RSS RSS
05.09.2008
Geilheit oder Gewissen – was...
Erotik (17 Beiträge online)
Das Erotik-eZine rund um die wichtigste Nebensache zwischen Uns.
Gedanken, Erzählungen, Darstellungen zum Thema Erotik.

Erotik - Geilheit oder Gewissen – was ist stärker?

Channel: Erotik
Kommentare: 2
Erotik - Geilheit oder Gewissen – was ist stärker? - Helmut Schweighofer (www.helizentrum.com) - Frau vor Kruzifix
Bildquelle: Helmut Schweighofer (www.helizentrum.com) - Frau vor Kruzifix

Die EntwicklungspsychologInnen streiten sich seit eh her darüber, zu welchen Teilen das Handeln des Menschen durch Triebe oder durch Bewusstsein gesteuert ist. Ist der Charakter eines Menschen und somit sein Verhalten in erster Linie durch die genetische Voraussetzung vorbestimmt oder ist der Mensch und sein Charakter das Ergebnis eines Sozialisierungsprozesses, der sich vor allem aus dem sozialen Lernen heraus ergibt und somit jeder Mensch stark von den jeweiligem sozialen Kontext geprägt ist, in dem er aufgewachsen ist.

Es scheint jedoch relativ unbestritten, dass es gegenseitiges Begehren von Mann und Frau im heterosexuellen, sowie zwischen Mann und Mann bzw. Frau und Frau im homosexuellen Sinne gibt. Dieses Begehren kann derart stark sein, das von einer “Geilheit aufeinander” gesprochen werden kann. Dabei bezeichnet Geilheit einen Zustand, in dem das Verhalten eines Menschen ohne Rückschluss auf sein Gewissen abläuft und einzig die Körperlichkeiten bedeutend sind. In diesem Sinne wir auch von animalischem Sex oder animalischen Trieben gesprochen. Der Instinkt beherrscht die Sinne des Menschen und die Geilheit treibt ihn an.

Dies kann zu eruptiven Geschlechtsverkehr führen, sofern beide Partner in einem zumindest ähnlichem Zustand füreinander sind. Dies kann jedoch auch zu grausamsten Misshandlungen von zumeist Kindern und Frauen führen, all jenen, die über keine ausreichende physische Kraft verfügen, um sich derartig animalischen Übergriffen zu erwehren.

Diese Geilheit ist, das beweisen in erster Linie Schriften von Priestern, die sich der lebenslangen Enthaltsamkeit unterworfen haben, wenn überhaupt, nur unter äußerster geistiger Anstrengung zu überwinden bzw. zu unterdrücken. Wobei auch dies problematisch ist, als z.B. Sigmund Freud hierbei ein starkes Muster für Neurosen feststellen würde, als er mitunter davon ausgegangen ist, dass eine Unterdrückung „natürlicher Triebe“ zu psychischen „Störungen“ führe1.

Priester, die die Enthaltsamkeit tatsächlich leben, schreiben von besonderen Träumen, sündigen Träumen. Gemeint sind damit für die meisten Männer, die für längere Zeit keine Befriedigung ihrer sexuellen Bedürfnisse mit einer PartnerIn oder auch über lange Zeit der Masturbation unterworfen sind, bekannte Träume, in denen starke weibliche bzw. erotische Reize, die im alltäglichen Zusammensein, oft auch nur beiläufig erfahren wurden, zu intensiven, ja „real erlebten“ Träumen von erotischen Abenteuern werden. Die Träume sind von einer solchen Intensität, dass der Mann einen sexuellen Höhepunkt, einen Samenerguss erlebt. Diese Träume beginnen mit der Erreichung der männlichen Reife, somit bereits in jungen Jahren und sind zumeist auch die ersten sexuellen Erfahrungen eines Mannes. Dabei ereignet sich ein solcher sexueller Höhepunkt einzig aus der geistigen Phantasie des Mannes, einem Traum heraus.

