
Leadership wird als die Fähigkeit definiert, andere Menschen zu motivieren und von den eigenen Zielen überzeugen zu können. Und doch gehört Leadership bzw. Führungsfähigkeit zu jenen Fähigkeiten, die selbst durch modernste Tests schwer erkennbar und durch Buchwissen nicht erlernbar sind. Welche Charakter- /Persönlichkeitseigenschaften zeichnen dann aber Leadership aus? Und was passiert wenn das „weiche“ Konzept „Leadership“ auf das „harte“ des „Managerialism“ trifft? startblatt auf der Suche nach Bildern und Geschichten rund um AnführerInnen und Angeführte.
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Leadership [de] - Die Politik unserer Zeit – ein Hauch von Machiavellismus weht durch unsere Parlamente
Bildquelle: Public Domain: Niccolò Machiavelli (1469-1527), Urheber: Santi di Tito (1536-1603) – künstlich stark gesofted
Nach Machiavelli (um 1515) ist Politik die Summe der Mittel, die nötig sind, um zur Macht zu kommen und sich an der Macht zu halten und um von der Macht den nützlichsten Gebrauch zu machen.
Diese Sicht hatte Machiavelli in einer alles andere als demokratischen Zeit geschrieben. Wenn wir die Zeilen heute lesen, denken wir vielleicht zunächst an die Machthaber in China, Nordkorea, arabische Staaten oder vielleicht an Russland, doch wir brauchen gar nicht so weit zu schweifen, eine „Softform“ des Machiavellismus finden wir in allen Staaten der Welt – auch in Österreich und Deutschland.
Der Unterschied zwischen Macht und Leadership
Der Begriff Macht muss nicht notwendigerweise negativ ausgelegt werden, so spricht man bekanntlich auch von „sozialer Macht“. In unserer Zeit sind mit dem Machtbegriff jedoch so viele Negativ-Attribute oder Wortverbindungen verknüpft (Machtapparat, Machtergreifung, Machtwechsel etc.) dass der Begriff weitgehend negativ besetzt ist, unabhängig davon, ob Macht den PolitikerInnen mit Hilfe eines Militärapparates oder durch demokratische Volksabstimmungen übertragen wird und auch die immer häufiger gewünschte „Macht des Volkes“ ist nicht uneingeschränkt positiv zu bewerten, denn diese ist nur deswegen so häufig erwünscht, weil politische Macht zunehmend missbraucht wird. Wenn dann tatsächlich die Masse des Volkes „zur Macht kommt“, hat dies oft negative Auswirkungen der Destabilisierung eines Staates.
Macht ist (ebenso wie Autorität) immer dann gefährlich, wenn sie missbraucht wird, wobei dieser Missbrauch auch in unseren modernen Demokratien zu den „kleinen“ Selbstverständlichkeiten unserer VolksvertreterInnen – bishin zu eklatanten Fällen von Korruption, gehört. Eine typische Eigenschaft des Machtmissbrauchs ist das „Kleben an der Macht“, wie wir es zunehmend von unseren VolksvertreterInnen gewohnt sind. Nur selten werden „Vertrauensfragen“ gestellt, um eigene Meinungen gegen die Meinung eines Koalitionspartners oder der eigenen Partei durchzusetzen. Obwohl Kompromisse zum Wesen einer demokratischen Regierungsform gehören, werden auch „schlechte“ Kompromisse zur Erhaltung der eigenen Macht oder der Macht der eigenen Partei in Kauf genommen. War das nicht immer so?
In den Regierungen Deutschlands und Österreichs gab es zahlreiche Politiker, die zweifellos an ihrer Macht festhalten wollten, jedoch bei ihrem Machtanspruch auch über Leadership verfügten, jener Fähigkeit, der frau/man sich beugte, weil sie ihren Spitzenpolitikern vertrauten. Das war in den ersten Legislaturperioden Adenauers ebenso der Fall wie unter der Regierung Helmut Schmidts, der u.a. wegen seiner Überzeugung, dass der damalige Nato-Doppelbeschluss 1977/19791 (gegen die Interessen der UDSSR, besonders jedoch der eigenen Linken in Deutschland) richtig sei, sein Amt aufs Spiel setzte.
Was ist das Wesen von Leadership?
Leadership lässt sich am ehesten mit Führungskompetenz übersetzen und ist zum „neuhochdeutschen“ Modewort der Wirtschaft aber auch in der Politik geworden. In den Sozialwissenschaften steht das Wort für eine ganze Reihe von Eigenschaften, die je nach dem gerade in Mode stehenden Führungsstil unterschiedlich interpretiert werden.
