
Staat, Politik, Verbände, Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs), Vereine.
Weblog von Redaktion Politik
Staat, Politik, Verbände, NGOs: Ene, Mene, Muh und raus bist du! (Arm und Einsam)
Bildquelle: startblatt - Poverty lurks : Armut geht um
Szene eins: Eine Frau steht in einer winzigen Küche in einer winzigen Wohnung. Von draußen hört man den Verkehrslärm einer dreispurigen Straße. Die Möbel wirken verbraucht. In der ecke noch soetwas wie eine Dusche. Die Küche ist kalt. Genauso wie der Rest der kleinen Wohnung, die aus noch zwei Zimmern und einem Klo besteht. Ein Zimmer bewohnen die Kinder. Eins die Frau. Fenster gibt es nur in der Küche und im Zimmer der Kinder Mann gibt es in diesem Haushalt keinen. Genausowenig wie Geld. Frau kommt gerade so irgendwie über die Runden. In der Regel mit Aushilfsjobs.
Szene zwei: Ein Mann sitzt am Tisch. Vor ihm die Reste der letzten Mahlzeiten. Flaschen, Teller, Essens- und Verpackungsreste. Auch der Mülleimer ist voll davon. In der ecke stehen leere Kisten Bier. Der Tisch steht in einem Zimmer, das Küche und Wohnzimmer ist. Außerdem gibt es noch ein Schlafzimmer und ein Bad, in das man es geschafft hat, irgendwie eine Dusche und ein WC zu installieren. Ein Fenster hier, eins im Schlafzimmer. Aussicht keine. Außer direkt auf die Brandmauer des Nachbargebäudes. Ein bisschen Tapete an der Wand ist die einzige Deko in den vier Wänden. Geld für mehr gibt es hier nicht. Man ist arbeitslos. Und das schon länger.
Szene drei: Frau und Mann blicken auf die Uhr. Die Zeit verrinnt. Sie warten. Sie verlassen die Wohnung. Sie gehen durch die Straßen. Menschen gehen in eiliger Hast an ihnen vorbei. Niemand schaut sie an. Niemand ahnt etwas von Ihren Sorgen und Nöten. Im Park beobachten sie die Mütter und Kinder, die Omas und Opas, Menschen, die sich treffen, sich umarmen, sich herzen. Sie beobachten hinter den Glasscheiben der Cafès und Bars die Menschen, die sich vergnügen. Sie betrachten die großen Plakate mit den schönen Bildern einer schönen Welt. Vor einem Kino lesen sie sich das Programm durch. Sie gehen nach Hause. Niemand hat angerufen. Die Uhr tickt noch immer. Alles ist gleich geblieben. Nur die Einsamkeit ist größer geworden und die Hoffnung kleiner.
Abspann:
Verglichen mit dem Durchschnitt in der Bevölkerung leben arbeitslose Männer (26%) und Frauen in Pension (45%) überdurchschnittlich häufig allein.
Frauen, die in zentralen Lebensbereichen mehrfach benachteiligt sind, leben häufiger allein oder nur mit Kindern im Haushalt (29%), ebenso einkommensarme Frauen (39%) oder manifest arme Frauen (55%).
Bei Männern ist der Anteil der alleine lebenden in manifesten Armutslagen erhöht (32%).
238.000 Frauen (7%) und 302.000 Männer (9%) haben keinen wöchentlichen Kontakt zu Verwandten oder Freunden und sind nach dieser Definition sozial isoliert.
Bei manifest armen Frauen (14%) ist der Anteil der sozial isolierten Personen rund dreimal, bei manifest armen Männern (15%) mehr als doppelt so hoch wie bei “nicht Armen”.
Menschen in manifesten Armutslagen sind mit 18% am wenigsten in Organisationen oder Vereinen aktiv.
Obwohl die Gruppe der manifest armen Frauen – wie oben gezeigt – eingeschränkte soziale Beziehungen aufweist, leistet sie mit 21% kaum weniger Hilfe für Andere als der Bevölkerungsdurchschnitt. Bei manifest armen Männern liegt dieser Anteil bei 15%.
43.000 manifest arme Frauen (20%) rechnen in einem Notfall nicht mit Hilfe von Verwandten, Freunden oder Nachbarn.Die soziale Hilflosigkeit ist damit bei manifest armen Frauen rund dreimal so hoch wie bei nicht armen Frauen (6%).
Von manifest armen Männern rechnen 28.000 (17%) nicht mit Hilfe im Notfall, während nicht arme Männer nur zu 7% nicht mit Unterstützung rechnen.
Manifest (oder sichtbar) arm sind alle armutsgefährdeten Personen, die zusätzlich in zumindest einem zentralen Lebensbereich benachteiligt sind.
am 19.03.2008 13:18



