RSS RSS
12.10.2008
Die Patentsituation biotechn...
Innovative Pharmaforschung, Gentechnologie und Stammzellenforschung (28 Beiträge online)
In loser Folge wird darüber berichtet, was auf dem Gebiet der Gentechnologie, der Stammzellenforschung und über innovative Pharmaforschung für ein kritisches Publikum „berichtenswert“ ist.

eZine von Alfred Rhomberg

Innovative Pharmaforschung, Gentechnologie und Stammzellenforschung - Die Patentsituation biotechnologischer Erfindungen – und ein Nachtrag zu meinem Text v. 30.5.2008

Kommentare: 0
Innovative Pharmaforschung, Gentechnologie und Stammzellenforschung - Die Patentsituation biotechnologischer Erfindungen – und ein Nachtrag zu meinem Text v. 30.5.2008 - A.Rhomberg
Bildquelle: A.Rhomberg

Ein wichtiges Problem für die Forschung mit biologischen Proteinen (u.a. auch als Basis zu Entwicklung biologischer Tests) ist die Patentierbarkeit.

Universitäten und Universitätskliniken publizieren ihre Arbeiten oft früher, als dies angebracht wäre, sie sind jedoch meist auf Erfolgsnachweise durch die Publikation ihrer Arbeiten angewiesen. Grundsätzlich gilt, dass vorpublizierte Arbeiten nicht mehr patentierbar sind. Bei biologischen Produkten gab es lange die Frage, ob solche Produkte überhaupt patentierbar sind. Dies wird auf europäischer Ebene seit 1999 durch die EU- Richtlinie 98/44EG „Rechtlicher Schutz biotechnologischer Erfindungen geregelt.

Danach sind beispielsweise patentierbar:

· Natürlich vorkommendes biologisches Material, das mit Hilfe eines technischen Verfahrens aus seiner natürlichen Umgebung isoliert oder technisch hergestellt wird, auch wenn es in der Natur schon vorhanden war, z.B. DNA, RNA, Vektoren, Proteine und Antikörper

· Pflanzen oder Tiere, wenn die Ausführung der Erfindung technisch nicht auf eine bestimmte Pflanzensorte oder Tierrasse beschränkt ist, z.B. Viren, Mikroorganismen, transgene Pflanzen, transgene Tiere

· Mikrobiologische oder sonstige technisches Verfahren und durch diese Verfahren gewonnenen Erzeugnisse, sofern es sich dabei nicht um Pflanzensorten oder Tierrassen handelt

· Ein isolierter Bestandteil des menschlichen Körpers oder ein auf andere Weise durch ein technisches Verfahren gewonnener Bestandteil, einschließlich der Sequenz oder Teilsequenz eines Gens, selbst wenn der Aufbau dieses Bestandteils mit dem Aufbau eines natürlichen Bestandteils identisch ist

· Sequenzen oder Teilsequenzen eines Gens, sofern dessen Funktion in der Patentanmeldung konkret beschrieben ist

Nicht patentierbar sind nach dieser EU-Richtlinie:

· Pflanzensorten und Tierrassen. Im Wesentlichen biologische Verfahren zur Züchtung von Pflanzen und Tieren. (Ein Verfahren ist im Wesentlichen biologisch, wenn es vollständig auf natürlichen Phänomenen wie Kreuzung oder Selektion beruht)

· Verfahren zum Klonen von menschlichen Lebewesen

· Verfahren zur Veränderung der genetischen Identität der menschlichen Keimbahn

· Die industrielle oder kommerzielle Verwendung von menschlichen Embryonen

· Verfahren zur Veränderung der genetischen Identität von Tieren, die geeignet sind, Leiden dieser Tiere ohne wesentlichen medizinischen Nutzen für den Menschen oder das Tier zu verursachen, sowie die mit Hilfe solcher Verfahren erzeugten Tiere

