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Weblog von Redaktion Kultur
Kultur, Medien, Religion: Werner Schwab
“A schöne Leich”, hätte wohl der Wiener Volksmund gesagt, als man Werner Schwab am Neujahrsmorgen 1994 in seiner Grazer Wohnung tot aufgefunden hat. Gestorben an einer Alkoholvergiftung munkelt man. Der Abgang war auf jeden Fall würdig einer Person, dessen literarisches bzw. künstlerisches Schaffen exzessiver hätte nicht sein können. 16 Theaterstücke in vier Jahren können noch heute als rastloser Schreibwahn bezeichnet werden, der mit den Arbeitertagebüchern eines 22jährigen Schwab begann. Die Sprache, die er entwickelt hat bezeichnet der Literaturfachmann/die Literaturfachfrau als “Schwabisch”. Kennzeichen: deftig-kräftige Ausdrücke und skurrile Wortverbindungen. Künstlerische Absicht: Demaskierung und Verhöhnung der schöngeistigen Literatursprache.
Eigentlich hat er aber Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Bruno Gironcoli studiert und zurückgezogen auf einem Bauernhof in der Oststeiermark gewohnt. Kolportiert werden in seiner anfänglichen Schaffenszeit sog. “Verwesende Skulpturen”, die vorwiegend aus verderblichen Materialien wie Fleisch und Tierkadavern bestanden, sowie Performances und einige Kurztexte. 1989 wurde die literarische Performance “Das Lebendige ist das Leblose und die Musik” uraufgeführt. 1990 wendete er sich dem Drama zu. “Die Präsidentinnen”, sein Erstling, zog quasi spurlos am Publikum und der Kritik vorbei. Sein zweites Stück “Übergewicht, unwichtig: Unform” wurde hingegen aufs äußerste kritisiert. Schließlich folgte mit “Volksvernichtung oder Meine Leber ist sinnlos” der Durchbruch im Kulturbetrieb.
Unbeachtet. Zerrissen. Umjubelt. Gestorben. Werner Schwab hat damit alle Kriterien für ein ewiges Leben im österreichischen Gedächtnis erfüllt und ist damit fixer Bestandteil für Bildung und Theaterrepertoires.
Musikveröffentlichungen
Stein: König Zucker (enthalten: “Y” aus: Werner Schwab: Abfall, Bergland, Cäsar). Rough Trade Records 1994
Einstürzende Neubauten: FAUSTMUSIK (Werner Schwab: Faust:: Mein Brustkorb : Mein Helm). Rough Trade Records 1995
Uraufführungen
DAS LEBENDIGE IST DAS LEBLOSE UND DIE MUSIK Graz, Bronx (Intro Graz Spection), 22. 4. 1989
DIE PRÄSIDENTINNEN Wien, Künstlerhaus, 13. 2. 1990
ÜBERGEWICHT, UNWICHTIG: UNFORM Wien, Schauspielhaus, 12. 1. 1991
VOLKSVERNICHTUNG ODER MEINE LEBER IST SINNLOS München, Kammerspiele, 25. 11. 1991
MEIN HUNDEMUND Wien / Graz, Schauspielhaus / Forum Stadtpark (Koproduktion), 15. 1. 1992
OFFENE GRUBEN OFFENE FENSTER Wien, Volkstheater, 18. 6. 1992
MESALLIANCE ABER WIR FICKEN UNS PRÄCHTIG Graz, Schauspielhaus, 4. 10. 1992
DER HIMMEL MEIN LIEB MEINE STERBENDE BEUTE Stuttgart, Staatstheater, 6. 11. 1992
PORNOGEOGRAPHIE Graz, Schauspielhaus / Forum Stadtpark (Koproduktion), 3. 10. 1993
ENDLICH TOT ENDLICH KEINE LUFT MEHR Saarbrücken, Saarländisches Staatstheater, 23. 9. 1994
FAUST:: MEIN BRUSTKORB : MEIN HELM Potsdam, Hans Otto Theater, 29. 10. 1994
ANTIKLIMAX Hamburg, Kampnagel, 6. 12. 1994
DER REIZENDE REIGEN Zürich, Schauspielhaus (“Privatvorstellung”), 15. 3. 1995 Zürich, Schauspielhaus, 31. 3. 1996
ESKALATION ORDINÄR Hamburg, Schauspielhaus, 17. 3. 1995
TROILUSWAHN UND CRESSIDATHEATER Graz, Schauspielhaus, 25. 3. 1995
HOCHSCHWAB Wien, Schauspielhaus, 9. 6. 1996



