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Weblog von Karl Baumann
Golfsport: 100.000 Golf-VereinsmitgliederInnen in Österreich
Bildquelle: Österreichischer Golf-Verband (ÖGV) (www.golf.at) - Franz Wittmann (links) überreicht symbolisch die 100.000ste ÖGV-Mitgliedskarte
Der amtierende Präsident des österreichischen Golf-Verbandes (ÖGV), Franz Wittmann, präsentierte stolz vor wenigen Tagen das 100.000enste Mitglied in einem österreichischen Golf-Club.
Es wurde hervorgestrichen, dass kaum eine andere Sportart in Österreich ein derart starkes Wachstum in den letzten Jahren erlebt hat, als der Golfsport. Die Anzahl der offiziellen Clubmitglieder in österreichischen Golfclubs hat sich in den letzten 17 Jahren um mehr als 700% gesteigert:
- - 1990: ca. 14.000 österreichische GolferclubmitgliederInnen
- - 2000: ca. 60.000
- - 2007: ca. 100.000
Der ÖGV präsentiert ein Zukunftsszenario, in dem mit einem weiteren Anstieg bis 2015 auf ca. 170.000 ÖGV-MitgliederInnen1 gerechnet wird. Die Anzahl der Golfplätze soll sich von derzeit 150 auf 210 steigern.
Wodurch ist der Anstieg zu erklären?
Der Golfsport war noch vor wenigen Jahren eine für die breite Masse der Bevölkerung kaum finanzierbare Sportart, als die noch wenigen Golfclubs in Österreich Mitgliedsbeiträge von € 5.000,- und mehr verlangt haben. Diese Clubs bestehen bis heute weiter. Jedoch sind mittlerweile viele neue Golfclubs hinzugekommen, bei denen eine Mitgliedschaft schon für wenige hundert Euro pro Jahr möglich ist. (Eine Golfausrüstung, mit der hervorragendes Golf bis Handicaps unter 10 möglich ist, ist kaum teurer, als eine entsprechende Skiausrüstung.)
Diese Entwicklung ist überaus begrüßenswert und stellt ein substantielles und fundiertes Wachstum von GolferInnen dar. Besonders großen Anteil an der positiven Entwicklung hat der Golfclub 2000, der lange innerhalb des ÖGV verpöhnt war. Die Idee des GC 2000, der am beindruckenden Golfkurs Tullnerfeld beheimatet ist, war es, aus einem verkrusteten, elitären und versnobten Sport nach dem Vorbild der USA, Irland oder England einen faszinierenden Breitensport zu machen.
Für all jene Österreichischen Hofräte, Vorstände, Rechtsanwälte und Alt-Adelige, die quasi das “gemeine Volk” nicht am Golfplatz haben wollen, ist dies bis heute ein Dorn im Auge.
So passierte es vor kurzem am Golfclub Innsbruck-Igls, dass GolferInnen mit “billig”-Mitgliedschaften von Turnieren ausgeschlossen wurden.
Innerhalb des ÖGV ist der GC 2000 mitlerweile akzeptiert und wenn sich Hr. Wittmann über den Zuwachs von GolferInnen freut, so muss er auch eingestehen, dass daran der GC 2000 besonderen Anteil hat.
Der Golfsport in Österreich ist noch lange kein offener Sport!
Kritisch muss leider angemerkt werden, dass der Anstieg der GolfspielerInnen eine bedenkliche Demographie aufweist. Unter den 100.000 GolfsportlerInnen finden sich nur ca. 6.000 Jugenliche (6%).
Wer den Golfsport aus seinem Mutterländern England und Irland kennt, der weiß, dass dort die Kinder der Familien ganz selbstverständlich zu gegebener Zeit zum Golfplatz gebracht werden, wo sie sich austobend mit allen Fassetten der Ballsportart beschäftigen. Davon kann in Österreich noch keine Rede sein, allein schon deshalb, weil Kinder mit Schmutz und Lärm assoziert werden, was dem Golfsport hierzulande nicht zuträglich ist.
In diesem Zusammenhang sei nur z.B. erwähnt, dass der Golfplatz in Carnoustie, auf dem heuer die British Open, das wichtigsten Golfturnier der Welt, ausgetragen wurde, ein öffentlicher Platz ist. Das bedeutet, dass – sofern eine Abschlagzeit zu bekommen ist – jedeR ohne Nachweis einer gültigen Mitgliedschaft dort jederzeit grundsätzlich spielen kann. Im Sinnen der Schönung des eigenen Ballinventars (es ist für Handicaper jenseits der 20 nicht unüblich, dass auf einer Rund eines Platzes wie Carnoustie 20 Bälle oder mehr verloren gehen), wird einzig höflich darauf hingewiesen, dass es sehr anspruchsvoll wäre, hier zu spielen und dass ein angepasstes Spieltempo mit Rücksicht auf andere SportlerInnen einzuhalten ist.
Somit kommen in der aktuellen österreichischen Golfsportkultur einige unangenehme Aspkete zusammen:
(1) Es gibt kaum Kinder und Jugendliche und schon gar nicht aus der österreichischen Mittelschicht auf österreichs Golfplätzen.
(2) Es gibt viele, die aufgrund eines Trends diese Sportart Golf ausüben, jedoch viel zu wenig bis garnichts von der Atmosphäre, der Ästhetik, der Verbindung zwischen Mensch und Natur und letztlich der Ehrfurcht vor der notwendigen Präzision mitbekommen haben (diese Aspekte werden hinläglich mitunter mit dem Begriff “Etikette” zusammengefasst) und vorallem rund um Wien mit ihren tausende Euro teuren Golfbags präpotent Ihre hecktischen 30über Paar-Runde spielen, nicht selten dabei ungustiös herumgrölend und mobiltelefonierend, nichts dabei dazugelernt haben und es am nächsten Tag zwanghaft genau gleich unqualifiziert wieder versuchen.
(3) Es gibt viel zu wenig Profi-SpielerInnen, die ähnlich wie z.B. in Schweden, Spanien, England oder Irland den HobbygolferInnen die Grazilität des Sportes und die Herausforderung klar machen und einen Zugang zum Golfsport auf höchstem Niveau fordern und fördern. Die Tatsache, dass aktuell nur Markus Bier als einziger Österreichischer Golfprofi in der absoluten Weltkasse mitspielen kann, hängt eben auch wieder mit Punkt (1) zusammen: Es gibt kaum Nachwuchs und wenn, dann kommt der immer noch aus der gehobenen Mittelschicht oder drüber, wobei hinlänglich bekannt ist, dass Talent nicht in Verbindung mit Vermögen oder Status steht.
Für den ÖGV bleibt insofern noch einiges zu tun.
1 JedeR GolferIn, die Mitglied in einem österreichischen Golfclub ist, muss automatisch auch Mitlgied des ÖGV sein.



