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19.03.2010
Es lässt sich nicht mehr ver...
Erotik und Sinnlichkeit (23 Beiträge online)

Das Erotik & Sinnlichkeit - eZine beschäftigt sich kritisch mit Gedanken, Erzählungen, Darstellungen, Phänomene rund um die "wichtigste Nebensache" menschlicher Gesellschaften und somit Kulturen.

Erotik und Sinnlichkeit - Es lässt sich nicht mehr verbergen

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Erotik und Sinnlichkeit - Es lässt sich nicht mehr verbergen - Helmut Schweighofer (www.helizentrum.com) - Frau bis auf Netzstrumpfhose entkleidet
Bildquelle: Helmut Schweighofer (www.helizentrum.com) - Frau bis auf Netzstrumpfhose entkleidet

Frau und Mann oder auch Frauen und Männer, Frau und Frau oder Frauen und Frauen, Mann und Mann oder Männer und Männer die in allen möglichen Stellungen, Alter, Aussehen, Heftigkeit und Praktiken miteinander Sexualverkehr betreiben, sind im World Wide Web omnipräsent. Es trennt die BenutzerIn lediglich ein mehr oder weniger auf- und eindringlicher Hinweis, dass die nun folgenden Inhalte nur für Personen über 18 Jahre erlaubt sind. Wohl kaum ein Hinweis, der Mädchen und Burschen, die erste Regungen ihrer Sexualität, erstes auch körperliches Verlangen gegenüber anderen Mädchen und Burschen oder auch gegenüber gleichgeschlechtlichen (möglichen) SexualpartnerInnen1, verspüren davon abhaltet, sich weiter auf der Webseite zu “informieren”.

Nahezu alle 12-14jährigen geben an, sich im Internet erotische Inhalte angeschaut zu haben. Das positive daran ist, dass die Aufklärung über mögliche Sexualpraktiken, Sexualstellungen, Körperteile des jeweils anderen Geschlechts damit erledigt, die Doppelmoral der Bürgergesellschaft durchbrochen und die Darstellung der sexuellen Möglichkeiten transparent gemacht sind.

Dies führt zu solch sonderbaren Phänomen, dass bereits 14-16jährige – vor allem Burschen – angeben, sich nicht weiter mehr für erotische Inhalte im Web zu interessieren, weil sie davon bereits genug bekommen haben, sich quasi satt gesehen haben.

Über sonstige Auswirkung lässt sich derzeit nur spekulieren. Tatsache ist, dass der Umgang mit Sexualität “offener” wird und dies scheint auf Seiten von Frauen bzw. Mädchen wie auch auf Seiten von Männern bzw. Burschen gleichermaßen der Fall zu sein.

Wer hat als junger Bursch nicht davon geträumt, mit mehreren, gut aussehenden Mädchen sich sexuell austoben zu können und durchaus auch umgekehrt. Die Angebote im Internet, die nahezu ausschließlich von professionellen SchauspielerInnen produziert werden2, suggerieren, dass dies vollkommen selbstverständlich ist. Es ist selbstverständlich, dass bei einer Party, wo etwas getrunken wird und sich schöne Männer und Frauen treffen, früher oder später, neben den bereits gesellschaftlich akzeptieren Annäherungen, wie Zungenküsse oder öffentliches und gegenseitiges streicheln bei angezogener Kleidung an Busen, Klitoris, Po oder Penis, die eine sich im Übermut ihrer ohnehin schon leichten Kleidung inklusive BH entledigt oder sich bis auf die Unterwäsche oder gar nackt auszieht, dem anderen im Übermut den Penis aus der Hose holt, zu blasen beginnt usw.

Es ist eine Frage des Selbstrespekts und der Würde gegenüber sich selbst und den anderen, ob so etwas problem- und nebenwirkungslos passieren kann. Auch dies scheint für Burschen wie Mädchen mit einem gesunden Gefühl für gegenseitige Würde, Schmerz, Verletzung oder auch Gewalt gleichermaßen zu gelten.

Keine der Prostituierten, auch nicht jene in Thailand und Co., wo sich unbeschreibliches in Sachen Prostitution ereignet, hat mit Freude, Hingabe oder Leidenschaft Sexualverkehr mit den Männern. Es spielen immer ökonomische und/oder gesellschaftliche Notwendigkeiten eine entscheidende Rolle.

So führt die gesunkene Hemmschwelle in der Hingabe der eigenen Sexualität und die Einführung von offiziellen Studiengebühren oder versteckten Studienkosten (z.B. durch die Notwendigkeit der Anschaffung von teuren Lehrmaterialien) dazu, dass allein im Wohlfahrtsstaat Frankreich nach Schätzungen ca. 40.000 Studentinnen3 ihr Studium durch den Verkauf ihrer körperlichen Reize und der Einwilligung zum Sexualverkehr, also durch Prostitution finanzieren.

Sie tun dies nicht, wie es auf Internet-Seite eindringlich suggeriert wird, weil sie „willige, geile, junge, feuchte, vernachlässigte, einsame, unerfahrene“ oder sonst wie Studentinnen sind. Sie tun es in aller Regel schlicht und einfach, weil sie das Geld benötigen, um sich ein Studium finanzieren zu können, in der Hoffnung, nachher eine Stellung, einen Beruf ergreifen zu können, der sie nie wieder in die Verlegenheit bringt, ihren Köper und damit auch ein Stück ihrer Persönlichkeit, ihrer Seele zu verkaufen.

Dabei spielt gewiss eine große Rolle, dass die Darstellung des sexuellen Aktes im Internet, die Darstellung von Erotik im Internet eine ist, die auf den reinen Geschlechtsverkehr reduziert ist, auf den mechanischen Ablauf ohne Gefühl, Zuneigung oder gar gegenseitiger Liebe zueinander.

Die Mädchen und Burschen, so die These, könnten dadurch den Eindruck bekommen, Geschlechtsverkehr hat nichts mit Gefühl, mit Zuneigung, mit Vertrauen, mit Geborgenheit, mit Zärtlichkeit zu tun. Geschlechtsverkehr wäre der Ausbruch, das offene und gegenseitige Ausleben von Geilheit, die Ausbeutung von körperlichen Regungen, ein Reiben, Stoßen, Spritzen und etwas Hormon- und was auch sonst noch-Ausstoß.

Die erzieherische Aufgabe kann somit nicht mehr darin bestehen, den Jugendlichen zu erklären, wie sie gegenseitigen Geschlechtsverkehr betreiben können, die erzieherische Aufgabe muss darin liegen, den Mädchen und Burchen zu erklären, wie sehr sich erotische Erlebnisse und der Ausbruch von Sexualität zwischen zwei Menschen, die sich zueinander angezogen fühlen, sich gern haben, ja sich lieben, von mechanischem Geschlechtsverkehr unterscheidet.

Sexualerziehung müsste sich in eine Art „Liebeserziehung“ oder „Erotikerziehung“ weiterentwickeln.


1 Gerade vor und während der Pubertät ist es nicht unüblich, mit gleichgeschlechtlichen PartnerInnen die verschiedenen Körperteile, Erregungszustände, erogenen Zonen, Gefühlszustände bis hin zum Orgasmus auszuloten.

2 Der Hinweis, es handelt sich um „Amateure“, „Hausfrauen“ oder „Studentinnen“ stellt nur einen zusätzlichen, voyeuristischen Aspekt oder Reiz dar, den die ProduzentInnen oder HerausgeberInnen geschickt für Ihre Geschäfte einzusetzen wissen.

3 vgl. Emma (www.emma.de) Nr. 6 (28), Nov/Dez 2008, S. 49f.


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