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24.07.2008
Mentales Training in der Kam...
Kampfsport (17 Beiträge online)
Artikel zum Thema Kampfkunst, Kampfsport und allem, was damit auch nur im Entferntesten zu tun haben könnte.

eZine von Martin Unger

Kampfsport: Mentales Training in der Kampfkunst

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Bildquelle: www.karikatur-cartoon.de/cartoons/meditation.jpg

Hallo Leute ! Hier ein Teil meiner NLP Master Arbeit zum Thema. Für Schleimereien bei meiner Lehrerin möchte ich mich gleich jetzt entschuldigen. Ich war jung und wußte nicht was ich tat.

Mentales Training im Sport mit Schwerpunkt auf die Kampfkünste:

Für jeden Sportler der ehrgeizig genug ist , um überdurchschnittliche Leistungen erbringen zu wollen, oder auch jene die den effektivsten Weg suchen ihre Sportlichen Ziele zu erreichen , ist mentales Training unverzichtbar und bringt eine Vielzahl von Verbesserungsmöglichkeiten.

Nachdem ich jetzt seit einigen Wochen mentales Training gezielt betreibe ,um mich in „ meinem Sport“ schneller weiterzuentwickeln, bin ich ,obwohl ich dieser Trainingsmethode immer ihre Berechtigung zugestanden habe angenehm überrascht von den Ergebnissen. Natürlich sind diese meine Ergebnisse schwer objektiv zu erfassen und zu bewerten, mein Gefühl sagt mir aber am richtigen Weg zu sein. Komplimente von Trainingskollegen sowie der Lernfortschritt neue Bewegungsabläufe betreffend bzw. bei der Verbesserung alter Bewegungsmuster haben mich von der Wirksamkeit eines Mentaltrainings restlos überzeugt.

Nun gilt es die Möglichkeiten meinen Bedürfnissen entsprechend optimal zu nutzen. Da ich in meiner „Sportart- Wing Chun“ mit äußerst komplexen hochkoordinativen Bewegungsabläufen konfrontiert bin, die permanent verfeinert werden ,um dann von noch anspruchsvolleren Bewegungen ersetzt zu werden habe ich einen Schwerpunkt auf erlernen ,festigen, verstehen und perfektionieren von Bewegungen gelegt.

Ich arbeite in diesem Bereich in erster Linie mit Visualisierungen. Anregungen und Wissen habe ich mir aus einschlägiger Fachliteratur erarbeitet. Die beigefügte Power Point Präsentation gibt einen kurzen Überblick über die bekanntesten allgemein anerkannten Möglichkeiten mental zu trainieren und Ideen von mir dazu. Natürlich eignen sich auch auf diesem Gebiet NLP Techniken richtig eingesetzt hervorragend.

Ich meine , NLP Techniken können sinnvoll als Ergänzung und zur Verfeinerung bereits bestehender, erprobter Mentaltrainingskonzepte eingesetzt werden. Für mich haben sich bislang folgende NLP Techniken , Konzepte als gut anwendbar erwiesen. Zielformulierung: So wie sich Trainingspläne, die teilweise für Jahre im Voraus konzipiert werden für das rein körperliche Training eignen, sehe ich die Zielformulierung als geeignetes Äquivalent im mentalen Bereich. Das Definieren (wie geht es am Besten?,was genau möchte ich erreichen?) und Hinterfragen seiner Ziele (will ich das wirklich?, auf welche Lebensbereiche wirkt sich das aus..?) stellen weitestgehend sicher erfolgreich das tun zu können was man tun möchte.

Ankertechnik: Für jeden Sportler in jeder Situation sinnvoll verwendbar. ZB: Mut , Gelassenheit, Konzentration, Entschlossenheit, Entspannung…FLOW… Im Wing Chun/Yong Chun wird in den ersten beiden Schülerprogrammen die Technik des Ankerns gelehrt, um Schülern im Falle einer Notwehrsituation einerseits die Schlaghemmung zu nehmen, ihm Mut und Entschlossenheit zu geben ( für alle Pazifisten- to be kind to your enemy is to be cruel to yourself- soll heißen: Im Falle einer Notwehrsituation ist meist nur mehr Gewaltanwendung die einzige Möglichkeit zur Rettung oder dem Erhalt der eigenen Gesundheit: Wer sich lieber umbringen, verprügeln oder vergewaltigen lassen will ohne auch nur den Versuch gemacht zu haben sich seiner Haut zu wehren verdient es Idiot genannt zu werden! Hier ruht XY: Er/sie war ein Idiot.), andererseits ,um den Gegner für die Sekundenbruchteile die man für einen wirksamen Angriff benötigt zu verwirren. Beispiel: „Wann kommt denn der Bus?“ Bus= Ankerwort= Schlag! (Ich verwende unter anderem einen visuellen Anker für Explosivität indem ich mir eine Explosion vorstelle.)

