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St. Ulrich am Pillersee - Zu Nuarach im Pillerseetal
Bildquelle: Gemeinde St.Ulrich a.P. - Blick auf die Kirche
Beitrag ist erstellt und sponsored von der startblatt Redaktion.
Halbdrei Uhr nachmittags in Sankt Ulrich am Pillersee: auf der Dorfstraße ist es ruhig. Hie und da fährt ein Auto vorüber, sonst ist keine Menschenseele unterwegs. Ein strahlend blauer Himmel, die ersten warmen Strahlen einer Tiroler Frühlingssonne und die verschneiten Gipfel lassen den grauen Alltag schnell wie eine ferne Erinnerung erscheinen. Tausende Urlauberinnen genießen jedes Jahr den Erholungsreflex in Sankt Ulrich am Pillersee in Tirol: Natur rein – Stress raus bei Skifahren, Langlaufen, Wandern, Mountainbiken in der Tiroler Heimatfilmidylle! Ob Familie, Senior oder Sportjunkie – in Sankt Ulrich gibt es für jeden Geschmack etwas – abseits von den Touristentrampelpfaden und doch gar nicht abgelegen. B178 sowie B164 und damit der Rest dieser schönen Welt sind auf der Pillerseestraße mit dem Auto schnell erreicht. Im Sommer kann man im Mehrstundentakt zwischen Sankt Ulrich und den übrigen Gemeinden im Pillerseetal pendeln. Der nächste Bahnhof liegt in der Nachbargemeinde Fieberbrunn. Im Winter lässt man die Landschaft bequem im kostenlosen Skibus an sich vorüberziehen.
Lassen Sie sich hier vom Bürgermeister der Gemeinde St. Ulrich Kaspar Mettler erzählen, was der Hausberg von St. Ulrich mit der Gemeindepolitik zu tun hat und wie die Person Kaspar Mettler seine Heimat sieht…
Sankt Ulrich befindet sich auf 47°31’ nördlicher Breite und 12°34’ östlicher Länge und erstreckt auf 52 km2 Fläche. Die Gemeinde liegt am Fuße der Loferer Steinberge, die zu den nördlichen Kalkalpen in den Ostalpen gehören und die Hintergrundkulisse für Sankt Ulrich bilden. Auffallend an den Steinbergen sind die Plateaustöcke mit steilen Randabstürzen und stark gewellten Hochkaren. Unterirdisch hat sich durch die Verkarstung ein Höhlensystem aus tiefen Dolinen gebildet. Einen Eindruck davon kann man sich in der Prax-Eishöhle verschaffen.
Rot, grün, violett gefärbte Gesteinsschichten der Steinberge bilden die wasserundurchlässige, unterste Schicht aus Werfener Schiefer. Hier haben viele Quellen ihren Ursprung. Weiters lassen sich Rauhwacke und Gutensteiner Kalk und Ramsaudolomit geologisch identifizieren. Mergel ist schließlich für die charakteristischen Gipfelaufbauten verantwortlich, da er stark erodiert. Die große Wehrgrube und die Ulricher Grube, die wichtigsten Hochkare, sind durch Vergletscherungen während der letzten Eiszeit entstanden. Gletscher gibt es hier jedoch keine, dafür erinnern Schneefelder in der Nähe des Mitterhorns noch an die vergangene Eiszeit.
Über den Nuaracher Höhenweg nähert man sich den höchsten und wichtigsten Gipfeln der Loferer Steinberge: Großes Ochsenhorn (2.511m), Mitterhorn (2.506m), Großes Reifhorn (2.480m), Breithorn (2.413m), Großes Rothorn (2.404m) und Geiselhorn (2.291m). Die Tour beginnt und endet in Sankt Ulrich. Aber Vorsicht: der Nuaracher Höhenweg ist eine anspruchsvolle Tour mit Klettersteigpassagen. Schwindelfreiheit, eine gute Kondition sowie stabile Wetterverhältnisse sind essentielle Voraussetzungen, um zehn bis zwölf Stunden Fußmarsch durch die karge und mitunter steile Gebirgswelt der Loferer Steinberge durchzuhalten. Alle, die jedoch die Herausforderung annehmen, werden für die Strapazen mit einer einmaligen Rundumsicht bis zum Chiemsee in Bayern entschädigt.
