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19.11.2008
Am Rande des Spielfeldes
Igler Reflexe (288 Beiträge online)
Igls ist ein Dorf ca. 300 Meter oberhalb von Innsbruck und seit 1942 als Stadtteil von Innsbruck eingemeindet. Trotz seines Bekanntheitsgrades als Wintersportort und der 1964/ 1976 für die Winterolympiaden erbauten Kunsteis-Bob- und Rodelbahn mit regelmäßigen internationalen Rennen, ist Igls ein eher ruhiger, angenehmer Stadtteil – ohne laute events. Bei meinen Mittelgebirgswanderungen verarbeite ich die positiven und negativen Nachrichten der Welt zu kleinen Sentenzen (Gedankenlyrik), etwas umfangreicheren Essays und Wirtschaftsartikeln, die ich als freischaffender Publizist und Künstler publiziere. In loser Folge werde ich unter dem Titel IGLER REFLEXE Gedanken, Gedankenlyrik und etwas umfangreichere Essays hier veröffentlichen.

eZine von Alfred Rhomberg

Igler Reflexe - Am Rande des Spielfeldes

Channel: Staat/Politik
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Igler Reflexe - Am Rande des Spielfeldes - Alfred Rhomberg)
Bildquelle: Alfred Rhomberg)

Einige Mannschaften waren gut – eine besser. Die Fans und die Mannschaften waren fair – von den Mannschaften durfte man dies wegen des ihnen vorgegebenen Reglements und aufgrund ihrer Spitzengehälter erwarten, die Politiker und Funktionäre gaben ein würdiges Abschlussbild der EM 2008 (das darf angemerkt werden – ist aber Pflicht ihres Berufes auch bei anderen Anlässen). Es bleiben zwei Fragen: Warum gibt es so viele Fans? – und: warum waren die Fans bei dieser EM so fair?

1. Warum gibt es so viele Fußballfans?

Über diese Frage ist bereits so viel geschrieben worden, dass hier nur Gedanken angerissen werden sollen, die über die soziologisch bekannten und (zum Großteil) richtigen Erklärungsversuche hinausgehen.

Anm.: Die meisten Publikationen legen ihren Schwerpunkt darauf, warum gerade Fußball ein solches Massenphänomen ist und erklären das meist durch die besondere Eigenart des Spiels, nachvollziehbar zu sein, durch die Möglichkeit zur Selbstidentifikation, der nationalen Identifikation und der Übertragung der Gegnerschaft zweier Mannschaften auf die Zuschauer (auf den Tribünen und am Fernsehschirm) mit der Möglichkeit, Aggressionen halbwegs friedlich „abzureagiern“ etc.

Es gibt aber wohl tieferliegende Ursachen, die untersucht werden sollten: warum das Phänomen immer stärker zum „Phänomen“ wird, ein Phänomen, das nicht nur einfach durch die technischen Möglichkeiten der perfekten Live-Bildübertragung an alle Punkte unserer Erde und die wachsende Kommerzialisierung erklärt werden kann. Mit Sicherheit spielt es eine Rolle, dass sich auch ärmere Bevölkerungsschichten – wenn auch nicht an den Spielen – so doch in den Fan-Meilen der Städte (nicht nur an den Austragungsorten) beteiligen konnten und dass es leider, unabhängig vom vorhandenen oder nicht vorhandenen Wohlstand gewaltige Defizite über Wertvorstellungen jeder Art gibt. In diesem Zusammenhang liest man gelegentlich den Satz „Fußball als Ersatzreligion“ – diese Feststellung erklärt schon eher die Zunahme der Massenbegeisterung für dieses Spiel, denn Fußballbegeisterte gab es auch schon vor Jahrzehnten in noch etwas „religiöseren“ Zeiten, wenn auch nicht in dieser Anzahl. Ohne behaupten zu wollen, dass Fußballfans grundsätzlich keine Wertvorstellungen oder Ideale hätten, ist dieses Spiel doch der kleinste gemeinsame Nenner, auf dem sich fast die gesamte Gesellschaft wiederfinden kann – Arme/Reiche, religiöse/nichtreligiöse, Akademiker/Hilfsarbeiter, integrierte/nichtintegrierte….