Dieser Kraft und diesem Zusammenspiel von Erfahrung, Phantasie und Geilheit kann sich wohl kein gesunder Mensch Widersagen.

Das Leben und Streben des industrialisierten Menschen ist insofern grundsätzlich zu kritisieren, als Konsum, Entertainment, Sport, etc. einzig der (zumeist nur sehr kurzfristigen) Lust-Verminderung dienen können. Die eigentliche Lustbefriedigung jedoch ist nur in einem geilen erotischen Erlebnis zwischen zwei sich attraktiv und anziehend empfindenden Menschen möglich. Hingebung, Zärtlichkeit und Erguss sind einzig dem Menschen vorbehaltenen Privilegien2 der Zweisamkeit. Wir bezeichnen dies als Erotik.

Die gesunde Dosis führt zur Balance, nicht eine Moral, die uns Menschen seine intensivsten Momente widersagen will, einzig um ein Sittenbild aufrecht zu erhalten, das gewährleisten soll, dass die MachthaberInnen auch weiterhin die Macht haben können.


1 Insofern sind Übergriffe von Priestern wenig überraschend.

2 Bisher wurde nur noch bei Delphinen beobachtet, dass sie einzig aus der Befriedigung von Geilheit sexuell aktiv werden. Was, paradoxer weise, als starkes Indiz dafür gewertet wird, dass Delphine über eine Form von Bewusstsein verfügen.
Ansonsten ist die Paarung bei Tieren genau geregelt und unterliegt keinerlei Ausbrüchen, Exzessen oder Sinnlichkeiten. Die Paarung beschränkt sich zumeist auf ein Ritual aus Pfalzverhalten und Befruchtung.

(2) Kommentare zum Beitrag "Geilheit oder Gewissen – was ist stärker?"

RE: Geilheit oder Gewissen – was ist stärker?

Ich hab ja schon immer gesagt – dem Menschen sollte der Status als “vernunftbegabte Spezies” aberkannt und dafür den Delphinen zuerkannt werden.

Die vernichten jedenfalls nicht ihren eigenen Lebensraum.

RE: Geilheit oder Gewissen – was ist stärker?

Geilheit und Gewissen sind ganz eindeutig sowohl genetisch als auch durch Lernprozesse bestimmt – was stärker ist kommt immer auf den Einzelfall an. Dazu der nachfolgende Versuch einer Erklärung:

Die Psychologie kann diese Frage nicht mono-disziplinär beantworten, weil sie (bei diesem Problem) nicht über das notwendige Instrumentarium des Experiments verfügt. Unter Einbeziehung unserer heutigen Kenntnisse über Genetik, sieht es wohl so aus, dass beide Schulen der EntwicklungspsychologenInnen recht haben. Gene schaffen die Voraussetzungen für physiologische Entwicklungen (im hier angesprochenen Fall z.B. die Fähigkeit androgene Hormone (Testosteron) zu bilden. Schon allein die Tatsache, dass der „Trieb“ bei Männern durch die pharmakologische Eindämmung der Testosteronerzeugung gebremst und die „Geilheit“ dadurch verringert wird, ist ein wichtiges Experiment, dass es die genetische Seite gibt. Andererseits ist die Charakterbildung weitgehend durch Lernprozesse bestimmt.

Grundsätzlich gilt für den Sexualtrieb also das gleiche, wie bei allen anderen Trieben oder Fähigkeiten. Wer genetisch z.B. nicht sprachbegabt ist, kann durch Fleiß, der genetisch angeboren oder erlernt sein kann, Sprachen wesentlich besser erlernen, als der genetisch Sprachbegabte (dem die Sprache und korrekte Aussprache nur so zufliegen) der aber keine Vokabeln lernt, weil er nicht fleißig ist. Das gleiche gilt für Erbkrankheiten wie z.B. Diabetes (allerdings nur für Alterszucker). Diabetes ist eindeutig genetisch bedingt, wer sich jedoch dessen bewusst ist und entsprechend lebt, bei dem wird die Krankheit gar nicht ausbrechen – oder sehr spät. Und auch der Sexualtrieb kann sowohl pharmakologisch als auch intellektuell gesteuert werden. Der richtige Umgang mit Sexualität ist ein Lernprozess, der leider bei Berufsgruppen wie den im Beitrag angesprochenen Priestern eben nicht erlernt wurde. Ferner hat Gewalt in der Sexualität meist tiefenpsychologische Ursachen – die oft therapierbar sind.

