
eZine von Liesa Roithner
iamx - Fühlen
Bildquelle: Lukas- Natur
Ich liege am Boden, kleine Steinchen bohren sich in meinen Rücken und der Körper gibt mir das Signal mich endlich vom Fleck zu bewegen. Mein Verstand, gleich einem Flaschegeist auf der ewigen Suche nach Freiheit, führt jedoch seine persönliche Revolte gegen das Gefängnis, gegen diesen wunderbaren Behälter der Organe, in dem er leben muss, nein sogar stirbt. Eine Abhängigkeit, ein Kampf, ein Schicksal. Der Krieg ist aller Dinge Ursprung. Der Gegensatz ist das Notwendige Übel, um zu überleben. Wieso Übel? Weil ich hier liege, seit Stunden und zu keiner Regung fähig bin. Das Gras wächst langsam um mein Beine und Arme herum. Gefesselt und zu Boden gedrückt lässt mich die Stille der Natur fühlen, sehen, sogar wieder hören. Ich höre die Stille. Sie lässt mich den kühnsten Windhauch, das Rauschen des gräsernen Wellenmeers, in dem ich zu versinken drohe, wahrnehmen. Die Wogen werden mit jedem Windstoß größer und spülen meine gefühllose Hülle hinweg. Mein Blickfeld wird von dünnen und feinen Grashalmen eingeengt. Ich schließe meine Augen und sehe trotzdem klarer als je zuvor, denn ich spüre die Natur, ich fühle sie. Eingebettet in der warmen Erde eröffnet sich mir ein Horizont, der weiter reicht als der unendlich strahlende Himmel. Mein Körper vom Moos und Gras überwuchert, versteinert langsam im Kreislauf der Natur. Käfer krabbeln behutsam auf meiner Brust und vernehmen die letzten schwachen Atemzüge meiner Lunge. Zufriedenheit erfüllt mein ganzes Wesen und ich werde starr. Jetzt gehöre ich ihnen. Mein Geist verlässt den Körper als Sieger im ewigen Krieg der Gegensätze.
am 03.06.2008 22:06
(6) Kommentare zum Beitrag "Fühlen"
RE: Fühlen
Sie überlässt ihren Körper Gott.
Und wird zu Ihm im Geiste.
geschrieben von iskarioth am 04.06.2008 20:51
RE: Fühlen
Sie überlässt ihren Körper der Natur und wird eins mit ihr.
Ob nun Gott die Natur ist, ist die große Frage. Sehr wohl ist er ihr Schöpfer, wie wir alle seit unserem Kindesalter lernen. Ich jedoch bin noch immer/ schonwieder Skeptikerin.
Ich gebe zu, dass die Stelle ” Eingebettet in der warmen Erde, eröffnet sich mir ein Horizont, der weiter reicht als der unendlich strahlende Himmel” eine paradiesische Assoziation zum Garten Eden anbietet. Sollte es aber nicht sein.
geschrieben von Liesa Roithner am 04.06.2008 21:52
RE: Fühlen
„Gegen“ Assoziationen kann man nichts machen – sie assoziieren eben. Ob man etwas „für“ Assoziationen machen kann, ist ein Thema, mit dem ich mich beständig herumplage (Louis Pasteur, Mikrobiologe, Mediziner und trotzdem recht gescheit, sagte einmal: Assoziationen treffen stets auf einen vorbereiteten Geist). Alfred Rhomberg
geschrieben von Alfred Rhomberg am 05.06.2008 13:07
RE: Fühlen
Ich hab mehr den Sieg des Geists gemeint. In welcher Verbindung Gott und Natur stehen, war zwar nicht gemeint, ist aber ein einen anspringender Gedanke. Ich glaube in beiden Fällen trägt man eine gewisse Verantwortung, Pflicht gegenüber dieser/diesem.
Die Paradies-Assoziation gefällt mir, denn wenn ich hier im Alltagsleben das Fegefeuer erlebe, darf es auch diese Augenblicke geben, wo ich im Gras liege, die Wolken betrachte und mit mir und der Welt kurz im Reinen bin, mich an der Fülle des Lebens ergötzen kann! Diese “Visionen” von Eden mach Leben lebenswert. Deswegen bin ich hier.
geschrieben von iskarioth am 05.06.2008 17:53
RE: Fühlen
Lieber Herr Rohmberg,
Ich danke Ihnen herzlich für Ihren Beitrag, der mich sehr nachdenklich gestimmt hat.
Assoziationen, oft als Last angesehen, sollten wirklich aus dem positiven Standpunkt betrachtet werden. Wie Sie richtig angemerkt haben, kann eine Verknüpfung nur mit bereits vorhandenen Wissen erschaffen werden.
Assoziationen sind die Vermengung der Gedanken des Lesers und des Autors. Im Grunde kann ich nur auf dieser Ebene den Leser ansprechen und berühren. Gegen eine falsche Auslegung kann ich nichts tun und ein vollständiges Textverständnis ist, wie es in der Literaturtheorie bereits treffend formuliert wurde, sowieso nicht möglich. Lieber eine Missinterpreation( falls es sowas überhaupt gibt) als gar keine.
Was man “für” Assoziationen machen kann ist wirklich ein schweres Gebiet. Sie sind mit Sicherheit vom neurologischen Standpunkt( leider nicht mein Spezialgebiet, aber Sie können mir sicher weiterhelfen) unvermeidbar. Ich denke, dass man sie nicht leiten kann. Viele Assoziationen sind mit Sicherheit automatisch gelernte Verbindungen. Aber der Variantenreichtum neuer Gedanken ist eine Bereicherung für uns alle.
geschrieben von Liesa Roithner am 06.06.2008 12:48
RE: Fühlen
Lieber Iskarioth,
Der Geist ist mir Sicherheit der Sieger, auch wenn wir seinen Sieg niemals wahrnehmen können. Eigentlich macht der Dualismus zwischen Geist und Körper das Leben aus. Aber diese “Weisheit” ist uns allen von klein auf bekannt und sowieso schon oft diskutiert worden. Ich denke jedoch, dass
im der Natur der Geist seine Offenbarung ( um im christlichen Jargon zu bleiben) finden kann.
