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30.08.2008
Frauen und Forschung - Was t...
Frauen, Männer, Gender (9 Beiträge online)
Das Bild der Frau? Das Bild vom Mann?
Reportagen und Kommentare zu Gender, Männer, Frauen und mehr.

Frauen, Männer, Gender - Frauen und Forschung - Was tut die EU?

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Nachdem der ForscherInnennotstand zur Erreichung der Lissabon-Ziele offensichtlich wurde, hat sich die EU zahlreiche Maßnahmen vorgenommen, um Frauen in der Forschung zu fördern. Offensichtlich ist die Angst groß, das Ziel, der wettbewerbsfähigste wissensbasierte Wirtschaftsraum der Welt zu werden, zu verfehlen, mittlerweile so groß geworden, dass nun doch die Bedeutung einer gesellschaftlichen Gleichstellung von Mann und Frau in allen Bereichen erkannt wurde.

Für ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis in Wissenschaft und Forschung setzt(e) die EU daher folgende Maßnahmen:

a) Maßnahmen 24-27 des Aktionsplanes Wissenschaft und Gesellschaft

Errichtung eines europäischen Forums für Wissenschaftlerinnen und Organisationen, die sich für Geschlechtergleichheit in der wissenschaftlichen Forschung einsetzen.

Überwachung des Fortschritts hin zu Geschlechtergleichheit in der europäischen Forschungslandschaft und Entwicklung von Indikatoren zur Erreichung der Geschlechtergleichstellung.

Förderung der verstärkten Beschäftigung von Wissenschaftlerinnen in der Privatwirtschaft durch das Aufdecken von Karrierewegen und Beispiele guter Verfahren.

Förderung der Gleichberechtigung in der Wissenschaft in Nachbarländern der EU.

b) Rahmenprogramme:

Frauen sollen in den europäischen Rahmenprogrammen einen Anteil von mindestens 40 % belegen. Referenzführer zur Umsetzung des Aktionsplans zur Geschlechtergleichstellung

c) Europäische Forschercharta und Verhaltenskodex für die Einstellung von ForscherInnen:

Diese im März 2005 verkündeten Vorschläge rufen die Arbeitgeber dazu auf, flexible Arbeitsbedingungen zu gewähren, die sowohl männlichen als auch weiblichen Forschern die Möglichkeit geben, Familie und Arbeit, Kinder und Karriere zu vereinbaren und die notwendigen finanziellen und administrativen Vorkehrungen zu treffen. Die Arbeitgeber werden zudem ermutigt, für ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis auf allen Ebenen der Hierarchie, auch im Management, zu achten.

d) Women in industrial research (WIR):

Die EU-Expertengruppe “Frauen in der industriellen Forschung – die Unternehmensperspektive” wurde am 16. Februar 2005 im Rahmen der WIR -Initiative eingesetzt, um die Förderung von Frauen in Wissenschaft und Technologie aus Unternehmensperspektive zu untersuchen. Die Ergebnisse wurden im Mai 2006 veröffentlicht.

e) Europäische Plattform für Wissenschaftlerinnen (EPWS)

Diese neue europäische Plattform wurde im März 2005 mit Mitteln der Kommission gestartet. Ziel ist es, alle Organisationen für Wissenschaftlerinnen und Organisationen zusammenzubringen, die sich für die Geschlechtergleichstellung in der wissenschaftlichen Forschung einsetzen.

f) Enwise – Förderung der Gleichstellung von Frauen der Wissenschaft im erweiterten Europa

Die ExpertInnengruppe Enwise (Enlarge “Women In Science” to East) wurde im Oktober 2002 eingesetzt, um die Situation von Wissenschaftlerinnen in Mittel- und Osteuropa und in den Baltischen Staaten zu untersuchen. Der Bericht wurde im Januar 2004 veröffentlicht.

g) Statistiken zur Bewertung von Politiken und Fortschritten:

Im Jahr 2001 lief ein europäisches Statistikprogramm an. Eine Gruppe von Berichterstattern wurde zur Unterstützung und im Rahmen der Helsinkigruppe – Frauen und Wissenschaft benannt. Unter anderem haben die Berichterstatter die She Figures für die Jahre 2003 und 2006 veröffentlicht.

h) Von der EU geförderte Forschungsprojekte:

Supporting women scientists in central Europe
Statistically profiling Europe’s women scientists
Increasing opportunities for women scientists in the wider Europe
Pushing for equality and excellence in science
Connecting women scientists at European level
Measuring progress towards gender equality
A woman’s place is in… industrial research and development

Als Vorbild muss in Hinsicht Geschlechtergleichheit (wieder einmal oder wie immer) das Massachusetts Institute of Technology (MIT) gesehen werden. Dieses gilt als besonders frauen- und familienfreundlich, da es finanzielle Unterstützung zur Kinderbetreuung gewährt und für Institutsangehörige mit Familie den Termindruck reduziert. Das MIT versucht, den MitarbeiterInnen Flexibilität zu bieten, so dass sie sich um ihre Familien in schwierigen Situationen kümmern könnten und sich so nicht für das eine oder andere entscheiden müssten, sagte die erste Präsidentin des MIT, Susan Hockfield zu The Scientist. Der Weg scheint zu passen, da 2004 immerhin bereits 18% der MitarebeiterInnen am Institut weiblich waren (im Vergleich zu den mickrigen 10% im Jahr 1990)

Dennoch fragt sich, ob die Maßnahmen weit genug gehen und verbindlich genug sind, um auch in der EU die Geschlechtergleichheit in allen Bereichen der Wissenschaft und Forschung zu stärken (auch im privaten Sektor). Gleichzeitig scheint die Frage nach der gleichen Bezahlung für die gleiche Arbeit/Leistung wenig thematisiert und im Maßnahmenkatalog berücksichtigt.

Es ist zwar fein, einen Haufen Berichte und Statistiken zu haben, aber der Kampf für eine wirkliche Geschlechtergleichheit darf nicht bei den sog. “weichen Maßnahmen” (z.B.: Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie) enden, die noch dazu nicht verpflichtend bzw. rechtlich verankert sind. Vielmehr muss die EU endlich dafür sorgen, dass die Einkommen der Frauen sich an die der Männer angleichen. Denn nicht alle Frauen bleiben wegen dem Kind zuhause…

P.S.: Und auch die Altersgrenze gerade bei der Förderung des (weiblichen) wissenschaftlichen Nachwuchses müsste bald überall verschwinden. Schließlich kann das Bedürfnis, einen höheren akademischen Grad zu erringen und sich in die Wissenschaft und Forschung einzubringen, auch in späteren Jahre (nach einigen Jahren Berufserfahrung) noch auftreten. Die Annahme einer linearen Wissenschaftskarriere ist so wie die einer linearen Berufskarriere gerade was kreative Menschen betrifft, die immerzu nach neuen Herausforderungen suchen und nicht ein Leben lang auf einen Lebensweg beschränkt bleiben wollen, ziemlich retro.


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