
Gedanken, Erzählungen, Darstellungen zum Thema Erotik.
eZine von Redaktion Erotik
Erotik - Sind alle Frauen käuflich?
Bildquelle: Helmut Schweighofer (www.helizentrum.com) - weiblicher Akt mit Bluse und Strümpfen
Es ist „das älteste Gewerbe der Welt“ und dennoch stellt sich die Frage, wie damit im Kontext offener und grenzenloser Informationsverfügbarkeit und den (kommerziellen) Erfolgen einer „Befreiung der Frauen von der Emanzipation1“ umgegangen werden muss.
Die mehr oder weniger offenen Verbreitung von fleischlicher Lust, Sexualität, dem zumeist weiblichen Akt, Videos von Paaren oder auch gleich ganzen Gruppen von Frauen und Männern beim gegenseitigen und wechselseitigen Geschlechtsverkehr in verschiedensten Formen, die jene des Kamasutra weit übersteigen, oft mit einer Kraft, Geschwindigkeit und Härte, die freilich jegliche Frage, ob denn dabei Gefühl, Zuneigung oder gar Liebe mit im Spiel sei, im Keim ersticken läst, produziert ein Frauenbild, das die Frau zu einem allzeit bereiten, immergeilen, mit Vorliebe an männlichen Penissen lutschenden, usw. und vor allem billige Wegwerfprodukt werden lässt.
Junge Mädchen, die Pornographie im Web auch schon sehr frühzeitig (mit 9 und jünger) konsumieren, erlernen ein höchst zweifelhaftes körperliches Selbstverständnis. Sie glauben, sie müssen allzeit bereit sein, es wäre normal, wenn ihnen der Penis wie ein Presslufthammer in die Vagina über Minuten gestoßen wird. Sie glauben auch, dass sie nur als allzeit williges Mädchen für einen Burchen interessant sein können.
Dies geht soweit, dass die Mädchen den Unterschied zwischen einer Vergewaltigung und liebevoller Sexualität/ zärtlicher Zweisamkeit/ prickelnder Erotik nicht mehr erkennen können. Es wird ihnen suggeriert, dass Männer allzeit über sie verfügen können und ihnen das auch noch Spaß bereiten muss2.
Während die klassische Erotik-Industrie den Sprung in das Internet erst sehr verspätet angetreten hat bzw. gedenkt anzutreten, sind viele kleine AnbieterInnen entstanden. Das Meer an verfügbaren Frauen, die für 100 Euro nackte Bilder von sich anfertige lassen, zumeist ohne zu wissen, was damit passiert, für 200 Euro Penisse lutschen, für 500 Euro an einer Mehrpersonensexinszenierung teilnehmen, usw. scheint unendlich groß zu sein und löst eine brutale Spirale für die Frauen aus, bei der die Frauen ihrer Würde, ihres Selbstwertes, ihrer Fraulichkeit und letztlich ihrer Sexualität beraubt werden.
Ökonomisch gesehen ist die Situation sehr einfach, als sich der Preis zumeist nach Angebot und Nachfrage richtet. Die Nachfrage nach Frauen, die sich prostituieren, ist gleich bleibend hoch, das Angebot an Frauen, die den mimetischen Kräften verfallen sind und sich auch mit den schönen Dingen der Wohlfahrtsgesellschaft schmücken wollen, schein zu wachsen. Die Hemmschwelle für Frauen aus ökonomisch schwachen Regionen, da und dort mit dem Verkauf ihrer Nacktheit und Gestöhne für ihre Verhältnisse viel Geld zu verdienen, mit dem Sie sich Schmuck, Schuhe, Kleider und was Frau sonst noch alles so für nötig hält kaufen kann, gering.
Die Pornographie-ProduzentInnen lachen, weil sie „für billiges Geld gute Ware bekommen“.
Es gibt sie jedoch auch und nicht nur da und dort, die Frauen, die Köpfchen haben und umwerfend attraktiv sind. So stellte eine von ihnen kürzlich in einem Forum auf einem Single-Portal die Frage, warum die Männer tatsächlich glaubten, dass sie auf diesem Single-Portal reihenweise Frauen für schnellen Sex gratis bekommen würden?
Sie gab sich auch gleich selber die Antwort, indem sie folgerte, dass es offensichtlich und tatsächlich sehr viele Frauen gäbe, die so dumm sind, sich beliebig den sexuellen Wünschen der Männer hinzugeben und dies dann auch noch gratis tun.
So manche aktuelle und scheinbare „Feministinnen“ oder „Kämpferinne für Frauenrechte“ sind da anderer Meinung, als sie den Frauen zurufen, die Männer dadurch in die Knie zu zwingen, indem sie selber doch einfach auch Freude an One-Night-Stand, Masturbation, usw. haben sollen. Sie fordern quasi die Emanzipation von der Emanzipation, indem die Frau ihrer Weiblichkeit und Sexualität freien Lauf lässt.
Es ist komisch, dass diese Rufe, noch dazu mit einem enormen finanziellen Erfolg, gerade 40 Jahre nach der 68er-Bewegung wieder populär werden, wo doch Kommune 1 und Co. nichts eindringlicher bewiesen haben, als dass (1.) „Rudelsex“ nicht funktioniert und (2.) dabei letztlich immer die Frauen „draufzahlen“.
Verschiedene und unterschiedliche SoziologInnen haben nunmehr (wieder) festgestellt, dass nicht der Mann die Frau hinsichtlich einer „Paarung“ auswählt, sonder immer die Frau im Grund den Mann auswählt.
Es scheint an der Zeit, dass diese Rollenverteilung und dieses Machtgefüge den Mädchen und Frauen wieder bewusst gemacht wird. Es scheint an der Zeit, den Mädchen und Frauen dies zuzurufen.
Denn für die Großzahl der Männer trifft ein einfacher Spruch zumeist zu:
“Steht der Schwanz, so steht des `Hirn!”
Liebe Frauen, ihr könnt es besser und lasst euch weder von den Pornographie-ProduzentInnen noch von Frauen, die eine höchst zweifelhafte Form der weiblichen Emanzipation verkaufen, einreden, was ihr wollt und was euch Spaß zu machen hat.
Letztlich fehlt es uns allen und auch den Männer zumeist an Zärtlichkeit und Liebe und bei diesen „tasks“ sind sehr wahrscheinlich die Frauen kompetenter.1 Es sind in der jüngeren Vergangenheit verschiedene entsprechende Belletristik-Werke veröffentlich worden und in der Folge auf Bestsellerlisten erschienen.
2 Es ist müßig zu erwähnen, dass, es sind freilich sehr viele und gewiss die große Mehrzahl der Männer, ein derartiges Frauenbild befürworten, weil sie sich dadurch erhoffen, unentwegt ihrer Perversion und Geilheit nachgehen zu können.




