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24.07.2008
Die Blaue Lagune – ein Test ...
Einkaufen, Shopping, Wohnen (8 Beiträge online)
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Einkaufen, Shopping, Wohnen: Die Blaue Lagune – ein Test für jede Familie

Channel: Shopping
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Einkaufen, Shopping, Wohnen - Die Blaue Lagune – ein Test für jede Familie - startblatt - spazierende Menschengruppen in der Blauen Lagune (SCS-Wien).
Bildquelle: startblatt - spazierende Menschengruppen in der Blauen Lagune (SCS-Wien).

Im Süden von Wien verbirgt sich, nur für vollkommen autistisch gewordene ManagerInnen übersehbar, die Sagenumwobene „Blaue Lagune“. Umgeben von dem größten und gleichzeitig planerisch schlechtesten Einkaufzentrum Österreichs, die Shopping City Süd1 (SCS), streckt sich ein Arial, das verspricht, „Alle Fertighäuser Österreichs“ real auszustellen und für Besichtigungen offen zu halten.

Wer dies nun liest und es noch nicht kennt, stellt sich jetzt vielleicht die Frage: Wie kann das gehen?

Ganz einfach, indem eng nebeneinander jedeR FertigteilhausherstellerIn auf dem Arial der Blauen Lagune eines oder mehrere Musterhäuser aufbaut und diese für BesucherIn, potentielle KäuferIn oder auch nur für ArchitektInnen, den selber wirklich überhaupt nichts mehr einfällt, zu bestimmten Zeiten frei öffnet.

Somit für jedE jüngere oder ältere, ist schon oder möchte gern Familie, die sich ein eigenes Heim kaufen will, ein Pflichtbesuch. Dem entsprechend rege ist auch der Andrang und mehrere Schleifen auf dem zwar schon nahezu unvorstellbar groß angelegtem Parkplatz sind einzukalkulieren2.

Hat man es schließlich geschafft, die „einladenden“ Eingangstore, die sich quer von beiden Seite über die Straße strecken, um somit jeden unerlaubten Eindringling draußen zu halten, zu erreichen, beginnt das vermeintlich inspirierende Abendteuer. Freundlich lächelnde junge Damen reichen einem einen 272 Seiten starken Katalog beim Eingang in die Hand und wünschen einem viel Freude. Derartig gerüstet geht es ab.

„Wohin gehen Wir? Nach links, nach Rechts?“
„Hm, mal schauen…schaut eigentlich überall gleich aus, also nach…wurscht!“3

Da ein Haus, dort ein Haus, da ein nettes Detail, dort eine interessante Fassade, da eine Fensterlösung, die gefällt, dort eine Eingangstüre, die gefällt. Ansonsten eher getrübte Stimmung rundherum, ja eher angespannte Stimmung.

Woher und Warum? – stellt sich die Frage. Schnell wird eine einfache Antwort klar: Hier tummeln sich viele Menschen, die zum einen etwas wollen, das sie sich zumeist eigentlich nicht leisten können, darum auch gleich beim Eingang ein großes Schild mit „FINANZIERUNGEN“ und hier tummeln sich Menschen, die Ihre Beziehung auf das Spiel setzten, weil der PartnerIn vielleicht die Farbe, das Material, die Form, das Fenster, die Heizung, den Boden, die Türe, etc. nicht gefallen könnten, die einem aber selber schon seit langem im Traum erschienen sind.

Betritt man nun ein solches Muster-Haus, weil man sich entschieden hat, dass es eventuell zu einem passen könnte, dann wird es besonders interessant, als sich natürlich bereits einige andere (zumeist Pärchen) dort herumtreiben und so allerlei mehr oder weniger fachkundig gustieren. Die freundlichen Damen und Herren von der Fertighaus-Firma, die geschickt im Haus auf einen warten, beantworten freundlich aber sichtlich schon etwas genervt alle Fragen, wie:

1. „Ist das ein Fertigteilhaus?“
2. „Wir groß ist dieses Haus?“
3. „Wie lange dauert es, dieses Haus zu bauen?“
4. „Wie beheizen Sie dieses Haus?“
und zu aller letzt:
5. „Was kostet dieses Haus?“

Auf alle Fragen von 1 bis 4 bekommt man eine ausführliche, wenn auch überall im Grund ungefähr die gleiche Antwort. Bei Frage 5 stockt es dann, als die Preise so zwischen € 1.800 bis € 2.500 pro m² für eine schlüsselfertige Ausführungen liegen würden, jedoch so genau könne man das natürlich erst dann sagen, wenn man genau wüsste, was man will…

DiejenigE, die dem Rechnen mächtig ist, überlegt kurz und stellt fest: Das ist mir zu teuer, schaut sich noch einwenig um und verlässt anschließend dankend das Gebäude. Manche machen doch den Vorstoß und gehen einen Schritt weiter und lassen eine Individualplanung von ihrem Traumhaus anfertigen, es sind überraschend viele.

