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Wien 16.,Ottakring - eZine: Michael Nussbaumer: THANK YOU FOR BREAKING MY HEART
Bildquelle: Michael Nussbaumer: Michael Nussbaumer
Es ist zu Ende sagt sie, mitten in unser Frühstück hinein. Was meinst du, sage ich, Böses ahnend, was heißt es ist zu Ende, was überhaupt ist zu Ende, der Zucker, das Brot, die Geduld, das Warten, deine Periode …
Du weißt was ich meine, sagt sie, das ist zu Ende, was zwischen uns ist, ist zu Ende, also was zwischen uns war, es ist aus.
So einfach kommst du mir nicht davon, sage ich. Das kannst du nicht machen, wo ich noch nicht einmal meinen Kaffee zu Ende getrunken habe, jetzt ist nicht der richtige Moment. Kein Zeitpunkt ist der richtige für so etwas, sagt sie, nun ist es eben jetzt und jetzt ist es eben aus.
Nicht, sage ich, jetzt kommt es wirklich ungelegen, jetzt kann ich keine Krise brauchen, wo doch die Heizkosten so gestiegen sind und mein Fahrrad einen Platten hat, das musst du doch verstehen, sage ich zu ihr.
Dann nimm es nicht als Krise, sagt sie, sagen wir die Beziehung war die Krise und jetzt ist die Krise vorbei und die Beziehung halt gleich mit.
Ha! triumphiere ich, ohne auf ihr Gerede einzugehen, wir haben doch noch gar nicht richtig angefangen, hast du immer gesagt, niemand kann etwas beenden, was noch nicht richtig begonnen hat, das geht schon aus Gründen der Logik nicht, das musst du doch einsehen, sage ich zu ihr.
Ach, sagt sie, wenn man nach fünf Jahren immer noch nicht richtig angefangen hat, dann ist da nicht nur der Wurm drin, dann fehlt da der ganze Apfel.
Komm, sage ich, lass uns nicht von sauren Äpfeln sprechen, lass uns das Frühstück essen und dann spazieren gehen und dann schläfst du noch einmal darüber oder wir schlafen noch einmal darüber, vielleicht auch gleich miteinander, dann klärt sich das auf, dann verklärt sich das wieder und diese ganze schreckliche Klarheit verschwindet und wir können weiter machen wie bisher.
Komm, sagt sie, gib es auf. Es ist entschieden.
Nein, sage ich, du täuschst dich, jetzt genau ist die Zeit richtig anzufangen, jetzt können wir es angehen, mit dieser ganzen Offenheit, die gerade zwischen uns herrscht.
Weißt du, sagt sie, ich will eine andere Art von Offenheit, ich will keine fixe Beziehung, ich will das lieber in der Schwebe lassen, was es ist, ob Freundschaft oder Beziehung oder Affäre.
Ha! fahre ich dazwischen, jetzt hab ich dich, da kommst du mir nicht mehr aus, du sagst, du willst es in der Schwebe halten und sprichst von einem Ende, das passt doch nicht zusammen!
Doch, das passt, sagt sie, weil ich mit dir nicht schweben kann, mit dir ist mir das zu schwer, mit dir und mir ist es aus und ich will wieder schweben, sagt sie und leise sagt sie dazu: schweben und mich anderen geben.
Nicht das! rufe ich, fang jetzt an nicht an zu dichten, wo ich mir keinen Reim mehr machen kann. Wo ich nicht mehr lachen kann, füge ich hinzu.
Ach, lächelt sie, DU, sagt sie und es klingt wie früher, klingt wie gestern, aber ich weiß inzwischen, dass es nie mehr wie früher sein wird, nicht einmal mehr wie gestern. Und ich frage mich, nicht sie, wie lange es dauern wird, bis ich mich wieder an einen Frühstückstisch setzen kann, wie heute morgen, bevor sie diesen Satz mit dem Ende am Ende gesagt hat. Bis ich mich wieder an einen Frühstückstisch setzen kann und das Schlimmste, das ich mir erwarte ist Schimmel auf der Marmelade.
Mir fallen die vier Phasen des Abschiednehmens ein, die ich noch aus der vorigen Trennung erinnere, und ich nehme mir vor, alle vier Phasen heute hinter mich zu bringen und schon morgen wieder friedlich zu frühstücken.
Das Nichtwahrhabenwollen von Phase eins habe ich schon abgehakt, ich glaube ihr, dass es zu Ende ist, die emotionale Achterbahn von Phase zwei kann ich vielleicht überspringen und gleich in die Depression von Phase drei fallen, aber da bekomme ich Lust das Marmeladeglas an der Wand zu zerschmeißen und die nichtschimmlige Marmelade die Wand herunter rinnen zu sehen und ich weiß ich stecke noch in Phase zwei fest, der emotionalen Achterbahn.
Da kommt mir ausgerechnet ein Song von Sinead O’Connor in den Sinn und er singt sich in meinem Kopf “Thank you for breaking my heart, thank you for tearing me apart. Now I’ve a strong strong heart…” und das ist dann vielleicht doch schon Phase vier, das Akzeptieren, die Loslösung und die Werdung eines neuen Ichs und ich will mich über den Tisch beugen um sie zu küssen, um meine Ex-Freundin zu küssen, aber durch den Schleier meiner Tränen kann ich nicht erkennen, ob da noch jemand sitzt oder ob ich schon alleine bin.
(1) Kommentare zum Beitrag "Michael Nussbaumer: THANK YOU FOR BREAKING MY HEART"
RE: Michael Nussbaumer: THANK YOU FOR BREAKING MY HEART
Ja, es ist vorbei. Und die verdammte Hoffnung, dämliche, naive, will keine Ruhe geben. Abtöten. Nur wie?
Geschewbt hab ich auch. Alles war so leicht. Und dann.
IM NAMEN DER LIEBE
Turrini hat Recht. Aber erst wenn man gefallen ist fiel einem auf wie hoch man flog. Reparier nie etwas was funktioniert. Dann fällt es dir von selbst in den Rücken.
Sie war schön, stolz, erhabend.
Ich bin der letzte Dreck.
Im Tränenschleier spiegelt sich das Häuflein Elend, das ich sei. Ich kenne mich nicht mehr. Ich hab die Depressionsphase noch nicht überstanden
geschrieben von iskarioth am 16.04.2008 20:59
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Ja, es ist vorbei. Und die verdammte Hoffnung, dämliche, naive, will keine Ruhe geben. Abtöten. Nur wie? Geschewbt hab ich auch. Alles war so leicht. Und dann. IM NAMEN DER LIEBE Turrini hat Recht. Aber erst wenn man gefallen ist fiel einem auf wie hoch man flog. Reparier nie etwas was funktioniert. Dann fällt es dir von selbst in den Rücken. Sie war schön, stolz, erhabend. Ich bin der letzte Dreck. Im Tränenschleier spiegelt sich das Häuflein Elend, das ich sei. Ich kenne mich nicht mehr. Ich hab die Depressionsphase noch nicht überstanden
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