
Reportagen und Kommentare zu Gender, Männer, Frauen und mehr.
eZine von Redaktion Frauen-Männer
Frauen, Männer, Gender - Ich, Du, Wir - etwas, was einmal wahr war
Bildquelle: startblatt - ein einsamer Weg
Mein Gott, wie viele Menschen verzweifelt eineN PartnerIn suchen. Das Thema Beziehung hat ja schon den Status einer Epidemie erreicht. Wie die Pest lauert es uns heutzutage überall auf und versaut uns die harmonische Einsamkeit: ob bei Freunden, bei den Eltern, im Supermarkt, ja sogar beim Fernsehen, geschieht die Gehirnwäsche. Was noch immer allein – da stimmt doch was nicht!!! Orte, wo nicht über Beziehung geredet wird, gibt es immer weniger, vor allem wenn frau/man älter wird. Da wird über die/den Ex und ihren/seine NeueN gelästert, dort die eigene Beziehung der Glücksanalyse unterzogen oder die philosophische Frage nach dem Gehen oder Bleiben gestellt. Zuhause wird frau/man noch mit PartnerInnenfragen und Beziehungsproblemen zu gesoapt. Bei all dem Wir, wo ist da bitte noch schön Platz für das Ich, das Ego-Schwein in uns, das macht, was es will, wann immer es will und wie es will.
Single oder Doppel? Gesellschaft und Moral versuchen uns davon zu überzeugen, dass das wahre Glück sich als Zweisamkeit tarnt, und verschweigen gleichzeitig, dass ein solches Glück auch teuer erkauft wird und zwar dadurch, dass es ständig um folgende zwei Punkte geht:Teilen und Rechtfertigen. Denn einE PartnerIn, die einen wortlos versteht und bedingungslos liebt oder in all ihren/seinen Eigenschaften so gleicht, dass es keiner Erklärungen bedarf, gibt es nicht. Der/die eine will Kinder, die/der andere nicht. Die/der eine will fernsehen, die/der andere will ins Kino. Was in den meisten Fällen dabei rausschaut, ist ein fauler Kompromiss, bei dem beide Parteien, um die Beziehung zu erhalten, vorgeben, dass sie damit glücklich sind. Und ein Haufen fauler Kompromisse resultiert wiederum in einer Beziehungskrise und wahrscheinlich anschließend in einer Trennung und in was eine Trennung in der Regel mündet, dass müssten die meisten Singles unter uns bereits aus eigener Erfahrung wissen: Trauer, Wut, Schmerz, Verzweiflung, Selbstzweifel, Minderwertigkeitskomplex und ein Haufen Suchtmittel, in dem frau/man den ganzen Frust versenken kann. Aber auch innerhalb einer Beziehung können alle diese Gefühle Realität sein. Mathematisch gesehen ist sowieso jede Beziehung nichts anderes als ein Strategiespiel um eigene Vorteile. Ja sogar Liebe ist in der Regel nichts anderes als die Suche nach dem eigenen Vorteil. Schließlich lebt frau/man in einer Partnerschaft, in der sie/er das Gefühl hat, das zu bekommen, wonach sie/ersich sehnt, was sie/er sich wünscht. Kein Wunder, dass in der Regel die meisten Partnerschaften in die Brüche gehen, wenn das Gefühl nicht mehr aufkommt, dass die/der PartnerIn noch gibt.
Wo sich gleich die Frage stellt, wie viel Geben ist in der Liebe genug? Und wann artet Geben in Selbstzerstörung aus? Schließlich ist Geben eine solche Tugend, dass frau/man doch immer ein schlechtes Gewissen haben muss, nicht genug gegeben zu haben. Wer nicht gibt, ist Feind der Beziehung. Liebe lebt vom Geben, heißt es, zum Erhalt der Beziehung. Doch das Ende des Ego reißt in der Regel auch das wir in den Abgrund mit. Liebe lebt daher von Respekt vor dem Ich, dem Du. Ich und Du- das ist Realität. Das Wir ist nichts weiter als eine Konstruktion. Und das Wissen um diese Konstruktion macht erst recht einsam oder bewusst, dass Ich nichts weiter als ich ist. Dass single die Regel und nicht die Ausnahme ist. Es ist überhaupt fraglich, ob nach Auschwitz Wir nicht Bedrohung, Zerstörung von Ich ist. Wir als Klammer der eigenen Existenz? Die Fähigkeit, Konstruktionen zu erkennen zu enttarnen, setzt nicht nur dem Wir ein Ende, auch das Ich ist nicht mehr, was es einmal war. Auch das Ich zerfließt im Bewusstsein der Konstruktion. Ich wird plötzlich konzeptlos zum Flow-Erlebnis- jeden Tag, jede Stunde, jede Minute. Bis Ich-Suche zur Ich-Sucht wird und in den Falten der Zeit verschwindet.
Wer eine Partnerschaft eingeht muss damit umgehen können, dass Ich eine organische Metamorphose ist und dass Wir keinen Halt bieten kann.
am 12.10.2007 15:17




