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994..Weimar - Kino Solar
Bildquelle: (c) Bauhaus-Universität Weimar, Professur Tragwerkslehre - Das Screenhaus.SOLAR als Entwurf
Klimaneutral, einfach zu errichten, bestehend aus nachwachsenden Materialien, kombiniert mit anspruchsvollem Design – das waren die Ansprüche, die das Team um Jürgen Ruth und Rainer Gumpp an der Bauhaus-Universität Weimar für das temporäre Gebäude „Screenhaus.SOLAR“ formulierte. Die daraus resultierende Konstruktion ist anpassungsfähig und vielerorts einsetzbar. Die Hülle des 13 Meter langen Bauwerks wird die ebenso flexible wie stabile Form eines Hyperboloids haben, zweier an den Spitzen miteinander verschmelzender Kegel. Um diese Form zu erreichen, werden Holzstreben so angeordnet und punktuell miteinander verbunden, dass sie eine belastbare Wabenkonstruktion bilden.
Der eigentliche Clou des Screenhaus.SOLAR und Namensgeber sind jedoch die flexiblen Photovoltaikmodule, die auf die Wabenkonstruktion aufgebracht werden. Anders als starre Photovoltaik-Elemente passen sich diese Solarzellen der neuesten Generation an die gewölbte Gebäudeform an und umschließen es wie ein „Kleid“. Gesponsert werden die Photovoltaik-Einheiten von Centrosolar in Paderborn. Diese „Solarhülle“, also die Dachanlage, liefert den für die Filmabende notwendigen Strom. Tagsüber wandeln die Module das Sonnenlicht in elektrischen Strom um und speisen ihn in das allgemeine Netz ein. Das so erzeugte Energieguthaben wird am Abend für den Betrieb des Kinos aus dem Netz entnommen.
„Ziel ist es, die Filmvorführungen klimaneutral und ausschließlich aus dem eingefangenen Sonnenlicht stattfinden zu lassen“, erklärt Professor Jürgen Ruth. „Die positive Energiebilanz spielt für uns bereits in der Bauphase eine Rolle. So wird für alle während des Aufbaus notwendigen Arbeiten die Sonnenenergie genutzt werden.“
Der Aspekt der Ressourcenschonung durchzieht das gesamte Projekt. Die Holzstreben für die Konstruktion stammen aus einem Aufwindkraftwerk, das im vergangenen Jahr auf dem Campus der Bauhaus-Universität Weimar errichtet wurde. Zudem sollte der Entwurf des Screenhauses auf andere Länder und Kontinente übertragbar sein. Die Konstruktion ist komplett zerlegbar, leicht in Standard-Containern zu transportieren, anpassungsfähig und weltweit einsetzbar.
Der Aufbau aus einfachen linearen Elementen erlaubt es auch Nichtfachleuten, in kurzer Zeit die Tragkonstruktion wieder zu montieren. Dies ist vor allem für Gegenden mit vergleichsweise schwacher Infrastruktur oder auch für Katastrophengebiete von Interesse. Das Screenhaus könnte damit auch als energieautarker Raum genutzt werden, etwa als Notunterkunft oder temporäre Krankenstation. Die bislang nicht vorgesehene Wärmedämmung kann – wenn erforderlich – leicht nachgerüstet werden.
„Die Idee, ein klimaneutrales Gesamtkunstwerk zu errichten, kam uns, als im vergangenen Jahr für das Bauhaus-Jubiläum 2009 zeitgemäße Bauhaus-Projekte gesucht wurden“, so Jürgen Ruth. „Da wir bereits mit unserem Aufwindkraft-Projekt von allen Seiten ein positives Echo erhielten, wollten wir dieses Thema weiterentwickeln.“ So werden auch die 5.000 Euro Preisgeld, das die Professuren Ruth und Gumpp mit dem Aufwindkraftwerk 2008 im Rahmen des Dr. Tyczka-Energiepreises gewannen, in die Entwicklung und den Bau des Screenhauses fließen.
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