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Horn: Schwarzer Schmetterling
Bildquelle: iskarioth - Kalt, in mir
Es war ein Frühling,
der mir den Boden unter den Füßen riss.
Blümlein schmückten den Tag,
als ich zu ihren Füßen lag und entzweit verbrannte.
Es war ein Herbst,
vor dem ich fraß wie eine Raupe.
Und sanfte Hände von dunklen Augen
wanden um mich ein fesselndes Seidekleid.
Ich zähle sechs Monate,
in denen ich reifte und wuchs.
Ich habe geschlafen
und träumte ich dürfe dies ein Leben lang.
Ich träumte von Glück
Ich träumte von Liebe
Ich träumte von dir.
Und dann bin ich in mir geweckt worden.
Mein seidernes Kleid riss man mir vom Leib,
und meine fette Raupenform hatte ich zurückgelassen.
Und aus all dem weißen Stoff stieg das Monster.
Aus einer zweikörperlichen Einheit
entstieg eine einkörperliche Zwiegespaltenheit.
Ich und ich.
Ohne dich.
(4) Kommentare zum Beitrag "Schwarzer Schmetterling"
RE: Schwarzer Schmetterling
und diese einkörperlichen Zwiegespaltenheiten begleiten uns unser ganzes Leben lang – bis schlussendlich wieder irgend eine Art von Einheitlichkeit entsteht (vielleicht im Sinne der Monadenlehre: Leibniz charakterisiert die Monaden als metaphysische, beseelte Punkte oder metaphysische Atome, die im Unterschied zu den von der Atomistik postulierten physischen Atome keine Ausdehnung besitzen und somit keine Körper sind). Irgendwie warten wir alle auf diesen Zustand – aber er darf ruhig ein bisschen später eintreten. (Alfred Rhomberg)
geschrieben von Alfred Rhomberg am 05.06.2008 14:18
RE: Schwarzer Schmetterling
Wer weiß wie oft so ein Zustand im Leben eines Menschen eintreten kann? Vielleicht jedesmal wenn wir brechen oder verschmelzen, ich bezweifle fast, dass dies das einzig mögliche Mal sei.
Ich glaube Leibniz’ Monaden werden mittlerweile durchs Licht ersetzt.
geschrieben von iskarioth am 05.06.2008 17:18
RE: Schwarzer Schmetterling
Zugegeben: die Monadenlehre von Leibniz war mir auch nie richtig sympathisch, seine Differenzialrechnung zwar auch nicht besonders – aber deren Anwendung blieb mir beruflich nicht erspart. Zur letzteren eine kurze biografische Episode: Bei meiner mündlichen Mathematikprüfung an der Uni, musste ich eine unangenehme, unstetige Funktion (also eine mit Loch in der Kurve) differenzieren. Nach ein paar gut gemeinten Versuchen meinerseits, sagte der Professor zu mir: Herr Rhomberg, wenn Ihnen ein genügend genügen würde, so würde mir das genügen. Meine Antwort: Herr Professor, ein genügend genügt mir! So war ich das Problem zunächst los – oft lassen sich Probleme vorübergehnd so einfach lösen – bis dann das dicke Ende (sprich: die nächste unstetige Funktion) kommt. Zu Ihrem Kommentar zur “Verwundbaren” siehe bitte dort.
geschrieben von Alfred Rhomberg am 06.06.2008 00:18
RE: Schwarzer Schmetterling
Ich finde hierbei sehr beeindruckend, dass du deine Verwandlung im inneren eines Kokons vollzogen hast, der von einer anonymen Hand gesponnen und aufgebrochen wurde.
Wer der Besitzer oder die Besitzerin dieser dunklen Augen ist, der/ die später von einem unpersönlichen “man” abgelöst wird, eröffnet einen riesigen Interpreationsraum, der mir zu denken gibt….
geschrieben von Liesa Roithner am 06.06.2008 13:39
Horn - eZine - INHALT
und diese einkörperlichen Zwiegespaltenheiten begleiten uns unser ganzes Leben lang – bis schlussendlich wieder irgend eine Art von Einheitlichkeit entsteht (vielleicht im Sinne der Monadenlehre: Leibniz charakterisiert die Monaden als metaphysische, beseelte Punkte oder metaphysische Atome, die im Unterschied zu den von der Atomistik postulierten physischen Atome keine Ausdehnung besitzen und somit keine Körper sind). Irgendwie warten wir alle auf diesen Zustand – aber er darf ruhig ein bisschen später eintreten. (Alfred Rhomberg)
Wer weiß wie oft so ein Zustand im Leben eines Menschen eintreten kann? Vielleicht jedesmal wenn wir brechen oder verschmelzen, ich bezweifle fast, dass dies das einzig mögliche Mal sei. Ich glaube Leibniz’ Monaden werden mittlerweile durchs Licht ersetzt.
Zugegeben: die Monadenlehre von Leibniz war mir auch nie richtig sympathisch, seine Differenzialrechnung zwar auch nicht besonders – aber deren Anwendung blieb mir beruflich nicht erspart. Zur letzteren eine kurze biografische Episode: Bei meiner mündlichen Mathematikprüfung an der Uni, musste ich eine unangenehme, unstetige Funktion (also eine mit Loch in der Kurve) differenzieren. Nach ein paar gut gemeinten Versuchen meinerseits, sagte der Professor zu mir: Herr Rhomberg, wenn Ihnen ein genügend genügen würde, so würde mir das genügen. Meine Antwort: Herr Professor, ein genügend genügt mir! So war ich das Problem zunächst los – oft lassen sich Probleme vorübergehnd so einfach lösen – bis dann das dicke Ende (sprich: die nächste unstetige Funktion) kommt. Zu Ihrem Kommentar zur “Verwundbaren” siehe bitte dort.
Ich finde hierbei sehr beeindruckend, dass du deine Verwandlung im inneren eines Kokons vollzogen hast, der von einer anonymen Hand gesponnen und aufgebrochen wurde. Wer der Besitzer oder die Besitzerin dieser dunklen Augen ist, der/ die später von einem unpersönlichen “man” abgelöst wird, eröffnet einen riesigen Interpreationsraum, der mir zu denken gibt….
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