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eZine von Redaktion Kultur
Kultur, Medien, Religion - Errichtung neuer Moscheen in Österreich – Bereicherung oder
Bildquelle: derislam.at - Moschee Kulturbestandteil Österreichs
Die Diskussion über die Errichtung von Moscheen in den christlichen Ländern Europas erreichte vor einigen Wochen auch Österreich. Argumente und Phrasen prasselten auf den unvorbereiteten, durchschnittlichen Bürger ein. Der bleibt ratlos zurück und fragt sich, dürfen die moslemischen Einwohner Österreichs so ohne weiteres Moscheen und Gebetshäuser errichten?
In Österreich darf gebaut werden, was den gesetzlichen Vorgaben entspricht
Die Frage ist mit ja zu beantworten, solange potentielle Errichter einer Moschee oder eines Gebetshauses, die in Österreich geltenden Vorgaben, Vorschriften und Gesetze beachten und einhalten, wie Bauordnungen, Ortsbildschutzgesetze, Raumordnungen und Bebauungspläne.
In Österreich ist der Islam seit 1912 eine anerkannte Religion
Denn als Religion ist der Islam schon seit 1912 durch das „Islamgesetz“ anerkannt, welches 1988 im Bundesgesetzblatt Nr. 164 in adaptierter Form neu verlautbart wurde. Doch schon viel früher hat die damalige Monarchie Österreich-Ungarn den Muslimen Religionsfreiheit zuerkannt. Nach der Okkupation Bosniens ist 1879 der osmanischen
Regierung unter anderem versprochen worden, die Religionsfreiheit der muslimischen Bevölkerung zu beachten. In dem Abkommen von 1909 zwischen Österreich-Ungarn und dem Osmanischen Reich, das der Annexion Bosniens 1908 folgte, ist für die bosnischen Muslime die Religionsfreiheit vertraglich festgelegt worden.
Der Islam ist die drittgrößte religiöse Vereinigung in Österreich – das Christentum die größte
Laut der Broschüre des Bundespressedienstes „Religionen in Österreich“ aus dem Jahr 2007 hat die Islamische Religionsgesellschaft rund 350 000 Mitglieder, nicht mitgerechnet Asylbewerber und andere sich in Österreich geheim aufhaltende Menschen, und ist nach den Protestanten die drittgrößte religiöse Vereinigung. Bis zum Jahr 2026 soll einer Studie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zufolge, der Anteil der muslimischen Bevölkerung auf acht bis zwölf Prozent steigen. Der Anteil der christlichen Bevölkerung Österreichs wird dann bei rund 70% liegen.
Es ist daher voraussehbar, dass der Ruf islamischer Vereine nach neuen Moscheen immer stärker werden wird und früher oder später Moscheen in Österreich – wie bereits in Deutschland, Frankreich oder England – keine Seltenheit mehr sein wird.
Nicht jede Moschee hat ein Minarett…
Prinzipiell ist zu unterscheiden zwischen Moscheen und Gebetsräumen. In Österreich gibt es bereits zwei Moscheen und rund 200 Gebetsräume.
Es sind vor allem die Moscheen, die bei den Einheimischen Ressentiments hervorrufen. Die Höhe und die Gestaltung der Minarette und der Ruf des Muezzins zum Gebet werden als besonders störend empfunden. Die Moschee – abgeleitet vom arabischen masdschid „Ort der Niederwerfung“ ist ein ritueller Ort gemeinschaftlichen Gebets und Stätte sozialer, kultureller, rechtlicher und politischer Wertevermittlung. Dem Hauptgebäude als sakralem Gebäude können je nach Bedeutung der Moschee weitere Bauten angegliedert sein, die als Schule, Versammlungsstätte, Herberge, Armenküche, Ordenshaus, islamische Hochschule usw. fungieren.
Eine Moschee ist für das gemeinschaftliche Freitagsgebet, das von einem Imam geleitet wird, unverzichtbar.
Dem Grunde nach besteht eine Moschee aus folgenden Einrichtungen:
• Betraum
• Gebetsnische (mihrab)
• Kanzel (minbar)
• Lehrstuhl (kursi)
• Empore (dikkah)
• Innenhof mit Reinigungsbrunnen
• Minarett
Als Vorbild für alle Moscheen gilt das Haus des Propheten Mohammed in Medina, das allerdings kein Minarett hatte. Minarette sind den Moscheen erst ab ca. 700 n. Chr. angefügt worden, und zwar nach dem Vorbild frühchristlicher Kirchtürme. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich – entsprechend der Ausbreitung des Islam – regionale Baustile für Moscheen. So ist die Säulenhalle mit offenem Innenhof für die arabische Halbinsel, Nordafrika und Spanien, der Zentralbau mit Zentralkuppel für die Türkei typisch. Diese regionalen Baustile sind den meisten Österreichern von ihren Urlauben in diesen Ländern erinnerlich.
Wenn nun die beabsichtigten Moscheeneubauten diesen tradierten Erinnerungsbildern gleichen und vielleicht noch mit mehreren Minaretten geplant werden, dann wird, gewollt oder ungewollt, eine historische islamische Formensprache in eine gewachsene einheimische Baukultur verpflanzt und somit als Fremdkörper empfunden. Konflikte sind damit vorprogrammiert. Dabei könnten im Vorfeld eines Moscheeneubaues viele Streitpunkte vermieden werden, die später nach langen Auseinandersetzungen durch Mediation und mühselig erreichte Kompromisse ausgeräumt werden müssen.
... aber für jedes Minarett gibt es eine kreative Lösung
Daher ist die Frage zu stellen: Soll eine Moschee in Österreich äußerlich jenen in der Türkei oder Saudiarabien gleichen oder soll das kreative Potential österreichischer Architekten ausgeschöpft werden, um zu neuen Formen zu gelangen?
Die österreichischen Architekten haben oftmals bewiesen, dass sie auf ungewöhnliche Bauaufgaben mit verblüffenden Entwürfen reagieren, die das äußere Erscheinungsbild mit den inneren Funktionen und dem Umfeld in Einklang bringen. Mehrstufige Architekturwettbewerbe für Moscheeneubauten können Ergebnisse erbringen, die sowohl für den Bauherrn als auch den Rezipienten neu, aber auch akzeptabel sind.
Die Muslime in Österreich hätten sogar noch einen Imagegewinn. Sie könnten der verbreiteten Meinung, sie seien rückständig, entgegenwirken. Die Standorte von Großmoscheen werden – begründet durch die gesetzlichen Rahmenbedingungen und die Durchsetzbarkeit – im suburbanen Umfeld in der Nähe von Stadteinfahrten und Einkaufszentren oder in neuen Stadtentwicklungszonen liegen.
Besser Integration und Akzeptanz des kulturellen Wandels statt ausgrenzen und radikalisieren
Den Bau einer Großmoschee zu finanzieren, übersteigt die Finanzkraft der islamischen Vereine und wird nur über einen Sponsor realisierbar sein. Es besteht dadurch die Gefahr, dass dieser Sponsor, meist eine islamische Regierung oder Institution, versuchen wird, den Imam zu bestimmen und damit Einfluss auf die Inhalte der Predigten bei den Freitagsgebeten zu nehmen. Welche Konsequenzen die Verbreitung orthodoxen islamischen Gedankengutes auf die Lebensweise in Österreich haben kann, kann an den Erfahrungen anderer europäischer Länder abgelesen werden.




