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eZine von Redaktion Kultur
Kultur, Medien, Religion - Empfehlung für Lebensqualität I: kein ORF-Fernsehen
Bildquelle: www.tv-testbild.com - ORF-Testbild als Symbol für Inhaltsleere
Nachdem die Generaldirektorin des österreichischen öffentlich-rechtlichen Fernsehens, Monika Lindner, nach langjähriger Herrschaft mühsam abgewählt wurde, dachten sich viele BeobachterInnen und KonsumentInnen des TV-Programms des ORFs, schlechter als unter Fr. Lindner kann es nicht mehr werden.
Nahezu jeglicher Anspruch in Richtung Bildungsauftrag oder kritischer Politik-Darstellung war vollkommen inhaltsleeren News-Flashes, stundenlangen Übertragungen von Sportveranstaltungen, als ob die entscheidenden bildungspolitischen Themen bei einem Match der Fussball-Nationalmannschaft, dem Hahnenkamm-Rennen oder sonst einem Tennisturnier entschieden würden, etc., gewichen.
Das Kinderprogramm war längst überschattet von Gewalttätigkeit, Grenz-Pronographie oder Missbräuchen an der Deutschen Sprache und ging nahtlos über in Soap, Talks oder sonstige Millionenshows, bei denen die vollkommen unreflektierte Prostitution für öffentliche Aufmerksamkeit (auch als Popularität bezeichnet) oder ein bisschen Geld als ehrenwert dargestellt wird.
Diejenigen, die einen bestimmten intellektuellen Horizont haben, gehören dank der Einführung des digitalen Fernsehens jetzt zu den deklarierten ORF-Verweigerern, als es die Technologie (paradoxer Weise) ist, die die ÖsterreicherIn wieder mehr oder weniger frei darüber entscheiden lässt, ob das öffentlich-rechtliche Service auch tatsächlich gekauft wird oder nicht. Bisher bestand in dieser Frage Zwangsverpflichtung und das in einem demokratischen Land. Eine zumindest fragliche Kombination.
Gerechtfertig wurde diese Zwangsverpflichtung mit dem Bildungsauftrag des ORF, der mit den enormen Gebühren bezahlt werden sollte1.
Nunmehr hat die Herrschaft über den ORF Alexander Wrabetz (ein promovierter Rechtswissenschafter) übernommen und eine breite Reform angekündigt. Die Intellektuellen in Österreich haben aufgeatmet, als es für einen Moment nach Kulturprogrammen noch vor Mitternacht, ungestörten Filmvergnügen ohne dauernder Werbeunterbrechungen und einer Programmauswahl nach Inhalt denn Propaganda-Wirkung aussah.
Die Hoffnung war schnell verflogen. Denn was tatsächlich kam und ist, ist – man möchte es nicht glauben – noch schlechter, als das was zuvor war. Nun möchte sich beileibe niemand Fr. Lindner zurück wünschen, jedoch das Programm inhaltlich noch weiter abflachen zu lassen, ist bemerkenswert.
Der ORF steht nunmehr unter enormer Kritik, jedoch kaum wegen der Inhaltsleere der Programme, sonder wegen ohnehin nur lächerlich minimal gesunkener Quoten und deshalb steigender Gebühren. Ein gordischer Knoten, der einfach zu lösen wäre.
Die aktuellen Vorschläge von Ex-Intendant2 Gerd Bacher scheinen dahingegen schon durchaus brauchbar, als sich bei ihnen noch ein offentlich-rechlichtes Selbstverständnis von Bildungsfernsehen zumindest teilweise erkennen lässt.
Werbung und Kommerzialisierung müssen kritischen, vielfältigen und anspruchsvollen Programmen weichen. Einschaltquoten haben keinerlei Relevanz in der Auswahl der Programm-Inhalte.
Finanziert kann diese Rückkehr zum Bildungsfersehen einfach dadurch werden, als jene MitarbeiterInnen, die bisher die Inhaltsleere produziert haben, flächendeckend entlassen werden3. Das ist kein Verlust an Ressourcen, denn diese Damen und Herren produzieren nichts, sondern kosten nur. Somit eine sehr einfache Rückkehr zum Prinzip der Kosteneffizienz innerhalb des ORF im Sinne der gesetzlichen Aufgaben des ORF.
Dass die meisten ORF-MitarbeiterInnen tendenziell selbstverliebte Hauptdarsteller ihres eigenen Formats sein wollen, ist müßig zu erwähnen. Dass es scheinbar niemanden mehr gibt, der die ORF-Karriere-Leiter hochgestiegen ist, ohne auf die Tugenden von Bildungsanspruch, Kritik und Meinungsfreiheit, wesentliche Fundamente einer Demokratie, zu vergessen, stimmt äußerst bedenklich und weist auf ein breites und besorgniserregendes bildungspolitisches Vakuum in Österreich hin.
Eines steht jedenfalls momentan fest: Mehr Lebensqualität ist derzeit ohne ORF-Konsum zu erreichen.1 Für Fr. Lindner war es letztlich die Lange Nacht der Museen, bei dem sie den Bildungsauftrag des ORF besonders stark erfüllt sah. Nichts gegen die Lange Nacht der Museen, doch der Bildungsauftrag – wenn überhaupt – wir dabei von den Museen erfüllt und nicht vom ORF.
2 Generalintendant des ORF von 1967 bis 1975, von 1978-1986 sowie von 1990 bis 1994.
3 Die Damen und Herren haben zusätzlich nunmehr auch einige Möglichkeiten, sich im privaten TV zu bewähren.
am 27.01.2008 17:07