Die gegenseitige Anziehung (oder Abstoßung) ist bei Menschen und bei Tieren sicherlich zum Großteil genetisch bedingt (Pheromone), aber auch hier gilt, dass Geruchsempfindungen nach dem Motto „man kann jemanden nicht riechen“, desto stärker ausgeprägt sind, je unverbildeter ein Mensch ist. Bei Intellektuellen ist diese Sensibilität deutlich niedriger (vielleicht hat Intellektualität ja wirklich etwas mit Dekadenz, bis hin zur Unfähigkeit zum Überleben, zu tun).

Vergleiche mit Tieren sind bei diesen Fragen derzeit noch vollkommen unsinnig – wir wissen nicht, welche Tiergattung über wie viel Bewusstsein verfügt – vermutlich mehr als wir denken. Die Fußnote Nr. 2 des Beitrages ist daher bei dieser Frage nicht relevant.

Ansonsten sind alle Fakten des Beitrages völlig richtig wiedergegeben – ein schöner Beitrag und mein Kommentar ist keine Kritik, sondern will die Komplexizität der Titelfrage von einer anderen Seite, der Humangenetik und der Pharmakologie beleuchten (Alfred Rhomberg)


Erotik - Beitrag: 1 2 3 4 5 6 7 ... 17

Erotik - INHALT

nach Popularität
(08.10.2007) Woran denken Frauen, wenn Sie masturbieren?
(24.10.2007) Die Erotik des weiblichen Busens
(19.05.2007) Die Legende sinnlicher Erotik II
(03.12.2007) sinnliches Berühren
(26.07.2007) Wo liegt der Unterschied zwischen Begierde und Voyeurismus?
(10.09.2007) Angezogen oder Ausgezogen II?
(28.04.2008) Josefine Mutzenbacher, männliche Phantasien & "ah ... mir kommts"
(09.01.2008) Dirnen, Bordelle und große Geschäfte
(04.08.2007) Schmerz wird zur Lust...
(04.09.2007) Angezogen oder Ausgezogen I?
(30.03.2008) Geilheit oder Gewissen – was ist stärker?
(19.05.2007) Die Legende sinnlicher Erotik III
(07.07.2008) Sind alle Frauen käuflich?
(19.05.2007) Die Legende sinnlicher Erotik I
(12.02.2007) Erotische Revolution
(27.08.2007) Verführung durch Zorn?
(24.05.2007) Verführung durch die Kunst des Zeichnens
nach historischer Entwicklung
(07.07.2008) Sind alle Frauen käuflich?
(28.04.2008) Josefine Mutzenbacher, männliche Phantasien & "ah ... mir kommts"
(30.03.2008) Geilheit oder Gewissen – was ist stärker?
(09.01.2008) Dirnen, Bordelle und große Geschäfte
(03.12.2007) sinnliches Berühren
(24.10.2007) Die Erotik des weiblichen Busens
(08.10.2007) Woran denken Frauen, wenn Sie masturbieren?
(10.09.2007) Angezogen oder Ausgezogen II?
(04.09.2007) Angezogen oder Ausgezogen I?
(27.08.2007) Verführung durch Zorn?
(04.08.2007) Schmerz wird zur Lust...
(26.07.2007) Wo liegt der Unterschied zwischen Begierde und Voyeurismus?
(24.05.2007) Verführung durch die Kunst des Zeichnens
(19.05.2007) Die Legende sinnlicher Erotik III
(19.05.2007) Die Legende sinnlicher Erotik II
(19.05.2007) Die Legende sinnlicher Erotik I
(12.02.2007) Erotische Revolution