metaphysik & eine verbitterte Zitronenwelt” gelesen haben, sehen Sie, dass ich, glaub ich, eine gewisse Portion Leid serviert bekommen muss, um meine Phantasie zu beflügeln, derweil hab ich schon noch was im Vorrat.
Sg. Iskarioth, ich hatte den erwähnten Beitrag bereits mit Aufmerksamkeit gelesen und glaube, die Quintessenz richtig verstanden zu haben. Leidphasen müssen sein, um einen zum Menschen zu machen. Das Gute daran ist, dass auch nach überwundenen Leidphasen immer etwas übrig bleibt – ich spreche aus der Erfahrung mehrerer solcher durchlittener Phasen – ganz verblassen sie nie, sie bleiben trotz eines sich stets wandelnden „Ichs“ ein fester Bestandteil jenes Ichs. Die durch solche Phasen akzelerierte Fantasie geht nie ganz verloren, selbst wenn sie danach etwas Feuer verlieren kann – ständiges Brennen wäre andererseits auch ungesund. Ständiges „Schwelen“ ist dagegen gesünder als Ö3 hören. Ig. Alfred Rhomberg
Meister Rhomberg! Wohl werden solch Phasen kommen und gehen, aber an den “Tiefpunkten” scheint jedweder Aufstieg wie Heuchelei. Ich mag fast glauben, dieses Leben genannte System unterliegt einer Schwingung, einer Kurve, auf und ab, hin und her, und ein jedes Extrem schreit nach seinem Gegen. Da Sie ja wohl einiges mehr an Lebenserfahrung erworben, kann ich Ihnen nur glauben, und das einzige tun, was man mit einem Ratschlag machen kann tun: ihn beizeiten weitergeben. lg, iskarioth
Sg.Iskarioth, das Leben ist statistisch gesehen wohl tatsächlich ein auf und ab, für den Einzelnen kann es dagegen leider sowohl ein ausschließliches „ab“, als auch ein fast ausschließliches (und daher beneidenswertes) „auf“ bedeuten. Ein bisschen erinnert mich das Leben an die Börse, bei der man auch nie weiß, ob ein bestimmtes Tief nicht doch noch unterschritten werden kann, man weiß aber auch nie, wann ein Tief wieder zu einem Hoch wird – deswegen kommt es bei der Börse, wie im Leben auf „Strategie“ (Hoffnung) an, soll heißen, dass man besser beraten ist, an ein Hoch zu glauben und sollte dieses ausbleiben, hat man dann zwischenzeitlich wenigstens eine kleine Zeitspanne Hoffnung gehabt. Ich frage mich sowieso, ob ein „auf“ und die Hoffnung dazu nicht letztlich fast identisch sind. Möglicherweise besteht das „Leben“ überhaupt nur aus Hoffnungen, die uns evolutionär angeboren sind. Wie auch immer, wir können es nicht ändern – außer, den vielleicht evolutionär angeborenen Selbstbetrug „Hoffnung“ zu trainieren. Ig. Alfred Rhomberg
Von Statistiken halt ich mittlerweile immer weniger. Jede zeigt uns die “Wahrheit”, obwohl sie zum Teil Gegenteiliges behaupten. Statistisch gesehen haben ein Millionär und ein armer Tropf auch jeweils eine halbe Million. Natürlich mag man an Extremfälle glauben, auch, damit man selber als “Normalsterblicher” etwas zum Vergleich, zum besser und schlechter stellen hat, was der Mensch auch braucht. Ich bleibe der Meinung, dass alles, was jemand Schlechtes erlebt hat, genauso ausgezahlt bekommt wie umgekehrt. Und wenn nicht spätestens am Sterbebett eine Erkenntnis kommt, dann im nächsten Versuch. Was die Hoffnung betrifft, haben Sie mich gerade zu einem Text inspiriert, ich hoffe, diesen heute schon rauszubringen, bitte um Geduld. lg, iskarioth
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