
eZine von Liesa Roithner
iamx - Schabe, eine Variation
Bildquelle: iamx - Waschmitteldünste
Schade, dachte die Küchenschabe, als sie von einem riesigen Schuh, in dessen Hartgummiprofil kleine schmerzhafte Steinchen eingekeilt waren, zertreten wurde.
Siegessicher tanzten die restlichen Beine der Monstertreter, erfreut das wehrlose Insekt mit ganzem Körpereinsatz in den Boden gestampft zu haben, über den Leichnam der Schabe hinweg. Das letzte Zucken der kleinen Beinchen erregte kein Mitleid mehr in den hasserfüllten Augen des großen Zerstörers. Die Schuhe, mit der Wildlederoberfläche, liefen zu seinen rot glänzenden Ehestöckeschuhen, die erleichtert vom Küchentisch herabsteigen. Aus den blitzblauen und eiskalten Augen der Stöckelschuhbesitzerin löste sich ein funkelndes Sternchen und schwebte dem großen Insektenmörder entgegen. Als das glitzernde zackige Sternchen seine Nasenspitze erreichte, zerplatzte es und ein kleines Feuerwerk begann in den prächtigsten Farben der geputzten Küche zu schillern.
Seifenblasengrün vermischte sich mit dem ölig glänzenden Blassrosa und zusammen bildeten sie den in allen Farben des Prismas erstrahlenden Regenbogen unter dem sich das Schuhehepaar siegreich, dennoch schüchtern, küsste. Ihr Triumphbogen erstrahlte wie der Heiligenschein Marias über ihren antiken Büsten.
Doch tot geglaubte leben länger. Abgelenkt von ihrer wilden Leidenschaft und den halluzinogenen Putzmitteldünsten verloren die Cäsaren die Schabe aus den Augen. Die kleine Schabe drehte sich gekonnt mit einem zweifachen Salto um, nahm eines ihrer Beinchen in den Mund, blies kräftig in ihre eigenen Backen und schon formte sich ihr zerquetschter Körper wieder zu einem dreidimensionalen flachen Ei. Die verschmitzten braunen Augen sahen wieder durch das gewohnte Fliegenmosaik und das robuste Insekt suchte die eine kleine verschimmelte Öffnung, die noch nie von der Übermacht der Chemie verätzt wurde, unter dem Kühlschrank auf. Vor der dritten weißen Fliese rechts unten, nahm die Schabe vollen Anlauf und warf ihren Körper dreimal gegen die kühle glitzernde Wand.
Der Schrei: „Parole“, erreichte abgedämpft ihre Ohren.
Das Insekt räusperte sich kurz und schon begann es zu singen:
- “Wir krabbeln, kriechen und das sehr tapfer
Im Kampf mit den großen schlagen wir uns wacker.
- Sieger, das sind wir,
Mit Kling und Klang und Klung
Bleiben wir die Sieger,
nur warum?”
Das Fliesentor öffnete sich mit scharrenden Geräuschen.
Die Schabe betrat im flotten Krabbelschritt das Hauptquartier, das aus einem gigantischen unterirdischen Tunnelsystem bestand. Erst links, dann rechts, dann vorwärts hinein und schon hörte das leidende Ungeziefer das Geschrei der Mutter Oberin: “Und sind die da oben wieder zusammen?”
Die mutige Schabe nickte und murmelte in ihr dünnes Fäustchen: “Ja… Ich habs aber satt, dass alle auf mir herumtrampeln, nur um ihr eigenes Wohlbefinden wieder zu erlangen!”
am 20.05.2008 14:07
(2) Kommentare zum Beitrag "Schabe, eine Variation"
RE: Schabe, eine Variation
Dieser Beitrag ist so mit Fantasie gefüllt, dass man Angst hat, die Fantasieblase könne platzen, bevor man den Beitrag zu Ende gelesen hat. Gott sei Dank ist sie nicht geplatzt und es besteht die Hoffnung auf weitere solche Gedankenkaskaden.
(Igler Reflexe)
geschrieben von Alfred Rhomberg am 21.05.2008 01:56
RE: Schabe, eine Variation
Lieber Herr Rhomberg.
Ich bin sehr erfreut, dass meine Texte auch abseits des Horn-Blogs gelesen werden und bedanke mich herzlich für diesen positiven Kommentar zu meiner modernen Fabel.
Und keine Angst ich versuche der Realität so weit es geht auszuweichen, um in meiner Fantasiewelt weiter leben zu können… es werden mit Sicherheit noch viele derartige Texte veröffentlicht.
geschrieben von Liesa Roithner am 22.05.2008 21:01
Neuer Kommentar
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Dieser Beitrag ist so mit Fantasie gefüllt, dass man Angst hat, die Fantasieblase könne platzen, bevor man den Beitrag zu Ende gelesen hat. Gott sei Dank ist sie nicht geplatzt und es besteht die Hoffnung auf weitere solche Gedankenkaskaden. (Igler Reflexe)
Lieber Herr Rhomberg. Ich bin sehr erfreut, dass meine Texte auch abseits des Horn-Blogs gelesen werden und bedanke mich herzlich für diesen positiven Kommentar zu meiner modernen Fabel. Und keine Angst ich versuche der Realität so weit es geht auszuweichen, um in meiner Fantasiewelt weiter leben zu können… es werden mit Sicherheit noch viele derartige Texte veröffentlicht.