2. Warum waren die Fans bei dieser EM so fair?

Weil auch bei Staaten die nicht der EU angehören, durch die Europäische Gemeinschaft die Botschaft bei der Bevölkerung (nicht immer bei den Politikern und Medien) in Europa angekommen ist, dass nationale Identifikation und Anerkennung anderer Nationalitäten prinzipiell möglich ist, was ohne die – nicht von allen akzeptierte – „EU“ kaum möglich gewesen wäre.

Anm.: Sicherlich waren die polizeilichen Vorkehrungen aller Staaten – besonders auch in Österreich – wesentlich daran beteiligt, dass es nur sehr wenige gewalttätige Entgleisungen gab. Ohne die Bereitschaft der Fans „fair“ zu sein, wären aber selbst die besten organisatorischen Maßnahmen – besonders nach den jeweiligen Spielen – ohne Erfolg geblieben. Auch bei einer Verzehnfachung des polizeilichen Aufgebotes hätten Ausschreitungen in den Fanmeilen nicht wirklich verhindert werden können, wenn die „Fans“ in ihrer Grundstimmung nur nationalistisch gewesen wären.

FACIT:

1. Wertvorstellungen lassen sich nicht einfach wieder aufbauen, dazu gehören mehrere Generation derjenigen, die für den Wiederaufbau solcher Werte verantwortlich wären.

2. Die positiven Erfahrungen, dass nationale und supranationale Werte kompatibel sind, muss von den Politikern der EU besser kommuniziert werden.

3. Integrative Kräfte, die von solchen Ereignissen ausgehen, müssen verstärkt auch in anderer Weise dazu genützt werden, um scheinbar unlösbare Konflikte (Israel/ Palästina, islamische Religion und Fundamentalismus, Integration von Ausländern etc.) zu lösen. Bei der EM gab es u.a. einen gemeinsamen Nenner zwischen Deutschen und Türken, ganz andere Projekte lassen zumindest Hoffnung aufkommen: Daniel Barenboim’s West-Eastern Divan Orchestra bei der Jugend Israels und Palästinas – ein gelungenes Experiment (nicht mit politischen Mitteln, sondern mit der Kraft der Musik) oder gemeinsame Fraueninitiativen innerhalb moslemischer Länder wie in Iran, Syrien und Jordanien, Initiativen die sich gegen den Fundamentalismus ihrer Länder zu wehren beginnen.

(Alfred Rhomberg)