· Der menschliche Körper in den einzelnen Phasen seiner Entstehung und Entwicklung sowie die bloße Entdeckung eines seiner Bestandteile einschließlich der Sequenz oder Teilsequenz eines Gens

· Sequenzen ohne bekannte Funktion

Leider ist der Patentschutz an Universitäten im Gegensatz zu den meisten US-Universitäten – insbesondere in Europa ein „Stiefkind“ – eine ausreichende Patentierung gibt es meist nicht in dem Maße, wie es für jede Pharmafirma selbstverständlich ist. Von Universitäten publizierte Ergebnisse können von den Pharmafirmen übernommen und im allgemeinen schneller zu einem verkaufbaren Produkt marktfähig gemacht werden. Selbstverständlich ist bei der Übernahme publizierter wissenschaftlicher Ergebnisse von Universitäten auch für die Pharmaindustrie eine Patentierung nicht möglich, wohl aber der Schutz von daraus entwickelten Verfahren.

Der Autor kennt die Patentlage bei dem im vorangegangenen Beitrag vom 30.5.2008 vorgestellten Bluttest natürlich nicht – das ist ein Prozess, der sich vielfach oft nach Einführung eines Produktes durch entsprechende Einsprüche absehen lässt. Die Anmeldung zu einem Patent wird in allen Ländern der Welt unterschiedlich geregelt, daher kommt es häufig zu teuren Patentanfechtungen. Wenigstens in der EU und in den USA ist die Patentsituation einigermaßen durchsichtig, Länder wie Russland oder China haben sich nie an Patente anderer Länder gehalten.

Das letzte Wort zur Patentlage ist auch nach Einführung eines Produktes nicht gesprochen – eine bittere Erfahrung, die jede große Pharmafirma immer wieder machen muss.

(Alfred Rhomberg)


Neuer Kommentar
Innovative Pharmaforschung, Gentechnologie und Stammzellenforschung - Beitrag: 2 3 4 5 6 7 8 9 10 ... 28

