
Geschichte oder Geschichten - nicht immer ist Vergangenheitsbetrachtung so eindeutig wie wir glauben. Wie sich uns Geschichte präsentiert, ist eine Frage des Standpunkts. Und oftmals auch eine der Macht. startblatt lädt daher ein, nicht nur das "Big Picture" neu zu betrachten und kritisch unter die Lupe zu nehmen, sondern dieses auch mit den vielen historischen "small pictures" aus Theorie und Praxis anzureichern, die gerne oder ungerne vergessen werden.
eZine von call Geschichte
Geschichte revisited - Jahresrückblick der dritten Art
Bildquelle: /c) Alfred Auge - Superauge
Jahresenden und Jahresanfänge sind traditionell mit medialen Jahresrückblicken verbunden – da kann frau/man nichts machen – denn das vergangene Jahr war eben so.
War es wirklich so?
Wer das Jahr 2011 im Jahresrückblick von Tirol-Heute (ORF) auf die glückliche Aneinanderreihung glücklicher Sportereignisse (gemeint sind immer SchisportlerInnen) reduziert, lebt sicherlich an der Realität vorbei, ebenso wenn ein „seriöser“ Sender wie der ORF2 eine Katastrophe nach der anderen zu einem insgesamt katastrophalen Jahr summiert. In anderen Regionen Europas wird es nicht viel anders gewesen sein – außer, dass in Griechenland die glücklichen SchisportlerInnen fehlen.
Wer zwischendurch in schwachen Momenten der medialen Jahresberichterstattung dann erfährt, dass sowohl in Deutschland, als auch in Österreich die Zahl der Arbeitslosen im vergangenen Jahr abgenommen und die Konsumfreude beim Weihnachtseinkauf zugelegt haben und die Buchungen von Fernreisen und Kreuzschifffahrten erfreulich gewachsen sind, sollte sich entscheiden, ob sie/er sich auf die Seite der glücklichen SchisportlerInnen oder der KatastrophenliebhaberInnen schlägt. Ansonsten ließe sich die Vergangenheit eventuell mit einem Jahresrückblick der dritten Art bewältigen.
Die Realität jenseits der Realität zwischen Schisport und Katastrophen
Jeder Einzelne von uns hat seine eigene glückliche oder traurige Realität, in welcher gelungene Sportereignisse aber auch Weltkatastrophen eine eher unbedeutende Rolle spielen. Eine neue Liebe, die Geburt eines gesundes Babys aber auch Krankheit und der Verlust von Freunden oder Angehörigen sind Ereignisse, die ein Jahr (jedes Jahr) bestimmen. Darüber hinaus gab es 2011 aber auch andere uns alle betreffenden Ereignisse, die in den Medien wenig angesprochen werden.
Zuvor jedoch das Wichtigste: der für den 21. Mai 20111 prognostizierte Weltuntergang hat nicht stattgefunden, obwohl es heute am 6. 1. 2012 ca 1,800.000 Eintragungen dazu gibt (aber auch am 21. Oktober 2011 hat er, obwohl prognostiziert, nicht stattgefunden.
Was sich 2011 leider nicht vermeiden ließ, ist der Fortschritt des bereits in den Vorjahren ziemlich weit fortgeschrittenen Degenerationsprozesses von österreichischen und deutschen PolitikerInnen und Parteien. Ich wüsste beim besten Willen nicht, welche Partei ich in Zukunft wählen sollte. Das ist jedoch in den meisten Ländern ähnlich – nur muss ich da nicht wählen. Vielleicht brauchen wir ja alle in Zukunft nicht mehr zu wählen, weil der nächste Weltuntergang schon am 21. Dezember 2012 stattfindet2.
Offenbar ist das russische Wahlsystem doch das beste Wahlsystem der Welt – wie der zuständige Wahlleiter laut Rundfunknachrichten meint. Medwedew macht den Wahlleiter zwar für eventuelle Wahlfälschungen verantwortlich, was aber nichts daran ändert, dass sich nichts ändert.
Was 2011 auch nicht gelang, den mehrfach fast zu Tode geretteten Euro endgültig zu retten.
Es gibt auch positive Dinge für 2011 zu berichten, so zieht TechniSat3 eine insgesamt positive Bilanz, z.B. dass die Markteinführung der ISIO Geräteserien ein Meilenstein im Jahr 2011 war“.
Für eine bedachtsame Energiepolitik Deutschlands spricht, dass Energieversorger zum ersten Mal Strom aus Österreich zukaufen mussten, während Österreich ca. 10 % seines Stroms aus Deutschland bezieht. So funktioniert eine funktionierende Marktwirtschaft!
Insgesamt lässt sich sagen, dass das Jahr 2011 für technische Unbedeutsamkeiten ein sehr erfolgreiches Jahr war, umsomehr als es offenbar auch genügend KäuferInnen für diese technischen Unbedeutsamkeiten gab.
Möge es uns nicht schlechter gehen!
am 07.01.2012 00:39








