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07.09.2008
Go Hillary Go!
Frauen, Männer, Gender (9 Beiträge online)
Das Bild der Frau? Das Bild vom Mann?
Reportagen und Kommentare zu Gender, Männer, Frauen und mehr.

Frauen, Männer, Gender - Go Hillary Go!

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Bildquelle: timesonline-typepad.com - Hillary on top

Vorhang auf für die Präsidentin!

Während sich die meisten Frauen und Männer im Alter von Sechzig (60) Jahren im Vorhof der Rente gemütlich in die Roman- und Kochbuch-Ecke zurückziehen, da tritt Hillary Clinton im US-Wahlkampf das Rennen um die Stelle des Big Boss (=Präsidenten) und damit den Kampf um die wohl männlichste Macht der Welt an. Applaus! Doch mitten in der amerikanischen Präsidentschafts-Quotenshow, als Hillary gerade von öffentlicher Sympathie überhäuft wird und ihr Mann Bill als männliche Wahlkampf-Prostituierte seine sexuellen Fehltritte abdienen muss, da wird auch schon kräftig Schmutzwäsche gewaschen.

Eine schrecklich unartige Frau, die sich nichts gefallen lässt…

Als Enthüllungsromane getarnt, wird die Gelegenheit genutzt, jede nur noch so kleine Menschlichkeit aus dem Leben der Hillary Clinton als First Lady der USA sowie von Bill Clinton, dem 42. Präsident der Vereinigten Staaten, Saxophonspieler und notorischen Playboy, zu benutzen, um das Bild einer Hillary zu zeichnen, die von der Macht völlig verdorben und von Ehrgeiz zerfressen ist. In frühen Jugendjahren soll sie einem ihrer Boyfriends die Nase blutig geschlagen haben und als First Lady soll sie den Stab des Präsidenten übel launig angeherrscht haben, doch endlich die Flittchen (oder war es das Wort Schlampen, das sie benutzt hat?) aus der Umgebung ihres Mannes zu schaffen. Außerdem soll sie beim Lügen eine wahre Meisterin sein.

Während frau darin eigentlich die idealen Voraussetzungen für ein politisches Amt sieht, ist die Presse gleich zur Hexenverfolgung angetreten, um Hillary Clinton illustriert-bunt für diese lästerlichen Eigenschaften brennen zu lassen. Da fragt sich frau doch, was an diesen Details tatsächlich so schlimm ist. Vor allem, wenn frau bedenkt, dass so mancher US-Senator, US-Kongressabgeordneter oder gar Präsident mit schwersten Sexual-Delikten, Korruptions-Vorwürfen und menschenverachtendem Blutvergießen Gnade vor den Augen der Gerichte bzw. der Öffentlichkeit findet. Oft einzig allein dadurch, dass er mit trauigem Dackelblick Reue zeigt und für alle von ihm begangenen oder auch nicht-begangenen Delikte (schließlich ist der Präsident oft nur das Produkt seines Stabes und seiner GeldgeberInnen)die Schuld auf sich nimmt. Yeah I did have sex with her, but I did not rape her. OK I did do business with XY, but I really did not know that they belonged to the mafia. Yes, I sold weapons to XY, but I had faith it will bring peace to the world. Ein paar Krokodilstränen werden dabei gerne verdrückt und dann ist alles wieder gut. Vergeben und vergessen. Das scheint allerdings für Frauen mit Machtambitionen nicht zu gelten.

...und die die Machtspiele der Männer beherrscht

Wenn allerdings Hillary Clinton, eine Frau, es sich erlaubt, einem Typen mal eins auf die Nase zu geben, weil er sie möglicherweise belästigt hat, wird es nicht, wie es vielleicht auch wahr war, als ungeschickte Handbewegung abgetan oder als heroische Selbstverteidigung eingestuft – nein, bei Hillary ist es offensichtlich ein Zeichen von Unbeherrschtheit. Tja, und das wird vor allem in konservativen Kreisen als Zeichen für einen schlechten Charakter bei einer Frau gewertet. Frauen, die zornig und ehrgeizig sind, werden dort als unberechenbar und gefährlich eingestuft. Und wo kämen wir da bitte schön hin, wenn alle Frauen solche Vorbilder hätten? Nun solche Frauen würden einem alten Sprichwort zur Folge überall hinkommen – außer in den Himmel. Doch wen interessiert der Himmel, wenn frau auf Erden lebt? Vergessen ist auch sofort das Engagement von Hillary Clinton für Frauen- und Menschenrechte, für den Kinderschutz und für ein sozialeres US-Gesundheitssystem.

Daher: Go Hillary Go! Zeig den Männern doch mal, dass wir die ganze Politbescheisserei ebenso gut drauf haben. Und lass dir nicht das Leben versauen, nur weil du die Sprach- und Machtspiele der Männer beherrschst. Klar ist das ein schmerzhaftes Erwachen für Otto Normalpolitiker, wenn er aufwacht und erkennen muss, dass Frauen keinen Bock haben, ihr Leben lang die stille Dulderin männlicher Eskapaden oder die ewige Zweite bei der Realisierung ihrer Bedürfnisse zu sein und aus dem Schatten ins Rampenlicht treten, um zu zeigen und zu sagen, was sie wollen und hier und da statt still zu weinen und zu leiden, den Männern eins im Bedarfsfall auf die Nase hauen.

Nicht, dass ich denke, dass Frauen a priori die besseren Herscherinnen wären. Wahrscheinlich wird Hillary nicht viel mehr Entscheidungsspielräume haben als einst ihr Mann, der Ex-Präsident. Doch der Wille, etwas verändern zu wollen, ist allein durch ihren Kampf um das Amt der PräsidentIn, authentischer als bei ihren männlichen KonkurrentInnen.

Auch wenn das meiste davon wahrscheinlich auch nur Rattenfängerei ist…

P.S.: Und wenn du dem ganzen Affentheater um deine Person ein Ende bereiten willst – dann lass dich einfach nackt im Playboy ablichten. Ich bin überzeugt, danach interessiert den konservativsten Wähler nicht mehr was einmal war.


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