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08.10.2008
Ein Fest mit Freunden
iamx (13 Beiträge online)
Meine Gedankengespinste eröffnen mir täglich wunderbare Fantasiewelten, die mir helfen den Alltag zu bewältigen... Hier ist eine Plattform, wo der Leser in meine Verwirrung eintauchen kann.

eZine von Liesa Roithner

iamx - Ein Fest mit Freunden

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iamx - Ein Fest mit Freunden - Deichkind- Plattencover
Bildquelle: Deichkind- Plattencover

Es war wieder so weit. Die Horner Festtage, ein winziger Abklatsch des Oktoberfests, zogen in unsere Kleinstadt ein und sie stürmten ohne Rücksicht auf Verluste über die Massen der Bewohner hinweg. Ich selbst, stolze Verweigerin seit 5 Jahren, wollte, von Horvaths Kasimir und Karoline inspiriert, mir einen Eindruck schaffen, wie sich unser Fest mit dem dort Dargestellten vergleichen lässt. Mein treuer Begleiter, der Rabe, saß mit erhobenem Haupt und prächtigem Fell auf meiner linken Schulter und wurde für einen Abend mein Wächter.

Mit Sicherheit kann man sagen, dass das Fest an sich ein Trieb ist, der dem Mensch angeboren und Teil unserer Zwiegespaltenen Seele ist. Eben dieser Trieb, das Dionysische, steht im Gegensatz zum Appollonischen, dem Vernünftigen. Die Antike zeigt uns auch hier wieder, dass sie die Mutter unserer Kultur ist und in diesem Fall leider auch der Unkultur des Festes. Das Fest existiert gewiss nicht erst seit diesem entscheidenden Zeitalter. Es hat seinen Ursprung im Mystischen und Okkulten. Feiern für eine Gottheit, für die Initiation, für das Leben und für den Tod sind ein paar der entscheiden Gründe für ein Fest. Die Einmaligkeit geht verloren, weil vor allem die junge Gesellschaft jeden Tag feiern könnten. Täglich werden mir vor der Uni Flyer mit Veranstaltungstipps in die Hand gedrückt, die bei mir auf Ablehnung stoßen. Es scheint, als bräuchten wir einen Grund, um zu feiern. Dieser Grund jedoch wird in der heutigen Zeit nicht mehr gegeben. Horner Festtage? Wofür Festtage? Das Oktoberfest hat seinen Ursprung in der Verlobungsfeier von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese.

Vielleicht ist der Zweck eines zeitgenössischen Festes der Spaß. Vergnügen mit einer fremden Masse, die mich umgibt, mich sogar auffrisst. Alle sozialen Schichten sind vereint. Vertreter der neuen Unkultur Krocha unterhalten sich mit Metallern. Der Bürgermeister trinkt sein Bier mit Politikern der Opposition. Die Festtage bringen uns zusammen. Diese Abende lassen uns die Umwelt vergessen. Michael Bachtin schreibt über das Fest, dass es eine umgestülpte Welt sei. Hier gibt es keine Hierarchie. Wir gehen in die Masse, auch wenn sie nur klein ist, unter und verlieren unsere Individualität. Ein Punkt der mich zum Festverweigerer macht. Ich will mich nicht mit diesen Leuten identifizieren. Ich möchte nicht mit dem Bürgermeister reden, oder mit einem Krocha. Einzige Gemeinsamkeit ist der Alkoholkonsum, der uns verbindet. Die notwendige Betäubung, um den Krawall und das Remmidemmi zu überleben. Wahrscheinlich nicht nur für mich. Ich sehe das Horner Volksfest als ein misslungenes Fest, ohne Grund und Tradition.

Das positive Beispiel für Masse, Spaß und Fest ist die derzeitige Fußball EM. Als bekennender Volunteer dieser Veranstaltung und anfänglicher Fußball Hasser, habe ich meine Meinung drastisch geändert. Einfacher Beweggrund dieses Fest mit Freunden zu bestreiten ist das Spiel Fußball. Dieser Gurnd ist allen anwesenden Fans, Funktionären oder Spielern gemein. Alle haben Freude und Spaß sich ein Spiel auf der zB.: Fanmeile anzusehen oder im Stadion ihre Mannschaft anzufeuern. Das Duell Österreich Kroatien habe ich live miterleben dürfen und muss sagen, dass die gefürchteten kroatischen Fans alles andere als gefährliche Hooligans waren. Alle waren mit Begeisterung dabei und freuten sich mit Österreichern in Kontakt zu treten, sei es nur durch das legendäre Peace Zeichen oder 2 nach oben gestreckten Daumen. Der laute „IVO“ – Chor als Ivica Vastic eingewechselt wurde, zeigte wieder, dass alle Fans der österreichischen und kroatischen Seite zusammen feiern. Fußball ist also ein Ort der Integration. Nur hier funktioniert das Zusammensein aller Nationen, die unter normalen Umständen sich auf der Straße missachten würden. Auch so genannte Intellektuelle begeben sich unter das Volk der Fans. Klaus Theweleit oder unser Meister Wendelin Schmidt- Dengler sind bekennende Fußball Anhänger. Wien ist, so finde ich, eine wunderbare Gastgeberstadt, die den Fans eine wunderschöne Mischung von Kultur und Sport bietet. Die Fanmeile vorm Burgtheater und dem Rathaus ergeben eine Kulisse die den Fußball fast schon in den Rang der Kunst erhebt. Diese Fanzone bietet die eine Identifikation mit anderen Nationen oder, um im Jargon dieses Artikels zu bleiben, mit anderen Festmassen. Besucher und Einheimische unterstützen täglich neue internationale Mannschaften und feuern gestern Holland oder heute für Griechenland an.

Diese Zone wird zu einem Gebiet des interkulturellen Austauschs. Die Schüchternheit mit Fremden in Kontakt zu treten schwindet mit jeder Spielminute. Die Anonymität in der Masse schützt. So jubelt jeder bei einem Tor oder weint wenn seine Mannschaft verliert. Die Hemmungen fallen, was natürlich auch eine negative Seite mit sich bringt. Die Masse und das Fest bieten einen Raum der Anarchie. Sittengesetze gelten hier nicht mehr. Oberflächlich kann ich die Sau raus lassen und all meine Aggressionen in der Öffentlichkeit ausleben. Die emotionale Erregung ist riesig und Dinge werden im Rausch des Festes gesagt oder getan, die im wirklichen Leben peinlich wären. Um diese Gefahr zu bannen, sind ständig Polizisten oder Securyties vor Ort, die sogar schon im kleinen Horn ihre Festrunden drehen. Das Fest schafft also Probleme und was sicher noch wichtiger ist Gesprächstoff, um der täglichen Langeweile zu entfliehen.

Ich hoffe größere Ausschreitungen bleiben uns erspart und alle Fans gehören der oben beschriebenen friedlichen Festmasse an.


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