
Handel ist im weitesten Sinn der Austausch von Gütern. Dazu braucht man HandelspartnerInnen, Märkte und den Bedarf bzw. das Angebot von Gütern. Leben wir heute in einer Zeit eines zu großen Bedarfs oder eines zu großen Angebots? Ist Handel regulierbar? Passt der Begriff von „Fair Trade“ in unsere Wirtschaftsysteme? Ist der Preis einer Ware noch/immer das Hautargument sie zu kaufen? Ist preiswert gleichbedeutend mit billig? Und andere große und kleine Gedanken zu Handel, die wir gerne auf startblatt mit Ihnen (ver)handeln wollen.
eZine von call Handel
Handel - Die volkswirtschaftlichen Aspekte für die USA und die EU sind derzeit unterschiedlich
Bildquelle: (c) Bilder Public Domain (zusammengefügt)
Volkwirtschaft nach „Lehrbuch“ würde beim Anspringen der Wirtschaft eine insgesamt positive Entwicklung erwarten lassen. In der EU erhoffen sich die wirtschaftstärkeren Länder jedenfalls, dass das leicht absinkende Wirtschaftswachstum wieder an Fahrt gewinnt.
Völlig anders sieht die Situation in den USA aus. Die USA sind zu fast 100 % verschuldet – also erheblich mehr als die wirtschaftskräftigsten Länder Europas und trotzdem wird eine stärkere wirtschaftliche Erholung mehr gefürchtet als begrüßt – warum?
Die Rendite der 30-jährigen Treasury Bonds beträgt derzeit ca. 3,6 %, bei deutschen Bundesanleihen ist die derzeitige Rendite wesentlich niedriger (ca. 0,5 – 2 % je nach Laufzeit).
- Anm.: Es wird auf den Unterschied zwischen (Zins bzw. Kupon) und der Rendite aufmerksam gemacht. Die Rendite errechnet sich aus dem jeweiligen derzeitigen Kaufkurs und dem Kupon und sie weicht ganz erheblich vom jährlichen Kupon ab. So notieren z.B. 5-prozentige Bundesanleihen des Jahres 2005 heute weit über 100% (ca. 115 %), weil die heutigen Bundesanleihen mit einem wesentlich niedrigeren Kurs ausgestattet sind. Wer solche Anleihen heute verkauft, streicht also saftige Gewinne ein – nur was macht frau/man mit dem Geld? Neue Bundesanleihen kaufen? Das wäre Unsinn, weil die Zinsen in Europa in Zukunft steigen werden und Anleihen dann stark an Kurswert verlieren.
Da Anleihen nie ein „Liebkind“ deutscher oder österreichischer Sparer waren, weicht frau/man dann eben auf das traditionelle Sparbuch mit kurzer Laufzeit und Garantiezinsen aus, wobei die jährlichen Zinsen geringer als die Inflation sind.
US-Amerikaner sind kapitalerfahrener, Staatsanleihen (Treasury Bonds), Firmenanleihen und Aktien sind für viele mittlere Haushalte selbstverständlich. Und hier liegt das zukünftige Problem, wenn sich die Konjunktur aufhellt:
Die Firmen werden ihre von jeher beliebten Firmenanleihen zukünftig mit etwas höheren Zinsen als die staatlichen Treasurybonds ausstatten, was zur Folge hat, dass letztere nicht mehr gekauft werden. Dadurch verliert der Staat die Möglichkeit, seine Staatsschulden durch die Vergabe von Staatsanleihen bezahlen zu können. Das wäre bei der hohen Schuldenlast eine ernste Bedrohung des amerikanischen Staatshaushaltes.
Bleibt noch die Frage zu klären, warum die Renditen von Treasurybonds in den USA so viel höher als in den EU-Staaten sind. Der Dollar ist nach wie vor die Leitwährung „Nummer 1“ auf der Welt und wird auf der gesamten Welt als Reservewährung betrachtet. Wir Europäer sind trotz unseres immer noch sehr starken Euros (derzeit bei 1,30 gegenüber dem Dollar) wegen unserer politischen Zerstrittenheit und nationalen Interessen für die übrige Welt weniger interessant. Zwar wird auch der Euro derzeit noch zu ca. 30 % als Reservewährung in den Nationalbanken der Welt gehortet, daneben gewinnt jedoch auch der chinesische Yuan immer mehr Bedeutung.
Resumée: Sollten die USA ihre Schulden nicht mehr bedienen können (diesmal paradoxerweise beim Erstarken der Wirtschaftskraft der Unternehmen), stünde sehr bald eine neue Krise ins Haus.
am 01.02.2012 16:10








