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eZine von Redaktion Kultur
Kultur, Medien, Religion - Wilhelm Busch
Bildquelle: Wilhelm Busch, Max und Moritz
Vater des Comics, der mit spitzer Feder nicht nur Sitte und Moral aufs Korn nahm. Zu seinem hundersten (100.) Todestag daher ein Auszug aus der Bildergeschichte von Max und Moritz, die so manch einem Kind das Fürchten vor den Konsequenzen seiner Streiche lehrte:
Max und Moritz
Vorwort
Ach, was muß man oft von bösen
Kindern hören oder lesen!
Wie zum Beispiel hier von diesen,
Welche Max und Moritz hießen;
Die, anstatt durch weise Lehren
Sich zum Guten zu bekehren,
Oftmals noch darüber lachten
Und sich heimlich lustig machten.
Ja, zur Übeltätigkeit,
Ja, dazu ist man bereit!
Menschen necken, Tiere quälen,
Äpfel, Birnen, Zwetschgen stehlen,
Das ist freilich angenehmer
Und dazu auch viel bequemer,
Als in Kirche oder Schule
Festzusitzen auf dem Stuhle.
Aber wehe, wehe, wehe!
Wenn ich auf das Ende sehe!!
Ach, das war ein schlimmes Ding,
Wie es Max und Moritz ging!
Drum ist hier, was sie getrieben,
Abgemalt und aufgeschrieben.
P.S.: Fürchtete man sich als Kind vor den drastischen Konsequenzen sadistischen Verhaltens, so erweiterte sich als Erwachsener aufgrund des eigenen Erfahrungshintergrundes der Interpretationsspielraum von Wilhelm Busch – vor allem angesichts selbst erlebter Katastrophen oder Krisen zwischenmenschlicher Beziehungen. So lacht man denn gut und gerne, wenn Busch’s grotesk verzerrte Gestalten ihrem Gestalten ihrem Schicksal erliegen. Vor allem darum, wenn man erkennt das alles Ideale und Pathetische nicht dem Niederen, dem Leiblichen entkommen kann. Wen wundert’s da, wenn man erfährt, dass Busch, selbst Sohn eines Kaufmanns aus Hannover, seine Jugend im evangelischen Pfarrhaus des Onkels verbracht hat?
Das Unmoralische, oft Grausame von Busch tut einfach gut, wenn man selbst eine rabenschwarze Weltsicht hat oder gerade geheime Rachephantasien gegen allzu Frommes, allzu Lästiges, allzu Gutes – mit einem Wort – Scheinheiliges hegt.
Das Gute – dieser Satz steht fest
Ist stets das Böse, was man lässt.
Dem Guten in der Kunst hingegen
Kommt grad das Böse sehr gelegen
am 09.01.2008 19:51