Lernen Sie hier von Ernst Pirnbacher, wie der Amtleiter von St. Ulrich und Mitglied einer der ältesten Familien von St. Ulrich seine Heimatgemeinde erlebt…
Die Gemeinde Sankt Ulrich sowie den Pillersee kann man auch von der Buchensteinwand, dem Hausberg der Gemeinde, gut überblicken. 7,6km2 des Gemeindegebiets sind besiedelt. Die restlichen 44,4km2 werden land- und forstwirtschaftlich genutzt. Wirtschaftlich bedeutsame Betriebe gibt es jedoch nicht nur in der Land- und Forstwirtschaft oder im Tourismus. Nothegger Transport Logistik GmbH ist ein Sankt Ulricher Familienunternehmen mit mehr als 300 MitarbeiterInnen in Tirol, Vorarlberg und Südtirol, was beweist, dass auch außerhalb von Ballungszentren moderne Unternehmen Erfolg haben können. Über die Gemeindegrenzen hinaus ist auch die Sankt Ulricher Firma Mack KG bekannt, die seit 1906 Latschenöl produziert. Damit handelt es sich um die älteste Latschenöl-Brennerei der Welt. Das Unternehmen stellt im Einklang mit der Natur Heilmittel und Schönheitskosmetik aus Latschenöl und Arnika. In den Führungen durch das Unternehmen kann man nicht nur den Herstellungsprozess der unterschiedlichen Produkte der Mack KG mitverfolgen, sondern auch im hauseigenen Museum den Anfängen der Latschölbrennerei auf den Grund gehen.
Im Technologiebereich kann Sankt Ulrich stolz auf das Unternehmen Boida Kunststofftechnik GmbH verweisen, das sich auf die Fertigung von Spritzgussformen und Mehrkomponenten-Spritzgussformen im Automobil- und Elektronikbereich spezialisiert hat. Das mittelständische Unternehmen mit ca. 40 MitarbeiterInnen hat dabei schon für KundInnen wie CASCO Schoeller, Leifheit oder KTM Sportmotorcycle AG gearbeitet.
Die Gemeinde Sankt Ulrich hat in den letzten Jahrzehnten eine besonders positive Bevölkerungsentwicklung zu verzeichnen. Rege Bautätigkeit ist eine Folge davon, die jedoch immer unter der Berücksichtigung einer konsistenten Ortsbildentwicklung geschehen ist. Geplant ist auch eine Mehrzweckhalle, die endlich Räumlichkeiten für die regen kulturellen Aktivitäten der Sankt Ulricher bieten soll.
Die kulturellen und sportlichen Aktivitäten haben Tradition in Sankt Ulrich und sind im Wesentlichen in Vereinen organisiert. 1884 wurden die Nuaracher Bauernspielgruppe sowie die Bundesmusikkapelle Sankt Ulrich am Pillersee gegründet, die bis heute aktiv sind. 1992 wurde der Kulturverein Sankt Ulrich gegründet, der das traditionelle Kulturangebot von Sankt Ulrich durch Alternativen wie Rock, Blues, Neue Volxmusik, Theatergastspiele, Weltmusik, Kinderkino, Kabarett, Jazzfrühschoppen oder Latenightspecials abrundet. Mehr der Pflege der Tiroler Tradition und Heimatbewusstseins hat sich die Schützenkompanie Pillersee verschrieben. Die Schützen und die Musikkapelle bewahren die Tracht, die sich im Aussehen an der Zeit Andreas Hofers orientiert. Den Hut schmückt eine Feder, heute vom Hahn früher vom Adler. Die Feder ist ein Symbol für den Tiroler Freiheitskampf und daher für Tiroler Mut und Tapferkeit.
Lernen Sie hier Martin Kraisser kennen und die Gründe, wie und warum er sich entschlossen hat, in St. Ulrich zu leben…
Doch die Tradition und damit die Geschichte von Sankt Ulrich beginnen nicht erst mit den Tiroler Freiheitskämpfen.