Submodalitäten: Hervorragend geeignet , um noch effektiver visualisieren zu können. Ankern um Zugang zum optimalen State zu erleichtern bzw. zu induzieren. Siehe: 1.Selbstversuch 2.Flow in dieser Projektarbeit. Modellieren: Immer wenn jemand etwas gut macht, das man selber erlernen möchte. Modellieren bietet viele Möglichkeiten und Denkanstöße. Asiatische Kampfkünste nutzten schon seit Jahrtausenden diese Technik.

Eine Vielzahl von Kung Fu Stilen ist nach Tieren benannt. Diese Stile wurden durch Beobachtung von Tieren entwickelt bzw. verfeinert. Man gewann Anregungen und Ideen durch Tierbeobachtungen und versuchte deren Bewegungen auf den Menschen zu adaptieren. Wing chun wurde der Legende nach von einer Frau entwickelt ,die durch einen Kampf zwischen einem Fuchs und einem Kranich inspiriert wurde. Die bekanntesten Tierstile sind: Tiger, Kranich, Drache, Adler, Affe, Leopard und Gottesanbeterin1.

Der Kämpfer ist angehalten während des Übens und Kämpfens sich ganz in das jeweilige Tier hineinzuversetzen um maximale Leistung entfalten zu können. Eine klassische Mobilisationstechnik. In der Sportpsychologie unter „tun als ob“ bekannt, um durch Identifikation mit einem Vorbild zur Höchstform anzulaufen.

Rollenspiel im Wing Chun/Yong Chun: Im Zuge des WT Unterrichts werden immer wieder Bedrohungssituationen und das richtig Verhalten durchgespielt: Unterschieden wird zwischen: Bedrohungssituation: Wie kann man mögliche Auseinandersetzungen vermeiden? Worauf ist im Vorfeld zu achten. Körpersprache- Grenzen ziehen. Der Autor hat auf die provokante Frage seines Lehrers. „Wieso schaust denn so blöd, bist schwul oder was?“ seinerzeit blitzschnell gegenargumentiert:“Aber i schau ja gar net blöd.“-Was mich im Ernstfall sicher in weitere Probleme gebracht hätte. Vorkampfsituation: Wie verhalte ich mich notwehrgerecht? Sichern von Zeugen. Zurückgehen wenn Gegner folgt steht dessen Angriff unmittelbar bevor.=> Notwehr! Kampf: Ankerwort, 1-2 Schläge sonst Notwehrüberschreitung!

Pattern Modelling: Herausfinden der Denkmuster, Werte ,Ziele und Strategien einer Person. Abkupfern der Erfolgsstrategien anderer.(siehe Modelling) Arbeiten mit Glaubenssätzen: Was glaube ich ? Was möchte ich glauben , um meine Ziele realisieren zu können? Paralellen in der Kampfkunst: Die japanischen Samurai waren angehalten sich bereits als tot zu betrachten und diesen im Kampf geradezu zu suchen:

Ich habe herausgefunden: Bushido, der Weg des Kriegers liegt im Sterben. Wird man mit zwei Alternativen konfrontiert, Leben und Tod, soll man ohne Zögern den Tod wählen. Wenn einige behaupten : „ Ein Tod ohne seine Bestimmung erlangt zu haben sei ein sinnloser Tod; so ist das eine berechnende Art zu denken…..wenn man überlebt ohne ein gerechtes Ende erlangt zu haben ist man ein Feigling..solange man den Tod wählt auch ohne sein Ziel erreicht zu haben ist man frei von Schande.. Aus HAGAKURE: Der Weg des Samurai.

Derart motivierte Kämpfer waren ganz im Sinne der damals herrschenden Fürsten die einander über Jahrzehnte bekämpften. Erst ein tief verwurzelter Glaube über ihre Bestimmung machte sie zu dem was sie waren.

