
Blogbild: stilisierte DNA-Helix (Computergrafik)
eZine von Alfred Rhomberg
Gentechnologie, Stammzellenforschung & innovative Ansätze der Pharmaforschung - Innovative Forschung führt zu risikoärmeren Immuntherapeutika
Bildquelle: Bild eines Antikörpers - Original work of the US Federal Government, Illustration by David S. Goodsell (Schwere Ketten: rot, leichtere Ketten: gelb)
Immer mehr Menschen sind aus Gründen, die man noch nicht kennt, von chronischen Autoimmunerkrankungen betroffen, bei denen gesundes Gewebe durch das eigene Immunsystem zerstört wird. Nun kann ein Wirkstoff gegen autoaggressive Erkrankungen, der bisher aus menschlichem Serum gewonnen werden musste, zukünftig vermutlich im Labor hergestellt werden.
Eine hocheffiziente Therapie für eine Vielzahl von Autoimmunerkrankungen ist die intravenöse Gabe von hochdosierten Immunglobulinen (Immunglobuline sind Antikörper, IVIG = Intravenöse Imunglobulin Therapie). Diese Therapie benötigt das Serum von vielen Tausenden gesunder Blutspender, wobei es wegen der großen Nachfrage häufig zu Engpässen der Verfügbarkeit kommt.
Anm.: Bei der Gewinnung eines Medikamentes aus menschlichem Serum besteht immer eine (allerdings geringfügige) Gefahr von Verunreinigungen mit bisher nicht bekannten Erregern, die bei künstlich hergestellten Therapeutica nicht gegeben ist.
In einer unlängst in „Science“ veröffentlichten Studie konnten jetzt die Gruppen von Prof. Nimmerjahn und Prof. Ravetch zusammen mit Teams der Durham University und des Scripps Forschungszentrums in Kalifornien erstmalig die genaue molekulare Zusammensetzung – also den Bauplan der aktiven Komponente – identifizieren. Es gelang, im Reagenzglas ein aktives Therapeutikum herzustellen, das im Tierversuch genauso wirksam wie das klassisch hergestellte IVIG war, um Autoimmunerkrankungen zu unterdrücken. Wie bei allen derartigen Versuchen erfordert auch das neu gefundene Therapeuticum weiterführende Studien, insbesondere müssen effiziente Verfahren entwickelt werden, um große Mengen dieses Medikamentes zu gewinnen, die für einen klinischen Vorversuch erforderlich sind. Der Weg vom gelungenen Laborversuch bis zum zugelassenen Therapeuticum ist grundsätzlich weiter als es von der Allgemeinheit angenommen wird, der hier vorgestellte Ansatz sieht jedoch vielversprechend aus.
Es ist noch nicht abzusehen, bei welchen Autoimmunerkrankungen der neue Stoff überall eingesetzt werden kann, in erster Linie konzentrieren sich die Hoffnungen auf Multiple Sklerose aber auch andere durch Immundefizite verursachte Erkrankungen. Eine eindeutige Zuordnung spezifischer Wirkungsmechanismen zu bestimmten Autoimmunerkrankungen ist bis jetzt jedoch noch nicht möglich.
(Alfred Rhomberg, Mai 2008)
am 24.05.2008 18:20




