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25.07.2008
Hannibal Rising - Wie alles ...
Freizeit, Reisen, Essen, Kino (18 Beiträge online)
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Freizeit, Reisen, Essen, Kino: Hannibal Rising - Wie alles begann - ist schade um Ihr Geld!

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Freizeit, Reisen, Essen, Kino - Hannibal Rising - Wie alles begann - ist schade um Ihr Geld! - Tobis 2007 - der junge Hannibal Lecter mit Maske
Bildquelle: Tobis 2007 - der junge Hannibal Lecter mit Maske

Mit Ausnahme von wenigen guten Momenten ist der Film Hannibal Rising eine Enttäuschung, ja schlimmer, der Film ist realpolitisch äußerst bedenklich.

Die Momente, in denen kurz eine gewisse Intelligenz bei Regisseur, Drebuchautor etc. auftritt, sind dort, wo die Doppelmoral vermeintlicher Anti-Nazis (Wo war die Polizei damals?) angeschnitten wird und die unglaublichen und unvorstellbaren Abscheulichkeiten eines Krieges, die am Beispiel der Schlachtung und Verspeisen der kleinen Schwester von Hannibal Lector problematisiert werden, dargestellt sind.

Ansonsten ist der Film eben aus psychologischer Hinsicht (so war Hannibal – Erster Teil der beeindruckende Prototyp des Psycho-Thrillers) äußerst problematisch, ja geradezu so abscheulich, wie die im Film dargestellten Massakrierungen. Die Schwierigkeit ist die Verbindung, die zwischen einem Trauma aufgrund einer Miterlebten Gräueltat während des Zweiten Weltkrieg und der Neigung zum Serienmord bzw. zum Kannibalismus hergestellt wird. Die Darstellung ist derart missverständlich, als die BesucherInnen nicht unwahrscheinlich mit dem Gefühl das Kino verlassen, dass Rache, selbst in dieser Brutalität, wie von Hannibal Lector (Gaspard Ulliel) und seiner Tante (gespielt von Li Gong) durchgeführt, „eh ganz o.k.“ und Serienmord „halt eine Folgeerscheinung von schlimmen Kriegserlebnissen“ ist. Krieg gibt’s im Moment keinen (denn wer nimmt schon Irak, Israel, halb Afrika, etc. wahr?), also „passt schon“.

Die Kritik richtig sich hierbei genau gegen diesen Zusammenhang zwischen Ausnahmezustand „Krieg“ und Konsequenz „Serienmörder“, als vielmehr davon auszugehen ist, dass eine (Serien-)MöderIn durch die gesellschaftlichen sowie beruflichen Umstände zu einer solchen werden kann und keinesfalls die Dramatik (gut geeignet für einen populistischen Kinofilm) eines Krieges benötigt!

Die Respektlosigkeiten und Abscheulichkeiten des Alltags können sehr wahrscheinlich genau so gut dafür ausreichen, um bestimmte „Psychosen“ zu entwickeln, die letztlich ihrerseits zu Gewalt etc. führen. Man möge nur an die unglaubliche Dunkelziffer von sexuellen und körperlichen Misshandlungen von Kindern innerhalb der eigenen Familien (in zwar in genau jenen, wo man sich es am wenigsten vorstellen konnte) denken. Ein Thema, das längst nicht ausreichend in der Öffentlichkeit diskutiert wird, tabuisiert ist, jedoch lebenslange, traumatische Folgen bei den Opfern hinterlässt. Oder man denke auch an die materialisierte, ökonomisierte, industrialisierte und gefühlslose (weil rationalisierte) Umgehensweisen von Mitmenschen (s.g. Human Ressources oder Personal) in den Wirtschaftsbetrieben (wo selbst die Ansätze eines Henry Ford noch immer als beispielgebend und in der Praxis nicht umgesetzt gelten können).

Dass Hannibal Lector nicht mehr in der Lage ist, Gefühle zuzulassen, triff auf die meisten halbwegs besseren UnternehmensführerIn bzw. MangerInnen zu.

Dass die Greultaten und Missachtungen von gegenseitigen, menschlichen Respekt im Alltag und besonders im Wirtschaftsleben längst an kriegsähnliche Zustände erinnern, ist Dramatik genug. Jedoch den Krieg als Ausnahmezustand herzunehmen und zu sagen, so etwas passiere nur im Krieg und deshalb ist es möglich, dass solche Extreme wie ein Hannibal Lector die Folge ist, ist realpolitischer Wahnsinn und eine bodenlose, weil auf kommerzielle Hintergedanke rückführbare, Gemeinheit gegenüber all jenen Menschen, die Opfer von Kindesmisshandlung, Gewalttaten, skrupellosen Führungspersonen, etc. etc. geworden sind und täglich werden.

Diese Täter laufen frei herum, sind nie im Krieg gewesen und sind die contemporären Nazis. Deren „Werdegang“ (im Sinne der Leitaussage des Films: „Man wird nicht zum Serienmörder geboren, sondern man wird dazu gemacht“, hätte eine gewiss bessere Grundlage für Hannibal Rising dargestellt.

Oder, anders, die (Psycho-)Dramatik eines Opfers von Gewalt und das Verhältnis zwischen Täter und Opfer und die Frage nach der Möglichkeit der Vergebung, der positiven Aufarbeitung oder der sinnvollen Auseinandersetzung damit, wäre ein wichtiges Thema. So ist es bedauerlich, dass der Leitspruch des Films (siehe oben) keine Relevanz und nicht tatsächlich im Film thematisiert wird, obwohl der Grundgedanke sinnvoll und aktuell erscheint. Jede TäterIn ist, so die These, gewiss bereits mehrmals auch Opfer gewesen und eben sehr wahrscheinlich in der Folge selbst zur TäterIn geworden.

Aber, Vergeltung oder das Prinzip: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ ist jedenfalls auf das schärfste zurückzuweisen.

Hannibal Rising steht im Kontext zu längst vollkommen inflationärer Gewaltdarstellungen in Kinofilmen. Um die Aufmerksamkeit des Publikums in diesem Kontext noch zu gewinnen, ist es verführerisch aber leider einfallslos, die Grausigkeiten in Volumen und Intensität linear zu steigern. Es ist eine Portion Subtilität und Kreativität gefordert, um vom Muster „das Mehr des Selben“ (von Gewalt in Kinofilmen) auszubrechen. Denn letztlich erinnert Hannibal Rising im zweitel Teil an den aktuellen James Bond. Was weder für den einen noch für den anderen Film eine besondere Auszeichnung sein kann. Hannibal – erster Teil – kam dabei fast ohne jede „Action-Szene“ aus, einzig die Überraschungsmomente – subtil und durchdacht dargestellt – ließen einem gefesselt sein.

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