
...und wo sonst es sich genießen lässt.
eZine von Redaktion Freizeit
Freizeit, Reisen, Essen, Kino - Der Film "Goya's Geister" - Sag mir, was die Wahrheit ist...
Bildquelle: Tobis 2007 - der "heilige" Prister und sein unschuldiges Objekt der Begierde
Wahrheit ist sehr wahrscheinlich jenes Element mit der größten Kraft zur Zerstörung.
Ein Film, der sich dadurch auszeichnet, dass eben jenes “Happy End”, das in Wahrheit nicht Realität sein kann, nie wirklich wird. So bleibt das Schicksal als jenes übermenschlich steuernde Element, welches eben der Wahrheit so widersprüchlich ist, als es aus dem entsteht, das die einen “Gott”, die anderen “Glaube”, “Ideologie”, “Fanatismus”, “Überzeugung” oder eben “Geister” nennen. Letztlich bleibt uns Menschen die Bürde oder auch Möglichkeit – je nach jener Realität, die wir wollen -, Entscheidungen zu treffen, doch auf Basis welcher Wahrheit?
Jene, die sich dazu entschieden haben, für die Kirche zu arbeiten, tun so, als ob sie ihre Wahrheit durch Gott finden. Der Film zeigt in eindrucksvoller Weise, wie sehr auch „Gott“ ein (zum Glück) lernfähiger Mythos ist. Es erinnert uns an unglaubliche Gräueltaten, die im Namen der Wahrheit (im Fall der Kirche gleichbedeutend mit Gott) geschehen sind und aktueller denn je immer noch in fast schockierend gleich bleibenden Mustern geschehen.
Doch eine Entscheidung für etwas, ist auch eine Entscheidung gegen etwas. Ob sich durch eine Entscheidung etwas verbessert, ist im Grunde schon fraglich. Wer jedoch Macht haben will, tut auf jeden Fall so „als ob“ er wisse, was die Wahrheit ist oder noch besser, selber die Wahrheit erfindet und in weitere Folge nur noch jene duldet!
In diesem Kontext wirken die Vordenker der französischen Revolution jedenfalls bemerkenswert und erscheinen gerade im Lichte der Wahrheit als menschlich.
Der Zweck heiligt die Mittel! So kann wohl für beide Seiten gesprochen werden. Dies war jedoch noch selten ein humaner Weg, auch nicht in jenen Organisationen (Unternehmen, etc.) weltweit, die sich gestern wie heute dieser Ideologie angeschlossen haben.
Alles zu einem Zweck, um an der Macht zu bleiben, die Menschen durch Angst unterdrücken zu können. Welches Mittel wäre dafür geeigneter, als jenes zu behaupten, man wüsste die Wahrheit? Jedenfalls hat es sich seit Menschengedenken „bewährt“?
Goya selbst wählt die Rolle des Beobachters der Wahrheit und ist auch als solcher wunderbar dargestellt, mit all den Paradoxien, die sich dadurch auch für Ihn ergeben. Es wird hervorragend herausgearbeitet (das scheint besonders aktuell), in wie weit ein Künstler dieser und auch heutiger Zeiten nicht nur sein Kunsthandwerk zur Perfektion treiben musste, sonder auch als ein geschickter Geschäftsmann und Diplomat agieren konnte und musst, um als Kritiker seiner Zeit überlebensfähig zu bleiben. Goya sieht die Doppelmoral der Inquisition, der Französischen Revolution, Napoleon, der Engländer, der einfachen BürgerInnen. Er stellt auch seine Wahrheit – die Realität, wie er sie sieht -, derartig präzise dar, als sie eben eine selbstverliebte FührerIn (KönigIn, Vorstand, MinisterIn, Top-ManagerIn etc.) heute wie damals nicht sehen will. Auch ein Muster, das nicht aktueller sein könnte. Verzweifelt versucht Goya letztlich seinem gewonnen Selbstverständnis gerecht zu werden, als er helfen und verändern will und zwar nicht nur mittelbar durch seine Kunst-Arbeit, sonder un-mittelbar. Aus der Beobachtung heraus lässt sich dies jedoch nicht machen. Er scheitert?
Der Film beeindruckt in seiner Art, keine Partei zu ergreifen, als die Dramatik jedes einzelnen Schicksals zum Thema wird. Eine dem Maler Goya durchaus gerecht werdende Qualität von Beobachtung des “Menschlichen”, darstellend und erzählend, ohne zu moralisieren.
am 22.09.2007 10:48




