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Horn - Schönheit, Metaphysik & eine verbitterte Zitronenwelt
Bildquelle: iskarioth - Hoffnung
Folgender Text zeigt ein Gespräch zwischen Liesa Roithner und mir vom 13.05.2008, das ich wert befand, hier zu publizieren:
Liesa: [...] Ach, bin allgemein von ihr enttäuscht.
iskarioth: Von wem?
L: Von der Liebe allgemein. Ich glaube wirklich nicht mehr daran… Also zur Zeit sicher nicht. Aber das erklär ich dir persönlich.
I: Hab dich schon verstanden. Das schreit nach im Carambol sitzen und trinken, das selbe über Liebe denken, die gleiche Ansicht haben und trotzdem glauben, man müsse es dem anderen erklären, wo man doch die Klappe halten könnte. Ich glaub das macht Kommunikation aus.
L: Ach, du hast recht. Aber dafür bin ich gerade in einer sehr kreativen Phase. Mein Geist ist zum Glück sehr aufgeweckt.
I: Klar, nur wer leidet, kann dichten.
L: Ja das ist wenigstens das Schöne dran. Aber eigentlich sollte es auch ohne gehn.
I: Ja, schön wär’s. Wenn wir aber zufrieden sind, warum sollten wir dann schreiben?
L: Man könnte über die schönen Dinge des Lebens schreiben. Die Liebe kann durchaus eine gute Muse sein. Nur der Kitsch könnte zur Gefahr werden.
I: Gut, dreh Ö3 auf und hör dir die schönen Seiten des Lebens an. Auf mich wirkt das Thema “schön” mittlerweile alles wie Heuchelei, ungeachtet den genialen Dichtern vor unserer Zeit. Und meinem letzten Text, falls du ihn schon gelesen hast.
L: Also, ich glaub, da spricht ein bisschen der Metal aus dir. Es gibt auch gute Musik, die die Schönheit behandelt. Aber schön sein ist so ambivalent, wieder ein schweres Thema.
I: Auch klar. Ich hab trotzdem das Schöne nicht vergessen, ich bete es ja an. Ich glaube, ich lebe sogar dafür. Hoffe ich.
L: Das Schöne ist aber meist nur zum Betrachten da…
I: Zum Betrachten, zum Riechen, zum Hören, zum Fühln, in der höchsten Form steckt die Schönheit in der Tat, im Leben. Natürlich kannst du über Schönheit genauso wie über alles andere nur reflektieren, wenn du dich absonderst, es von außen betrachtest. Eigene Schönheit könnte immer nur Erinnerung sein, Schönheit außerhalb deiner scheint nicht voll fassbar. Insofern hast du Recht. Ich glaube, Schönheit ist nicht denkbar.
L: Das führt mich zum Thema des Schwärmens für eine Person, die sowieso nur in Gedanken so wundervoll ist. Die Phantasie spielt einem leider viel zu oft Streiche.
I: Ausweg wäre Phantasie als Schönheit selbst zu betrachten. Und was die idealisierte Person betrifft, wirst du feststellen müssen, dass du immer auf dich selbst zurückgeworfen wirst, weil das Gegenüber, indem du das Bild suchst, fehlt.
L: Ich liebe die Phantasie sowieso. Einziges Überlebenselixier in dieser verbitterten Zitronenwelt. Ich glaube sogar, dass ich zusehr in dieser Welt lebe, sodass ich automatisch meine Ideale auf andere projeziere. So habe ich deine SMS auch verstanden.
I: Sehr schön ausgedrückt! Stellt sich die Frage, ob nicht jedes “Nicht-Ich” eine Projektion unserer Gedanken sei, vielleicht auch gewisser Ideale, was Stereotypien erklären könnte. Ein physikalischer Gegenstand würde wohl einen maximalen Idealwert/ -zustand haben, weil “alle Subjekte” dieser Dimension ihn “gleich” sehn. Anscheinend sei Leid eines der Hauptideale, wohl um uns zu motivieren.
L: ...und um das Leid zu überwinden, etwas ändern zu wollen. Also deine Aussage über Stereotypen stimmt sicher zu 100%. Aber damit bist du auf der “Ich-denke-also-bin-ich”-Schiene. Oder wir beide, besser gesagt. Und das obwohl ich heute schon gedacht hatte, ich bin Empirist!
I: Richtig erraten! [Cogito…] Du Empirist? Unser ganzes Gespräch hat sich glaub ich eher ein bisschen auf der rationalen Ebene abgespielt, durchdrungen von einem Hauch Metaphysik.
L: Und damit hast du mein Problem erfasst. Ich weiß nicht ob Rationalist oder Empirist!
I: Ich versuch mich beidem zu erwehren, so oder so, Dichter leiden anscheinend gerne, wie uns die Erfahrung zeigt und draufgekommen seien wir rational, wie auch das wir anscheindend einen Hang zum idealistischen Metaphysischen haben. Alles ist mit im Boot! So, genug Stoff für nen neuen Text… [...]
(1) Kommentare zum Beitrag "Schönheit, Metaphysik & eine verbitterte Zitronenwelt"
RE: Schönheit, Metaphysik & eine verbitterte Zitronenwelt
Was ist ein Dichter? Ein unglücklicher Mensch, der tiefe Qualen in seinem Herzen birgt, dessen Lippen aber so geformt sind, dass, indem der Seufzer und der Schrei über sie ausströmen, sie klingen wie eine schöne Musik. [...] Und die Menschen scharen sich um den Dichter und sagen zu ihm: Singe bald wieder; das heißt: möchten doch neue Leiden deine Seele martern und möchten doch die Lippen so geformt bleiben wie bisher;
Kierkegaard
geschrieben von Liesa R. am 02.06.2008 14:11
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Was ist ein Dichter? Ein unglücklicher Mensch, der tiefe Qualen in seinem Herzen birgt, dessen Lippen aber so geformt sind, dass, indem der Seufzer und der Schrei über sie ausströmen, sie klingen wie eine schöne Musik. [...] Und die Menschen scharen sich um den Dichter und sagen zu ihm: Singe bald wieder; das heißt: möchten doch neue Leiden deine Seele martern und möchten doch die Lippen so geformt bleiben wie bisher; Kierkegaard
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