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275..Bremerhaven - Mathematikschwäche bei älteren Jugendlichen
Auf weiterführenden Schulen und in der Lehre können grundlegende Verständnislücken kaum mehr durch Auswendiglernen bzw. schematisches Rechnen “kompensiert” werden.
Schlechte Noten in Mathematik haben sehr unterschiedliche Ursachen. Eines jedoch haben alle gemeinsam: das Verständnis für mathematisches Denken ist bei den Betroffenen nicht oder nur mangelhaft vorhanden. Mehr als häufig wurde das wirkliche Verstehen der rechnerischen Systematik “ersetzt” durch stures Auswendiglernen bzw. schematisches Anwenden zentraler Rechenoperationen.
Dies zeigt sich in typischen Erscheinungsbildern wie z.B. Störungen im Aufbau von Zahl- und Mengenbegriffen bei Brüchen und Dezimalbrüchen (z.B. völlige Unklarheit bezüglich vorliegender Größenverhältnisse, Zähler und Nenner werden wie ganze Zahlen verstanden, Größenvergleiche sowie das Umrechnen von Bruch in Dezimalbruch gelingen nicht; Bruchstrich und Komma werden gleichgesetzt).
Störungen bei der Durchführung der Grundrechenarten mit Brüchen und Dezimalbrüchen: Das grundsätzliche Verhältnis von Teil und Ganzem ist unklar. Bei der Addition werden Zähler und Nenner addiert. Schwierigkeiten mit dem kgV. Die Vorstellung, dass beim Erweitern die Bruchzahl wächst, und beim Kürzen diese kleiner wird. Warum wird das Produkt bei der Multiplikation mit einer Bruchzahl kleiner, wo doch beim Multiplizieren immer alles mehr wird?
Was tun?
Wegen ihres folgerichtigen und strengen Aufbaus verzeiht die Mathematik auch kleinere Wissens- und Verständnislücken kaum. Im schulischen Unterricht bleiben solche Lücken zunächst oft unerkannt, da solche SchülerInnen durch einfaches Auswendiglernen des Stoffes für die nächste Lernzielkontrolle anfangs noch zu ganz passablen Erfolgen kommen können. Diese “Lernstrategien” werden aber untauglich, je weiter der Stoff voranschreitet. Die Lücken vergrößern sich nämlich beständig. Das führt i.d.R. zu dem verschärften Versuch, mit individuellen Lösungsstrategien im Mathematikunterricht trotz allem zu “überleben”, obwohl man wenig versteht. Diese Strategien bestehen dann meist in einer willkürlichen Kombination von Rechenregeln und mathematischen Gesetzen, die man irgendwann in seiner “mathematischen Laufbahn” schon mal gehört hat, ungeachtet dessen, ob sie zur aktuellen Aufgabenstellung passen. So versteht die/der Jugendliche weder die Aufgabenstellung noch den Inhalt des mathematischen Gesetzes, das sie/er zu deren Lösung heranzieht.
So wird die Bearbeitung einer Aufgabe leicht zum Lotteriespiel. Nur eine qualitative Lernstandsanalyse kann ermitteln, an welchen Stellen im mathematischen Aufbau das Verständnis der Zusammenhänge nicht vorhanden oder schwammig ist, lückenhaft wird und Aufbauendes nicht mehr verstanden werden kann. Der Lösungsansatz der Schülerin/des Schülers bei der Bearbeitung der mathematischen Aufgabenstellung gibt Aufschluss über ihr/sein “individuelles mathematisches Denken” und damit über ihre/seine Missverständnisse und Lücken.
Vordergründig scheint es immer der aktuelle Lernstoff zu sein, an dem man mal wieder gescheitert ist, tatsächlich sind die Schwierigkeiten oftmals fundamental und liegen weit zurück. Es sollte inhaltlich geklärt werden, ob die unbefriedigenden Erfolge in Mathematik auf mangelhaft entwickeltes mathematisches Denken zurückzuführen sind, ob eine Dyskalkulie vorliegt oder nur einzelne kleine Lücken im Stoff vorhanden sind.
Eine frühzeitige differenzierte Diagnose der Sachlage ist dringend angeraten, da eine rechtzeitige Förderung nicht nur für die schulische Entwicklung, sondern auch für das Wohlbefinden der Jugendlichen und ihre gesunde Persönlichkeitsentwicklung, notwendig ist. Herkömmliche “Schulleistungstests” sind hierfür wenig aussagekräftig, da sie die qualitativ ganz verschiedenen Defizite in der Regel einfach (als nicht ausreichende Punktzahl) addieren – und damit gleichmachen.
Weritere Informationen finden Sie hier >>>
am 01.02.2009 14:19
















