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30.08.2008
Heimatliebe
Heimat (7 Beiträge von 7 AutorInnen online)
Wer, was oder wie und vor allem wo ist Heimat? Ist Heimat ein feststehender Ort oder ein Gefühl, eine Hoffnung, eine Sehnsucht, ein subjektives Empfinden? Oder ist Heimat nichts weiter als eine nationalistische Worthülse und bedrohliche Ausgrenzung? Wann und wo spricht man/frau von Heimat? Wo endet Heimat?

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Heimat - Heimatliebe

Channel: Kultur/Medien
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Heimat - Heimatliebe - privat - Ein Stück Heimat
Bildquelle: privat - Ein Stück Heimat

Um sich nicht gleich vorhab in einem solchen komplexen Thema zu verlaufen, soll hier zunächst die lexikalische Definition von Heimat zitiert sein:

“Heimat, subjektiv von einzelnen Menschen oder kollektiv von Gruppen, Stämmen, Völkern, Nationen erlebte territoriale Einheit, zu der ein Gefühl besonders enger Verbundenheit besteht. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist Heimat zunächst auf den Ort (auch als Landschaft verstanden) bezogen, in den der Mensch hineingeboren wird, wo die frühen Sozialisationserlebnisse stattfinden, die weithin Identität, Charakter, Mentalität, Einstellungen und schließlich auch Weltauffassungen prägen. Insoweit kommen dem Begriff grundlegend eine äußere, auf den Erfahrungsraum zielende, und eine auf die Modellierung der Gefühle und Einstellungen zielende innere Dimension zu, die (zumal der Begriff Heimat zunächst mit der Erfahrung der Kindheit verbunden ist) dem Begriff eine meist stark gefühlsbetonte, ästhetische, nicht zuletzt ideologische Komponente verleihen.” (Meyers Lexikon1)

Hier wird Heimat als etwas ebenso Subjektives wie scheinbar Universelles dargestellt. Heimat ist ein Ort, sie ist ein Netzwerk von festgefügten Beziehungen und Hierarchien, sie stiftet Identität und ist sogar charakterbildend. Heimat ist sozusagen der unerschütterliche Fels der Ordnung in der Brandung einer aus den Fugen geratenen Welt. Trotz der diffusen Begrifflichkeit ist Heimat demnach eine radikale Vereinfachung komplexer Sachverhalte und offenkundig eine in die Vergangenheit projizierte ideale Vorstellungswelt. Doch halt, das wäre ja wieder viel zu undifferenziert gesehen, denn außer der Meyerschen Definition von Heimat wird diese ja auch noch mit einer Reihe von Attributen versehen, um sie verständlicher zu machen. So gibt es die politische Heimat, die geistige Heimat, sogar die Wahlheimat, wobei diesem letzteren Begriff so etwas wie der Menetekel anhaftet, mit der Heimat würde man sozusagen wie mit der Erbsünde geboren und könnte sich ihrer nur durch einen willentlichen purgatorischen Akt der Selbstreinigung entledigen. Merkwürdigerweise hat aber die Heimat ansonsten in der religiösen Folklore keinen gar so großen Stellenwert, denn es ist nicht überliefert, dass der Teufel im Unterschied zur Seele um diese jemals einen Pfifferling gegeben hätte. Dennoch haftet demjenigen, der zur Heimat und den damit zusammenhängenden Idealisierungen nur einen äußerst losen Bezug hat, etwas von einem Peter Schlemihl an. Ich persönlich finde aber nichts dabei, wenn etwa in einem Atemzug gesagt wird, Amerika ist die Heimat der Kartoffel und von George Bush, außer es implizierte etwaige charakterbildende Eigenschaften der ersteren. Um aber zur Wahlheimat zurückzukehren, so signalisiert sie doch zumindest eine vorsichtige Abkehr von der Vorstellung, sie hafte einem sozusagen unwiderruflich wie ein Schatten an. An der Vorstellung eines ziemlich engen Korsetts wird dabei allerdings nicht gerüttelt. Die Juxtaposition dieses Heimatbegriffs lautet: “Meine Heimat bin ich selbst!” Diesen Ausspruch hörte ich vor vielen Jahren von einem, dem die Heimat als physischer Ort abhanden gekommen und durch politische Veränderungen gefühlsmäßig entfremdet worden war. Was oberflächlich also manchen als irriterend oder provokant erschienen haben mag, war letztlich nur die Verlagerung eines sakrosankten Bereichs vom Äußeren ins Innere, ein Abwehr- und Schutzmechanismus. Beidem liegt aber derselbe meines Erachtens atavistische Heimatbegriff zugrunde. Denn die Heimat gibt es für mich schlichtweg nicht, es gibt nicht nur einen Ort im Leben, dem ich mich in der Vergangenheit einmal besonders verbunden gefühlt habe und es gibt nicht nur eine geografisch, geistig, emotional, intellektuell begrenzte Gruppe von Menschen, welche mich geprägt haben und denen ich mich dann und wann zugehörig fühlte. Und ich sehe diese Vielfalt von Beziehungen, die in die Nähe des Begriffs Heimat gerückt werden könnten, auch nicht als etwas Vergangenes und Abgeschlossenes. Vielmehr sehe ich Heimat als etwas in die Zukunft Gerichtetes, als das Potenzial zu unmittelbaren Gefühlen, Einsichten und Erfahrungen. Ich erlebe also Heimat als eine Art Raum mit unzähligen Türen, die alle nur darauf warten, von mir geöffnet zu werden. In diesem Sinne liebe ich Heimat. Jeden Tag ein wenig mehr.

1 Quelle: http://lexikon.meyers.de/index.php?title=Heimat&oldid=155207, zugegriffen am 11.07.2008.


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