Innovative Pharmaforschung, Gentechnologie und Stammzellenforschung - INHALT

nach Popularität
(02.05.2008) Teil III – Neurotransmitter: Botenstoffe des Nervensystems
(24.06.2008) Drug Design – Arzneimittel am „Reißbrett“ konstruieren
(29.04.2008) Teil I - Zentrales und autonomes Nervensystem und Pharmaka die diese Nervensysteme beeinflussen - Beruhigungsmittel (Sedativa).
(26.04.2008) Stand der Alzheimer Forschung heute
(20.05.2008) HIV – die bisher schwierigste Herausforderung aller Biowissenschaften.
(02.04.2008) Ethische Betrachtungen zur Gentechnik- und Stammzellenforschung
(28.03.2008) Stammzellenforschung und therapeutische Ansätze
(25.03.2008) ACE Hemmer: ein Beispiel für innovative Pharmaforschung
(30.05.2008) Die Patentsituation biotechnologischer Erfindungen – und ein Nachtrag zu meinem Text v. 30.5.2008
(12.03.2008) Einführung zur Gentechnologie (I) - Kritische Überlegungen
(30.05.2008) Darmkrebs: Gute Chancen für die Entwicklung eines Bluttests - allgemeine Gedanken zur Entwicklung solcher Tests.
(12.04.2008) Ansätze zur Parkinson-Therapie mit Stammzellen und Gentechnologie
(30.04.2008) Teil II – Antidepressiva
(20.04.2008) DNA und Doppelhelix – der biochemische Code des Lebens
(07.05.2008) Herceptin – ein monoklonaler Antikörper gegen Brustkrebs.
(14.03.2008) Was ist "innovative" Pharmaforschung? - Allgemeine Betrachtungen
(06.05.2008) Bevacizumab – ein neuer Wirkstoff gegen Krebs und ein Beispiel für innovative Arzneimittelforschung
(24.05.2008) Innovative Forschung führt zu risikoärmeren Immuntherapeutika
(13.04.2008) War die Erfindung von Aspirin “innovativ“ ? – Braucht man wirklich immer neue Arzneimittel? - Der Versuch einer Abgrenzung.
(08.04.2008) Trail - ein körpereigenes Eiweiß, das Krebszellen in den Selbstmord treibt
(11.04.2008) In Deutschland wurde das Stammzellengesetz gelockert
(29.04.2008) „Alzheimer“ – mit PET frühzeitig erkennen (copyright des Beitrags: MedAustria)
(16.04.2008) „Ötzis“ Zwischenruf zur Ethikdebatte
(12.03.2008) Einleitung zu einer schwierigen Thematik
(09.08.2008) HIV – antiretrovirale Kombinationstherapien
(08.08.2008) HIV – ein neuer Forschungsansatz
(03.10.2008) Migräne: Zolmitriptan ist ein neues innovatives Arzneimittemittel
(18.09.2008) Neue Ansichten über die Entstehung der Genomstruktur
nach historischer Entwicklung
(03.10.2008) Migräne: Zolmitriptan ist ein neues innovatives Arzneimittemittel
(18.09.2008) Neue Ansichten über die Entstehung der Genomstruktur
(09.08.2008) HIV – antiretrovirale Kombinationstherapien
(08.08.2008) HIV – ein neuer Forschungsansatz
(24.06.2008) Drug Design – Arzneimittel am „Reißbrett“ konstruieren
(30.05.2008) Die Patentsituation biotechnologischer Erfindungen – und ein Nachtrag zu meinem Text v. 30.5.2008
(30.05.2008) Darmkrebs: Gute Chancen für die Entwicklung eines Bluttests - allgemeine Gedanken zur Entwicklung solcher Tests.
(24.05.2008) Innovative Forschung führt zu risikoärmeren Immuntherapeutika
(20.05.2008) HIV – die bisher schwierigste Herausforderung aller Biowissenschaften.
(07.05.2008) Herceptin – ein monoklonaler Antikörper gegen Brustkrebs.
(06.05.2008) Bevacizumab – ein neuer Wirkstoff gegen Krebs und ein Beispiel für innovative Arzneimittelforschung
(02.05.2008) Teil III – Neurotransmitter: Botenstoffe des Nervensystems
(30.04.2008) Teil II – Antidepressiva
(29.04.2008) „Alzheimer“ – mit PET frühzeitig erkennen (copyright des Beitrags: MedAustria)
(29.04.2008) Teil I - Zentrales und autonomes Nervensystem und Pharmaka die diese Nervensysteme beeinflussen - Beruhigungsmittel (Sedativa).
(26.04.2008) Stand der Alzheimer Forschung heute
(20.04.2008) DNA und Doppelhelix – der biochemische Code des Lebens
(16.04.2008) „Ötzis“ Zwischenruf zur Ethikdebatte
(13.04.2008) War die Erfindung von Aspirin “innovativ“ ? – Braucht man wirklich immer neue Arzneimittel? - Der Versuch einer Abgrenzung.
(12.04.2008) Ansätze zur Parkinson-Therapie mit Stammzellen und Gentechnologie
(11.04.2008) In Deutschland wurde das Stammzellengesetz gelockert
(08.04.2008) Trail - ein körpereigenes Eiweiß, das Krebszellen in den Selbstmord treibt
(02.04.2008) Ethische Betrachtungen zur Gentechnik- und Stammzellenforschung
(28.03.2008) Stammzellenforschung und therapeutische Ansätze
(25.03.2008) ACE Hemmer: ein Beispiel für innovative Pharmaforschung
(14.03.2008) Was ist "innovative" Pharmaforschung? - Allgemeine Betrachtungen
(12.03.2008) Einführung zur Gentechnologie (I) - Kritische Überlegungen
(12.03.2008) Einleitung zu einer schwierigen Thematik