Trance, Strategien:

Miyamoto Musashi der wohl bekannteste Samurai überhaupt berichtet von einem Zustand des „Rausches“ im Kampf in dem ein Kämpfer selbst von einer großen zahlen mäßigen Ubermacht nicht oder nur äußerst schwer zu besiegen ist. Der beschriebene Zustand erinnert erinnert sehr an den FLOW, einen heute in der Sportwissenschaft oft genannten Zustand optimaler Leistungsentfaltung in dem auch nahezu Unmögliches möglich wird. Im Wing Chun wird seine Strategie im Kampf mit mehreren Gegnern angewandt. (Gegner hintereinander aufreihen, immer den nächsten bekämpfen, während die anderen einander im Weg stehen und sich gegenseitig behindern.)

Im Wing Chun/Yong Chun wurden 4 Strategien formuliert mit der Kraft umzugehen:

  • 1. Löse dich von deiner eigenen Kraft
  • 2. Löse dich von der Kraft deines Gegners.
  • 3. Nutze die Kraft des Gegners gegen ihn selbst.
  • 4. Füge der gegnerischen Kraft die eigene hinzu.

Natürlich muß man nicht unbedingt kämpfen, um diese Strategien anwenden zu können, allerdings fällt es dann leichter sie zu verstehen und im Leben umzusetzen und das ist genau der Punkt wo Kampfkunst und Philosophie Eins wird.

Meine persönlichen Erfahrungen mit Mentaltraining im Wing Chun/Yong Chun:

Ich übe diese Kampfkunst nun seit drei Jahren aus, trainiere nahezu täglich und versuche permanent mich, meine Technik, mein Training zu verbessern. Nun nachdem ich systematisch an meinen Reflexen, meiner Grundtechnik, Schrittarbeit, technischem Repertoire… gearbeitet habe und weiter arbeite, habe ich animiert durch meine NLP Erfahrungen und persönliches Interesse begonnen mentale Trainingsstrategien für mich zu entwerfen und umzusetzen.

Dafür gibt es eine Vielzahl von Gründen:

Gerade im Wing Chun/Yong Chun, das eine absolut effektive und unglaublich durchdachte Kampfkunst ist, ist Mitdenken gefragt. So entdecke ich jeden Tag Neues auch und gerade in altbekannten Bewegungen. Es heißt 1/3 des Wissens kommt vom Lehrer durch Erklärungen , 1/3 durch Beobachtung und das restliche Drittel durch nachdenken. Grundvoraussetzung um überhaupt über etwas nachdenken zu können ist eine Frage die es zu beantworten gilt. Die Frage auf die man nicht kommt kann nie beantwortet werden. Im Rahmen meines Visualisierungstrainings stellen sich immer wieder neue Fragen und ich merke immer wieder wie wenig Vorstellung geschweige denn Verständnis ich für viele Bewegungen habe. Das ist eigentlich „nur“ ein unerwarteter Nebeneffekt im Rahmen des Mentaltrainings.

Wunderbar ist es durch mentales Training Bewegungsmuster einzuschleifen und zu festigen. (in der Fachliteratur Carpenter Effekt genannt) Ich nutzte diese Möglichkeit mehrmals am Tag für mich.Das ist von besonderem Vorteil, wenn einmal kein Trainingspartner verfügbar ist mit dem ich meine Bewegungen üben kann. Je weiter ich im Wing Chun/Yong Chun komme desto geringer wird die Zahl derer mit denen man seine Stoff üben kann- was die Trainingszeit (der höheren Techniken) bei vielen meiner Kollegen um bis zu ¾ reduziert! Naturgemäß dauert es dann viel länger voranzukommen! Mit Visualisierungen kann ich das weitgehend wettmachen! Außerdem stelle ich mir im Training kurz vor und nach der Bewegungsausführung den Bewegungsablauf genau vor. Davon verspreche ich mir einen gesteigerten Trainingseffekt indem ich visualisieren und konventionelles Training verbinde. Ein weitere Grund ist die Anzahl der Bewegungswiederholungen, die ich durch Visualisierungen locker verdoppeln kann. Wiederholungen in der Vorstellung sind meines Erachtens genauso effektiv wie tatsächlich ausgeführt, wenn man sie neben dem konventionellen Training macht und sicherstellt eine korrekte Bewegungsausführung eingespeichert zu haben. Untersuchungen haben ergeben, daß eine Kombination von konventionellem Training und mentalem zu den besten Ergebnissen führt.