Bereits für das 10. Jahrhundert lässt sich aufgrund von Reihengräber eine Besiedelung durch die Bajuwaren auf Sankt Ulricher Gemeindegebiet feststellen. Im 12. Jahrhundert folgten dann die Benediktinermönche des Klosters Rott am Inn. Dadurch wird St. Ulrich zur Urpfarre des gesamten Pillerseetales. 1151 kommt es zur ersten schriftlichen Hinweis auf die Besiedelung am Pillersee in einer Urkunde des Papstes Eugen II: „TOTUM BILLERSEE CUM ECCLESIA EIUSDEM LOCI, DECIMIS ET APPENDICIS SUIS“
Der heutige Name der Gemeinde St. Ulrich geht auf den heiligen Ulrich von Augsburg zurück, der entscheidend zum Sieg Ottos I. in der Schlacht am Lechfeld beigetragen hatte und als erster Sterblicher 993 vom Papst persönlich für sein im Sinne des Christentums vorbildliches Leben heilig gesprochen wurde. Ulrich war während des gesamten Mittelalters ein beliebter Vorname im süddeutschen Raum. Auch die Urpfarre des Pillerseetals wurde dem Heiligen Ulrich geweiht.

Die spätgotische Pfarrkirche mit einem barockisiertem romanischen Westturm und Gewölbemalereien aus der Mitte des 18. Jahrhunderts von S. B. Faistenberger, einem Tiroler Vertreter des österreichischen Barocks, ist auf jeden Fall einen Besuch wert.
Im Weiler Adolari am Nordende des Pillersees befindet sich die kleine Kirche St. Adolari, die eine weitere Zeugin für das Mittelalter darstellt. Im Chor der Kirche können spätgotische Fresken aus dem 14. Jahrhundert (um 1440) und der Barockaltar aus dem frühen 18.Jahrhundert mit gotischer Pieta bewundert werden.
1506 gelangt durch eine Landesreform die bajuwarische Hofmark Pillersee zum Landgericht Kitzbühel und damit in die Hoheit Tirols.
Erst am Beginn des 20. Jahrhunderts kommt es durch den Bau einer Straße zur Erschließung des Tales. Die Asphaltierung der Straße erfolgte allerdings erst 1961. 1969 wurde schließlich das Skigebiet am Hausberg Buchensteinwand eröffnet, das heute an den Skiverbund Pillerseetal angeschlossen ist.
Das Skigebiet und der damit verbundene Tourismus bildet eine wichtige wirtschaftliche Grundlage für die Gemeinde St. Ulrich. Laut Volkszählung von 2001 waren 17,1% der Sankt Ulricher Erwerbspersonen waren im Beherbergungs- und Gaststättenwesen tätig. Weitere 15,5% waren im Handel und im Gewerbe tätig. Neben Tourismus sowie Handel und Gewerbe spielt ist auch die Sachgütererzeugung mit 20,4% der Erwerbstätigen ein wichtiger Arbeitgeber für die Gemeinde am Pillersee, welcher 1994 schließlich in Gemeindebesitz übergegangen ist und dem die Gemeinde zu keinem geringen Teil ihre Bedeutung und landschaftliche Schönheit verdankt.
Wenn Sie mehr über Geschichte und Tradition von Sankt Ulrich am Pillersee erfahren möchten:
Matthias Rettenwander: Z`Nuarach dahoam, Heimatbuch St. Ulrich am Pillersee. Eigenverlag der Gemeinde St. Ulrich. 2000.
Dieses Buch können Sie beim Gemeindeamt Sankt Ulrich für EUR 35,- erwerben.
Musik von der Bundesmusikkapelle St. Ulrich am Pillersee
• Auszüge aus dem Album: So klingt´s am Pillersee (17 Titel)
• Auszüge aus dem Album: live in concert (13 Titel)
Volksmusik aus St. Ulrich am Pillersee
• Auszüge aus dem Album: Probier´n mas hoit! (21 Titel)
Wir bedanken uns für das Bildmaterial bei
- • Familie Herramhof
- • Tourismusverband Pillerseetal
und für das Tonmaterial bei
- • Bundesmusikkapelle St. Ulrich am Pillersee
- • Nuaracher Stubenmusi
- • Nuaracher Klarinettenmusi
- • Nuaracher Hausbergmusi
Die startblatt Redaktion.





