
Blogbild: stilisierte DNA-Helix (Computergrafik)
eZine von Alfred Rhomberg
Gentechnologie, Stammzellenforschung & innovative Ansätze der Pharmaforschung: „Ötzis“ Zwischenruf zur Ethikdebatte
Bildquelle: Der Mann im Eis - Kurier v. 7.12.1991 - Bild S.N.S.
Bei den überall aufflammenden Ethikdebatten über den Schutz embryonaler Stammzellen wird immer wieder betont, man müsse auch bei künstlichen Befruchtungen die überzähligen Embryonen vor „den dem Menschenbild unwürdigen” Versuchen schützen. Selbst die Verwendung von dem sicheren Tod geweihten Embryonen bei Extrauterinschwangerschaften ist im Falle einer notwendigen Operation, um das Leben der Mutter zu retten, für wissenschaftliche Versuche tabu. In beiden Fällen hätte der Embryo nie Chancen gehabt, zu einem vollwertigen Menschen heranzureifen, wissenschaftliche Erkenntnisse bei der Forschung mit solchen Embryonen wären aber wichtige Bausteine dazu, um vielleicht das ebenfalls unwürdige Menschenbild eines Demenzkranken im letzten Stadium, zu verhindern. Die Menschenwürde wird dagegen in heutigen Debatten niemals erwähnt, wenn es um Menschen geht, die – wenn auch bereits gestorben – immerhin einmal „Menschen“ waren. Nach meinem Verständnis wird die Menschenwürde ebenfalls erniedrigt, wenn man die Mumie des berühmten „Mannes im Eis“ (er lebte vor 4615 bis 4866 Jahren) ziemlich despektierlich als „Ötzi“ bezeichnet und sich niemand etwas bei dieser medialen Wortverniedlichung denkt. Gegen die Untersuchungen und Experimente an solchen Mumien ist wissenschaftlich nichts einzuwenden, ebenso wenig wie an der Tatsache, dass diese schließlich in einem Museum ausgestellt werden. In diesem Punkt haben wir uns durch die Entdeckung und Erforschung der 1922 gefundenen, fast unberührten Mumie des Tut-anch-Amun (Pharao, 1333-1323 v.Chr.) bereits gewöhnt. Auch diese Mumie war – wie „Ötzi“- ein Mensch (zwar nur 12 Jahre alt), aber niemandem wäre es damals eingefallen, irgendwelche werbewirksamen, dem Menschenbild unwürdige Namen zu erfinden. Solche unwürdigen „Geschmacklosigkeiten“ wie das Wort „Ötzi“ sind unserer Zeit vorbehalten, einer Zeit, die das Wort Ethik mit der Ehrfurcht in den Mund nimmt, die in einer fast gottlosen Zeit an sich nur unserem Schöpfer gegenüber angebracht wäre.
(Alfred Rhomberg)