Bei körperlicher Erschöpfung, wenn es nicht mehr sinnvoll sondern sogar kontraproduktiv ist körperlich zu trainieren kann man immer noch sinnvoll in seiner Vorstellung üben. Durch die NLP Kurse ist mir noch stärker bewußt geworden wie sehr die Psyche auf die Leistungsfähigkeit Einfluß hat. Immer wieder fällt mir auf, wie Trainingspartner sich mit Selbstkritik fertig machen oder nach Fehlern in Resignation verfallen. Wenn mir einer erklärt: „Ich kann das nicht!“ ist meine Antwort: „Rede dir nichts ein – reine Übungssache!“ Alles eine Frage des Glaubens. Solange ein Fehler nicht tödlich ist, ist er eine Orientierungshilfe und ein Wegweiser Richtung Perfektion, so sehe ich die Sache. In so einem Fall kann man positive Anker nutzen oder sein inneres Bild der Situation mit erfolgfördernden Submodalitäten anreichern, refraimen oder gar an sinnvollen Glaubenssätzen arbeiten.

Mittlerweile haben schon mehrere Freunde meine Anregungen aufgenommen und fragen mich, wie sie dies oder das üben können. Wenn ich mich durch mein Können noch weiter abhebe wird die „Nachfrage“ sicherlich noch weiter steigen (mit Spitznamen der Professor oder Mr. Mental muß ich sowieso schon leben).

Ich bin mir sicher, daß es möglich ist, wenn es ich mit meinem Eigenkönnen untermauern kann, einige Leute an einem Coaching Interesse haben werden. Bis ich das angehe werde ich mir allerdings noch Zeit lassen.

Die Zukunft:

Ich werde mich weiterhin mit Mentalem Training im Wing Chun/Yong Chun befassen. Generiere immer wieder neue Ideen , die ich dann im Selbstversuch teste. Sicherlich wäre es sinnvoll eigene Formate zu entwickeln. ZB. Im Bereich: Erlernen neuer Bewegungsabläufe und –Muster ist es sicherlich sehr sinnvoll einen Standart zu entwickeln.

  • 1. Wie, in welchem Zustand gehe ich an die Sache heran?
  • 2. Von der grobmotorischen zur feinmotorischen Bewegung.
  • 3. Worauf muß ich besonders achten?
  • 4. Was soll ich mir beim Erlernen der Bewegung denken? (In höchsten Yong Chun Kreisen wird beim chi sao (ein hochtechnisches Reflextraining) der gerade angesprochene Muskel visualisiert!)
  • 5. Welche Fragen sollte ich mir stellen um Verständnis für die Bewegung zu entwickeln? Hier gibt es gewisse Grundgesetze, die universell auf alle Arten von Bewegungen adaptierbar sind!
  • 6. Welche Bewegungsgeschwindigkeit soll ich verwenden, um optimal zu lernen?
  • · Eine weitere Idee ist mittels geeigneter Submodalitäten und Ankern den Zugang zum FLOW Zustand zu erleichtern oder ihn im Idealfall sogar abrufen zu können.
  • · Arbeiten mit slow und fast time, um eigene Bewegungsgeschwindigkeit zu erhöhen. (siehe auch Flow)

Ich bin der Meinung, daß ich das Wissen, das ich aus Theorie und eigener Erfahrung entwickle auch auf verschiedenste Sportarten adaptieren kann. Nur wer aus eigener Erfahrung sprechen kann ist wirklich glaubwürdig und kann überzeugen darum werde ich mir noch einige Zeit lassen, um mein Wissen unter die Leute zu bringen.

Sollten die Dinge (Milton – kunstvolles vages Sprechen) sich so entwickeln wie ich es mir vorstelle (und wofür ich auch arbeite) werde ich sicherlich in nicht allzuferner Zeit in Coachings mein Wissen und meine Hilfe anbieten (weil ich absolut davon überzeugt bin großes Potential in diesem Bereich zu haben und es einfach sau gern machen möchte).

Große Weisheit macht sicher und frei,
kleine Weisheit ist Tyrannei.
Große Rede: Glänzende Pracht.
Kleine Rede nur Worte macht.

Dschuang Dsi


1 Ein Scherzkeks hat sich den Stil des betrunkenen Affen erdacht. Die Formen und Kampfanendungen gehen von der niedrigsten – angeheitert bis zur höchsten Stufe – volltrunken – in dieser Phase befindet sich der Meister mehr auf allen Vieren als auf seinen Beinen.


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