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06.09.2008
"Riverside Jazzmen" oder der...
504..Köln - eZine (10 Beiträge von 1 AutorInnen online)
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504..Köln: "Riverside Jazzmen" oder der blinde Pianist

504..Köln - eZine - Riverside Jazzmen oder der blinde Pianist - (c) Birgit Marie Nessel: Farbentanz
Bildquelle: (c) Birgit Marie Nessel: Farbentanz

Der Fussboden von „Papa Joe`s“ in Köln ist bestreut mit leeren Erdnusshüllen… vom Gast verspeist. Nirgends sonst kann man einfach so Erdnusshüllen ins Lokal streuen, aber hier ist sowieso einiges anders, auch der Pianist der „Riverside Jazzmen“ ist anders – nämlich blind und zwar von Geburt an . Den ganzen Abend schon jazzt er auf seinem Instrument, swingt seinen Oberkörper, bewegen sich seine Hände unglaublich schnell und zugleich geschmeidig über die Tastatur. Manchmal sieht man auch nur seine Hände, denn die anderen Bandmitglieder stehen vor ihm, dann rundet sich alles ab.Musik, Körperbewegungen und die besondere Atmosphäre des Lokals. Urgemütlich ist es hier und es fällt leicht die Stunden zu vergessen, einfach mal abzuschalten. Musik studiert hat er, der Pianist und so versichert ein Bandmitglied: „ Hat ordentlich was auf dem Kasten… Spielt auch Orgel.“ Beinah fassungslos, dann begeistert und fasziniert versucht man diese Tatsache zu verinnerlichen, zu begreifen. Das, was man eben noch nicht wusste und sehen konnte, zu verstehen. Mit dem liebevollen Namen und Programm „ Klimberkasten“,oder den „ Glühwürmchen“, welche dort Unterschlupf fanden und seitdem die Räume regelmäßig beleuchten, hat das weniger zu tun. Dies bekommt man zunächst einmal nur am Rande mit.Nimmt es aber voller Neugier mit nach Hause.

Da legt der Pianist auch schon wieder ein Solo auf Parkett…Verzeihung auf`s Klavier und schwängert die Luft noch mehr mit Rhythmus. Man kommt gar nicht umhin, als zappelnd und mitschwingend zu sitzen oder irgendwo in einer Ecke zu stehen. Die Finger im Takt auf dem Bein klopfend hört, träumt, denkt und genießt man gleichzeitig. Nein… manchmal schließt sich das eher Widersprüchliche eben nicht aus. Trotzdem breitet sich durch diese Musik eine Art Leichtigkeit aus… langsam aber sicher wird man immer heiterer und damit ist sicher nicht der Alkohol der Gäste gemeint. Die Bandmitglieder sind alle irgendwie anders. Jeder hat, so scheint es, etwas sehr Individualistisches an sich. So der Trompeter, der jedesmal beinah verschämt seinen Applaus „ hinnimmt“. Dieses Gefühl bekommt man bei jedem Einzelnen der 6 Musiker. Die 6 auf einen Streich scheinen beinah unschlagbar…

Kurz vor Mitternacht wird ein Musikwunsch eines Gastes aufgegriffen, der eigentlich, so meint man zunächst, überhaupt nicht in ein Jazzlokal passt – geäußert wurde er trotzdem, weil man sie danach fragte… und so geschah es, dass Beethovens Mondscheinsonate zunächst ganz klassisch und dann „jazzisch“ aus dem Stegreif von einem blinden Pianisten gespielt wurde. Unfassbar… noch nie hat man so was gehört. Das war genial und einzigartig. Das erlebt man sicher nicht alle Tage.

Danach Applaus… Applaus.
Man trennt sich schwer, aber
irgendwie und irgendwann muß man ja nach Haus.

Dem Pianisten gewidmet

Birgit Marie Nessel, April 2007

Hinweis auf die Page : http://www.papajoes.de/


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