Zu Beginn meiner Industrietätigkeit (1965) herrschte der „autoritäre“ (oder direkte) Führungsstil, der streng hierarchisch ausgerichtet war. Später ab ca. 1970 wurde dieser direkte Führungsstil durch den “kooperativen“ Führungsstil ersetzt, bei dem eher die Anleitung zu eigenem individuellen Handeln der Mitarbeiter angestrebt wird. Heute wird zwischen verschiedenen, schwer abgrenzbaren Fähigkeiten, wie Teamführungsfähigkeit, transaktionaler Führung (als Austauschprozess), etc. unterschieden. Viele dieser Fähigkeiten sind erlernbar, echte charismatische Führung dagegen wohl kaum, wie ich mich bei zahllosen Führungsseminaren überzeugen konnte. Auch im Rahmen meines Psychologiestudiums wurde im Fach Sozialpsychologie auf die schwierige Erkennung von Führungskompetenz und auf entsprechende Versuche zu deren Erkennung hingewiesen. Während der Nazizeit war offenbar eine Methode zur Erkennung von Führungskompetenz zur Findung von militärischen Führungspersönlichkeiten recht erfolgreich: Offiziersanwärter wurden in einem Warteraum zur Untersuchung durch einen Psychologen „zusammengesperrt“, wobei der Psychologe im Nebenzimmer nur ein Vorwand war. Der Psychologe saß im Warteraum inmitten der Kandidaten und beobachtete, von welchen Kandidaten Gesprächsimpulse ausgingen und wer sich still abwartend verhielt, bzw. sich an der Diskussion der Wartenden kaum beteiligte. Nur diejenigen kamen als „Führer“ in Frage, von denen am meisten Gesprächsimpulse ausgingen. Ich habe in meinem späteren Berufsleben ähnliche Situationen erlebt, die als „normale“ Seminare getarnt waren.
Die Erlernbarkeit einzelner Führungsqualitäten wird hier nicht angezweifelt, sie wird jedoch häufig überschätzt. Vermutlich ist insbesondere die charismatische Führung (durch die fast alles gelingt) eine entweder genetisch angeborene oder in frühester Kindheit durch entsprechende Erziehung erworbene Fähigkeit.
Der Mangel an charismatischen Persönlichkeiten in unserer Politik
Es wurde eingangs bereits erwähnt, dass sich insbesondere charismatische PolitikerInnen in unseren Parlamenten kaum mehr ausfindig machen lassen und der Machttrieb zugenommen hat oder zumindest gegenüber früher gleich geblieben ist. Woran liegt das? An der Genetik sicherlich nicht, diese verändert sich nicht so schnell. Das Aufwachsen in weniger autoritären Schulsystemen ist zwar nicht auszuschließen, jedoch sicherlich kein definitiver Grund des eklatanten Persönlichkeitsmangels. Ursache ist vermutlich die falsche Auswahl von geeigneten Persönlichkeiten innerhalb der Parteien und der heute übliche „Postenschacher“, der solche Kandidaten für Spitzenpositionen möglich macht, die einerseits innerhalb der Partei leicht manipulierbar sind und augenblicklich strategisch in Hinblick auf GegnerInnen in Koalitions- oder Oppositionsparteien vom Parteiapparat ausgesucht werden. Solchen (Un)Persönlichkeiten fehlt es meist an Charisma und echter Führungskompetenz (führen will letztlich immer die eigene Partei). Es werden daher Personen nach oben gespült, die sich einbilden, über Führungsqualität zu verfügen, auch wenn sie diese nicht wirklich besitzen. Was bleibt, ist die Verführung zu einer Macht, die im Prinzip nicht vorhanden ist – also zu einer Art „Softmachiavellismus“, der dazu verführt, die scheinbare Macht so gut wie möglich für sich selbst auszunützen. Was dies für Folgen hat, kennen wir aus den letzten Jahren zur Genüge – nicht nur aus Österreich.
Jeder Mensch ist wahrscheinlich korrumpierbar – der Eine durch Geld, der Andere durch Macht oder Pseudomacht. Vorbildfunktionen, eine der wichtigsten sozialen Führungsansprüche, sind dagegen selten geworden.
1 Der Doppelbeschluss der NATO vom 12. Dezember 1979 bestand aus zwei Teilen:
1. Er bot dem Warschauer Pakt Verhandlungen über eine beidseitige Begrenzung sowjetischer und US-amerikanischer atomarer Mittelstreckenraketen an. Dabei waren die französischen und ein Teil der britischen Atomraketen aus dem Verhandlungsangebot ausgeschlossen.
2. Als „Nachrüstung“ und Modernisierung kündigte er die Aufstellung einer neuen Generation US-amerikanischer Raketen und Marschflugkörper − der Pershing II und BGM-109 Tomahawk − in Westeuropa an. (zitiert aus der Wikipedia Enzyklopedie)
am 12.01.2012 12:06