Und dann kommt die letzte Überraschung, die Frage 6: „Können Sie denn auch ein Haus bauen, das wir selber geplant haben?“ Antwort: „Ja, natürlich!“ „Und wie würde das dann aussehen?“, „Ja, da haben wir diese unterschiedlichsten Lösungen…“.

Und jetzt werden einem tausend unterschiedliche Varianten gezeigt, die zwar irgendwie, das wird einem aber erst später4 so richtig klar, wenn die VerkäuferIn einem mit hundert verschiedenen Katalogen und Vorschlägen nicht mehr alle Sinne raubt, doch letztlich alle wieder gleich sind. Aber die Marketing-Leute, die sich derartiges ausgedacht haben, gehen eben davon aus, dass Geschmack normierbar, kategorisierbar und typisierbar ist. Also nur ein Frage der Menge an Angebotsvarianten, eine wird letztlich zum Kauf animieren und schon klingelt es wieder in der Kasse.

Dieses Spiel wiederholt sich dann bei jedem Ausstellungshaus in ungefähr der gleichen Art und Weise.

Bleibt noch das viel versprechende „Innovationshaus“ ungefähr im Süden der Anlage. Doch kurz gesagt, außer einigen Solaranlagen, Solarzellen und verschiedenen Wandaufbauten, die eher damit überraschen, wie es gelingen kann, KundInnen dazu zu bringen, derartigs zu kaufen, gibt auch das „Innovationshaus“ wenig her, von Innovation schon gar keine Rede.

Dann zeigt sich noch beim Besuch des Hauses der Firma „Nordiska Niedrigenergiehaus“ (Haus Nr. 38: Karlson Hus), dass in Skandinavien das Thema Niedrigenergie längst zur Selbstverständlichkeit geworden ist, wenn auch teurer in der Anschaffung, so aber gesund und billig im Wohnen darin.

In Österreich und Deutschland hingegen ist da noch wenig die Rede davon. Das beweißt mitunter der Katalog, den man beim Eingang zur Blauen Lagune bekommen hat. Auf den ersten Seiten findet man dort Vorworte von Hr. M. Bartenstein (ÖVP Wirtschaftsminster in Österreich) und Hr. Ch. Leitl (Präsident der Wirtschaftskammern Österreichs), die mehr oder weniger verzweifelt und eindringlich an Ökologie und Qualität beim Bauen erinnern.

Als Resümee zu einem Besuch der Blauen Lagune in der Shopping City Süd (SCS) zu Wien bleibt, jede AnbieterIn kann vor allem eines, vorzugeben, man könne alles, innovative Einfälle sind eher Mangelware und somit bleibt der künstlich angelegte Teich im westlichem Teil der Anlage als ästhetischer Höhepunkt des Gustierens von Baulösungen.


1 Wir werden noch an anderer Stelle über das „richtige“ Verhalten in derartigen Umgebungen berichten…

2 Außer man hat Glück und es parkt gerade jemand direkt vor dem Eingang aus und man erwischt genau diese Lücke. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist allerdings sehr, sehr gering, dennoch scheinen es alle auf diese Weise zu versuche. Der Stau ist vorprogrammiert.

3 Dieser Vorgang wiederholt sich von nun an zirka alle 2-3 Minuten.

4 Beziehungsweise vielen offensichtlich gar nie, denn sonst würden Sie sich kein derartiges Haus kaufen.

(1) Kommentare zum Beitrag "Die Blaue Lagune – ein Test für jede Familie"

RE: Die Blaue Lagune – ein Test für jede Familie

Die Erfahrung hat auch gezeigt das die dortigen Aussteller kaum kundenfreundlich Informationen die nicht direkt mit Ihrem Produkt in Verbindung stehen her geben.

Das Thema für mich waren die verwendeten Fliesen und das verlegte Feinsteinzeug in einigen Häusern. Die ware ist vergleichbar und jederzeit untereinander austauschbar. Kaum innovative Lösungen zu sehen. Von einem guten Preisleistungsvergleich nicht zu reden.

Meines Wissen nach hat die Fa. 4home Wohnkultur fast allen Hauserstellern Angebote für Musterschauräume gemacht. 4home ist eine Drehscheibe eine Drehscheibe der Fliesen-Industrie. Hat aber auch Parkett im Programm.

Eine sehr gute Möglichkeit für den Bauherren/frau an günstige und qualitativ gute Fliesen zu kommen. Das liegt aber nicht im Interesse der Verkäufer. Ein weiteres Beispiel das Österreich als Servicewüste darstellt.


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