
Reportagen und Kommentare zu Gender, Männer, Frauen und mehr.
eZine von Redaktion Frauen-Männer
Frauen, Männer, Gender - Her mit der Lust!
Bildquelle: startblatt - Bio-Hendl mit Brot (Foto - leicht unscharf)
Heilige, Mutter, Hure! Heilig wie die Johanna von Orleans, mütterlicher als die Jungfrau Maria und anrüchiger als die Lovelace soll sie sein – die Frau. Es ist erstaunlich, wie viele Frauen ihre Identität aufgeben, um pflichtbewusst diesen Rollen-Dreikampf auszutragen – und mit offenen Augen in den double-bind Abgrund rauschen, ohne es auch nur zu merken.
Die Paradoxie ist die notwendige Ingredienz der weiblichen Verunsicherung. Aufgrund der Vielzahl der Abhängigkeitsverhältnisse, in denen sich Frauen noch heute befinden, funktioniert die Methode auch recht einwandfrei. Das Doppelbindungsproblem Heilige-Mutter-Hure und deren lähmende Auswirkungen werden uns quasi von unseren Müttern und Vätern eingeimpft, von unseren Freundinnen verstärkt und von der Wirtschaft schamlos zu Verkaufszwecken eingesetzt.
Lust wird Unlust wird Begierde. Statt Verstetigung der Lebensfreude durch Lust auf allen Ebenen der Wahrnehmung entsteht durch Verweigerung von Lust plötzlich Unzufriedenheit aufgrund von Begierden, Furcht und Schmerz. Unlust ist Ideal – macht schön, schlank und erfolgreich. Wir essen nicht, wir trinken nicht, wir rauchen nicht, wir brauchen nichts. Hurra! Oder eher oje? Denn wann sind wir mehr im Augenblick als in Momenten des intensiven und angenehmen Erlebens. Das Leben als lustvolles Kunstwerk zu arrangieren, das haben nur ganz wenige Frauen geschafft und die sind schon keiner anderen mehr bekannt.
Da lob ich mir doch, den bei Dante in der 6. Hölle in einem weißglühenden Eisensarg schmorenden “Erzketzer” Epikur – von seinen Feinden auch als großes Schwein bezeichnet, der behauptete, dass es nicht möglich ist, lustvoll zu leben, ohne einsichtsvoll, vollkommen und gerecht zu leben, ebensowenig kann man jedoch einsichtsvoll, vollkommen und gerecht leben ohne lustvoll zu leben.
am 20.09.2007 21:56




