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Innsbruck - Diskurse zur Bipolaren Störung
Die Bipolare affektive Störung gehört zu den Affektstörungen und äußert sich bei den Betroffenen in episodischen, schwierig kontrollierbaren Stimmungsschwankungen, die über das normale Maß hinausgehen und ein geregeltes Leben auch für die soziale Umwelt erheblich beeinträchtigen. Die derzeitigen nosologisch-diagnostischen Kategorien beschreiben klinisch gut fassbare Symptome. „Das komplexe Spektrum der Erkrankung mit subklinischen Erscheinungsformen wird diagnostisch aber derzeit kaum erfaßt,“, betont Organisator und Leiter des Symposiums, Armand Hausmann von der Univ.-Klinik für Allgemeine und Sozialpsychiatrie. So findet sich hinter der derzeitigen Diskussion einer für den Patienten und die Therapie sinnvollen Beschreibung der Erkrankung (Kontinuum vs. distinkte Kategorien) der alte epistemologische Streit zwischen taxonomischem und ideographischem Zugang zum Menschen wieder.
Von diagnostischen Abgrenzungen, fließenden Übergängen und therapeutischen Algorithmen
Nachdem diese Thematik schon im Vorjahr eine Vielzahl anerkannter Expertinnen und Experten zur Diskussion nach Innsbruck zog, konnte sich das Symposium auch heuer als gelungene Gepflogenheit universitärer Streitgespräche beweisen. Unter dem Vorsitz des geschäftsführenden Direktors des hiesigen Departments für Psychiatrie und Psychotherapie, W. Wolfgang Fleischhacker und dem Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Carl Gustav Carus Universität Dresden und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Bipolare Erkrankungen (DGPS), ichael Bauer diskutierten Wissenschafter am ersten Tag über die diagnostische Grenzziehung zur unipolaren Depression einerseits und zur Schizophrenie andererseits, sowie über den status quo und die wissenschaftliche Evidenz z.B. der Therapie mit Lithium oder Depotantipsychotika. Der Frage, wem das Erstellen von therapeutischen Algorithmen dient, widmete sich am zweiten Tag Heinz Grunze von der Newcastle University School of Neurology, Neurobiology and Psychiatry und langjähriger Zentrumsleiter des Stanley Foundation Bipolar Networks in München (SFBP) als einer der herausragendsten europäischen Forscher auf diesem Gebiet. Erstmalig wurde auch versucht, psychodynamische Kontroversen ins Programm aufzunehmen. Der Psychoanalytiker ao. Univ.-Prof. Dr. Martin Kurz der hiesigen Klinik referierte über die Frage, wieso die Manie nicht als reine Abwehr der Depression zu verstehen ist.
am 03.07.2009 15:53











