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30.08.2008
Befreiung der Sexualenergie ...
Literaturen (3 Beiträge online)
Literarisches aus dem Hause Rainer Fuchs.

eZine von Rainer Fuchs

Literaturen - Befreiung der Sexualenergie - Aufstellungen und mehr ...

Channel: Erotik
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Die meisten von uns Menschen brauchen nichts und niemanden – zumindest sagen sie das – und führen mit dieser Idee in Wirklichkeit einen Machtkampf, einen Krieg gegen das Leben. Von mir selbst kenne ich das auch, und ich weiß, wie schwer das ist, auszusteigen – die blanke Angst steigt hoch, etwas und jemanden wirklich zu brauchen. So unglaublich toll und großartig sind wir alle. Die meisten von uns haben Geld und Haus und Erfolg und Wissen und hübsch sind wir auch und Therapeuten sind wir sowieso. Und eine eigene Garage haben wir und auch einen Vibrator und handwerklich sind wir sowieso besser als jeder andere und Türen können wir streichen und alles, alles – einfach alles. Und wenn wir etwas nicht können, dann werden wir es sicher bald lernen … Und warum sind wir dann alle noch immer so irre einsam?

Und so viele Menschen sagen sogar, dass sie keine Sexualität brauchen. Aber das glaube ich einfach nicht. Es genügt, die Hand auf die Klitoris oder den Penis zu legen und langsam kreisen zu lassen, und schon weiß man wieder, wie gut das tut, und wie sehr wir alle auch die Sexualität brauchen. Es ist völlig absurd, dass Frauen weniger Sex haben wollen als Männer – warum sollte denn das so sein? Das wäre aus meiner Sicht ein dummes Leben. Und es ist absurd, dass wir über die Sexualität nicht offen reden können. Cunnilingus, Fellatio, ficken und wixen – warum klingt das alles so schmutzig? Es ist das Natürlichste der Welt. Es ist leider eine zugemauerte und gebremste Sexualität, von Tabus überhäuft, gebunden mit tausenden Glaubenssätzen und Gelübden, totgeschwiegen und natürlich nicht gelebt. Es wundert mich nicht, dass diese Sexualenergie in Perversionen und Grauslichkeiten (oftmals das einzige Tor) zum Ausdruck kommt. Die andere Seite dieser Perversion ist Sex als Gymnastikübung (der traurige Alltag in vielen Beziehungen) oder Sexualität als Leistung. Welch ein Unsinn, als oberstes Ziel den Orgasmus zu sehen: „Befriedigen musst du mich und wenn du nicht funktionierst, Schatzi, dann such ich mir einen andern …“ Wir brauchen endlich wieder Lebensqualität (mit Entschleunigungsgarantie) und diese beginnt mit einer befreiten Sexualenergie.

Es ist ziemlich schwer geworden, einen lebenden Menschen zu treffen, der offen zugibt (nein, vom sexy Aussehen oder dem Minirock darfst du dich nicht täuschen lassen – das ist nicht automatisch eine befreite Sexualenergie), etwas zu brauchen, und der ein gefühlsmäßiges Risiko eingeht. Ein Mensch, der nicht zugeben kann, was er braucht, der lebt aus meiner Sicht noch nicht. Die ganze westliche Welt versinkt derzeit in dem traurigen Satz: „Ach, ich brauche nichts und niemanden!“ Es ist eine Schande, etwas zu brauchen, und es gibt so wenige Menschen, die den Mut haben, es zuzugeben – obwohl es längst kein Geheimnis mehr ist, dass wir alle Liebe, Zärtlichkeit, Wasser, Gespräche, Sexualität und Geld brauchen. Wir weinen lieber leise unter dem Polster und träumen von unserer Geilheit.


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