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07.09.2008
Simone de Beauvoir
Frauen, Männer, Gender (9 Beiträge online)
Das Bild der Frau? Das Bild vom Mann?
Reportagen und Kommentare zu Gender, Männer, Frauen und mehr.

Frauen, Männer, Gender - Simone de Beauvoir

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Frauen, Männer, Gender - Simone de Beauvoir - diplomatie.gouv.fr; Seelenverwandt: Simone de Beauvoir und Jean Paul Sartre
Bildquelle: diplomatie.gouv.fr; Seelenverwandt: Simone de Beauvoir und Jean Paul Sartre

Heute vor hundert Jahren (09. Jänner 1908) wurde Simone de Beauvoir in Paris geboren. Genau dort starb sie dann auch 1986. Bekannt wurde die Vertreterin des Existenzialismus für ihre beispielgebende Rolle als Vordenkerin und Verfechterin der weiblichen Emanzipation.

“Nun weiss ich alles über die Vagina ihrer Chefin” (Francois Mauriac, 1949)

Ihr 1949 veröffentlichtes Buch “Das andere Geschlecht” gehört heute zu den Standardwerken der Frauenbewegung. Simone de Beauvoir hat damit Geschichte geschrieben. Auch wenn die erste Veröffentlichung des Buches schon Jahrzehnte zurückliegt, so hat “Le Deuxième Sexe”, wie der Originaltitel des Buches lautet, seine Relevanz bis heute noch nicht eingebüßt. Vielleicht liegt es daran, dass es philosophischen Überlegungen entsprang – weniger ideologischen. Und dennoch wirken Ihre Überlegungen geradezu erschütternd auf das politische Establishment.

“Camus beschuldigte mich (...) den französischen Mann lächerlich gemacht zu haben”

Wer so direkt zu fragen wagt, ob es “die Frau” gibt oder ob das mehr eine Meinung ist, wie die, es gäbe “den Neger”, “den Juden”, der trifft nicht nur (noch heute) einen wunden Punkt des männlichen Geschlechts, die Männlichkeit, sondern auch den der damit zusammenhängenden Gesellschaftsordnung, den Patriarchalismus. Wer aufzeigt, dass das Bild eines schwachen, geistig unterlegenen und dekorativen weiblichen Geschlechts, ein von Männern gestrickter Mythos ist, und wer schreibt, dass der Mann den weiblichen Körper als eine Beute und als Möglichkeit betrachtet, sich seiner Sekrete zu entledigen, der kann sich wohl selten den darauffolgenden Lauf der Dinge entziehen. Und der äußerte sich darin, dass man sie als unbefriedigt, frigid, priapisch, nymphoman und lesbisch bezeichnete. Und dass ihr Buch auf dem Index der katholischen Kirche landete.

“Ich möchte vom Leben alles”

Doch Widerstand prägte das Leben der Philosophin schon in jungen Jahren. So setzte sie es durch, dass sie Philosophie an der Sorbonne studieren durfte, was damals für eine Bürgerliche wie sie gleichbedeutend war mit sittlichem Verfall. An der Universität lernt sie auch Sartre kennen, mit dem sie bis zu ihrem Lebensende ein inniges Verhältnis, nicht nur sexueller Natur, hat. Unter dem Vichy-Regime verliert sie Ihre Stelle als Philosophie-Lehrerin. Offizieller Grund: Verführung einer Minderjährigen. Inoffiziell war wohl stärker ausschlaggebend, dass sie unverheiratet mit einem Mann zusammenlebte, der Psychoanalyse lehrte und dekadente Literatur wie die von Proust und Gide als Schullektüre empfahl. Das passte wohl nicht ganz mit Werten wie “Arbeit, Familie, Vaterland” zusammen.

“Zweifellos ist es bequemer, in blinder Unterwerfung zu leben(..)”

Auch nach dem Krieg tritt sie nicht nur an der Seite Sartres für Unabhängigkeit ein: sei es die der Frauen, sei es die von anderen unterdrückten Gruppen. Sie setzt sich für die Unabhängigkeit Algeriens ein, fordert die Geburtenkontrolle bzw. eine bewusst gewählte Mutterschaft, die ökonomische Unabhängigkeit bzw. die Teilnahme der Frauen an der Erwerbsarbeit und sie unterstützt den philosophisch und literarischen Diskurs über den Körper und die Sexualität. Ihre Essays stellten für die damalige Verhältnisse eine ungewohnte Vermischung von Literatur, Philosophie und Politik dar. Die Form des Narrativen ist bis heute populär. Für ihren Intellektuellenroman “Les Mandarins” erhielt sie 1954 den Prix Goncourt. Als gelungen kann noch heute die Autobiografie gelten, in deren ersten Band “Mémoires d’une jeune fille rangée” individueller Lebenslauf und kollektive Geschichte miteinander verschmelzen, wie es Ingrid Galster in der NZZ sehr treffend beschreibt. (vgl. Galster, Ingrid (2008): Der Existenzialismus ist ein Feminismus. In: NZZ, Nr. 3, 5./6.Januar 2008, 29f.)

Obwohl Ihren Tod 1986 nicht nur Feministinnen betrauert haben, scheint der hundertste Geburtstag der Philosophin keinen großen Trubel auszulösen: keine spontane Solidarisierung aller Frauen an diesem Tag, kein Korkenknallen bei erwerbstätigen Frauen oder selbstbestimmten Müttern, kein Gedenkjahr.

Für eine Frau mit der Bedeutung und Wirkung von Simone de Beauvoir verdächtig still.


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