
Wir wollen uns in diesem Call dem Thema Lust insofern nähern, als sich vor allem die Frage stellt, in welcher Form sich Lust aktuell tatsächlich (noch) zeigt und erleben lässt! Leben wir folglich in einer lustvollen oder sogar lüsternen Gesellschaft oder ist längst die Lust- und Antriebslosigkeit überwiegend?
eZine von call 2.0 Lust
Lust: Der Genuss
Bildquelle: Lovolust 2007: Hinter-Ansicht
(Orgas-mit-und-ohn-Erguss)
Von © Lovolust
Ich drück nach links den Schlüssel, der Motor verstummt –
prompt blick ich auf und fühl mich glücklich …
die Küchenlampe zwinkert mir gar vielversprechend zu –
so ess ich schon; die Freundin lud mich ein zum Lammgericht.–
Es gibt Dessert – und dann ein Nachdessert im Stübchen –
wo das Grübchen auf dem Tübchen liebt es …
»Die Lust«, sagt sie, »geht durch den Magen –
ein Hagen bist du, Wunderkerze lustig!«
»Und ich verehr das schönste Ypsilon;
der Lohn, wenn unsre Körper reiben sich fast ›wund‹ …« –
»Dein Triebes-Turm, worauf fürs Leben gern ich thron’ …« –
»wie wohnlich ist’s in deiner Vulva rosazart im Liebes-Sturm!«
Verschlungen liegen wir … und während innres Beben leis verebbt,
belebt uns Zärte wieder und Liebkosung mit den Zungen.
»Ich mag die Reis’ der Hand auf deiner weichen Haut, so schön,
so erogen!« – »während sich erneut erbaut dein Liebesturm.«
»Stoß es, dein Eroskop – ich fühle mich zutiefst behaglich –
weit hinein in meinen wällend Wollusthöhlengarten!
Hartem Rohre dein mit meinem Muskelkranze
widme ich viel ›Ziit‹ …« – »und meine Glans küsst deine Klit.«
Hände greifen Körperhügel/Körperkugeln fein – und packen zu …
wir klitzeln, spreizen, reizen, reiten, reiben unsre Sensorwände –
explodieren in der Lende!
Es rollen heiße Wellen größter Innigkeit, Befriedigtheit
weithin durch unsre Leiber –
und wir wissen, dass wir wieder wollen es …!
Lovolust, geb. 1953, lebt zur Zeit in Zürich/Schweiz, wo er das Kunstprojekt “Das Errötikon” unter anderem auf manicfish.com betreibt. In erotischen Performances und Texten versucht er sich an der Entmystifizierung der männlichen Geschlechtsteile Penis und Hoden, um dieses bislang “unterbelichtete” Sexizitätswerk in jedem Zustand und in kreativ inszenierten Situationen, »neu« wirken zu lassen. Er setzt damit einen Kontrapunkt zu gängigen Klischee-Bildern von Frauen-Intimbildern der Erotikszene, indem er das männliche Sexualwerk neu humor- und fantasievoll inszeniert. Seine Bilder und Texte versuchen auf radikale Weise, die herrschenden Tabus zu brechen und frischen Wind in eine “patriarchalische” Erotikwelt zu bringen.
am 06.02.2008 13:25