Die Verbinung zwischen Gott und Natur war ein Gedanke, den ich hinzugefügt habe, weil er mich schon lange beschäftigt.
Im Prinzip ist die Natur von Gott erschaffen. Bedeutet das nun, dass er ist Natur ist, oder nur ein “Teil” von ihr.
Mit Sicherheit ist die Paradies- Assoziation eine wunderbare,dennoch führt sie hier eigentlich zum Tod, der eine Art Erfüllung ist. Es ist ein sanftes Gleiten in den Naturzustand. Wahrscheinlich ist dieser Text eine persönliche Antwort auf meinen Trieb ein leider unmögliches Einsiedlerdasein im Nirgendwo zu führen. Wenn du die Welt und den Alltag als Fegefeuer bezeichnest, kannst diesen Wunsch sicher nachempfinden.
geschrieben von Liesa Roithner am 06.06.2008 13:01
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Sie überlässt ihren Körper Gott. Und wird zu Ihm im Geiste.
Sie überlässt ihren Körper der Natur und wird eins mit ihr. Ob nun Gott die Natur ist, ist die große Frage. Sehr wohl ist er ihr Schöpfer, wie wir alle seit unserem Kindesalter lernen. Ich jedoch bin noch immer/ schonwieder Skeptikerin. Ich gebe zu, dass die Stelle ” Eingebettet in der warmen Erde, eröffnet sich mir ein Horizont, der weiter reicht als der unendlich strahlende Himmel” eine paradiesische Assoziation zum Garten Eden anbietet. Sollte es aber nicht sein.
„Gegen“ Assoziationen kann man nichts machen – sie assoziieren eben. Ob man etwas „für“ Assoziationen machen kann, ist ein Thema, mit dem ich mich beständig herumplage (Louis Pasteur, Mikrobiologe, Mediziner und trotzdem recht gescheit, sagte einmal: Assoziationen treffen stets auf einen vorbereiteten Geist). Alfred Rhomberg
Ich hab mehr den Sieg des Geists gemeint. In welcher Verbindung Gott und Natur stehen, war zwar nicht gemeint, ist aber ein einen anspringender Gedanke. Ich glaube in beiden Fällen trägt man eine gewisse Verantwortung, Pflicht gegenüber dieser/diesem. Die Paradies-Assoziation gefällt mir, denn wenn ich hier im Alltagsleben das Fegefeuer erlebe, darf es auch diese Augenblicke geben, wo ich im Gras liege, die Wolken betrachte und mit mir und der Welt kurz im Reinen bin, mich an der Fülle des Lebens ergötzen kann! Diese “Visionen” von Eden mach Leben lebenswert. Deswegen bin ich hier.
Lieber Herr Rohmberg, Ich danke Ihnen herzlich für Ihren Beitrag, der mich sehr nachdenklich gestimmt hat. Assoziationen, oft als Last angesehen, sollten wirklich aus dem positiven Standpunkt betrachtet werden. Wie Sie richtig angemerkt haben, kann eine Verknüpfung nur mit bereits vorhandenen Wissen erschaffen werden. Assoziationen sind die Vermengung der Gedanken des Lesers und des Autors. Im Grunde kann ich nur auf dieser Ebene den Leser ansprechen und berühren. Gegen eine falsche Auslegung kann ich nichts tun und ein vollständiges Textverständnis ist, wie es in der Literaturtheorie bereits treffend formuliert wurde, sowieso nicht möglich. Lieber eine Missinterpreation( falls es sowas überhaupt gibt) als gar keine. Was man “für” Assoziationen machen kann ist wirklich ein schweres Gebiet. Sie sind mit Sicherheit vom neurologischen Standpunkt( leider nicht mein Spezialgebiet, aber Sie können mir sicher weiterhelfen) unvermeidbar. Ich denke, dass man sie nicht leiten kann. Viele Assoziationen sind mit Sicherheit automatisch gelernte Verbindungen. Aber der Variantenreichtum neuer Gedanken ist eine Bereicherung für uns alle.
Lieber Iskarioth,
Der Geist ist mir Sicherheit der Sieger, auch wenn wir seinen Sieg niemals wahrnehmen können. Eigentlich macht der Dualismus zwischen Geist und Körper das Leben aus. Aber diese “Weisheit” ist uns allen von klein auf bekannt und sowieso schon oft diskutiert worden. Ich denke jedoch, dass im der Natur der Geist seine Offenbarung ( um im christlichen Jargon zu bleiben) finden kann. Die Verbinung zwischen Gott und Natur war ein Gedanke, den ich hinzugefügt habe, weil er mich schon lange beschäftigt. Im Prinzip ist die Natur von Gott erschaffen. Bedeutet das nun, dass er ist Natur ist, oder nur ein “Teil” von ihr.
Mit Sicherheit ist die Paradies- Assoziation eine wunderbare,dennoch führt sie hier eigentlich zum Tod, der eine Art Erfüllung ist. Es ist ein sanftes Gleiten in den Naturzustand. Wahrscheinlich ist dieser Text eine persönliche Antwort auf meinen Trieb ein leider unmögliches Einsiedlerdasein im Nirgendwo zu führen. Wenn du die Welt und den Alltag als Fegefeuer bezeichnest, kannst diesen Wunsch sicher nachempfinden.




