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14.10.2008
Flut
iamx (13 Beiträge online)
Meine Gedankengespinste eröffnen mir täglich wunderbare Fantasiewelten, die mir helfen den Alltag zu bewältigen... Hier ist eine Plattform, wo der Leser in meine Verwirrung eintauchen kann.

eZine von Liesa Roithner

iamx - Flut

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iamx - Flut - Lukas- Der Verschwommene
Bildquelle: Lukas- Der Verschwommene

Die Haare in seinem Ohr sträuben sich. Ruhe bewahren und versuchen weiterzukommen. Ein Schritt nach vorne lässt ihn an ein Kleinkind stoßen. Hinter ihm eine dreibeinige alte Dame mit Stock und seitlich lauern grimmige Riesen, deren Gesicht höchste Gewaltbereitschaft symbolisiert. Die Menge drückt. Eingekeilt zwischen Tausenden muss er versuchen die Alten und schwachen nicht zu verletzten. Der Boden fühlt sich weich an. Aufgelöst vom Regen bildet die Erde zähen Schlamm. Schuhe und andere Utensilien schwimmen darin, ohne in eine bestimmte Richtung zu treiben. Der Abhang ist steil, doch der Schlamm lässt seine Opfer nicht so leicht los. Komme lieber nicht zum stillstand, sonst gibt dich der natürliche Zement nicht mehr frei. Wohin? In welche Richtung soll er gehen? Die Entscheidung wird nicht leichter. Das Kind schreit bereits in einer höheren Stimmlage als der Rest der Horde. Seine Ohren pochen, er hört seinen eigenen Puls immer langsamer werden. Er versucht seine Hände zu seinem unauschaltbaren Sinnesorgan zu führen. Die grimmigen Nachbarn, die mittlerweile einen Schraubstock bilden, klemmen ihn ein, sodass sein Brustkorb immer mehr unter Druck gerät. Er kann das Kind zur Seite drücken, kommt es dabei zu Sturz, kann ihm niemand mehr helfen und es wird im Schlamm ertrinken. Innere Wärme steigt auf. Körper reiben aneinander und Kühlung kann sich der Körper nur noch durch heftiges schwitzen beschaffen. Die Kleidungstücke kleben auf der Haut, seine Ohren glühen, bald muss ich ihn verlassen, ich halte seine Hitze nicht mehr aus. Sein Schweißtropfen fällt auf meine Stirn. Wir beide müssen hier raus. Ich flüstere ihm ins Ohr: „ Nimm das Kind auf deine Schultern, quetsche dich durch die entstanden Lücke und springe über den Zaun“. Sein Kopf wippt auf und ab, ein letzter Blick auf die scharrende Masse hinter ihm. Sie bewegt sich wellenartig auf ihn zu. Er schwankt wie ein Matrose auf hoher See. Doch der konnte wenn er in Gefahr ist wenigstens ins offene Meer springen. Das Meer hinter ihm tobt, die Leute krähen, schreien und quietschen. Schweine versunken im Schlamm würden sich zivilisierter benehmen. Eine Welle kann er noch schlucken, dann ist es Zeit die Zone zu verlassen. Das Kind steht nun ruhig vor ihm. Seine dunklen Locken ziehen sich von der Nässe wie Regenwürmer auf seinem Kopf. Es ist an der Zeit. Nimm das Kind. Ich verlasse sein Ohr. Der Hormonschub richtet ihn wieder auf. Mindestens 10 Zentimeter an Körpergröße ist er gewachsen. Dem Riesen zu seiner Linken rammt er mit voller kraft seinen Ellenbogen in die Rippen. Der Schwächling fällt zu Boden und inhaliert die nasse Erde. Der Andere zu groß gewordene Mensch verzieht sein Gesicht. Es zeigt Kampfbereitschaft. Der Kampf groß gegen klein kann beginnen. Was der Riese noch nicht weiß, er wird in der ersten Runde K.O gehen. Ein ungeschriebenes Gesetz in der David und Goliath Forschung. Flink wie der vermeintlich kleinere Gegner ist, schlüpft er durch die Beine des Übermächtigen Gegners zieht diese weg und der Riese kommt zu Fall. Mit all seiner Körperfülle fällt er auf seinen Schlamm inhalierenden Kollegen, dessen Gesicht nun endgültig nur noch durch Lustblasen gefunden werden kann. Das Gefühl des Sieges kann er nicht lange genießen, die menge hinter ihm Jubelt ihm nicht zu. Nein, sie kämpfen um jeden Zentimeter ihres Platzes. Die ersten Menschen klettern auf die im Boden liegenden Riesen, die aussehen wie hässliche Steine. „So nimm doch das Kind!“ mehr kann ich ihn nicht sagen. Alles kann ich nicht für diesen Menschen übernehmen. Ich beschreibe ihm den Ausweg, verursache einen Adrenalinkick und er zögert nur. Auch ich bin nicht unsterblich, ich verschwinde. Meine Flügelchen breiten sich aus und ich setzte zum Abflug an. In ein paar Metern Höhe blicke ich ein letztes Mal zurück in der Hoffnung, dass er meinen Rat befolgt hat. Siehe da, ich sehe eine Menschenmasse zu einem Knäuel zusammengerauft und auf der anderen Seite des Zaun einen Mann mit einem Regewurmkind auf der Schulter. Eine schwere Geburt für diesen Mann.


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