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(02.09.2008) Das Symposeon
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(12.11.2008) Unter der dunklen Fichte
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(10.11.2008) Rundwanderungswege
(08.11.2008) irgendwann...
(08.11.2008) Kryptische Gedanken beim Malen eines schlechten Bildes
(07.11.2008) Die USA - Stilfragen und mentale Unterschiede
(04.11.2008) Das Märchen vom reichen Banker...
(04.11.2008) A E I O U – Achieving Excellence in Our University
(02.11.2008) Beziehungskrisen
(01.11.2008) Der Tag der Seelen
(30.10.2008) Meinungsfreiheit
(30.10.2008) In Memoriam Bruno - Unvollendete Sonate mit skordierter Violine
(29.10.2008) In Memoriam Bruno – Auch Bären können die Schule satt haben
(28.10.2008) Törggelen
(27.10.2008) Die Krise und warum sie nicht mit 1929 verglichen werden darf
(26.10.2008) Gedanken mit offenem Ausgang
(24.10.2008) In Memoriam Bruno – Die Bergrettung
(24.10.2008) Der nächste Zug
(23.10.2008) Erinnerung an Gartenblumen
(22.10.2008) Neues über Tiroler Bergschafe – es gibt sie!
(22.10.2008) Wenn Bankmanager sich schämen bzw. nicht schämen
(21.10.2008) es ist besser...
(20.10.2008) Das Hinterfragen einer modernen Beziehung
(20.10.2008) Der Bär und sein Computerfreund
(18.10.2008) Gefallenes
(18.10.2008) Der ganz normale Alltag
(18.10.2008) Carpe Diem
(16.10.2008) Alles ist so wie früher – nur anders
(15.10.2008) wenn....
(13.10.2008) Greifvögel
(13.10.2008) Geldumlauf - eine neue noch nicht funktionierende Geldtheorie
(12.10.2008) Vernissage
(11.10.2008) Unsere Gesellschaft ist krank – das „borderline“ Syndrom zwischen Schweinebraten und Börsenpanik
(10.10.2008) doremifasolasido – was nicht in den Noten steht (III)
(08.10.2008) Sind Anleihen in der heutigen Situation ein sinnvoller Ausweg?
(08.10.2008) Paradoxon
(08.10.2008) Die leidigen Zinsen...
(07.10.2008) Wieviel mal am Tag sind österreichische Sparbücher sicher?
(07.10.2008) Das Geheimnis
(06.10.2008) Sollten Spitzenmanager bei Firmenpleiten mit ihrem Privatvermögen haften?
(05.10.2008) Winter I und II
(04.10.2008) Geld - second hand
(04.10.2008) Rennfahrer unter sich
(04.10.2008) Monopoly - neue Entwicklungen der Globalisierung
(02.10.2008) Anbetung, gnadenlos und Zweifel – Architektur
(01.10.2008) Mens sana in corpore sano?
(30.09.2008) Die Welt schwelgt in einem Katastophenszenario....aber man sollte die Chancen dabei nicht vergessen!
(29.09.2008) Bruno, der Eichhörnchenbär
(28.09.2008) Kreativität ist ein synergetischer Prozess zu dem auch „Handwerk“ gehört
(26.09.2008) Inständige Bitte an Meteorologen, auf den Herbst besser aufzupassen
(25.09.2008) Eine (fast) unpolitische Begegnung zwischen Materie und Antimaterie
(24.09.2008) Die Wahl der Qual – oder die Kunst auf dem Wasser zu schreiten
(24.09.2008) ASDF - oder war es nicht doch ADSL?
(23.09.2008) vielleicht .....
(23.09.2008) 347 leere Seiten
(18.09.2008) Befindlichkeiten I und II
(17.09.2008) Das Hinterfragen einer modernen Beziehung
(16.09.2008) Versuche mit Wühlmäusen
(15.09.2008) Gähnende Leere – oder das politische Deduktionstheorem
(15.09.2008) Die Hinterfragung von schwarzen Blättern
(15.09.2008) 684 Promille Alkohol
(14.09.2008) Das Hinterfragen eines leeren Blattes
(13.09.2008) Regietheater - oder die Gefahr, Goethe als Autor abzuschaffen
(12.09.2008) Wissenswertes über das Tiroler Bergschaf
(11.09.2008) Ground Zero - 11.9.2001
(10.09.2008) KUNA – Kurznachrichten
(08.09.2008) Metamorphose von Objekt zu Subjekt und retour
(08.09.2008) Strategien und Taktik
(06.09.2008) Weihnachtsvorkehrungen
(04.09.2008) Am Rande eines kreativen Omniversums
(02.09.2008) Das Symposeon
(01.09.2008) Herbstblätter
(30.08.2008) Die herbeigeredete Rezession
(28.08.2008) Horizont
(26.08.2008) Ungebildete Kängurus
(24.08.2008) Schlechte Kandidaten werden von guten Bürgern gewählt, die nicht zur Wahl gehen!
(23.08.2008) Sportsfrauen, Fußballdamen und Gender Mainstreaming
(20.08.2008) Konstruktionen
(19.08.2008) Die kleine und die ganz große Welt der „Kultur“ – nur was ist klein und was groß?
(17.08.2008) Chaos
(16.08.2008) Die Authentizität des Augenblicks (III) – „Der Fall der Mauer“ in prominenter Gesellschaft
(14.08.2008) Bilder
(14.08.2008) Die Authentizität des Augenblicks II: Rom
(12.08.2008) Die Authentizität des Augenblicks (I): Paris
(10.08.2008) Gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen – Chemtrails
(09.08.2008) Offen gesagt
(07.08.2008) Peking am 8.8.2008 - Stell dir vor...es wäre gewesen und es wäre niemand hingegangen...
(06.08.2008) Sightseeing in Entikon
(05.08.2008) Was nicht in den Noten steht (II) – Musikwahrnehmung ist komplizierter als man glaubt