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504..Köln: Von ganz oben fällt man tief
Bildquelle: Blaueseis - ohne Titel
Von ganz oben fällt man tief
D. sitzt auf dem Stuhl in seiner kleinen Wohnung, die er „Loch“ nennt. Er raucht pausenlos. „Es geht mir ziemlich schlecht.“ Er wirkt plötzlich wie aufgeweicht. Seine Hände zittern. „Es sind nur sehr wenige Freunde übriggeblieben. Manche schulden mir viel Geld. Doch als ich es selber brauchte, hat mir keiner etwas zurückbezahlt.“ Er hält seine Hände vor sein Gesicht. Darunter rollen Tränen vorbei, die er gerne verbergen möchte. Er schämt sich ein wenig, sagt er und zieht hektisch an seiner Zigarette. Dann legt er die linke Hand über seine kaputte Jeans. Verdeckt den zerrissenen Stoff am Knie.
D. will er genannt werden. Er will anonym bleiben. Es kennen ihn zu viele Leute. Die Wohnung ist wirklich in einem schlimmen Zustand.
Wasserschäden an der Decke, lose Kabel überall, Putz, der von den Wänden fällt. Noch vor 3 Jahren lebte er in einer 200 Quadratmeter Luxuswohnung. D. ist 45 Jahre. Kurzes, dunkles Haar, braune Augen. Hat einen gewissen Charme. D. war Geschäftsmann. Und er ist ein Lebenskünstler. Zwei Dinge, die sich normalerweise ausschließen. Nicht so bei ihm. Sein Leben verlief entweder in Hochs oder Tiefs. Dazwischen gab es nichts.“ Entweder“, so sagt er, “bin ich ganz oben oder unten“. Er hatte immer Führungspositionen. In Konzernen. Er war begehrt als Macher und Machtmensch. Später machte er sich selbstständig in der Computerbranche. Alles lief super. Das Geschäft florierte. Bald eröffnete er Filialen im Ausland. Er hatte eine Menge Geld verdient. Lebte im absoluten Luxus. War einer von ganz oben. Hatte seine Limousine mit Chauffeur vor der Tür. Dann kam der Absturz. Weil er bemerkte, daß einige, die er angestellt hatte, nicht sauber arbeiteten, haben sie ihn aus seiner eigenen Firma mit linken Touren rausgeschmissen. D. verlor sein gesamtes Kapital. Die Firma ging später und ohne ihn in Konkurs.
Seine Frau ließ sich, als es noch gut ging, scheiden. Die beiden Kinder leben heute bei ihm. Er bot seiner Frau damals 3.500 Euro im Monat, als er es noch konnte. Es reichte ihr nicht. Sie zog vor Gericht. Wollte 4.500 Euro. Damit kam sie nicht durch. D. zahlt seitdem nur noch den Regelunterhalt nach Tabelle. Mehr könnte er heute auch nicht bezahlen. Es bleibt ihm auch kaum etwas für sich selber. Eigentlich ist er zahlungsunfähig, müßte zum Jugendamt gehen. Er will das aber nicht. Ißt lieber tagelang gerade mal so viel, daß er nicht umkippt.
„Irgendwie muß es ja weitergehen.“
Er senkt seinen Kopf. „Ich habe nichts mehr. Habe alles verloren. Hatte noch nicht mal Geld für einen Anwalt, um meine Rechte durchzusetzen. Und es gab Tage, da wollte ich mit dem Leben Schluß machen… Aber da sind ja noch meine Kinder…
2003
am 29.06.2008 20:25
(1) Kommentare zum Beitrag "Von ganz oben fällt man tief"
RE: Von ganz oben fällt man tief
“Lord, my body has been a good friend. I won’t need it, when i reach the end!” Cat Stevens
lg, iskarioth
geschrieben von iskarioth am 12.07.2008 10:48
504..Köln - eZine - INHALT
“Lord, my body has been a good friend. I won’t need it, when i reach the end!” Cat Stevens lg, iskarioth
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